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Veröffentlicht am 28.03.2026

Tolle Mutter-Sohn-Geschichte

Sie wollen uns erzählen
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Dieser Roman handelt von dem Elfjährigen Oz und seiner Mutter Ann, beide an ADHS erkrankt. Während Ann aufgrund dieser Erkrankung in ihrer Kindheit einfach nur als wild galt, wird heute von Oz verlangt, ...

Dieser Roman handelt von dem Elfjährigen Oz und seiner Mutter Ann, beide an ADHS erkrankt. Während Ann aufgrund dieser Erkrankung in ihrer Kindheit einfach nur als wild galt, wird heute von Oz verlangt, dass er behandelt wird, um „normal“ zu werden. Doch seine Mutter stellt sich vor ihn wie eine Löwenmutter. Zwei Dramen sind es, die im Mittelpunkt stehen. Da ist zum einen ein Vorfall in der Schule, den Oz seiner Mutter beichten muss. Um das hinauszuschieben, wünscht er sich ein Unglück herbei, das dann auch noch einzutreten scheint und im Zusammenhang mit seiner Oma steht. Als Leser erfahren wir sehr viel aus dem Seelenleben von Mutter und Sohn und wie beide mit der Reizüberflutung umgehen. Ganz hervorragend wird ihr von gegenseitiger unbedingter Liebe geprägtes Verhältnis zueinander dargestellt. Sprachlich ist der Roman einfach nur klasse, besonders die oft mit feinsinnigem Humor gespickten Passagen und den typisch österreichischen Ausdrücken. Am Ende ist man sehr viel schlauer und verstädnisvoller, was die Modekrankheit ADHS anbelangt.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Tolle Milieustudie

Solange ein Streichholz brennt
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Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte ...

Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte im Kölner Obdachlosenmilieu und stellvertretend wird das Schicksal des Mittdreißigers Bohm erzählt. Über ihn dreht die junge Fernsehjournalistin Alina eine Reportage, von deren Erfolg ihr Verbleib im Sender abhängt. Sie begleitet Bohm einige Tage bei seinem Leben draußen. Ganz allmählich und so zum fortgesetzten Lesen animierendend entblättert sich die Lebensgeschichte von Bohm, in deren Verlauf es wie bei so vielen Obdachlosen einen Punkt gibt, der ihn aus der Bahn geworfen hat. Spannungsfördernd werden dabei ein geheimnisvoller ungeöffneter Brief, adressiert an Bohm, und ihn plagende Albträume eingesetzt. Kapitelweise wechselnd wird daneben aus Alinas Leben erzählt, die unbedingt Karriere in der Medienwelt machen will. Ob sie ihr Ziel um jeden Preis und ohne jeden Skrupel erreichen will, ist die andere Schiene dieses Romans. Eine Verbindung zwischen beiden Protagonisten gibt es nicht nur auf beruflicher Ebene. Sehr schnell funkt es zwischen beiden. Doch ist das möglich – eine Beziehung zwischen einem Obdachlosen und einer voll im Leben stehenden Frau?
Alles ist sehr berührend dargestellt. Bohm wird sehr menschlich und sensibel gezeichnet. Gelungen ist, wie sich beide allmählich und mit leisen Tönen aufeinander zu bewegen und dabei noch Hindernisse ausräumen müssen. Als positiv empfand ich, dass es am Ende kein klassisches Happy End gibt, sondern der weitere Fortgang der Beziehung der beiden Protagonisten offengelassen wird.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Gelungene Familiengeschichte aus dem Jahr 1974

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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In diesem Roman begegnet uns ein viertes Mal der Protagonist Siegfried (Sigi) mit seiner Familie aus den früheren Romanen des Autors „Die Welt war eine Murmel“, „Die Welt war voller Fragen“ und „Wenn die ...

In diesem Roman begegnet uns ein viertes Mal der Protagonist Siegfried (Sigi) mit seiner Familie aus den früheren Romanen des Autors „Die Welt war eine Murmel“, „Die Welt war voller Fragen“ und „Wenn die Welt nach Sommer riecht“. Er schließt nahtlos an diese an. Doch lassen sich alle vier Bücher auch völlig unabhängig voneinander lesen, ohne dass man zuvor einen früheren Band gelesen haben muss.
Der Erzähler Sigi ordnet in der Gegenwart die Diafotoaufnahmen seiner verstorbenen Mutter. Dieses ist für ihn Anlass, aus seiner Jugend im Jahr 1974 auf einem österreichischen Dorf zu erzählen, als er 16 Jahre alt war. Dabei geht es vor allem um seine Schulzeit auf dem Gymnasium kurz vor der Matura und sein Alltagsleben zu Hause. Gerade in mir, die ich auch ein Kind der 1960er Jahre bin, wurden viele schöne Erinnerungen geweckt. Denn auch ich habe einen Ferienjob gehabt, um mir wie Sigi einen Plattenspieler kaufen zu können, und habe ähnliche Musik wie er gehört und die Tanzstunde besucht. Von den damaligen gesellschaftlichen Einstellungen der Menschen wird ein realistisches Bild gezeichnet, wenn es etwa um die Mitbestimmung der Schüler in der Schule geht. Sigi lässt beim Erzählen so manche Anekdote einfließen, wodurch alles recht humorvoll erscheint und er als rundum sympathischer Erzähler rüberkommt, gerade auch, weil er oft redet, ohne zuvor darüber nachzudenken. Als erfrischend und authentisch empfinde ich, dass die eine oder andere typisch österreichische Vokabel in den Text einfließt. Was ich überhaupt nicht in der epischen Breite wie geschehen lesen wollte, war, wie oft Sigi allein oder mit seinen Mitschülern zu Glimmstengel und Bierflasche greift. Ich kann mir kaum denken, dass zu damaliger Zeit die Schüler gleich nach Schulschluss in die Kneipe gegenüber gegangen sind. Trotzdem:
Ein Buch, dem ich eine volle Leseempfehlung gebe, auf noch eine Fortsetzung hoffend.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Eine Kindheit auf dem Dorf

Lebensversicherung
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Wer sich bislang noch nicht mit Versicherungen auskannte, wird es jetzt nach der Lektüre dieses Buchs ganz sicher tun. Bachs Protagonistin entstammt nämlich einer Familie, in der es in beiden Linien eine ...

Wer sich bislang noch nicht mit Versicherungen auskannte, wird es jetzt nach der Lektüre dieses Buchs ganz sicher tun. Bachs Protagonistin entstammt nämlich einer Familie, in der es in beiden Linien eine Anzahl von Versicherungsvertretern gegeben hat und auch ihre Eltern sind in diesem Metier erfolgreich tätig, und zwar in einem westdeutschen Dorf in den 1980er/1990er Jahren. Ausgehend von fundierten, knappen Erläuterungen zu jeder nur erdenklichen Versicherung blickt die Ich-Erzählerin auf ihre Kindheit, ihre Jugend und ihr junges Erwachsenenalter zurück. Wohlbehütet in einer weit verzweigten Familie aufgewachsen erzählt sie alle möglichen Details aus ihrem eigenen Leben und dem Leben ihrer Verwandten. Sie kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, aber alles ist sehr interessant zu lesen, zumal es sehr lebensnah ist und ich selbst manch ähnliche Erinnerung an meine Vergangenheit habe. Bei aller Geborgenheit, die das Mädchen erfährt, verwundert es umso mehr, nach und nach zu erfahren, wie sehr es von Ängsten geplagt ist. Sie entwickelt eine Angststörung, hortet Medikamente, hat Brechanfälle und Panikattacken.
Ein sehr schöner Gesellschaftsroman mit Milieustudie.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Die Geschichte eines Alkoholikers

Das Schwarz an den Händen meines Vaters
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Dieser Roman schildert sehr eindrucksvoll, was es mit einer Familie macht, die einen Alkoholiker unter sich hat. Der Vater der Ich-Erzählerin hat die typische Trinker-Karriere hinter sich. Selbst Sohn ...

Dieser Roman schildert sehr eindrucksvoll, was es mit einer Familie macht, die einen Alkoholiker unter sich hat. Der Vater der Ich-Erzählerin hat die typische Trinker-Karriere hinter sich. Selbst Sohn eines Trinkers (der sogar im Suff bei Eiseskälte draußen erfriert), gerät er auch schon früh an den Alkohol und trinkt zunehmend mehr. Alkoholbedingt verliert er seine Arbeitsstelle, so dass die Familie in Geldnöte gerät. Zusätzlich frönt er Glücksspiel und Sportwetten. Seine Familie zieht er mit in den Sumpf. Die Ehefrau wird zur Co-Alkoholikerin, die Tochter sogar früh selbst exzessive Trinkerin. Das Beeindruckende ist, dass die Familie untereinander zusammenhält und der Vater ein guter Vater ist, die Erzählerin sogar ein Papa-Kind ist. Der Zusammenhalt geht noch über den Krebstod des Vaters hinaus, über ihn wird nur Gutes gesprochen.
Das Buch hat genug Potential, vor übermäßigem Trinken zu warnen, ohne dass es stets den Zeigefinger hochhält. Es ist gut zu lesen. Etwas verwirrend empfand ich lediglich die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Kindheit der Erzählerin. Mir war nicht immer sofort klar, von welcher Zeit gerade erzählt wurde.

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