Wenn Vertrauen zur gefährlichsten Lüge wird
Du gehörst zu unsManchmal reicht ein kleiner Riss im perfekten Leben und plötzlich fällt alles auseinander. Genau so beginnt die Geschichte von Sorcha und schon nach wenigen Seiten war klar: Das hier wird kein gemütlicher ...
Manchmal reicht ein kleiner Riss im perfekten Leben und plötzlich fällt alles auseinander. Genau so beginnt die Geschichte von Sorcha und schon nach wenigen Seiten war klar: Das hier wird kein gemütlicher Wohlfühlroman, sondern ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel.
Sorcha hat sich nach dem Seitensprung ihres Mannes wieder aufgerappelt und hilft nun anderen Frauen, die ähnlichen Schmerz erlebt haben. Klingt erstmal nach Selbsthilfegruppe mit Tee und Taschentüchern. Aber dann taucht Tina auf. Schüchtern, zurückhaltend, fast zerbrechlich. Und irgendwo im Hinterkopf meldet sich sofort dieses kleine Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.
Mit jeder Seite wächst diese unterschwellige Spannung. Man merkt, wie sich langsam etwas zusammenbraut. Kleine Bemerkungen, seltsame Situationen, Blicke zwischen den Zeilen. Immer wieder dachte ich mir: Moment mal, hier spielt doch jemand ein ganz eigenes Spiel.
Claire Allan schafft es verdammt gut, dieses Gefühl von Misstrauen aufzubauen. Man glaubt, die Figuren zu verstehen, und im nächsten Moment zweifelt man wieder an allem. Besonders spannend ist, wie sich die Beziehung zwischen Sorcha und Tina entwickelt. Freundschaft, Abhängigkeit, Manipulation. Alles verschwimmt ein bisschen.
Zwischendurch habe ich mich tatsächlich dabei ertappt, dass ich beim Lesen kurz pausiert habe, um meine eigene Theorie zu basteln. Natürlich lag ich komplett daneben.
Kein Thriller mit Actionfeuerwerk, sondern einer, der sich langsam unter die Haut schleicht. Genau die Sorte Geschichte, bei der man irgendwann denkt: Okay, jetzt will ich wirklich wissen, wer hier eigentlich mit wem spielt.