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Veröffentlicht am 02.04.2019

Brandaktuell, packend & spannend bis zum Schluss.

Die Akte Rosenrot
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"Die Akte Rosenrot" von Astrid Korten

Zu Anfang möchte ich sagen, dass dies mein erstes Buch der Autorin war, welches ich und wenige andere buchbegeisterte Menschen vorab lesen durften - dafür ein großes ...

"Die Akte Rosenrot" von Astrid Korten

Zu Anfang möchte ich sagen, dass dies mein erstes Buch der Autorin war, welches ich und wenige andere buchbegeisterte Menschen vorab lesen durften - dafür ein großes Danke!
Aber war dieser erste Kontakt mit der Autorin mein letzter?
Lest selbst:

Worum geht es in diesem Politthriller, auf dessen blauen Cover eine Rose prangt?
Der Hauptprotagonist, ein ehemaliger erfolgreicher Profiler beim BKA Berlin, Ibsen Bach, wird nach einem schweren Unfall, von dem er neben einem großen Verlust auch Schmerzen und ungewöhnliche Eigenarten zurückbehalten hat, in den Innendienst versetzt. Nach einigen Jahren bekommt er, wenn auch nicht aufgrund erfreulicher Nachrichten, wie z.B. seiner vollständigen Genesung der Unfallschäden, die Möglichkeit aktiv an einem Fall mitzuarbeiten:
An einem Tatort in Moskau wurde eine Nachricht hinterlegt - speziell adressiert an Ibsen.
Eine Reihe symbolischer Mordfälle beginnt - oder ist es möglich das sie weitergeht und nie beendet war? Wieso kommt die Art der Tötung Ibsen so bekannt vor?
Und wieso ist der ehemalige Profiler persönlich involviert?
Welche Verbindung besteht zwischen dem Täter & ihm?

"Die Akte Rosenrot" behandelt ungeschönt jedoch realistisch ein gewagtes, aktuelles Thema.
Von Beginn an hat mich das Buch gefesselt, tatsächlich nahm ich sogar den einen oder anderen Termin verspätet wahr, weil ich nicht aufhören wollte zu lesen. Und auch beim pausieren blieb dieser Thriller in meinem Kopf. Oft habe ich darüber nachgedacht, gekniffelt und zittrig gewartet, bis ich endlich weiter lesen konnte.
Trotz wirr wirkender Vernetzungen hatte ich keine Probleme an der Geschichte dranzubleiben. Obwohl der Einstieg in dieses spannungsgeladene Leseabenteuer mit einigen Namen und scheinbar unzusammenhängender Teilabschnitte beginnt, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzufinden. Mein Interesse wurde dadurch nur weiter angeregt, denn diese gestreuten Puzzleteile müssen sich doch irgendwo auf den nächsten Seiten, zum richtigen Zeitpunkt schlüssig in die Geschichte einfügen können!?
Weder die russischen Namen noch die einzelnen Fachbegriffe stoppten meinen Lesefluss, da der gesamte Schreibstil unkompliziert gehalten wurde. Die einzelnen Kapitel sind zum Teil kurz, vielleicht um dem Leser so die Möglichkeit zu geben, das Buch bedenkenlos zur Seite legen zu können, um durchzuatmen? Zudem sind sie mit knappen Überschriften sowie Ort und Datum betitelt, was ein unkompliziertes zurechtfinden ermöglicht, da die Handlung in diesem intensiven Politthriller sowohl in Moskau als auch in Deutschland stattfindet und die Protagonisten oftmals pendeln. Sehr positiv ist mir aufgefallen das kein Kapitel den Zweck erfüllt lediglich als eine Art "Füllmaterial" zu fungieren, jedes ist - früher oder später - relevant um zu verstehen, dadurch kommt es beim lesen zu keiner Langatmigkeit oder dem aufnehmen unwichtiger Zeilen.
Die Nebendarsteller sind gut ausgearbeitet, sodass ich sie mir vor Augen führen konnte. Oftmals rücken andere Charaktere zu sehr in den Hintergrund, werden nur kurz angeschnitten, oberflächlich beschrieben, was zu meiner Freude in "Die Akte Rosenrot" nicht der Fall war. Durch äußerliche Beschreibungen, die Wahrnehmung von Ibsen oder das Betrachten einer Situation aus der Sicht eines anderen Protagonisten, zum Beispiel aus dem Blickwinkel von Dimitri oder Leo, wurde auf andere Figuren großartig eingegangen, was meiner Ansicht nach dem Leser intensiver die Möglichkeit bietet in eine Geschichte einzutauchen sowie mitzufühlen, - zu leiden und zu - fiebern.
Die detaillierten Schilderungen von unvorstellbar grausamen Szenarien wurden nicht klischeehaft oder altbacken übernommen. Durch den mysteriösen Täter, der jeder sein könnte, bleibt die Geschichte bis zum Ende, oft nervenzerreißend, spannend. Aufgrund der vielen Fährten, der Andeutungen & Verknüpfungen lässt Astrid Korten es nicht zu, dass dem Leser Neugier und Interesse abhandenkommen, die Fragen nach dem Täter und den Zusammenhängen verfrüht beantwortet werden oder auch nur ein Funken Langeweile aufkeimen könnte.

Beeindruckt hat mich auch das Nachwort, welches deutlich zeigt das Frau Korten für dieses aufklärende Werk engagiert recherchierte. Für diesen brisanten Einblick, welcher unter Anderem mit hoher Wahrscheinlichkeit Leidenschaft & Mut benötigte sowie schlaflose Nächte forderte, in ein Thema, das sich kaum jemand derart ungeschönt öffentlich anzusprechen traut, erhält die Autorin meinen größten Respekt - ebenso wie ehrliche Begeisterung für das entstandene Buch.

Nach dem Beenden dieses mitreißenden Thrillers blieben - neben einem mulmigen Gefühl - für mich fast so viele Fragen offen, wie jahrelang für den Hauptprotagonist Ibsen Bach:
War oder ist das selbst heute noch die grausame Realität, die hinter den verschwiegenen Mauern der stets lächelnden Politik herrscht?
Was ist letztendlich die Wahrheit um Lara und was hat es mit dem Kind, welches Ibsen auf dem Foto nicht wahrnimmt, auf sich?
Wird es eine Fortsetzung des Grauens geben?

Und wird Astrid Korten meine Neugier befriedigen?

Falls sie es wagt die übrigen Protagonisten noch einmal mit diesem Gräuel zu konfrontieren, sie noch einmal in die Abgründe des Systems tauchen zu lassen werde ich definitiv eine der ersten sein, die dafür Schlange stehen!

Fazit:
Ein erschreckender Politthriller, der aufgrund seines eigentlichen Themas zum nachdenken anregt. Lektüre, welche man nach Beendigung augenblicklich vergisst, kann kein allzu bereicherndes Buch gewesen sein - ich kann euch sagen, dass dies hier definitiv nicht der Fall ist. Dieses packende Werk beschäftigt mich auch jetzt noch und ist meine persönliche Leseempfehlung!

Das erste Buch von Astrid Korten, ja - definitiv aber nicht das Letzte!

Veröffentlicht am 20.03.2026

Beklemmend, stark erzählt, wendungsreich

Voices. Ich kann euch hören
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Drei Jahre sind vergangen, seit ein unklarer Autounfall Tamsin Shaws Realität in nebulöse Dunkelheit hüllte und sie in einen hilflosen Zustand der Abhängigkeit versetzte.
Bewegungsunfähig und gezwungen, ...

Drei Jahre sind vergangen, seit ein unklarer Autounfall Tamsin Shaws Realität in nebulöse Dunkelheit hüllte und sie in einen hilflosen Zustand der Abhängigkeit versetzte.
Bewegungsunfähig und gezwungen, schlicht zu erdulden, wartet die „Koma“patientin darauf, dass ihr Körper endlich ihrem Geist folgt. Denn dieser ist längst wieder aktiv, analysiert die BesucherInnen und versucht bisher vergeblich, sich an die letzten Stunden ihres „alten Lebens“ zu erinnern. Denn als erfahrene und erfolgreiche Psychologin weiß Tamsin, dass manche Erinnerungen so traumatisch sind, dass das Gehirn sie unter allen Umständen verschlossen hält. Dabei sind es gerade diese fehlenden Teile, die ihr das Aufwachen verwehren.

Als ihr Ehemann kurz vor ihrem 40. Geburtstag die Entscheidung trifft, sie aus diesem Zustand zu erlösen, läuft Tamsin die Zeit weg. Wenn sie jetzt aufgibt, wird sie ihrer Tochter niemals ins Gesicht blicken können …



Natalie Chandler wirft uns in „𝐕𝐨𝐢𝐜𝐞𝐬 – 𝐈𝐜𝐡 𝐤𝐚𝐧𝐧 𝐞𝐮𝐜𝐡 𝐡𝐨𝐞𝐫𝐞𝐧“ in ein angsterfülltes, beklemmendes Szenario: ausgeliefert und bedürftig, jeglicher Chance beraubt, zu kommunizieren, zuzustimmen oder abzulehnen.

Durch Tamsin und Jamie – im Jetzt und im Davor – verfolgen wir das Geschehen, welches stetig auswegloser, endgültiger zu sein scheint. Dank dieser Erzählweise bekommen die LeserInnen die Möglichkeit, die beiden als Paar und als individuelle Persönlichkeiten kennenzulernen, Einblicke in ihre Leben und Gedanken, aber auch in ihr Umfeld und die bestehenden Konflikte zu erhaschen. Seit dem Unfall hat sich Jamies Situation in eine Richtung entwickelt, die nicht nur ihm Schuld und Angst abverlangt. Ihn vielleicht sogar in einen Zustand aus Resignation und perfider Vorfreude versetzt …

Chandler versteht es, mit ihrem gewählten Aufbau zum Miträtseln zu animieren, gibt uns die Autorin doch nach und nach Bruchstücke und Fragmente, die es zusammenzusetzen gilt. Sowohl das Bild, welches uns letztlich empfängt, als auch der hürdenreiche Weg dorthin waren überraschend und berührend. Verursachen Gänsehaut.


„𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗲𝗻𝘁𝘀𝗰𝗵𝗶𝗲𝗱𝗲𝗻, 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺 𝗧𝗲𝘂𝗳𝗲𝗹 𝘇𝘂 𝘀𝗽𝗶𝗲𝗹𝗲𝗻, 𝘂𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝘄𝗮𝗿 𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻, 𝘂𝗺 𝘇𝘂𝗺 𝗳𝗶𝗻𝗮𝗹𝗲𝗻 𝗧𝗮𝗻𝘇 𝘇𝘂 𝗯𝗶𝘁𝘁𝗲𝗻.“


Tamsin lässt uns in der Gegenwart an ihren Überlegungen und ihren „Beobachtungen“, heißt dem, was ihr ihre überschaubaren BesucherInnen erzählen sowie durch Verhalten und Stimmung aussagen, teilhaben. Erinnerungen an ihren vorherigen Alltag und ihren Job geben der Storyline – neben den detailreichen Rückblenden – greifbare Informationen und weitere Mysterien, denn vor allem ihr letzter „Patient“ findet immer wieder einen Weg in Tamsins Gedanken – und in ihr Zimmer … Der Druck, den Jamies Entscheidung, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden, auslöst, treibt nicht nur Tamsins Verzweiflung, ihre Panik und Trauer in die Höhe, sondern auch das Tempo der Handlung, während parallel die Spannung steigt.

In „Voices“ zeichnet #NatalieChandler ein authentisch wirkendes, nicht minder bedrückendes Bild von Menschen, die in einem Halbleben – hier ,Syndrom reaktionsloser Wachheit' – gefangen sind, und schafft es, den Ablauf in einer Rehaklinik und die Verantwortung der PflegerInnen hintergründig einzufangen. Mit Lucia, Jamie und Elise, Dan, Milena und Richard Mandeville begrenzt sich die Anzahl der relevanten Figuren auf ein gutes Maß, sodass der Verlauf trotz Wirrungen, Twists und der Zeitwechsel verständlich bleibt. Stilistisch schwingt durchgängig eine Distanz mit, nur selten wird die pragmatische Nüchternheit von Emotionen durchbrochen und doch reicht die Ausgangslage, um von eigenen Gefühlen übermannt zu werden. Dass die Autorin zusätzlich gewichtige Themen aufgreift, Verrat, Lügen und grenzenlose Mutterliebe mit psychologischer Analyse verknüpft, lose Fäden gekonnt verbindet und Tamsins Geschichte zu einem durchdachten Ende führt, macht „Voices – Ich kann euch hören“ zu einem unblutigen, fesselnden und gewissermaßen faszinierenden Psychothriller.


»𝗨𝗻𝗱 𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗶𝗵𝗿 𝘃𝗲𝗿𝘀𝗽𝗿𝗼𝗰𝗵𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗻𝗶𝗲𝗺𝗮𝗻𝗱 𝗷𝗲 𝗲𝗿𝗳𝗮𝗵𝗿𝗲𝗻 𝘄𝘂𝗲𝗿𝗱𝗲, 𝘄𝗮𝘀 𝗶𝗵𝗿 𝘇𝘂𝗴𝗲𝘀𝘁𝗼ß𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 (…) 𝘄𝗲𝗶𝗹 𝘀𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗼 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗴𝗲𝘀𝗰𝗵𝗮𝗲𝗺𝘁 𝗵𝗮𝘁 (…).«

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Veröffentlicht am 16.02.2026

»Du bist das Beste auf dieser ganzen verdammten Welt.«

Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe
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„Two can play – Die spielerische Weiterentwicklung der Liebe“ ist die neue New Adult Romance von Ali Hazelwood und mit knapp 250 Seiten eine flott zu lesende Geschichte, die uns in eine winterliche Berghütte ...

„Two can play – Die spielerische Weiterentwicklung der Liebe“ ist die neue New Adult Romance von Ali Hazelwood und mit knapp 250 Seiten eine flott zu lesende Geschichte, die uns in eine winterliche Berghütte und mitten hinein in allerhand angestauten Frust führt.

Viola Bowen und ihre KollegInnen sind überhaupt nicht begeistert davon, ein paar Tage mit ihren verhassten KonkurrentInnen verbringen zu müssen – eingepfercht und eingeschneit in einem Ski-Retreat. Denn nur wenn sich die Teams zusammenraufen und ihre Kleinkriege beiseiteschieben, haben die Studios die Möglichkeit, den Zuschlag für einen großen Deal – die Entwicklung des Videospiels zu Limerick 3 – zu erhalten. Da dafür eine gewisse Kompatibilität erforderlich ist, heißt es nun für die Crews von Nephilim und FlyButter: Augen zu und durch.

Obgleich die Fronten zwischen den „Lagern“ sichtbar verhärtet sind, hat Bowen lediglich ein Problem: Jesse Andrews.
Jede Begegnung nach ihrer ersten war seinerseits von Distanz, subtilem Desinteresse und offensichtlicher Abweisung, vielleicht sogar Ekel, geprägt. Und Viola weiß einfach nicht, warum. Jetzt – Zimmer an Zimmer – seiner Kälte ausgesetzt zu sein, hört sich wie ein Alptraum an. In naher Zukunft – sollte das Teambuilding wider Erwarten unbeschadet vonstattengehen – intensiv mit Jesse an der Entwicklung eines Spiels zu jenen Büchern, die Viola so unglaublich viel bedeuten, zu arbeiten, klingt aktuell fast unmöglich. Doch die ambitionierte Lead-Designerin ist nicht gewillt, sich diese Chance durch irgendwelche unerklärlichen Befindlichkeiten ihres Kontrahenten/Kollegen entgehen zu lassen!
Zwischen bemühter Professionalität, Ski-Versuchen und heißer Schokolade, während im Retreat die Sticheleien und Provokationen nur so fliegen, offenbart dieser Kurztrip etwas, das nicht nur tragisch ist …

Wie für Hazelwood typisch waren sowohl die Idee der Geschichte als auch der Stil authentischer und humorvoller Natur. In einem trockenen Tonfall, in mit Sarkasmus unterlegten, bildreichen Worten verfolgen wir die Handlung aus Bowens Perspektive. Auf diese Art erfahren wir einige Details über sie, ihre Familie, die weder etwas von ihrer Berufswahl noch von ihren Entscheidungen hält, und ihre Verbindung zu der Buchserie, die übrigens wirklich nach einer klingt, die ich sofort lesen würde. Auch wie sich Viola und Jesse vor sieben Jahren kennengelernt haben und wie sich das eine oder andere Zusammentreffen seitdem gestaltete, wird eingebunden. Da wir nur Teil von Violas Sicht sind, wird ihr ehemaliger Crush bewusst in ein schlechtes Licht gerückt. Dies heizt die Frage, was hinter Jesses Verhalten steckt, zusätzlich an …

Viel zu schnell vergeht die Story, und trotz der Kürze ist es der Autorin gelungen, ihre Protagonistin mit Tiefe zu zeichnen. Viola, die Jüngste von fünf Geschwistern, liebt die Stille ihrer kleinen Wohnung, macht sich nicht allzu viel aus Partys oder Gesellschaft und ist dennoch kein typisch graues, von Zweifeln gebeuteltes Mäuschen. Im Gegenteil: Als Frau in einer von Männern dominierten, von Stigmata behafteten Branche weiß sie um ihr Talent und ihr Können, ist stolz auf das, was sie erreicht (hat), gibt sich selbstbewusst und besitzt Durchsetzungsvermögen. Lieben wir! Von Jesse erfahren wir zwar nicht ganz so viel, doch je mehr seine abweisende Haltung weicht und durch offene, klärende Gespräche ersetzt wird, umso deutlicher zeigt sich, dass wir es hier mit einer Greenflag und allerhand skurrilen Missverständnissen und –interpretationen zu tun haben.
Zwar bekamen die Kulisse der Berghütte, die Game Development-Thematik und die Nebenfiguren nur hintergründig Raum, sorgten aber dennoch für ausreichend Abwechslung und Stimmung, sodass es der RomCom insgesamt an nichts fehlt.

Alis Romance' sind immer etwas fürs Herz, bringen zum Lachen und Schmunzeln, zum wohligen Seufzen und natürlich zum Erröten. Denn nichts eignet sich besser als ein von anderen bezahltes, gemütliches Retreat, um sich näherzukommen, Projekte zu planen und Visionen zu erörtern. Während vor dem Fenster der Schnee sachte fällt.

In 3 Stunden durchgelesen – absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Schnappt euch einen Platz in der „Show Illusion“

Illusion – A Truth Worth Doubting
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𝗦𝘁𝗲𝗹𝗹𝗮 𝗥𝗵𝗼𝗱𝗲𝘀 ist einsam, pleite, verschuldet und verbringt ihre Abende in einer Bar als Kellnerin mit gelegentlichen Gesangseinlagen, die niemand zu schätzen weiß. Als ein merkwürdiger Fremder in ihr ...

𝗦𝘁𝗲𝗹𝗹𝗮 𝗥𝗵𝗼𝗱𝗲𝘀 ist einsam, pleite, verschuldet und verbringt ihre Abende in einer Bar als Kellnerin mit gelegentlichen Gesangseinlagen, die niemand zu schätzen weiß. Als ein merkwürdiger Fremder in ihr Leben tritt, ändert sich für die junge Sängerin alles – nicht nur die Geldsorgen sind verschwunden, auch sind da plötzlich Menschen, die Familie werden könnten, und ein Publikum, das sie hört – und sieht. Mitten in Las Vegas empfangen sie Glitzer, Glamour und verheißungsvolle Versprechungen. Ein Neuanfang, von dem Stella niemals gewagt hätte, auch nur zu träumen. Doch die Zweifel bleiben, denn wann war ihr das Schicksal je gnädig gesinnt? Bald schon zeigt sich, dass der wohl bekannteste Illusionist Vegas’ nichts dem Zufall überlässt, sondern sein Spielfeld ganz genau bestimmt …



☆ »𝐷𝑖𝑒 𝑆ℎ𝑜𝑤 (…) 𝑆𝑖𝑒 ℎ𝑜𝑒𝑟𝑡 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑎𝑢𝑓, 𝑤𝑒𝑛𝑛 𝑑𝑒𝑟 𝐴𝑝𝑝𝑙𝑎𝑢𝑠 𝑣𝑒𝑟𝑘𝑙𝑖𝑛𝑔𝑡. 𝑆𝑖𝑒 𝑠𝑖𝑐𝑘𝑒𝑟𝑡 𝑖𝑛 𝑑𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑇𝑟𝑎𝑒𝑢𝑚𝑒, 𝑖𝑛 𝑑𝑒𝑖𝑛𝑒 𝐻𝑎𝑢𝑡, 𝑖𝑛 𝑑𝑒𝑖𝑛 𝐻𝑒𝑟𝑧. 𝑆𝑖𝑒 ℎ𝑜𝑒𝑟𝑡 𝑛𝑖𝑒 𝑎𝑢𝑓. (...) 𝐵𝑖𝑠 𝑑𝑢 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑚𝑒ℎ𝑟 𝑤𝑒𝑖ß𝑡, 𝑤𝑎𝑠 𝑒𝑐ℎ𝑡 𝑖𝑠𝑡 𝑢𝑛𝑑 𝑤𝑎𝑠 𝑛𝑢𝑟 𝑤𝑖𝑟𝑘𝑒𝑛 𝑠𝑜𝑙𝑙.«



𝗟𝗲𝘃𝗶𝗻 𝗥𝗶𝗽𝗹𝗲𝘆 ist ein Visionär, der hart dafür gearbeitet hat, um dorthin zu kommen, wo er jetzt ist. Mithilfe seiner sorgsam gewählten Crew begeistert er mit technisch modifizierten, komplexen Räumen und fantastischen Shows seit Jahren scharenweise ZuschauerInnen. Aber um dem Erbe seiner Eltern gerecht zu werden, sich einen Namen in der Stadt, die niemals schläft, zu machen, reichten weder Träume noch fortschrittliche Entwicklungen oder intensive Forschung – Levin musste auch sich, seine Ideen, verkaufen. Doch der 25-Jährige hat einen Plan, mit dem er die Ketten, die um ihn, sein Werk, seine Wahlfamilie liegen, sprengen und gleichzeitig ein Versprechen erfüllen kann. Nicht einmal Fias Abgang oder die Tatsache, eine Außenstehende in sein fragiles Netz zu ziehen, halten ihn jetzt noch davon ab, sich zurückzuholen, was ihm gehört. Was ihm schon immer gehörte … Dabei ist Levin längst nicht mehr der Spielmacher.



Zuerst: „𝐈𝐥𝐥𝐮𝐬𝐢𝐨𝐧: 𝐀 𝐥𝐢𝐞 𝐰𝐨𝐫𝐭𝐡 𝐛𝐞𝐥𝐢𝐞𝐯𝐢𝐧𝐠“ ist optisch wunderschön – die aufgehübschten Kapitelanfänge sowie die visualisiert dargestellten Notizen und Zeitungsartikel werten das Buch zusätzlich auf. Vor allem begeistert bin ich aber von der Idee: Inmitten spektakulärer Illusionen, zwischen eindrucksvollen Shows und auf das Individuum reagierenden Räumen, stetig im Wandel, wartet eine Suspense-Romance, in die Janine Ukena Mysterien, Halbwahrheiten und perfide Pläne gesetzt hat, nebulöse Figuren und Misstrauen an jeder Ecke.

Stilistisch dürfen wir in einen Mix aus Poesie und purem Gefühl eintauchen, in Verletzlichkeit und malerisch-leuchtende Worte. Das Setting von Las Vegas – nie dunkel, nie still – kam genauso greifbar zur Geltung wie die in der Handlung verstreuten Informationen über die Funktion der hier angewandten Technik, die magischen Showeinlagen und die zahlreichen Fragen, die sich nicht nur vor Stella auftun. Ihr nagendes Unbehagen über Levins wankelmütiges, aber anziehendes Auftreten, ihr Unglaube darüber, dass dies, dieses glamouröse Leben, wirklich ihres sein könnte, sein soll, und die Angst vor dem Haken in Kombination mit Euphorie flauten zu keiner Zeit ab. Ob ihr Zögern berechtigt ist, ihr Hinterfragen Antworten bringt?



Levin, von dessen – unheilvollen – Gedanken wir im selben Maße Teil werden wie von Stellas, hüllt sich zumindest für uns nicht in Schweigen – wenn auch lange nicht gewiss ist, wieso gerade sie. Welches Ziel er im Alleingang verfolgt. Und was es mit dem plötzlichen Verschwinden von Rhodes’ Vorgängerin auf sich hat – Fia Rivers, von der selbst das Internet nichts weiß. Vage Andeutungen, Kalkül und seine steinharte Fassade, Levins widersprüchliches Verhalten und die bemühte Distanz machen den Illusionisten interessant. Lassen ihn signifikant zum Auslöser der Anspannung werden – denn Stella ist nicht nur hier, auf seiner Bühne, weil sie Musik atmet …



Im Verlauf erhaschen wir Einblicke in das Aufwachsen beider, in ihre Empfindungen und Eindrücke, erhalten Fragmente, die sich zu einem Ganzen zusammensetzen, Verständnis auslösen. Sind bei spritzigen Schlagabtauschen dabei, bei emotionalen Gesprächen. Dennoch bleibt die beständige Ahnung einer Bedrohung, subtil und unterschwellig, erhalten. Ebenso wie das Wissen, dass längst noch nicht alle Geheimnisse enthüllt wurden, und Levin … Levin nicht alles kontrolliert. Nicht als einziger manipuliert. Im Auftakt der Dilogie werden wir von Wendungen überrascht, von erinnerungswürdigen Inszenierungen, von leisen Herzklopfen und Offenbarungen, die alles infrage stellen …

Ukena bestückte ihre Storyline mit einer dichten, einnehmenden Atmosphäre, mit etwas Gefährlichem und einem raffinierten Labyrinth aus Täuschungen und Irrungen. Einem Hauch Wahnsinn. Wir lernen Charaktere kennen, die sowohl FreundIn als auch FeindIn sein könnten – ausreichend integriert, mit Eigenheiten gezeichnet, mit Charme und Resignation.

Aber wem misstraust du, wenn du nichts von alledem glauben kannst? Wo findest du Realität, wenn um dich herum alles eine Lüge ist?

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☝🏻Gut zu wissen: Band 2 der Dilogie erscheint bereits im Mai!

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Veröffentlicht am 03.02.2026

„Willkommen am St. Clair, wo die Realität die Regeln frisst.“

Royal Clair Club 1: Her First Hunt
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Man nehme Twilight in abgefuckt, Fairytales ohne Glitzer, Wednesday mit Libido und ein elitäres Internat mit einer Vielzahl gestörter, intriganter und gewissenloser Peeps – gesprenkelt mit Gossip-Girl ...

Man nehme Twilight in abgefuckt, Fairytales ohne Glitzer, Wednesday mit Libido und ein elitäres Internat mit einer Vielzahl gestörter, intriganter und gewissenloser Peeps – gesprenkelt mit Gossip-Girl – und voilà …

Granny Zooza ist es zu verdanken, dass Inez Campbell die schäbige Schuleinrichtung Westcliffs und ihr heruntergekommenes Zuhause hinter sich lassen kann, um im Elite-Internat der St. Clair ihren akademischen Weg zu beschreiten. Inez – nicht gefasst auf das, was sie in dem herrschaftlichen Gemäuer erwartet – setzt all ihre Hoffnungen auf einen Abschluss, um für sich und ihre Familie eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, weg vom Dreck. Außerdem will die 21-Jährige unbedingt hinter Zoozas Geheimnisse und ihre Beweggründe kommen, immerhin war sie selbst einst eine Schülerin der berüchtigten Academy …
Allerdings zählt hier nicht harte Arbeit, sondern Einfluss, Schamlosigkeit und das Wort der X-Boys. Jede/r hier wetteifert um einen Platz im exquisiten Royal Clair Club der Königssöhne – ohne zu wissen, was es letztlich bedeutet, von den Barclays auserwählt zu werden, treten MitschülerInnen in blutigen Bällen und tödlichen Prüfungen gegeneinander an. Inez kommt sich vor wie im falschen Film und ist doch mittendrin. Denn der jüngste Prinz hat eine ungesunde Obsession ihr gegenüber entwickelt … Statt Pauken bis zum Umfallen heißt es nun kämpfen, flüchten, jagen, stöhnen. Plötzlich setzt auch Inez alles daran, es bis ins Finale und darüber hinauszuschaffen – denn je tiefer die junge Frau in die Gerüchte und Mythen der St. Clair eintaucht, in das Netz aus Intrigen, Dominanz und Lügen, desto tiefere Abgründe, umso mehr Fragen tun sich auf – Fragen über sich selbst, über Zooza, die Königsfamilie und all die verschwundenen SchülerInnen …

Mit 700 Seiten enthält der Auftakt der Dark-Romantasy-Dilogie eine Menge Input, der sich schwerlich zusammenfassen lässt. Fakt ist: Ayla Dade hält ihr Versprechen aus dem Vorwort: Dieses Buch ist – auf die bestmögliche Weise – creepy, verstörend, intensiv und dunkel. Es gibt keine HeldInnen, keinen Pseudo-Bad-Boy, der durch Liebe seine Ritterlichkeit entdeckt, kein Gewissen und auch kein Schamgefühl. Dafür nimmt uns die Atmosphäre von der ersten Seite an gefangen. Brutale Szenen bannen den Blick aufs Papier, zügellose Begierde heizt ordentlich ein und freche, schlagfertige Dialoge, Sarkasmus und ein Hauch Glamour sorgen samt „ausgefallener“ (kranker) Charaktere für eine Art schrägen Humor. „Royal Clair Club“ ist skurril, fesselnd und erschreckend faszinierend.
Wirkt Inez zu Beginn noch ziemlich und regelkonform, lernen wir im Verlauf eine knallharte Bitch kennen, die nicht davor zurückschreckt, sich die Hände schmutzig zu machen, zurückzuschlagen, zu betteln. Ihre Empfindungen sind ambivalent – hin- und hergerissen zwischen „Das ist falsch“ und „Ich will es trotzdem“ war sie nahbar, aber definitiv nicht perfekt. Auf den Spuren ihrer Granny zu wandeln, deren kryptischen Hinweisen nachzugehen, nicht an der Academy – nicht während der Spiele, nicht in Calix' Nähe – unterzugehen, allen zu beweisen, mehr zu sein als ihre armselige Herkunft, treibt die Studierende mehrfach an ihre Grenzen. Immer öfter bleibt die Frage nach dem Warum: Warum ist Zooza tot, warum ist Inez hier und warum ist sie – ein Mädchen aus dem Armenviertel – für die X-Boys so interessant? Zumindest wird dem „Black Swan“ schnell und sehr deutlich vor Augen geführt, dass sie niemandem trauen kann, weder an der St. Clair noch in Westcliff, und dass die ganze verdammte Insel ein Morast aus Geheimnissen ist.

In wenigen Kapiteln sind wir Teil von Calix – trotz rührender Hintergründe über sein Aufwachsen, Einblicke, die ihn verletzlich und die Familien,dynamik’ griffiger machen, trotz gestohlener Augenblicke und überraschender Intentionen bleibt er, was er ist … Diese Konsequenz zieht Ayla Dade nicht nur bei ihren Figuren knallhart durch – auch erzählerisch haben wir ausschließlich einen direkten, ungeschönten und dabei sehr bildhaften Ton, ohne, dass das Geschriebene einen billigen Beigeschmack erhält.
Sadistische Szenen und psychopathische Züge, Gräuel und Creepy-Things, ohne rosa Flimmern. Von moralischen Grautönen bis hin zur schwärzesten Nacht.
Ein weiteres Beispiel sind die Mysterien, die verborgen bleiben. Dade facht Vermutungen an, gibt wankende Hinweise, wirft rege alles um und verrät dabei nichts. Bis zum Ende – und darüber hinaus – sind die X-Boys, der König, die Spiele, Inez' und Zoozas Rollen sowie allerhand anderes nur eine Ahnung. Frustrierend? Im Gegenteil. Einerseits erhält die Story dadurch einen ganz eigenen Sog, weiß man doch nie, was kommt, woran man wirklich ist, andererseits bleibt so die Neugier konstant erhalten und die Überraschungsmomente gesichert.
Und der Spice? Die expliziten Szenen? Die sind gewagt – klatschnass und steinhart. Nie sanft. Mit Konsens im Zwiespalt.

Weitere Mitwirkende – ob FreundIn, Initiator oder irre/r KonkurrentIn – beleben die Handlung zusätzlich: Violet, Fergie, Yule, Shay, Don, die restlichen X-Kids oder der perfide Monarch von Monclair (…) Auch hier ist nie gewiss, wem zu trauen ist. Ich fand sie alle jedenfalls äußerst eigenwillig und interessant. Gerade Pixie und Bellatrix sind abgefahrene Nummern für sich! Der fantastische Aspekt ist mehr oder minder gegeben, jedoch Teil der Ungewissheit, die Ayla Dade um ihre Dilogie gesponnen hat.

Zwischen poetischen Worten und vulgären Ausdrücken, zwischen harten Ficks und absurder Obszönität; Wettbewerben, die einem Horrorstreifen entspringen könnten, und bitterbösen Abgründen finden sich Blut und Verderben, Leidenschaft und Abscheu, Huldigungen, die stark an Sekten, und Szenen, die an eine abgefuckte Twilight-vs-Aschenputtel-Version erinnern. Ich habe diese Kombination geliebt, gibt es doch einiges zu entdecken – inmitten Wiedererkennen und der offensiven Neugestaltung des Bekannten.
Die Dark-Academia-Vibes, die Inszenierung der Schauplätze – von dekadenten Anwesen, alles verschlingendem Moor, verlassenen Wäldern und Gänsehaut erregenden Zeremonien – sowie die temporeichen Sequenzen und jene, in denen Beklemmung dominiert, waren hervorragend ausgearbeitet. Jedoch fehlte es stellenweise an Tiefe und Momenten zum Verweilen. Vor allem ab der zweiten Hälfte hechtet Campbell von einer Gefahr, einer Aufgabe, einer Spur zur nächsten; der Unterricht, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Tiefe gesammelter Erkenntnisse und Empfindungen bleiben hingegen auf der Strecke. Nichtsdestotrotz ist „Her first Hunt“ ein mitreißendes Sammelsurium aus Geheimnissen, Irrungen, Gewalt und einer Dunkelheit, die selbst die abgeklärtesten Fassaden bricht. Der Cliffhanger lässt jetzt sehnsüchtig auf „His last Bite“ warten!
Seid ihr bereit, in die schillernde Elite einzutauchen, vor den Prinzen im Dreck zu knien und eure Seelen zu verkaufen?

Übrigens: nicht nur äußerlich ein Hingucker. Im Inneren warten neben einem ziemlich coolen Vorwort und einer Karte der Insel, stilvolle Kapitelüberschriften und mehrere Illustrationen.

Bock auf einen Schocker – unzensiert? Dann werdet Mitglied im „Royal Clair Club“.

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