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Veröffentlicht am 15.03.2026

Wenn Vertrauen zur gefährlichsten Lüge wird

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Manchmal reicht ein kleiner Riss im perfekten Leben und plötzlich fällt alles auseinander. Genau so beginnt die Geschichte von Sorcha und schon nach wenigen Seiten war klar: Das hier wird kein gemütlicher ...

Manchmal reicht ein kleiner Riss im perfekten Leben und plötzlich fällt alles auseinander. Genau so beginnt die Geschichte von Sorcha und schon nach wenigen Seiten war klar: Das hier wird kein gemütlicher Wohlfühlroman, sondern ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel.

Sorcha hat sich nach dem Seitensprung ihres Mannes wieder aufgerappelt und hilft nun anderen Frauen, die ähnlichen Schmerz erlebt haben. Klingt erstmal nach Selbsthilfegruppe mit Tee und Taschentüchern. Aber dann taucht Tina auf. Schüchtern, zurückhaltend, fast zerbrechlich. Und irgendwo im Hinterkopf meldet sich sofort dieses kleine Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.

Mit jeder Seite wächst diese unterschwellige Spannung. Man merkt, wie sich langsam etwas zusammenbraut. Kleine Bemerkungen, seltsame Situationen, Blicke zwischen den Zeilen. Immer wieder dachte ich mir: Moment mal, hier spielt doch jemand ein ganz eigenes Spiel.

Claire Allan schafft es verdammt gut, dieses Gefühl von Misstrauen aufzubauen. Man glaubt, die Figuren zu verstehen, und im nächsten Moment zweifelt man wieder an allem. Besonders spannend ist, wie sich die Beziehung zwischen Sorcha und Tina entwickelt. Freundschaft, Abhängigkeit, Manipulation. Alles verschwimmt ein bisschen.

Zwischendurch habe ich mich tatsächlich dabei ertappt, dass ich beim Lesen kurz pausiert habe, um meine eigene Theorie zu basteln. Natürlich lag ich komplett daneben.

Kein Thriller mit Actionfeuerwerk, sondern einer, der sich langsam unter die Haut schleicht. Genau die Sorte Geschichte, bei der man irgendwann denkt: Okay, jetzt will ich wirklich wissen, wer hier eigentlich mit wem spielt.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Wenn Männer plötzlich Wechseljahre haben

Wir Freitagsmänner
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Manchmal reicht ein Blick in den Spiegel, um zu merken, dass das Leben gerade heimlich eine neue Runde eingeläutet hat. Genau da steht Henri. Loch im Bart, Date läuft mäßig, Ehe Geschichte und dann kommt ...

Manchmal reicht ein Blick in den Spiegel, um zu merken, dass das Leben gerade heimlich eine neue Runde eingeläutet hat. Genau da steht Henri. Loch im Bart, Date läuft mäßig, Ehe Geschichte und dann kommt auch noch der Arzt mit der Diagnose Wechseljahre um die Ecke. Für Männer. Klingt erstmal wie ein schlechter Witz. Ist aber ziemlich nah am echten Leben.

Dieses Buch fühlt sich an wie ein ehrliches Gespräch unter Männern. Mit einem Bier in der Hand, irgendwo zwischen Selbstironie, Frust und dem leisen Gedanken, dass da vielleicht doch noch mehr geht im Leben. Henri stolpert durch sein Gefühlschaos, versucht Würde zu bewahren und merkt dabei langsam, dass älter werden nicht unbedingt bedeutet, aus dem Spiel zu sein.

Besonders stark ist der Humor. Trocken, selbstironisch und manchmal herrlich unbequem ehrlich. Da wird über kleine körperliche Veränderungen gelacht, über Datingfrust und über diese merkwürdige Phase, in der man sich weder alt noch jung fühlt. Genau diese Mischung macht das Buch so sympathisch.

Zwischendurch blitzt aber auch etwas Nachdenkliches auf. Beziehungen, verpasste Chancen, zweite Anläufe im Leben. Und plötzlich merkt man beim Lesen, dass man über Henri nicht nur lacht, sondern auch ein bisschen mit ihm fühlt.

Am Ende bleibt ein warmes Gefühl zurück. Älter werden ist vielleicht kein Abstellgleis, sondern einfach nur ein neuer Streckenabschnitt. Und manchmal hilft ein gutes Buch dabei, genau das wieder zu sehen.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Wenn ein Bankraub zum absurd ehrlichen Roadtrip wird

America Fantastica
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Manchmal reicht ein einziger schlechter Tag, um aus einem gescheiterten Journalisten einen ziemlich miserablen Bankräuber zu machen. Boyd Halverson ist so ein Kandidat. Früher gefeierter Starreporter, ...

Manchmal reicht ein einziger schlechter Tag, um aus einem gescheiterten Journalisten einen ziemlich miserablen Bankräuber zu machen. Boyd Halverson ist so ein Kandidat. Früher gefeierter Starreporter, heute ein Mann, der mit sich selbst und der Welt ziemlich im Clinch liegt. Und plötzlich steht er in einer Bank, klaut eine lächerlich kleine Summe Geld und nimmt ausgerechnet Angie Bing als Geisel. Eine Frau, die offenbar absolut keine Lust hat, eine klassische Geisel zu sein.

Was dann folgt, ist weniger ein Thriller im klassischen Sinn und mehr ein ziemlich schräger Roadtrip durch eine Nation voller Selbsttäuschung, Lügen und schräger Gestalten. Boyd will eigentlich nur eine Rechnung begleichen. Mit der Vergangenheit, mit einem bestimmten Mann und wahrscheinlich auch mit sich selbst. Aber wie das so ist, läuft absolut nichts nach Plan. Angie hat ihren eigenen Kopf, die Verfolger werden immer unangenehmer und irgendwo zwischen Tankstellen, Motels und endlosen Straßen merkt man als Leser ziemlich schnell, dass hier nicht nur eine Flucht stattfindet.

Tim O'Brien schreibt bissig, klug und mit einem Humor, der manchmal trocken wie alter Bourbon ist. Boyd ist kein Held, eher ein tragikomischer Typ, der sich selbst im Weg steht. Genau das macht ihn so interessant. Man ertappt sich immer wieder dabei, den Kopf zu schütteln und gleichzeitig zu denken: Mensch, irgendwie verstehe ich diesen Kerl.

America Fantastica fühlt sich an wie eine Mischung aus Roadmovie, Satire und einer ziemlich ehrlichen Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Zwischen absurden Situationen, bitterer Selbstironie und überraschend leisen Momenten blitzt immer wieder etwas sehr Menschliches auf.

Kein klassischer Pageturner mit Explosionen und Verfolgungsjagden. Dafür ein verdammt kluges, unterhaltsames und manchmal ziemlich melancholisches Buch über Schuld, Stolz und die Kunst, sich selbst zu sabotieren. Und genau deshalb bleibt Boyd Halverson noch eine ganze Weile im Kopf hängen.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Wenn plötzlich Elefanten im Wohnzimmer stehen

Die Elefanten
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Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. ...

Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. Genau mit diesem Gefühl spielt dieses Buch und ehrlich gesagt hat mich das ziemlich schnell gepackt.

Die Elefanten tauchen einfach auf. Auf Straßen, in Wohnungen, mitten im Alltag. Aber keiner spricht darüber. Alle schauen weg, machen weiter wie bisher. Diese stille Absurdität hat mich beim Lesen gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Kopfschütteln gebracht. Weil man irgendwann merkt, dass diese Elefanten eigentlich gar keine Tiere sind.

Mittendrin steht Pawel, ein Stand up Comedian, der das Schweigen nicht aushält. Auf der Bühne spricht er aus, was alle sehen, aber keiner sagen will. Während ich das gelesen habe, dachte ich mehrfach: Junge, halt doch einfach den Mund. Aber genau das kann er nicht. Und genau deshalb wird es gefährlich.

Sasha Filipenko schreibt klar, direkt und manchmal fast beiläufig, während einem innerlich langsam dämmert, wie bitter ernst diese Geschichte eigentlich ist. Zwischen absurden Szenen, trockenem Humor und stiller Verzweiflung steckt eine ziemlich starke Gesellschaftskritik.

Besonders hängen geblieben ist dieses Gefühl von Beklemmung. Dieses Wissen, dass alle wissen, was los ist, aber trotzdem keiner den Mund aufmacht. Und dann steht da dieser eine Typ mit Mikrofon auf der Bühne und sagt einfach: Leute, da steht ein verdammter Elefant.

Ein ruhiges, kluges und gleichzeitig ziemlich mutiges Buch. Kein lauter Roman, aber einer, der lange im Kopf herumtrampelt.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Zwischen Schattenkönig und Sonnenherrscher

Grim & Oro: Lightlark – Duell um Islas Herz
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Magische Inseln, uralte Mächte und zwei Könige, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Schon nach wenigen Seiten entsteht dieses vertraute Lightlark-Gefühl aus Geheimnissen, Sehnsucht und gefährlicher ...

Magische Inseln, uralte Mächte und zwei Könige, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Schon nach wenigen Seiten entsteht dieses vertraute Lightlark-Gefühl aus Geheimnissen, Sehnsucht und gefährlicher Anziehung, das mich sofort wieder in die Welt von Isla gezogen hat.

Besonders faszinierend ist der Perspektivwechsel. Grim wirkt aus seiner eigenen Sicht noch düsterer, verletzlicher und gleichzeitig unwiderstehlich entschlossen. Hinter der Fassade des gefürchteten Nightshade-Königs verbirgt sich eine Geschichte voller Schmerz und Loyalität. Oro dagegen zeigt eine ganz andere Art von Stärke. Pflichtbewusst, aufrichtig und voller innerer Konflikte ringt er zwischen Verantwortung und seinen Gefühlen für Isla.

Gerade dieser Kontrast macht das Buch so spannend. Zwei Männer, zwei Arten zu lieben, zwei Wege, Macht zu tragen. Viele Szenen aus der Reihe bekommen durch ihre Gedanken plötzlich eine ganz neue emotionale Tiefe.

Man merkt jedoch auch, dass ein Teil der Handlung bereits aus den Hauptbänden bekannt ist. Wer komplett neue Handlung erwartet, könnte sich stellenweise etwas mehr frische Szenen wünschen. Trotzdem hat mich das Wiedererleben aus den beiden Perspektiven unglaublich gepackt.

Ein wunderschön gestaltetes Zusatzbuch für Fans der Reihe, das die Herzen zwischen Grim und Oro noch ein bisschen stärker ins Wanken bringt. Am Ende blieb vor allem dieses Gefühl zurück: Diese Geschichte lebt von ihren Figuren.

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