Profilbild von anja301178

anja301178

Lesejury Star
offline

anja301178 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit anja301178 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2026

Sehr emotional

In den Flügeln das Licht
0

Kaveh wächst während der Zeit der Revolution im Iran auf. Sein Vater wird verhaftet und verschwindet im Gefängnis. Die Mutter versucht das Leben der Familie aufrecht zu erhalten, doch das ist nicht leicht ...

Kaveh wächst während der Zeit der Revolution im Iran auf. Sein Vater wird verhaftet und verschwindet im Gefängnis. Die Mutter versucht das Leben der Familie aufrecht zu erhalten, doch das ist nicht leicht als alleinlebende Frau im Iran. Sie ziehen zu den Großeltern. Da gibt es einen Garten für die Kinder und Kaveh ist oft in der Buchhandlung. Gemeinsam besuchen sie den Vater im Gefängnis, bis auch das irgendwann nicht mehr geht.

Ein eindringliches und poetisches Porträt einer Kindheit mitten im Iran, geprägt von politischen Umbrüchen. Die politische Geschichte wird ganz fein mit der persönlichen Geschichte der Familie verwoben. Kaveh hat Angst, ist unsicher. Die kindliche Sicht auf die Dinge war für mich sehr ergreifend. In manchen Dingen findet er Trost, hat wieder Hoffnung auf ein besseres Leben. Vor allem die Besuche im Gefängnis haben mich berührt. Der Vater erzählt den Kindern Geschichten, damit sie keine Angst haben müssen. Sprachlich überzeugt der Roman durch eine klare, poetische Erzählweise. Die schweren Themen wurden sehr zugänglich rübergebracht. Es ließ sich ganz wunderbar lesen. Auch die Charaktere wirkten auf mich nahbar und authentisch.

Gerade in dieser Zeit, ein so wichtiger Roman, der nachdenklich macht. Hier geht’s um ein Stück iranischer Geschichte, aber auch um Zugehörigkeit, Verlust und Familie. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2026

Toll

Salto
0

Marko möchte Medizin studieren, doch in Deutschland wird er an den Unis abgelehnt. Bleibt nur eins: ein Medizinstudium in Ungarn. Finanzieren soll das die Lebensversicherung der Mutter, die vor ein paar ...

Marko möchte Medizin studieren, doch in Deutschland wird er an den Unis abgelehnt. Bleibt nur eins: ein Medizinstudium in Ungarn. Finanzieren soll das die Lebensversicherung der Mutter, die vor ein paar Jahren verstorben ist. Seitdem lebt er mit Papa alleine in einem tristen Wohnblock. Mit seiner Freundin Claire ist es gerade auch nicht so einfach. Also auf nach Budapest, mit im Gepäck sind die Angst vor der Zukunft und ordentlich Selbstzweifel.

Ein toller Coming-of-Age über die erste Liebe, große Erwartungen und ganz viel Zukunftsangst. Eindringlich, leicht und einfühlsam schreibt Prödel hier. Marko kommt in Budapest an aber so richtig ankommen kann er nicht. Er vermisst sein Zuhause, seinen Vater, seine Freundin. Alles fühlt sich einfach nur fremd an. Einzig sein Job macht ihm etwas Spaß. Das Geld reicht nicht, an der Uni läuft es auch nicht so wie geplant. Auf einmal hat er ganz viel Verantwortung. Auch Claire geht’s nicht gut. Sie entwickelt eine Psychose. Als auch der Körper von Marko rebelliert, geht er zum Arzt und alles wird anders. Wie kann er mit dieser Diagnose umgehen? Eine sanfte Melancholie schwingt bei dieser Geschichte immer mit. Traurig und nachdenklich stimmt mich dieses Buch. Da bin ich froh nicht mehr so viele Entscheidungen für mein Leben treffen zu müssen. Die Liebesgeschichte war für mich hier eher nebensächlich. Das war aber absolut in Ordnung. Begeistert hat mich hier vor allem der Schreibstil. Ein klein wenig mehr Tiefe hätte ich mir für die Story gewünscht.

Insgesamt ein richtig toller Coming-of-Age Roman, der mich durch den Schreibstil komplett abgeholt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Tolle Atmosphäre

Palastplatte
0

Die zwölfjährige Henri lebt mit ihrer Familie in einer Plattenbausiedlung. Ihre beste Freundin Mo ist fast immer bei ihr. Sie verbringen ihre Zeit zusammen in der Bücherei, im Schwimmbad und auf dem Dach ...

Die zwölfjährige Henri lebt mit ihrer Familie in einer Plattenbausiedlung. Ihre beste Freundin Mo ist fast immer bei ihr. Sie verbringen ihre Zeit zusammen in der Bücherei, im Schwimmbad und auf dem Dach des Hochhauses. Irgendwann ist es für Henri nicht nur Freundschaft. Sie verliebt sich in Mo und ihr Gefühlsleben wird jetzt so richtig chaotisch. Noch dazu wird ihr Vater immer wunderlicher. Er war doch immer der ruhende Pol der Familie, entspannt und witzig. Jetzt zieht er sich immer mehr zurück, hat Stimmungsschwankungen und Henri weiß nicht was mit ihm los ist. Um ihre Gefühle zu verarbeiten, beginnt sie Geschichten zu schreiben. Dort kann sie ihre Ängste verarbeiten und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.

Dieser Roman katapultiert uns direkt ins Leben von Henri. Sie lebt in einer Hochhaussiedlung und lebt ein recht typisches Teenagerleben. Als es ihrem Vater schlechter geht, ändert sich einiges. Früher hat er zu Depeche Mode in der Küche getanzt, jetzt zieht er sich immer mehr zurück. Ihre Freundin Mo ist ihr fester Halt. Die beiden sind unzertrennlich. Langsam entwickelt sich zwischen ihnen ihre erste große Liebe. Das ist einfach ganz wunderbar und feinfühlig eingefangen. Die Ängste, Sorgen, so viele neue Gefühle, die Henri hier kennenlernt. Erzählt wird ganz ruhig, wir bekommen ganz tiefe Einblicke in die Gefühlswelt von Henri. Auch die Atmosphäre ist ganz wunderbar. Freibadpommes, Sonnencreme und Bücher für Erwachsene. Ich hab es so gefühlt und lag im Kopf daneben. Der Roman hört da aber noch nicht auf, es gibt einen Zeitsprung und wir erfahren wie es Henri später geht, was aus der Familie geworden ist und was aus Henri und Mo geworden ist.

Coming-of-Age vom Feinsten und dazu durch, die Krankheit des Vaters, auch ernste Themen. Hat mir richtig gut gefallen. Empfehle ich euch deshalb gern weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2026

Emotional

Mein Bruder Wolf
0

„Du kamst jeden Tag aufs Neue nicht zurück. Niemand von uns kann sich daran erinnern, wie wir es durch diese Zeit geschafft haben.“

Wolf verlässt sein Studentenzimmer und wird nie zurückkommen. Seine ...

„Du kamst jeden Tag aufs Neue nicht zurück. Niemand von uns kann sich daran erinnern, wie wir es durch diese Zeit geschafft haben.“

Wolf verlässt sein Studentenzimmer und wird nie zurückkommen. Seine Familie sorgt sich, wartet auf eine Nachricht von ihm. Er ist zu den Nordlichtern gefahren und möchte dort sein Leben beenden. Ein paar Monate später wird er in einem Wald in Lappland tot aufgefunden. Bei sich hat er sein Tagebuch, gut verpackt. Die Familie hat nun Gewissheit aber wie kann man damit umgehen? Was steht im Tagebuch? Wie weiterleben mit diesem schmerzlichen Verlust?

Ein feines, leises Buch über Verlust, Schmerz und Familie. Wer ist denn schon besonders gut damit mit Schmerz umzugehen? Ich bin es jedenfalls nicht. Bei so einem Schicksalsschlag hat man keine andere Wahl. Irgendwie muss es weitergehen aber wie. Wie kann man so eine Tragödie verarbeiten? Jeder macht das sicher auf seine Weise. Da gibt’s kein richtig oder falsch. Das Buch erscheint sehr persönlich und intim, man ist dicht dran an den Gefühlen und Gedanken der Protagonistin. Sie hat ihren kleinen Bruder verloren, schwelgt in Erinnerungen, versucht zu verstehen. Früher wurde Wolf über seine Familie definiert, jetzt definiert Wolf die Familie. Klug, ruhig und poetisch wird erzählt mit einer psychologischen Tiefe, die ich beeindruckend fand. Herausragend war für mich auch die Ehrlichkeit, mit der hier berichtet wurde. Ungeschönt werden wir den Schuldgefühlen, der Angst, der Trauer und Ratlosigkeit ausgesetzt. Die Geschichte ist autobiographisch grundiert. Was davon kann ich euch leider nicht sagen.

Ein intensives Leseerlebnis über unbequeme Themen, tiefgründig und emotional. Wer das aushalten will, sollte es unbedingt lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Toll

Emily Brontë, Sturmhöhe
0

Mr. Earnshaw, Besitzer von Wuthering Heights, bringt eines Tages den verwaisten Jungen Heathcliff mit nach Hause. Er möchte ihn wie einen Sohn aufziehen. Earnshaws Sohn Hindley ist er von Anfang an ein ...

Mr. Earnshaw, Besitzer von Wuthering Heights, bringt eines Tages den verwaisten Jungen Heathcliff mit nach Hause. Er möchte ihn wie einen Sohn aufziehen. Earnshaws Sohn Hindley ist er von Anfang an ein Dorn im Auge. Seine Tochter Cathy hat eine enge Bindung zu ihm. Trotz der Leidenschaft zwischen den beiden erwählt Cathy einen anderen Mann als Ehegatten. Nach einigen Jahren kehrt Heathcliff reich zurück und will Rache.

In diesem Roman passiert so viel. Das passt alles gar nicht hier her und ich kann ja auch nicht alles verraten. Viele Leser kennen das Buch bestimmt auch schon. Es ist aus dem Jahr 1847 und ein Klassiker. Der Anaconda Verlag hat es neu aufgelegt und das Buch kann sich sehen lassen. Ein traumhaft schönes Cover und ein toller Farbschnitt machen das Buch zu einem echten Highlight im Bücherregal.
Ich muss zugeben, ich wusste nicht viel über diesen Roman und bin sehr neutral ins Lesevergnügen gestartet. Der Schreibstil hat mich am Anfang sehr begeistert aber man muss wirklich Zeit haben, um in Ruhe zu lesen. Das wurde dann manchmal etwas anstrengend. Es lohnt sich allerdings sehr. Eine wunderbar düstere Liebesgeschichte, die in den Abgründen der menschlichen Psyche wühlt. Sprachlich sehr intensiv und bildgewaltig. Die Naturbeschreibungen fand ich richtig gut. Die Erzählstruktur war recht komplex. Da musste ich mich auch erstmal einfinden.


Insgesamt ein leidenschaftliches, düsteres Werk über Rache und Hass. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere