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Veröffentlicht am 21.03.2026

das Beste aus beiden Welten

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Der Roman ist ein ehrlicher und ungeschönter Coming-of-Age-Roman, der die aktuelle Lebensgeschichte von Sophie, Mitte 20, erzählt, die sich momentan eine spontane Auszeit vom hektischen Leben ohne Sinn ...

Der Roman ist ein ehrlicher und ungeschönter Coming-of-Age-Roman, der die aktuelle Lebensgeschichte von Sophie, Mitte 20, erzählt, die sich momentan eine spontane Auszeit vom hektischen Leben ohne Sinn nimmt. Was zuerst als eine unüberlegte Handlung beginnt, indem Sophie spontan ein Haus um 3.000 Euro mitten im Nirgendwo kauft, das sehr baufällig ist, entwickelt sich immer mehr zur Sinnfindung. Abseits von Uni, Leistungsdruck, Praktikum und der Meinung von anderen, renoviert Sophie das Haus in kleinen Schritten und in mühevoller Handarbeit selbst, züchtet Hühner und legt einen eigenen Garten an. Zuerst haben sie Aussagen wie „Die Sophie, aus der wird was.“ unter Druck gesetzt, aber das Landleben lernt sie, kleine Schritte zu planen, alles in einem anderen Kontext zu betrachten und auch ihre romantische Vorstellung von Natur abzulegen. Die Einsiedlerin Mone macht ihr klar, dass man auch ein bisschen Vertrauen haben muss. Mit der Zeit wird Sophie immer selbstbewusster, nachdem sie sieht, was sie alles schaffen kann, ganz ohne Druck, in ihrem eigenen Tempo, nach ihren eigenen Vorstellungen. Trotzdem ist das Landleben oft hart, Dauerregen, Einsamkeit, ein Fuchs, der eines ihrer Hühner tötet, bringt sie fast an ihrer Entscheidung zu zweifeln. Kontakt aus ihrem alten Umfeld hat sie nur noch zu Moritz, der sie gelegentlich besucht und zu ihrer langjährigen besten Freundin Pauline. Nach einem Vortrag, zu dem sie Moritz in die Stadt begleitet, werden ihr Fragen gestellt, wie „Was machst du so?“ – Auszeit – „Und danach?“ – als würde das jetzt nicht zählen, als müsste man immer ein Ziel vor Augen haben und verfolgen, immer ein Besser, ein Vorwärts, ein Höher, ein Schneller – das ist nicht mehr Sophies Lebenseinstellung. Kann man in einer Welt, in der es schon zu viel gibt, Neues schaffen?
Auf Dauer ist das Einsiedlerleben auch nicht gedacht, aber als Auszeit vom stressigen Alltag, kann es heilende Wirkung erzielen. Kann Sophie dieses Gefühl von Freiheit wieder ganz aufgeben? – Diese und noch viele weitere Fragen stellt sie sich und am Ende findet sie, wie ich finde, für sich und auch für ihre Freunde einen zufriedenstellenden und erfüllenden Kompromiss.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Tiefe und Dunkelheit

Ultramarin
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Zuerst fallen das wunderschöne, ästhetische Cover und der ausdrucksstarke Titel auf, danach besonders die Atmosphäre des Romanes. Obwohl der Einstieg mit Alltagssituationen gewählt ist, verspürt man als ...

Zuerst fallen das wunderschöne, ästhetische Cover und der ausdrucksstarke Titel auf, danach besonders die Atmosphäre des Romanes. Obwohl der Einstieg mit Alltagssituationen gewählt ist, verspürt man als Leserin keine Wohlfühl-Atmosphäre, im Gegenteil, das Buch hat eine düstere, angespannte Grundstimmung, mit der Angst, dass jederzeit etwas passieren könnte. Der Schreibstil ist einfach gehalten und beschreibt hauptsächlich die Situationen, lässt bewusst das Unausgesprochene zwischen den Zeilen mitwirken, sodass es beklemmend wirkt.
Ultramarin ist als Titel sehr treffend ausgewählt, ein Farbton, der nicht nur Tiefe, sondern auch Dunkelheit bedeutet und genau darum geht es in der Beziehung zwischen Raf und Lou. Raf gibt immer den Ton an, ist dominant und herrschsüchtig, er akzeptiert es nicht, eine weitere starke Persönlichkeit neben sich zu haben. Lou ist ihm gehörig und bettelt um Rafs Aufmerksamkeit, er kann sich selbst und seine Gefühle kaum wahrnehmen und einschätzen, sondern definiert sich ausschließlich über Raf. Diese ungesunde Symbiose schafft es über viele Jahre zu funktionieren, doch in dem einen Sommer, in dem Nora mit ihnen den Urlaub verbringt, gerät sie aus dem Takt.
Die Kapitel wechseln sich ab, mit Situationen aus dem derzeitigen Urlaub und Rückblenden in die Jugendzeit von Raf, Lou und teilweise auch Rafs Schwester Sophie, die in den aktuellen Situationen leider nicht vorkommt. Sie hat schon immer ein feines Gespür für Spannungen und für Situationen und eine gute Intuition bewiesen. Die Situationen, die einst harmlos wirkten, entwickeln im Nachhinein perfekte Machtspiele und lassen Aggressionen in verschiedenen Formen und Ausprägungen erkennen. Ist man als Leser
in erst mal in diesem Sog gefangen, kann man das Buch kaum weglegen und muss erfahren, wie der Sommerurlaub sein Ende findet. Obwohl ich zugeben muss, dass mich der Schluss nicht komplett überzeugen konnte. Er war mir zu schnell, im Vergleich zu den unendlich langen Tagen, in denen wenig passierte, zu offen, zu verstörend, aber es beschäftigt weiterhin.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Veränderungen

Der Gesang der See
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Der historische Roman beschreibt einerseits die norwegische Westküste und deren Natur sowie das raue Überleben auf den Fischerinseln und er erzählt auf der anderen Seite auch die Geschichte einer selbstbewussten, ...

Der historische Roman beschreibt einerseits die norwegische Westküste und deren Natur sowie das raue Überleben auf den Fischerinseln und er erzählt auf der anderen Seite auch die Geschichte einer selbstbewussten, starken Frau, die für das Recht der Frauen nach Selbstbestimmung und persönlicher Entfaltung kämpft. Kristiane ist nach dem Tod ihres Mannes auf sich selbst gestellt und zusätzlich verantwortlich für ein Baby, ihre alleinstehende Schwester und kranke Mutter. Mit ihren unkonventionellen Ideen und mit ihrem Geschäftssinn entspricht sie nicht der damaligen Norm und wird von der Gesellschaft kritisch betrachtet.
Besonders gelungen finde ich das Zusammenspiel der Beschreibung der rauen Küstenlandschaft und das harte Leben, dies wird bildhaft beschrieben, sodass man sich als Leser*in gut hineinversetzen kann. Gleichzeitig spiegelt dies auch die inneren Konflikte von Kristiane wider, sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen, dem Erhalt ihres Hofes und der Fischereikarte und gleichzeitig kämpft sie mit ihren Gefühlen, indem sie sich für ihr Herz oder für die Vernunft entscheiden muss. Die Lebensgeschichte voll Leid und auch voll Freude und Veränderung wirkt authentisch beschrieben, sodass man nach einem ruhigen Einstieg, danach sofort in einen Sog hineingezogen wird und den Roman nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit der Zeit merkt man, dass es auch anderen Frauen ähnlich ging oder geht wie Kristiane, starke und schlaue Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten müssen und dadurch wenig Anerkennung für ihren Erfolg erfahren, sondern eher Verachtung und Neid. Manchmal ist Kristiane hart zu sich selbst und auch hart und ungerecht gegenüber ihren Mitmenschen. Was man im Laufe der Jahre erkennt, dass Veränderungen nur sehr langsam und mühevoll erkämpft stattfinden, in kleinen Schritten, von einer Generation zur nächsten.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Antiaggressionstraining

Gelbe Monster
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Der Roman liest sich trotz des anspruchsvollen und ernsten Themas frisch, locker, jung, fast wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, sodass ich am Ende auch ein wenig traurig war, dass er zu Ende war. ...

Der Roman liest sich trotz des anspruchsvollen und ernsten Themas frisch, locker, jung, fast wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, sodass ich am Ende auch ein wenig traurig war, dass er zu Ende war. Erzählt wird aus der Perspektive von Charlie, somit bekommen wir als Leser*innen ihre subjektiven Wahrnehmungen präsentiert, die sich durchaus von anderen unterscheiden könnten. Der Aufbau ist bewusst sprunghaft, man erfährt in den einzelnen Bereichen die aktuelle Lebenssituation von Charlie und dazwischen immer wieder Rückblenden, wie es bis zum Punkt der Eskalation gekommen ist. Charlie befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer toxischen Beziehung mit Valentin, sie beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von Liebe und Zusammenleben und Valentin hing noch sehr an seiner Ex-Freundin. Charlie steigert sich in die Beziehung und macht sich selbst und ihr Glück von ihrem Partner abhängig, es entsteht eine emotionale Abhängigkeit, sie versucht Valentin mit physischer und psychischer Gewalt an sich zu binden. Aus der Spirale aus Wut, Schmerz, Scham, Verletzung, Verzeihung und wieder von vorne, kommt Charlie nicht wieder heraus, bis es zu der einen Situation kommt, die Charlie explodieren lässt. Charlie hat das Glück mit Ella eine sehr gute Freundin zu haben, die sie auch in harten Zeiten bei sich aufnimmt und unterstützt und sie zu einem Antiaggressionstraining für Frauen schickt. In der Gruppe sieht man, wie unterschiedlich Gewalt von den einzelnen Personen wahrgenommen wird und welche Formen sie annehmen kann. Das Training hat Charlie bestimmt gutgetan, noch wichtiger aber finde ich, dass sie selbst für sich reflektiert und weiterhin am Thema dranbleibt und an sich arbeitet. Der körperliche Ausgleich in der harten Freiwilligenarbeit ist schon ein guter Anfang, aber sie braucht auch weiterhin noch viel Unterstützung, Reflexion und Ausgleich in ihrem Leben. Auch wenn Charlie am Ende des Romanes schon viel ausgeglichener wirkt, ist noch immer sehr verletzlich und anfällig für weitere Gewaltsituationen, sich selbst oder ihren Mitmenschen gegenüber.

Veröffentlicht am 09.03.2026

no vacancy

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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Der Thriller ist sehr spannend und abwechslungsreich geschrieben und nicht nur für Jugendliche interessant, sondern auch für junggebliebene Erwachsene. Beim Lesen entwickelt sich eine richtige Sogwirkung, ...

Der Thriller ist sehr spannend und abwechslungsreich geschrieben und nicht nur für Jugendliche interessant, sondern auch für junggebliebene Erwachsene. Beim Lesen entwickelt sich eine richtige Sogwirkung, sodass man immer weiterlesen muss. Spannend finde ich, dass Ruby direkt gegenüber vom Hotel wohnt und somit einen direkten Einblick in die Fenster und Zimmer der Hotelgäste bekommt. Da sie aufgrund ihrer Erkrankung immer zuhause ist, hat sie somit eine spannende Tagesbeschäftigung und ihr detektivischer Spürsinn erwacht, wenn sie mysteriöse Umstände beobachtet.
Die Konstellation mit AJ als ihren Komplizen, der dann direkt vor Ort ermittelt, finde ich als Bereicherung und die Recherchen zum True Crime Podcast wirken teilweise gut geplant, teilweise improvisiert, aber im Duo sind Ruby und AJ unschlagbar, auch wenn einige verdeckte Ermittlungen schieflaufen.
Bemerkenswert finde ich, dass Ruby, trotz ihrer starken körperlichen Einschränkungen ihren Lebensmut und ihre Neugier nicht verliert, im Gegenteil, sie ist ein tolles Vorbild für Jugendliche, die vielleicht auch gerade mit der einen oder anderen Einschränkung hadern. Die Perspektive ist auch gut gewählt, man blickt als Leser*in direkt von Rubys Fenster in die Zimmer der Hotelgäste und kann das Gesehene mit Fantasie beflügeln, sodass eigene Geschichten entstehen.
Die Hauptaktionen ereignen sich allerdings geballt im letzten Drittel des Buches etwa, hier hätte man etwas besser dosieren können, ansonsten hat mich der Jungendthriller sehr gut unterhalten.