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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2026

Die Kraft der inneren Veränderung

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene ist eine erfolgreiche Karrierefrau, die ganz genau weiß, was sie will, die ihren Job meisthaft beherrscht und kurz vor dem großen Ziel ihrer Träume steht. Doch im menschlichen Miteinander zeigt ...

Marlene ist eine erfolgreiche Karrierefrau, die ganz genau weiß, was sie will, die ihren Job meisthaft beherrscht und kurz vor dem großen Ziel ihrer Träume steht. Doch im menschlichen Miteinander zeigt sich ihre große Schwäche. Sie ist es gewohnt, Gefühle und belanglosen Smalltalk bei Seite zu schieben, um sich auf die wesentlichen Dinge in ihrem Leben, dem Vorankommen in ihren Berufsleben, zu konzentrieren. Das stößt natürlich den ein oder anderen Mitarbeiter vor den Kopf und somit werden Konfliktmanager oder Gleichstellungsbeauftragte aktiv. Doch ihre fachlichen Qualitäten, die dem Unternehmen gewinnbringende Zahlen und positive prognostische Entwicklungen bescheren, überzeugen und qualifizieren sie allemal zu einer hervorragenden Führungskraft. Also müssen die Soft Skills in einem Achtsamkeitstraining geschult werden.
Welche Triggerpunkte emotionale Veränderungen in uns auslösen können, zeigt der Roman ‘Einatmen. Ausatmen.‘ von Maxim Leo mit unterhaltendem charmantem Humor und tiefgründiger Auseinandersetzungen der existierenden gesellschaftlichen Normen, die in ihrer Komplexität, mitunter in konfliktreiche Absurdität drohen abzurutschen. Die Geschichte besticht durch kenntnisreiches Wissen um aktuelles Coaching von Führungskräften gepaart mit dem Umgang von menschlichen Gefühlen, die aus eigener Erfahrung oder generationsübergreifend Verankerung in der Psyche der Protagonisten finden und somit ihr Handeln stark beeinflussen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Finsteres Familiendrama

Der Fährmann
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Wieder einmal konnte mich Regina Denk mit ihrem Roman der besonderen Klasse begeistern. ‘Der Fährmann‘ setzt sich mit einem finsteren Familiendrama zu Begin des 20. Jahrhunderts auseinander. Hannes, der ...

Wieder einmal konnte mich Regina Denk mit ihrem Roman der besonderen Klasse begeistern. ‘Der Fährmann‘ setzt sich mit einem finsteren Familiendrama zu Begin des 20. Jahrhunderts auseinander. Hannes, der viertgeborene in einer Bauernfamilie, wird als Fährmann bestimmt. Ein Beruf, der Einsatzbereitschaft voraussetzt und große Gefahr bei seiner Ausübung in sich birgt, verbietet es, eine Familie zu gründen, um die notwendigen Versorgungen im Todesfalle auszuschließen. Der Fährmann schafft mit seinem einfachen Floss bei Tag und in der Nacht die Verbindung zwischen den Dörfern Hohenwart und Siegering über die eiskalte und unberechenbare Salzach.
Die seit der frühesten Kindheit bestehende Freundschaft zwischen Elisabeth, dem einzigen Kind eines großen Bauernhofes und Annemarie, der Tochter eines Gastwirtehepaares auf der deutschen Seite als auch Hannes aus Österreich, steht im Mittelpunkt einer mitreisenden aber zugleich schmerzhaften Geschichte. Josef, ein brutaler selbstherrlicher Bauernsohn wird mit Elisabeth zwangsverheiratet, um den Besitz der beiden Familien zu sichern und darüber hinaus zu vermehren. Die gesellschaftlichen und familiären Regeln, die dem Mann jegliches Recht der Züchtigung zum Gehorsam zusprechen, was Josef nicht nur zu Hause brutal kompromisslos ausnutzt, ermuntern ihn sich darüber hinaus Rechte an der schönen Wirtshaustochter heraus zu nehmen. Der Konflikt zwischen den vier Protagonisten steigert sich in eine katastrophale Auseinandersetzung, die schonungslos ehrlich ein Zeitbild im Zusammenhang mit dem Gedankengut des aufkeimenden Nationalsozialismus wiedergibt.
Regina Denk schafft es, mit ihrer großartigen Sprachvirtualität ein atmosphärisches Bild der Region zu erschaffen. Die charakterlichen Entwicklungen im Roman sprechen für sich, zeigen ihr ganzes Können historische Ereignisse und Gegebenheiten meisterhaft zu konstruieren, ihnen eine tiefgreifende Lebendigkeit einzuhauchen.
Wer sich gern von Familiengeschichten und ihren tragischen Verwicklungen einfangen lässt, ist hier in diesem Roman angekommen.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Berlin erleben

Berliner Bohème
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Egon Erwin Kisch, der aus Prag stammende Schriftsteller und Journalist, beweist in seinen kurzen Erzählungen über seine Zeit in Berlin einen scharfen Blick und einen bewundernswerten Verstand. Diese Stücke ...

Egon Erwin Kisch, der aus Prag stammende Schriftsteller und Journalist, beweist in seinen kurzen Erzählungen über seine Zeit in Berlin einen scharfen Blick und einen bewundernswerten Verstand. Diese Stücke sind vor über einhundert Jahren entstanden, bleiben in ihrer Originalität auch heute noch wunderbar lesbar. Man taucht ein in eine längst vergangene Welt, wird gefangen genommen von dieser bildhaften Sprachvirtuosität, die sich unglaublich lebendig präsentiert und den Zeitgeist gekonnt abbildet.
Im Schmelztiegel der Weimarer Republik, der Ausgelassenheit und Lebensfreude, des sich Ausprobieren und unbändiger Feierlaune zeichnet der Autor das Bild einer Stadt und ihrer Menschen, das auch von Armut, den großen Herausforderungen des Alltags berichtet.
Eine bunte Mischung von dreißig kurzweiligen, mal nachdenklich stimmenden und immer interessanten Geschichten hat der BeBra Verlag in ‘Berliner Bohème‘ zusammengestellt und mit einem gelungenen Nachwort von Gabi Wuttke über das Leben von Egon Erwin Kisch komplettiert.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Amália muss sich behaupten

Die Hoffnung, die uns trägt
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‘Die Hoffnung, die uns trägt‘, geschrieben von Kerstin Lange, ist der zweite und abschließende Teil eines Fortsetzungsomans, der völlig unabhängig von der vorangegangenen Geschichte gelesen werden kann. ...

‘Die Hoffnung, die uns trägt‘, geschrieben von Kerstin Lange, ist der zweite und abschließende Teil eines Fortsetzungsomans, der völlig unabhängig von der vorangegangenen Geschichte gelesen werden kann. Natürlich komplettiert sich ein fantastisches Gesamtbild, wenn auch der Vorgänger gelesen wurde oder noch wird. Der Roman ist fesselnd und berührend zugleich und bietet lebensnahe Einblicke in die dunkle Vergangenheit Portugals.
Angesiedelt in den beginnenden sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wird der Leser bekannt gemacht mit Amália, einer jungen Frau, die mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen im Stadtteil Alfama von Lissabon aufwächst. Mit gerade einmal siebzehn Jahren stirbt ihr zehn Jahre jüngerer Bruder Pedro und das schwache Gefüge zwischen den Eltern und ihr zerbricht. Völlig allein auf sich gestellt, findet sie durch ihre nahbare, liebenswürdige Art Arbeit in einem Café, deren Inhaber ihr Kost und Logie gewähren. Doch das Glück eine glückliche Zukunft gefunden zu haben, währt nicht lange. Immer wieder muss sie neu beginnen, sich ihr Leben aufzubauen. Die politischen Verhältnisse des Salazar-Regimes bringen sie in der Sorge um ihren Freund Marcelo in arge Bedrängnis.
Die Autorin setzt sich mit Themen wie Armut, Verzweiflung aber auch mit dem Mut im Kampf für politische Veränderung menschenverachtenden Strukturen einzutreten, dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe intensiv auseinander. Ihr schriftstellerisches Talent schafft authentische Settings und Charaktere, sorgt für unterhaltendes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Lebenskampf

Der Schrein der Könige
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Nicolaus von Verdun beherrscht sein Handwerk der Goldschmiedekunst wie kein anderer zu jener Zeit des ausklingenden 12. Jahrhunderts und des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die in Mailand eroberten Gebeine ...

Nicolaus von Verdun beherrscht sein Handwerk der Goldschmiedekunst wie kein anderer zu jener Zeit des ausklingenden 12. Jahrhunderts und des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die in Mailand eroberten Gebeine der Heiligen Drei Könige sollen im Kölner Dom in einen prunkvollen Schrein aufbewahrt werden, um die Pilger anzulocken, die der Stadt zu Ansehen aber auch zu weiterem Reichtum verhelfen sollen. Nicolaus wird mit diesem Auftrag betraut, obwohl er nicht in dieser Stadt beheimatet ist. Das sorgt für Neid und Missgunst unter den einheimischen Goldschmieden, gegen deren Widerstand er sich zur Wehr setzen muss, um für seine Kinder und sich ein neues Heim zu schaffen. Es erfordert sehr viel Kraft und mentale Stärke sich gegen diese ablehnende Haltung der Bruderschaft zu behaupten und dem über die Jahre immer wieder sich verändernden Willen der kirchlichen und weltlichen Macht zu gehorchen, ohne seine künstlerischen Ambitionen ganz und gar aufzugeben.
Die Differenzen mit seinem ältesten Sohn Louis, den es in die Welt hinaus und in den Kampf zieht, anstatt die Werkstatt seines Vaters eines Tages zu übernehmen, bringen Nicolaus in arge Bedrängnis. Anne und Bastien, seine beiden anderen Kinder, hingegen sind der Sonnenschein im Kampf seines Lebens.
Sabine Weiss liefert mit ihrem Historischen Roman ‘Der Schrein der Könige‘ eine fesselnde, lebendige Fiktion rund um die Entstehung des Dreikönigsschreins im Kölner Dom, die das Leben und Wirken der Menschen jener Zeit authentisch wiedergibt. Ihre bildhafte Sprache lässt den Leser tief eintauchen in das Geschehen. Hilfreich für ein tieferes Verständnis der Geschichte sind das vorangestellte Personenregister, ein Glossar als auch historische Anmerkungen.

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