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Veröffentlicht am 21.03.2026

Eli erzählt

Goldstrand
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Mit seinen um die Sechzig hat Eli schon einiges gesehen und erlebt. Gezeugt wurde er wohl in Bulgarien, wo nach der Fertigstellung der Urlaubsort Goldstrand entstehen sollte. Aufgewachsen ist Eli allerdings ...

Mit seinen um die Sechzig hat Eli schon einiges gesehen und erlebt. Gezeugt wurde er wohl in Bulgarien, wo nach der Fertigstellung der Urlaubsort Goldstrand entstehen sollte. Aufgewachsen ist Eli allerdings in Rom bei seinen Großeltern, die meinten, seine Mutter sei doch noch zu jung gewesen. Irgendwie mochten seine Großeltern ihn schon, er war ja nicht schuld, aber eine gewisse Distanz blieb. Allerdings durfte er ein Mal in der Woche zu seiner Mutter, was ihnen beiden guttat. Irgendwann lernte er seine Frau kennen und gemeinsam bekamen sie eine Tochter. Gemeinsam kümmerten sie sich um seine Großeltern und dann trennte sie sich. Und das alles und noch viel mehr erzählt Eli der Dottoressa.

Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt sich mit um die sechzig mal auf die Couch zu legen und einer Therapeutin von seinem Leben zu erzählen. Oder auch manches nicht, hin und wieder schweift er auch ab. Wenn die Dottoressa nachhakt, verschließt sich Eli hin und wieder. Und doch wurde Eli in eine wechselvolle und geschichtsträchtige Zeit hineingeboren. Das wirkt sich durchaus auf sein Leben auf. Ein Leben, das ihm mal ereignislos erscheint und dann wieder so actionreich und schnell vorbeirauscht, das es kaum zu glauben ist.

Von der ARDAudiothek (jetzt ARDSounds) zur Verfügung gestellt wird dieses Hörbuch, dem in der App ein sehr ansprechendes Titelbild entworfen wurde. Ob es irgendwo zum Kauf angeboten wird, war nicht feststellbar. Es wird gelesen von Harald Schrott, der mit seiner warmen Stimme durch Elis Erzählung führt.

Das Buch hat in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Mit Eli erzählt hier schon ein Durchschnittsmensch, dessen Leben dennoch besonders ist. Manchmal will er damit nicht so richtig herausrücken, vielleicht war auch mal etwas nicht so leicht für Eli. Und doch scheint sein Leben in einigen Momenten wie von der warmen Sonne angestrahlt, die man sich für den Goldstrand vorstellt, nachdem man geschaut hat, wo diese Urlaubslage zu verorten ist. Ein kleiner und feiner Roman.

Veröffentlicht am 15.03.2026

Agentenquartett

Das Riga-Komplott
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Schon seit einiger Zeit leitet der Agent Ari Falk einen CIA-Stützpunkt in Riga. Dort versucht er russische Blogger oder Journalisten zu unterstützen, die Wahrheit herauszufinden. Nicht selten sind diese ...

Schon seit einiger Zeit leitet der Agent Ari Falk einen CIA-Stützpunkt in Riga. Dort versucht er russische Blogger oder Journalisten zu unterstützen, die Wahrheit herauszufinden. Nicht selten sind diese Operationen schwierig. Im Moment versucht er den russlandkritischen Blogger Anton auszufliegen. Dessen Flug von Istanbul landet jedoch nicht wie geplant in Riga, sondern in Minsk. Überraschend wird Anton nur in die Türkei zurückgeschickt. Zur gleichen Zeit muss die junge Maya Chou in Los Angeles die Nachricht vom Tod ihres Vaters verkraften. Der reiche Amerikaner mit russischen Wurzeln hat sich selbst umgebracht und seiner Familie entsprechende Nachrichten hinterlassen.

Als Agent fragt sich Ari Falk manchmal, ob er ein Gewissen haben darf. Am liebsten würde Ari alle Dissidenten nach Amerika bringen, mit denen er zu tun hat. Doch diese Aktionen sind teuer und sein Vorgesetzter winkt eben nicht alles durch. Maya ist verzweifelt über den Tod ihres Vaters. Der war als Jugendlicher mit seinen Eltern eingewandert und hat sich hochgearbeitet. Doch wieso erbt sie jetzt nur ein Haus in Portugal und offensichtlich waren die Investitionen ihres Vaters doch nicht so gut, denn das Geld ist weg. Könnte das der Grund für den Selbstmord sein? Maya beginnt sich auf eine Spurensuche zu begeben, während der sie auf Ari trifft.

Natürlich kann ein Thriller nicht die komplexe politische Lage in einem Land darstellen, aber mittels einer spannenden Geschichte kann doch einiges vermittelt werden. Die Agenten leben mitunter gefährlich. Und doch sind sie Menschen, die ihre persönlichen Gedanken und Gefühle haben. Wenn es einfach nicht möglich ist alle zu retten, belastet das natürlich. Besonders wenn dann noch Hintergründe ans Licht kommen, die alles in einem anderen Licht erscheinen lassen. Nach einem etwas zurückhaltenden Beginn ist das fesselnd zu lesen. Es wird gezeigt, was unter den Geheimdiensten alles möglich ist, wo aber auch die Grenzen liegen. Und sie sind eben Menschen, die irgendwann Entscheidungen treffen, deren Folgen nicht absehbar sind.

Es handelt sich im Übrigen um den ersten Band einer Reihe.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Bootsausflug

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Während eines Segelausflugs erleben Kommissar Fabian Risk und seine Tochter Matilde wie an der Küste Helsingbrogs der Strom ausfällt. Am diesem Spätsommerabend teilen sie das Erlebnis mit vielen Menschen. ...

Während eines Segelausflugs erleben Kommissar Fabian Risk und seine Tochter Matilde wie an der Küste Helsingbrogs der Strom ausfällt. Am diesem Spätsommerabend teilen sie das Erlebnis mit vielen Menschen. Sie haben doch insofern Glück, dass sie auf dem Boot nicht direkt betroffen sind. Wieder an Land eilt Risk natürlich sofort zu den Kollegen. Sie ermitteln in mehreren Ereignissen, die erstmal keinen Zusammenhang erkennen lassen. Eine Frau wird vermisst, ein Kind ist verschwunden und es gab einen Raubüberfall. In seinem Haus findet Fabian seltsame Zettel, deren Bedeutung er sich nicht erklären kann. Und eine neue Kollegen packt die Arbeit aus einem frischen Blickwinkel an.

In seinem siebten Fall bekommt Kommissar Fabian Risk nicht nur eine neue Kollegin, sondern auch einen sehr komplizierten Fall. Es ist nicht einmal klar, ob es ein Fall ist. Es scheint so, als wäre der Stromausfall einfach genutzt worden. Unzusammenhängende Ereignisse und Zeugen, die wie so häufig eher schweigen. Heikel werden die Nachforschungen als eine Bekannte Fabians sich meldet und berichtet aufgelöst, ihre Tochter sei verschwunden. Die Suche nach einem Kind bekommt Priorität. Der Vater des Mädchens benimmt sich merkwürdig. Allerdings führen auch hier die Nachforschungen zunächst ins Leere. Es ist verhext und dann werden dem Team auch noch von anderer Seite Steine in den Weg gelegt.

Die Kriminalromane von Stefan Anhem stehen für spannende Unterhaltung. Und so ist es auch in diesem Fall. Es dauert eine Weile bis sich ein Bild zusammenfügt. Wenn man jedoch ungefähr zu erkennen beginnt, was sich da zusammenbraut, ist man richtig gefesselt. Zwar gibt es auch Momente, in denen man schneller erahnt, was passieren wird, aber grundsätzlich ist die Handlung sehr packend. Man wird mit der Boshaftigkeit und Perfidität gewisser Menschen oder Organisationen konfrontiert. Dass so etwas passieren kann, möchte man sich nicht vorstellen. Dass so etwas möglich sein könnte, lässt einen erschauern und man fragt sich, wie einer solchen Entwicklung entgegen gewirkt werden könnte.

Gekonnt und lebhaft liest David Nathan diesen fesselnden Krimi, von dem man in manchen Momenten denkt, da müsste noch was kommen.

Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein Bild mit Bedeutung

Die schlafenden Hunde von Dublin
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Bald soll Patsy Logan ihren Dienst im Kommissariat in München wieder antreten. So eine Auszeit geht doch schnell vorbei. Davor lässt sich Patsy schon mal blicken zur Veröffentlichung des ersten Kriminalromans ...

Bald soll Patsy Logan ihren Dienst im Kommissariat in München wieder antreten. So eine Auszeit geht doch schnell vorbei. Davor lässt sich Patsy schon mal blicken zur Veröffentlichung des ersten Kriminalromans des Kollegen Sebi. Seine Ermittlerin hat doch gewisse Ähnlichkeiten mit Patsy, reiner Zufall natürlich. Etwas anderes berührt Patsy viel mehr. Der Besitzer des Irish-Pub, in dem Patsy früher häufiger war, ist in Dublin tot aufgefunden worden. Eigentlich wollte sie sich schon länger mal wieder mit ihm treffen, er hatte auch angerufen. Und nun ist es zu spät. Bei seinen Sachen ist ein altes Foto aufgetaucht, auf dem auch Patsy zu sehen ist.

Auch in ihrem fünften Fall führen die Wege Patsy Logan zwischen München und Dublin hin und her. Da sie den verstorbenen Pubbesitzer persönlich kannte, wird Patsy natürlich nicht mit den Ermittlungen betraut. Ihre Auszeit ist ja auch noch nicht ganz um. Aber natürlich versucht sie doch herauszufinden, wieso der alte Freund ihres Vater so plötzlich umgebracht wurde. Wer kann lange Jahre nach dem Verschwinden von Patsys Vater in den 1990ern einen Grund haben, Fergal den Tod zu wünschen? Mit ihrer Mutter kann Patsy nicht gut reden, das ging noch nie. Und die Kollegen in Irland wollen auch mit Patsy sprechen.

Zum Ende des Winters reist Patsy Logan nach Dublin, um ihren alten Freund zu verabschieden. Das sieht man auch an dem ein wenig düster gestalteten Titelbild. Diesmal ruft der Fall noch mehr Erinnerungen in Patsy hervor als sonst. Das Verschwinden ihres Vaters, hat sie nie richtig verarbeitet und Fergal hat ihr manchmal durchaus Halt gegeben. Einige seiner Entscheidungen kann sie sich jetzt aber nicht erklären. Und doch könnte es einen Zusammenhang geben. Wie Patsy daran geht, die Rätsel zu lösen und wie sie gleichzeitig ihre Trauer verarbeiten muss, ist sehr spannend zu lesen. Man wird förmlich vom Lauf der Ereignisse mitgerissen und ist manches mal überrascht wie sich einige lose Fäden zusammenfügen. Und wie immer ist einiges ganz anders und man hofft, dass es von Patsy Logan noch viel zu erzählen gibt.

Veröffentlicht am 28.02.2026

Maries Mutter

Das verschlossene Zimmer
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Im Krakau des Jahres 1939 will die siebzehnjährige Marie endlich wissen, wieso ihre Mutter sie verlassen hat. Ihr Vater, der angesehene Arzt Dr. Dominik Karski, bleibt ihr schon seit Jahren eine Antwort ...

Im Krakau des Jahres 1939 will die siebzehnjährige Marie endlich wissen, wieso ihre Mutter sie verlassen hat. Ihr Vater, der angesehene Arzt Dr. Dominik Karski, bleibt ihr schon seit Jahren eine Antwort schuldig. Jetzt wird sie endlich das Geheimnis seiner immer abgeschlossenen Schlafzimmertür lüften. Sie bricht die Tür auf und ist enttäuscht, denn es tut sich keine sensationelle Erkenntnis auf, nur ein kleines Kästlein ist versteckt, welches auch keine Erklärung bringt. Nun wendet sich Marie zunächst ihrem zweiten Ziel zu, sie möchte unbedingt studieren. Doch die Zeichen, dass es zum Krieg kommen kann, werden immer deutlicher. Und wenn Frauen als Studentin sowieso schon nicht erwünscht sind, so sind sie es in dieser Zeit noch weniger.

Auch wenn zu befürchten ist, dass es zum Krieg kommt, haben Menschen auch in dieser Zeit persönliche Schicksale. Manchmal gewinnt Marie den Eindruck, einige ihrer Landsleute freuen sich sogar auf den Einmarsch der Deutschen. Einige der miesesten Eigenschaften der künftigen Besatzer nehmen sie schon mal gerne an. So werden die jüdischen Mitbürger schon mal weitgehend ausgegrenzt. Diese Einstellung kennt auch Dr. Karski insbesondere von einem unsympathischen Kollegen in der Klinik. Die Lage wird immer bedrohlicher und seine Sorge um seine intelligente und hartnäckige Tochter immer größter.

Beim Lesen dieses spannenden historischen Familienromans möchte man manchmal in die Tischkante beißen. In hin und wieder lieblicher Sprache wird von schreienden Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten berichtet. Die Frauen haben eine so untergeordnete Stellung, dass es so scheint als könnten sich die Männer alles mit ihnen erlauben. Und die Stellung der Juden könnte nicht noch schlechter sein. Da wird beinahe alles als Ausrede genommen, um ausfallend werden zu können. Allerdings verhallen des Doktors Warnungen bei seiner Tochter eher ungehört. In welche Schwierigkeiten sie sich bringt, wird eindringlich geschildert. Schwierigkeiten, die es eigentlich garnicht geben dürfte. Früher war eben nicht alles besser und man kann froh sein, dass man heute lebt, jedenfalls solange freiheitliche Gesellschaften noch existieren. Bedauerlich, dass man heutzutage diese Einschränkung machen muss. Zum Ende hin wird dieser Roman nochmal richtig packend.