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Veröffentlicht am 02.04.2019

Brandaktuell, packend & spannend bis zum Schluss.

Die Akte Rosenrot
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"Die Akte Rosenrot" von Astrid Korten

Zu Anfang möchte ich sagen, dass dies mein erstes Buch der Autorin war, welches ich und wenige andere buchbegeisterte Menschen vorab lesen durften - dafür ein großes ...

"Die Akte Rosenrot" von Astrid Korten

Zu Anfang möchte ich sagen, dass dies mein erstes Buch der Autorin war, welches ich und wenige andere buchbegeisterte Menschen vorab lesen durften - dafür ein großes Danke!
Aber war dieser erste Kontakt mit der Autorin mein letzter?
Lest selbst:

Worum geht es in diesem Politthriller, auf dessen blauen Cover eine Rose prangt?
Der Hauptprotagonist, ein ehemaliger erfolgreicher Profiler beim BKA Berlin, Ibsen Bach, wird nach einem schweren Unfall, von dem er neben einem großen Verlust auch Schmerzen und ungewöhnliche Eigenarten zurückbehalten hat, in den Innendienst versetzt. Nach einigen Jahren bekommt er, wenn auch nicht aufgrund erfreulicher Nachrichten, wie z.B. seiner vollständigen Genesung der Unfallschäden, die Möglichkeit aktiv an einem Fall mitzuarbeiten:
An einem Tatort in Moskau wurde eine Nachricht hinterlegt - speziell adressiert an Ibsen.
Eine Reihe symbolischer Mordfälle beginnt - oder ist es möglich das sie weitergeht und nie beendet war? Wieso kommt die Art der Tötung Ibsen so bekannt vor?
Und wieso ist der ehemalige Profiler persönlich involviert?
Welche Verbindung besteht zwischen dem Täter & ihm?

"Die Akte Rosenrot" behandelt ungeschönt jedoch realistisch ein gewagtes, aktuelles Thema.
Von Beginn an hat mich das Buch gefesselt, tatsächlich nahm ich sogar den einen oder anderen Termin verspätet wahr, weil ich nicht aufhören wollte zu lesen. Und auch beim pausieren blieb dieser Thriller in meinem Kopf. Oft habe ich darüber nachgedacht, gekniffelt und zittrig gewartet, bis ich endlich weiter lesen konnte.
Trotz wirr wirkender Vernetzungen hatte ich keine Probleme an der Geschichte dranzubleiben. Obwohl der Einstieg in dieses spannungsgeladene Leseabenteuer mit einigen Namen und scheinbar unzusammenhängender Teilabschnitte beginnt, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzufinden. Mein Interesse wurde dadurch nur weiter angeregt, denn diese gestreuten Puzzleteile müssen sich doch irgendwo auf den nächsten Seiten, zum richtigen Zeitpunkt schlüssig in die Geschichte einfügen können!?
Weder die russischen Namen noch die einzelnen Fachbegriffe stoppten meinen Lesefluss, da der gesamte Schreibstil unkompliziert gehalten wurde. Die einzelnen Kapitel sind zum Teil kurz, vielleicht um dem Leser so die Möglichkeit zu geben, das Buch bedenkenlos zur Seite legen zu können, um durchzuatmen? Zudem sind sie mit knappen Überschriften sowie Ort und Datum betitelt, was ein unkompliziertes zurechtfinden ermöglicht, da die Handlung in diesem intensiven Politthriller sowohl in Moskau als auch in Deutschland stattfindet und die Protagonisten oftmals pendeln. Sehr positiv ist mir aufgefallen das kein Kapitel den Zweck erfüllt lediglich als eine Art "Füllmaterial" zu fungieren, jedes ist - früher oder später - relevant um zu verstehen, dadurch kommt es beim lesen zu keiner Langatmigkeit oder dem aufnehmen unwichtiger Zeilen.
Die Nebendarsteller sind gut ausgearbeitet, sodass ich sie mir vor Augen führen konnte. Oftmals rücken andere Charaktere zu sehr in den Hintergrund, werden nur kurz angeschnitten, oberflächlich beschrieben, was zu meiner Freude in "Die Akte Rosenrot" nicht der Fall war. Durch äußerliche Beschreibungen, die Wahrnehmung von Ibsen oder das Betrachten einer Situation aus der Sicht eines anderen Protagonisten, zum Beispiel aus dem Blickwinkel von Dimitri oder Leo, wurde auf andere Figuren großartig eingegangen, was meiner Ansicht nach dem Leser intensiver die Möglichkeit bietet in eine Geschichte einzutauchen sowie mitzufühlen, - zu leiden und zu - fiebern.
Die detaillierten Schilderungen von unvorstellbar grausamen Szenarien wurden nicht klischeehaft oder altbacken übernommen. Durch den mysteriösen Täter, der jeder sein könnte, bleibt die Geschichte bis zum Ende, oft nervenzerreißend, spannend. Aufgrund der vielen Fährten, der Andeutungen & Verknüpfungen lässt Astrid Korten es nicht zu, dass dem Leser Neugier und Interesse abhandenkommen, die Fragen nach dem Täter und den Zusammenhängen verfrüht beantwortet werden oder auch nur ein Funken Langeweile aufkeimen könnte.

Beeindruckt hat mich auch das Nachwort, welches deutlich zeigt das Frau Korten für dieses aufklärende Werk engagiert recherchierte. Für diesen brisanten Einblick, welcher unter Anderem mit hoher Wahrscheinlichkeit Leidenschaft & Mut benötigte sowie schlaflose Nächte forderte, in ein Thema, das sich kaum jemand derart ungeschönt öffentlich anzusprechen traut, erhält die Autorin meinen größten Respekt - ebenso wie ehrliche Begeisterung für das entstandene Buch.

Nach dem Beenden dieses mitreißenden Thrillers blieben - neben einem mulmigen Gefühl - für mich fast so viele Fragen offen, wie jahrelang für den Hauptprotagonist Ibsen Bach:
War oder ist das selbst heute noch die grausame Realität, die hinter den verschwiegenen Mauern der stets lächelnden Politik herrscht?
Was ist letztendlich die Wahrheit um Lara und was hat es mit dem Kind, welches Ibsen auf dem Foto nicht wahrnimmt, auf sich?
Wird es eine Fortsetzung des Grauens geben?

Und wird Astrid Korten meine Neugier befriedigen?

Falls sie es wagt die übrigen Protagonisten noch einmal mit diesem Gräuel zu konfrontieren, sie noch einmal in die Abgründe des Systems tauchen zu lassen werde ich definitiv eine der ersten sein, die dafür Schlange stehen!

Fazit:
Ein erschreckender Politthriller, der aufgrund seines eigentlichen Themas zum nachdenken anregt. Lektüre, welche man nach Beendigung augenblicklich vergisst, kann kein allzu bereicherndes Buch gewesen sein - ich kann euch sagen, dass dies hier definitiv nicht der Fall ist. Dieses packende Werk beschäftigt mich auch jetzt noch und ist meine persönliche Leseempfehlung!

Das erste Buch von Astrid Korten, ja - definitiv aber nicht das Letzte!

Veröffentlicht am 13.04.2026

Spannende Story, die mehr ist als eine Romance

Ivy League
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𝑨𝒏 𝒅𝒆𝒓 𝒀𝒂𝒍𝒆-𝑼𝒏𝒊𝒗𝒆𝒓𝒔𝒊𝒕𝒚 𝒆𝒏𝒕𝒃𝒓𝒆𝒏𝒏𝒕 𝒆𝒊𝒏 𝒖𝒏𝒆𝒓𝒃𝒊𝒕𝒕𝒍𝒊𝒄𝒉𝒆𝒓 𝑾𝒆𝒕𝒕𝒌𝒂𝒎𝒑𝒇 …



𝗟𝘂𝗺𝗲𝗻 𝗥𝗶𝗰𝗵𝗮𝗿𝗱𝘀' Traum ist es, Anwältin zu werden, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und ihre von der Armut gebeutelte Familie finanziell ...

𝑨𝒏 𝒅𝒆𝒓 𝒀𝒂𝒍𝒆-𝑼𝒏𝒊𝒗𝒆𝒓𝒔𝒊𝒕𝒚 𝒆𝒏𝒕𝒃𝒓𝒆𝒏𝒏𝒕 𝒆𝒊𝒏 𝒖𝒏𝒆𝒓𝒃𝒊𝒕𝒕𝒍𝒊𝒄𝒉𝒆𝒓 𝑾𝒆𝒕𝒕𝒌𝒂𝒎𝒑𝒇 …



𝗟𝘂𝗺𝗲𝗻 𝗥𝗶𝗰𝗵𝗮𝗿𝗱𝘀' Traum ist es, Anwältin zu werden, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und ihre von der Armut gebeutelte Familie finanziell zu unterstützen. Deswegen arbeitet die Stipendiatin unermüdlich. Nutzt jede Chance, um sich zu beweisen, und glänzt mit hervorragenden Leistungen.

Jetzt könnte sie DEN Praktikumsplatz ergattern – bei einer der renommiertesten Kanzleien New Yorks. Doch in diesem Jahr nimmt Ashford Legal nur eine/n einzige/n Praktikanten/in. Und gerade der Mann, den sie seit ihrer ersten Begegnung verachtet, der in ihr Ekel und pure Abneigung entfacht, ist ihr größter Konkurrent.



𝗝𝗮𝗰𝗸𝘀𝗼𝗻 𝗖𝗮𝗿𝘁𝗲𝗿 ist der Sohn des Gouverneurs und bekannt für seine legendären Partys. Er ist es gewohnt, von jedem/r umschwärmt zu werden und alles zu bekommen, was er will. Und gerade will er nichts mehr als das sechswöchige Praktikum bei Howard Ashford Legal. Denn er liebt es, zu gewinnen. Aber noch mehr liebt er den Gedanken, seinen Vater zu zerstören. Dass Lumen, die einzige Schülerin, die es mit seinen Leistungen aufnehmen kann, die einzige Person, die nicht ehrfürchtig vor seiner Präsenz zurückweicht, ihm sogar die Stirn bietet, es auf den gleichen Platz abgesehen hat, passt Jackson nicht in seinen Plan. Als seine Versuche, sie von der Bewerbung abzubringen, scheitern, ist er gezwungen, fünf Tage mit ihr auf engstem Raum zusammenzuarbeiten und sie gleichzeitig irgendwie auszustechen …



Zusammen mit einem dritten Bewerber – Ángel – werden sie in dieser Woche in einen fordernden Fall involviert, dessen Ausmaße so weitreichend sind, so zerstörerisch und gefährlich, dass ihre Feindschaft in den Hintergrund rücken sollte – doch weder Lumen noch Jackson sind bereit, einen Millimeter zurückzuweichen. Dabei sind ihre Gefühle längst nicht mehr von Hass durchtränkt …



Über dieses Buch habe ich auf Social Media und in diversen Shops ausschließlich (sehr) Gutes gelesen. Obwohl ich mich selten von der Community oder anderen Rezensionen zu einem Kauf verleiten lasse, war meine Neugier geweckt. Tja, ich bin positiv überrascht, denn auch mich hat der erste Band der New-Adult-Trilogie „Ivy League“ schnell mitgerissen und trotz der einen oder anderen unspektakulären Länge überzeugt.

Wie für den Auftakt einer Serie typisch werden wir in die Ausgangssituation der Hauptcharaktere geführt und mit ihrem aktuellen Leben, ihren Zielen, Problemen und Gedanken konfrontiert. Abgesehen von dem Konkurrenzkampf um das Praktikum, den feurigen Begegnungen der beiden und den oft spritzig-direkten Diskussionen nimmt der Fall ,Pink Shield' einen Großteil der Story ein. Mit diesem spricht Ann-Kathrin Falkenberg nicht nur die fahrlässige, zu schnelle Zulassung von Medikamenten und Korruption in Forschung und Medizin an, sondern macht zeitgleich auf Gebärmutterhalskrebs aufmerksam.

Welche – auch persönlichen – Kreise die Recherche der drei Studierenden zieht, welche Risiken, Täuschungen und Manipulationen aufgedeckt werden, ist überraschend, dabei (leider) glaubhaft und der unterschwelligen Spannung, die zum Mutmaßen animiert, zuträglich.



Falkenbergs Stil ist einfach, aber gleichermaßen lebendig und detailreich, sodass sich die New Yorker Kulisse einer atmosphärischen und die Arbeit in diesem Zweig der Justiz, einer Männerdomäne, einer verständlichen Inszenierung erfreut. Die Autorin zeichnete ihre Protagonisten nahbar, mit verschiedenen Motivationen und einer persönlichen Geschichte. Auch andere Figuren bereichern die Handlung. So nimmt bspw. Laura Porter eine taffe Vorbildfunktion ein, im Gegensatz zu Robert Alexander Carter, der in Kombination mit dem Wissen, was wir im Verlauf unweigerlich über ihn sammeln, für Gänsehaut der unguten Sorte sorgt. Öfter dominieren Schwermut und der Mix aus Berechnung und Bedrohung, der Widerwillen ob der prickelnden Anziehung und fatale Überlegenheit das sich zuspitzende Geschehen.



Lumen Richards ist nicht bereit, sich von Jax einschüchtern zu lassen, und kämpft um ihren Platz in der Kanzlei. Die Studentin präsentiert sich als aufopferungsvoller Familienmensch, als loyale und verbissene, stolze und starke Frau. Schlagfertig und intelligent.

Jackson Carter gibt sich derweil als unterkühltes, arrogantes Rich Kid, das sich seiner Wirkung und seines Einflusses bewusst ist, und geht mit perfidem Kalkül vor. Dennoch hebt er sich von seinen Freunden – Rohan und Jeremy –, die keinerlei Grenzen kennen, ab und beweist in diversen Szenen seinen moralischen Kompass. Nichts – weder Drogen noch Alkohol, weder Geld noch Frauen – ändert etwas an Jacksons Hass auf seinen Vater, an seiner Trauer. An seinem abgestumpften Inneren. Nichts. Außer Lumen.

Die Dynamik zwischen den unerbittlich rivalisierenden, sich herausfordernden und provozierenden Protagonisten entwickelt sich in einem stimmigen Maß, das erst im letzten Abschnitt expliziter, näher wird. Misstrauen wird von Vertrauen abgelöst, Abneigung von Geborgenheit – doch zu welchem Preis? Was ist echt, was Teil einer perfiden Strategie?

Während sich die Woche der erkenntnisreichen Probearbeit dem Ende nähert, Ángel, Jax und Lumen immer mehr Puzzleteile zu einem Bild voller unbequemer Fragen zusammensetzen, lässt die junge Frau ihre sorgsam aufgebaute Deckung sinken – und bezahlt dafür. Doch ist nicht sie es, die aus „Guilty Rivals“ mit der schmerzlichsten Verletzung hervorgeht …



Ann-Kathrin Falkenberg sponn feine und durchdachte Verstrickungen, spart weder an Tempo noch an explosiven Emotionen und verzichtet auch nicht auf einen Cliffhanger – ich bin sehr gespannt darauf, welche Wahrheiten sich in der Fortsetzung im Licht manifestieren. Und ob Lumen Jackson noch einmal an sich heranlassen kann …



➡️ 𝕋𝕙𝕖 𝕙𝕪𝕡𝕖 𝕚𝕤 𝕣𝕖𝕒𝕝, 𝕒𝕟𝕕 𝕪𝕖𝕤, 𝕚𝕥'𝕤 𝕣𝕖𝕒𝕝𝕝𝕪 𝕨𝕠𝕣𝕥𝕙 𝕚𝕥.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Lebensnah, authentisch, berührend

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben ...

Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben sich längst Gewohnheit und Distanz eingenistet. Resignation und Unzufriedenheit haben Leidenschaft und Wertschätzung ersetzt. Ihre euphorischen Zukunftspläne wurden von der Monotonie des Alltags überschrieben, von Ängsten, Scheitern und Zögern. Die Ehe von Jules und Adam befindet sich in einem Zustand, der nach Stagnation schreit und nach Wehmut. Denn was wäre gewesen, wenn …
Welche Chancen haben sie verpasst, welche Fehler gemacht und was kommt noch? Was bleibt, wenn Nelly und Liam das Nest verlassen?

Als Adam sich nach einem Streit ein altes Mixtape anhört, ist er wieder 17 Jahre jung. Mit dieser unglaublichen Entdeckung verändert sich für das Paar alles – in dieser und in jeder Zeit zuvor. Was als Beobachtung beginnt, entwickelt sich zu einer Sucht, in der nichts unmöglich zu sein scheint. Aber jedes Eingreifen in die Vergangenheit hat unberechenbare Folgen.
Statt die Gegenwart besser zu gestalten, erkennen sich Adam und Jules, erkennen sie einander, schon bald nicht wieder. Und plötzlich droht, dieses Abenteuer zu entgleisen und all ihre Jahre, ihre Erinnerungen, ihre Familie zu zerstören …
Wie viel musst du ändern, um zufrieden zu sein?

„You and Me: Die zweite erste Liebe“

Emlyn Rees und Josie Lloyd lassen uns aus wechselnder Perspektive, in einem direkten und modernen, lebendigen Ton, an dem Geschehen, das mich von Seite eins an gefesselt, ungeahnt berührt und interessiert hat, teilhaben. Zu Beginn erhalten wir Einblicke in die gegenwärtige Situation des Ehepaares, erhaschen Funken der brodelnden Konflikte, der vergeblichen Bemühungen, der monotonen Gleichgültigkeit. Es fehlt an Geld, neuen Perspektiven, Herausforderungen und frischem Wind. An dem Kribbeln, das der andere einst entfachte, an der glückstrunkenen Liebe ihrer Jugend. Auch der Blick in den Spiegel, die körperlichen Veränderungen – der nicht mehr ganz so straffe Körper, die Falten im Gesicht, die ersten grauen Haare –, einschneidende Erlebnisse, die ihren Weg steiniger werden ließen, sowie die Vergleiche mit FreundInnen, beißender Neid, stille Vorwürfe quälen Adam und Jules. Dass sich die Protagonisten um ihren grundverschiedenen Nachwuchs sorgen, kommt erschwerend hinzu. Das Autorinnenduo hat all diese Empfindungen, die Probleme und die Wut unglaublich authentisch dargelegt. Nahbar. Sich mit den Gefühlen der beiden zu identifizieren, gelingt mühelos, passiert einfach so.
Sobald die – anfangs hoffnungsvoll betrachteten – Mixtapes, diese verführerische Chance auf ein erfüllteres, leichteres Leben, ins Spiel kommen, steigt neben Tempo, Nervenkitzel und Euphorie auch die Verzweiflung an. Parallel hierzu wird die Vergangenheit des Paares mit relevanten, für uns hilfreichen Informationen ausgeschmückt. Denn während der Zeitreisen sind wir mittendrin: in den romantischen Anfängen, bei schweren Entscheidungen und den ersten Brüchen, entdecken Facetten und Träume, Sehnsüchte und Geheimnisse, Enttäuschung und Trauer. Adams und Jules individuelle Motivationen waren natürlich und nachvollziehbar, genau wie die wachsende Panik. Wie die langsam zunehmende Gewissheit, nicht mehr umkehren zu können, auf jeder Reise etwas zurückzulassen und einen Teil ihrer selbst, ihrer Beziehung, der Wahrheit auszuradieren …

Adam und Jules wurden mit viel Liebe zum Detail, mit Fehlern, ambivalenten Empfindungen und Eigenheiten gezeichnet, waren unfair und wütend, einsichtig und voller Bedauern. Beide entwickeln sich, gewinnen Erkenntnisse und wachsen an diesem fantastischen und zugleich gefährlichen Abenteuer. Die Story war bunt und echt, strotzt trotz der beklemmenden Umstände vor Unterhaltung und auch die Nebenfiguren – vor allem Darius, Nelly und Liam – bekommen den nötigen Raum und bereichern mit ihrer Präsenz, ihren Eigenschaften und Intentionen die Handlung.

Die Autorinnen haben in ihrem aussagekräftigen, ereignisreichen und spannenden Plot sich stetig wandelnde Charaktere, etliche Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen platziert. Es gab bewegende Szenen, humorvolle Momente, Augenblicke, die schwer von Wehmut und Melancholie waren. Kapitel, die von einer bedrückenden Stimmung begleitet wurden, und solche, die vor Leichtigkeit sprühen.
Hier und da flossen die Übergänge zwischen Vergangenheit und (neuer) Gegenwart auf eine Art ineinander, die es schwierig machte, den Überblick zu behalten, doch abgesehen davon hatte ich unglaublich viel Spaß mit dem Roman, der zum Innehalten und Nachdenken, zum Mitfiebern und -fühlen drängt. Der Nostalgie und Vorfreude, Verständnis und Wiedererkennen weckt. Mut macht.

Rees und Lloyd schrieben mit „You and Me: Die zweite erste Liebe“ eine turbulente, realitätsnahe Geschichte, die daran erinnert, dass wir jetzt die beste und einzig richtige Version unserer selbst sind und jede Entscheidung, mag sie noch so klein sein, Veränderungen birgt. Dass es nie zu spät ist, seine Träume zu leben. Und die Liebe von gestern auch in einem neuen Morgen bestehen kann, wenn man sie wirklich will.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Beklemmend, stark erzählt, wendungsreich

Voices. Ich kann euch hören
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Drei Jahre sind vergangen, seit ein unklarer Autounfall Tamsin Shaws Realität in nebulöse Dunkelheit hüllte und sie in einen hilflosen Zustand der Abhängigkeit versetzte.
Bewegungsunfähig und gezwungen, ...

Drei Jahre sind vergangen, seit ein unklarer Autounfall Tamsin Shaws Realität in nebulöse Dunkelheit hüllte und sie in einen hilflosen Zustand der Abhängigkeit versetzte.
Bewegungsunfähig und gezwungen, schlicht zu erdulden, wartet die „Koma“patientin darauf, dass ihr Körper endlich ihrem Geist folgt. Denn dieser ist längst wieder aktiv, analysiert die BesucherInnen und versucht bisher vergeblich, sich an die letzten Stunden ihres „alten Lebens“ zu erinnern. Denn als erfahrene und erfolgreiche Psychologin weiß Tamsin, dass manche Erinnerungen so traumatisch sind, dass das Gehirn sie unter allen Umständen verschlossen hält. Dabei sind es gerade diese fehlenden Teile, die ihr das Aufwachen verwehren.

Als ihr Ehemann kurz vor ihrem 40. Geburtstag die Entscheidung trifft, sie aus diesem Zustand zu erlösen, läuft Tamsin die Zeit weg. Wenn sie jetzt aufgibt, wird sie ihrer Tochter niemals ins Gesicht blicken können …



Natalie Chandler wirft uns in „𝐕𝐨𝐢𝐜𝐞𝐬 – 𝐈𝐜𝐡 𝐤𝐚𝐧𝐧 𝐞𝐮𝐜𝐡 𝐡𝐨𝐞𝐫𝐞𝐧“ in ein angsterfülltes, beklemmendes Szenario: ausgeliefert und bedürftig, jeglicher Chance beraubt, zu kommunizieren, zuzustimmen oder abzulehnen.

Durch Tamsin und Jamie – im Jetzt und im Davor – verfolgen wir das Geschehen, welches stetig auswegloser, endgültiger zu sein scheint. Dank dieser Erzählweise bekommen die LeserInnen die Möglichkeit, die beiden als Paar und als individuelle Persönlichkeiten kennenzulernen, Einblicke in ihre Leben und Gedanken, aber auch in ihr Umfeld und die bestehenden Konflikte zu erhaschen. Seit dem Unfall hat sich Jamies Situation in eine Richtung entwickelt, die nicht nur ihm Schuld und Angst abverlangt. Ihn vielleicht sogar in einen Zustand aus Resignation und perfider Vorfreude versetzt …

Chandler versteht es, mit ihrem gewählten Aufbau zum Miträtseln zu animieren, gibt uns die Autorin doch nach und nach Bruchstücke und Fragmente, die es zusammenzusetzen gilt. Sowohl das Bild, welches uns letztlich empfängt, als auch der hürdenreiche Weg dorthin waren überraschend und berührend. Verursachen Gänsehaut.


„𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗲𝗻𝘁𝘀𝗰𝗵𝗶𝗲𝗱𝗲𝗻, 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺 𝗧𝗲𝘂𝗳𝗲𝗹 𝘇𝘂 𝘀𝗽𝗶𝗲𝗹𝗲𝗻, 𝘂𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝘄𝗮𝗿 𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻, 𝘂𝗺 𝘇𝘂𝗺 𝗳𝗶𝗻𝗮𝗹𝗲𝗻 𝗧𝗮𝗻𝘇 𝘇𝘂 𝗯𝗶𝘁𝘁𝗲𝗻.“


Tamsin lässt uns in der Gegenwart an ihren Überlegungen und ihren „Beobachtungen“, heißt dem, was ihr ihre überschaubaren BesucherInnen erzählen sowie durch Verhalten und Stimmung aussagen, teilhaben. Erinnerungen an ihren vorherigen Alltag und ihren Job geben der Storyline – neben den detailreichen Rückblenden – greifbare Informationen und weitere Mysterien, denn vor allem ihr letzter „Patient“ findet immer wieder einen Weg in Tamsins Gedanken – und in ihr Zimmer … Der Druck, den Jamies Entscheidung, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden, auslöst, treibt nicht nur Tamsins Verzweiflung, ihre Panik und Trauer in die Höhe, sondern auch das Tempo der Handlung, während parallel die Spannung steigt.

In „Voices“ zeichnet #NatalieChandler ein authentisch wirkendes, nicht minder bedrückendes Bild von Menschen, die in einem Halbleben – hier ,Syndrom reaktionsloser Wachheit' – gefangen sind, und schafft es, den Ablauf in einer Rehaklinik und die Verantwortung der PflegerInnen hintergründig einzufangen. Mit Lucia, Jamie und Elise, Dan, Milena und Richard Mandeville begrenzt sich die Anzahl der relevanten Figuren auf ein gutes Maß, sodass der Verlauf trotz Wirrungen, Twists und der Zeitwechsel verständlich bleibt. Stilistisch schwingt durchgängig eine Distanz mit, nur selten wird die pragmatische Nüchternheit von Emotionen durchbrochen und doch reicht die Ausgangslage, um von eigenen Gefühlen übermannt zu werden. Dass die Autorin zusätzlich gewichtige Themen aufgreift, Verrat, Lügen und grenzenlose Mutterliebe mit psychologischer Analyse verknüpft, lose Fäden gekonnt verbindet und Tamsins Geschichte zu einem durchdachten Ende führt, macht „Voices – Ich kann euch hören“ zu einem unblutigen, fesselnden und gewissermaßen faszinierenden Psychothriller.


»𝗨𝗻𝗱 𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗶𝗵𝗿 𝘃𝗲𝗿𝘀𝗽𝗿𝗼𝗰𝗵𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗻𝗶𝗲𝗺𝗮𝗻𝗱 𝗷𝗲 𝗲𝗿𝗳𝗮𝗵𝗿𝗲𝗻 𝘄𝘂𝗲𝗿𝗱𝗲, 𝘄𝗮𝘀 𝗶𝗵𝗿 𝘇𝘂𝗴𝗲𝘀𝘁𝗼ß𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 (…) 𝘄𝗲𝗶𝗹 𝘀𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗼 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗴𝗲𝘀𝗰𝗵𝗮𝗲𝗺𝘁 𝗵𝗮𝘁 (…).«

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Veröffentlicht am 16.02.2026

»Du bist das Beste auf dieser ganzen verdammten Welt.«

Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe
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„Two can play – Die spielerische Weiterentwicklung der Liebe“ ist die neue New Adult Romance von Ali Hazelwood und mit knapp 250 Seiten eine flott zu lesende Geschichte, die uns in eine winterliche Berghütte ...

„Two can play – Die spielerische Weiterentwicklung der Liebe“ ist die neue New Adult Romance von Ali Hazelwood und mit knapp 250 Seiten eine flott zu lesende Geschichte, die uns in eine winterliche Berghütte und mitten hinein in allerhand angestauten Frust führt.

Viola Bowen und ihre KollegInnen sind überhaupt nicht begeistert davon, ein paar Tage mit ihren verhassten KonkurrentInnen verbringen zu müssen – eingepfercht und eingeschneit in einem Ski-Retreat. Denn nur wenn sich die Teams zusammenraufen und ihre Kleinkriege beiseiteschieben, haben die Studios die Möglichkeit, den Zuschlag für einen großen Deal – die Entwicklung des Videospiels zu Limerick 3 – zu erhalten. Da dafür eine gewisse Kompatibilität erforderlich ist, heißt es nun für die Crews von Nephilim und FlyButter: Augen zu und durch.

Obgleich die Fronten zwischen den „Lagern“ sichtbar verhärtet sind, hat Bowen lediglich ein Problem: Jesse Andrews.
Jede Begegnung nach ihrer ersten war seinerseits von Distanz, subtilem Desinteresse und offensichtlicher Abweisung, vielleicht sogar Ekel, geprägt. Und Viola weiß einfach nicht, warum. Jetzt – Zimmer an Zimmer – seiner Kälte ausgesetzt zu sein, hört sich wie ein Alptraum an. In naher Zukunft – sollte das Teambuilding wider Erwarten unbeschadet vonstattengehen – intensiv mit Jesse an der Entwicklung eines Spiels zu jenen Büchern, die Viola so unglaublich viel bedeuten, zu arbeiten, klingt aktuell fast unmöglich. Doch die ambitionierte Lead-Designerin ist nicht gewillt, sich diese Chance durch irgendwelche unerklärlichen Befindlichkeiten ihres Kontrahenten/Kollegen entgehen zu lassen!
Zwischen bemühter Professionalität, Ski-Versuchen und heißer Schokolade, während im Retreat die Sticheleien und Provokationen nur so fliegen, offenbart dieser Kurztrip etwas, das nicht nur tragisch ist …

Wie für Hazelwood typisch waren sowohl die Idee der Geschichte als auch der Stil authentischer und humorvoller Natur. In einem trockenen Tonfall, in mit Sarkasmus unterlegten, bildreichen Worten verfolgen wir die Handlung aus Bowens Perspektive. Auf diese Art erfahren wir einige Details über sie, ihre Familie, die weder etwas von ihrer Berufswahl noch von ihren Entscheidungen hält, und ihre Verbindung zu der Buchserie, die übrigens wirklich nach einer klingt, die ich sofort lesen würde. Auch wie sich Viola und Jesse vor sieben Jahren kennengelernt haben und wie sich das eine oder andere Zusammentreffen seitdem gestaltete, wird eingebunden. Da wir nur Teil von Violas Sicht sind, wird ihr ehemaliger Crush bewusst in ein schlechtes Licht gerückt. Dies heizt die Frage, was hinter Jesses Verhalten steckt, zusätzlich an …

Viel zu schnell vergeht die Story, und trotz der Kürze ist es der Autorin gelungen, ihre Protagonistin mit Tiefe zu zeichnen. Viola, die Jüngste von fünf Geschwistern, liebt die Stille ihrer kleinen Wohnung, macht sich nicht allzu viel aus Partys oder Gesellschaft und ist dennoch kein typisch graues, von Zweifeln gebeuteltes Mäuschen. Im Gegenteil: Als Frau in einer von Männern dominierten, von Stigmata behafteten Branche weiß sie um ihr Talent und ihr Können, ist stolz auf das, was sie erreicht (hat), gibt sich selbstbewusst und besitzt Durchsetzungsvermögen. Lieben wir! Von Jesse erfahren wir zwar nicht ganz so viel, doch je mehr seine abweisende Haltung weicht und durch offene, klärende Gespräche ersetzt wird, umso deutlicher zeigt sich, dass wir es hier mit einer Greenflag und allerhand skurrilen Missverständnissen und –interpretationen zu tun haben.
Zwar bekamen die Kulisse der Berghütte, die Game Development-Thematik und die Nebenfiguren nur hintergründig Raum, sorgten aber dennoch für ausreichend Abwechslung und Stimmung, sodass es der RomCom insgesamt an nichts fehlt.

Alis Romance' sind immer etwas fürs Herz, bringen zum Lachen und Schmunzeln, zum wohligen Seufzen und natürlich zum Erröten. Denn nichts eignet sich besser als ein von anderen bezahltes, gemütliches Retreat, um sich näherzukommen, Projekte zu planen und Visionen zu erörtern. Während vor dem Fenster der Schnee sachte fällt.

In 3 Stunden durchgelesen – absolute Empfehlung.

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