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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2026

Porträt zweier Frauen

Sonnenspiel
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Sonnenspiel ist ein sprachlich ansprechender Roman über zwei Frauen, der in Italien angesiedelt ist.
Im Mittelpunkt: Die Näherin und 3fache Mutter Loredana und die unabhängige Modejournalistin Stella, ...

Sonnenspiel ist ein sprachlich ansprechender Roman über zwei Frauen, der in Italien angesiedelt ist.
Im Mittelpunkt: Die Näherin und 3fache Mutter Loredana und die unabhängige Modejournalistin Stella, die halb Schweizerin, halb Amerikanerin ist. Sie sind sehr unterschiedlich, haben aber auch Gemeinsamkeiten.
Andrea Grill wird beiden Figuren gerecht und porträtiert sie glaubwürdig und ohne Kitsch. Man erfährt von ihren Leben.
Stella will über Loredana schreiben, das passt der überhaupt nicht.
Ungewöhnlich ist, dass Lordana schon früh im Roman genervt die Journalistin in die Speisekammer einsperrt. Das gibt dem Plot eine feine Spannungsnote.
Trotzdem verstehen die Frauen sich auf eine gewisse Weise. Es entsteht eine immer tiefer werdende Verbundenheit.
Die Erzählperspektiven wechseln zwischen ihnen, zum Teil zeitlich auch verschoben. Das ist geschickt gemacht, so kann die Geschichte in mehreren Ebenen erzählt werden.

Veröffentlicht am 17.03.2026

We's Lives In Da Ghetto

Ausradiert
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Der Roman eines Schriftstellers über einen Schriftsteller, und den Literaturbetrieb.

Thelonious Monk Ellison gilt als elitärer, anspruchsvoller Autor. Viel Erfolg oder Leser hat er nicht. Er ist enttäuscht ...

Der Roman eines Schriftstellers über einen Schriftsteller, und den Literaturbetrieb.

Thelonious Monk Ellison gilt als elitärer, anspruchsvoller Autor. Viel Erfolg oder Leser hat er nicht. Er ist enttäuscht und verbittert und schreibt unter Pseudonym eine Parodie auf die Art von afroamerikanischer Literatur, die er verachtet. Und genau damit hat er zu seiner eigenen Überraschung unglaublich viel Erfolg, so dass er seine fiktive Schriftstellerpersönlichkeit Stagg R.Leigh immer wieder spielen muss.
Eine andere Ebene zeigt Monks Privatleben. Sein Vater ist gestorben, seine Mutter hat Alzheimer und seine Schwester wurde ermordet. Das sind alles harte Dinge, mit denen er leben muss. Everettt schafft es beide Aspekte, die des Schriftstellers und die des Mannes deutlich zu zeigen und sie stehen im Einklang.
Das Buch ist schon 2001 entstanden, aber selbstverständlich immer noch gültig und lesenswert.

Das Buch ist sehr ironisch, oft witzig, auch ein wenig tragisch.
Zum Teil gelingt Everett seine Satire. Die Methoden des Literaturbetriebs wird er damit nicht ändern.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Meredith Downs

Ein weites Leben
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Ein weites Leben ist ein tiefgründiger Familienroman, angesiedelt in Australien. Es beginnt in den fünfziger Jahren, als der McBride-Familie ein Unfall einen schrecklichen Verlust zufügt. Vater und Sohn ...

Ein weites Leben ist ein tiefgründiger Familienroman, angesiedelt in Australien. Es beginnt in den fünfziger Jahren, als der McBride-Familie ein Unfall einen schrecklichen Verlust zufügt. Vater und Sohn sterben, ein weiterer Sohn (Matt) überlebt schwerverletzt. Zurück bleiben Lorna und ihre Tochter Rose, die sich auf der Schaffarm Meredith Downs um Matt kümmern.
Dann folgt ein weiterer tragischer Vorfall, über den an dieser Stelle nichts verraten werden darf. Geheimnisse sind ein wesentlicher Baustein des Buches.
M.L.Stedman schafft es, den Figuren Leben zu verleihen. Man ist als Leser gepackt von dem, was der Familie zustößt und wie es mit ihnen weitergeht.
Der zweite Teil des Romans setzt 1969 ein und mit dem jungen Andy gibt es einen weiteren McBride.

Zeit und Schauplatz prägen den Roman. Der Autorin gelingt es, viel Stimmung und Atmosphäre zu erzeugen.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Autofiktion

Die Wahrheit über Ann
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Die französische Autorin Julia Deck hat ein autofiktionales Buch über den schweren Schlaganfall ihrer 84jährigen Mutter und den Folgen geschrieben.
Da es zudem die Endphase der Pandemie im Jahr 2022 ist, ...

Die französische Autorin Julia Deck hat ein autofiktionales Buch über den schweren Schlaganfall ihrer 84jährigen Mutter und den Folgen geschrieben.
Da es zudem die Endphase der Pandemie im Jahr 2022 ist, wird es besonders schwer.
Julia Deck schildert detailreich die Behandlung und überwiegend fehlende Therapie, aber auch den Lebenswillen der schwer angeschlagenen Mutter.

Zwischen den Krankenhaus-Passagen gibt es Beschreibungen des Lebens ihrer Mutter Ann, die in Großbritannien geboren ist, als Erwachsene aber nach Frankreich zog. Dann gibt es auch ein Geheimnis um sie.
Schließlich nimmt auch Julia ihre Rolle in der Geschichte der Mutter ein.

Das Buch ist so gemacht, dass man als Leser Anteil nimmt, aber es bleibt realistisch und damit an manchen Stellen auch bitter. Ich schätze aber die Konsequenz und viele der Überlegungen der Autorin über die komplizierte Beziehung zur Mutter.

Julia Deck hat für dieses Buch sehr verdient den renommierten Prix Médicis gewonnen.

Veröffentlicht am 17.02.2026

Ein Buch von Relevanz

Sommer 24
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Navid Kermanis neues Buch ist eine Art privates erzählendes Essay, dass die Zeit Sommer 2024 beleuchtet. Im Mittelpunkt der Freitod eines Freundes, die Flüchtlingspolitik mit all seiner Unmenschlichkeit ...

Navid Kermanis neues Buch ist eine Art privates erzählendes Essay, dass die Zeit Sommer 2024 beleuchtet. Im Mittelpunkt der Freitod eines Freundes, die Flüchtlingspolitik mit all seiner Unmenschlichkeit und die Arbeit an einer Rede über Thomas Mann. Fast hat es etwas tagebuchartiges, auch erstaunlich emotional.

Und es geht nicht nur um 2024. Auch Allgemeingültiges wird thematisiert.

Ein Reiz des Buches ist, die ganzen Themen zusammen zu bekommen, da die Zusammenhänge nicht so offensichtlich sind.