Hörbuch: angenehm erzählt, solide Geschichte
MinnesotaBob Oz ist ein typischer Verlierer: nach dem Tod seiner Tochter zerbrach seine Ehe und er griff zu der mutmaßlich einzigen Rettung: dem Alkohol. Bei seinen Kollegen ist er nicht sonderlich beliebt, trotzdem ...
Bob Oz ist ein typischer Verlierer: nach dem Tod seiner Tochter zerbrach seine Ehe und er griff zu der mutmaßlich einzigen Rettung: dem Alkohol. Bei seinen Kollegen ist er nicht sonderlich beliebt, trotzdem versucht er seinen Job als Ermittler irgendwie über die Bühne zu bekommen, auch wenn seine Motivation endend wollend ist. Trotzdem er degradiert wurde, kann er es nicht sein lassen und mischt sich in eine Mordermittlung ein, deren Ausgang auch er höchst unerwartet findet.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zwar nordische Kriminalromane und Thriller liebe, ich mich aber nie sonderlich mit Jo Nesbo anfreunden konnte - ohne genau zu wissen, weshalb mich seine Bücher nie so wirklich catchen konnten. Dass er sein Handwerk versteht, beweisen nicht nur seine Verkaufserfolge, sondern auch dieses Buch - wohl der Start einer Reihe, die ihren Mittelpunkt in einem beliebten Ziel norwegischer Auswanderer hat: Minnesota. Er verschafft den handelnden Figuren einen besonderen Schliff, sie sind nicht sonderlich sympathisch, trotzdem hat ob ihrer Schicksalsschläge Verständnis und sie wirklich allesamt recht authentisch und nachvollziehbar.
Es gibt unterschiedliche Perspektiven und die Erzählungen springen zwischen den Jahren 2016 und 2022. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und da habe ich mir sehr schwer getan mitzubekommen, in welchem Jahr wir uns nun befinden, das mag aber auch daran liegen, dass ich erst seit kurzem Hörbücher höre und noch nicht so wirklich konzentriert zuhören kann, denn eigentlich werden die Jahreszahlen angeführt. Das Hörbuch ist mit über 12 Stunden auch recht lang, aber der Sprecher - David Nathan - erzählt die Geschichte wirklich sehr einnehmen und es macht Spaß seiner angenehmen Stimme zuzuhören.
Trotzdem die Geschichte abwechslungsreich und durchaus spannend war, habe ich auch durch "Minnesota" meine Liebe für Nesbo nicht entdeckt. Das Buch wirkt auf mich klassisch konstruiert, ich hatte den Täter schon bei seinem ersten Auftritt in Verdacht. Die Hintergründe für seine Tat scheinen moralisch legitim zu sein, es schwingt viel Gesellschafts- und Politikkritik mit - durchaus zurecht. Vermutlich konnte mich aber das Setting in den USA nicht sonderlich einnehmen, auch wenn immer wieder Bezüge zu Norwegen geschaffen werden. Trotzdem kann ich mit dieser Waffenaffinität nichts anfangen und ich lese lieber Krimis und Thriller aus Skandinavien, wo nicht die ganze Zeit herumgeballert wird - aber das ist sicher auch Geschmackssache. Ich hatte auch schon die Leseprobe von "Minnesota" gelesen und was mir da schon negativ aufgestoßen ist, ist das Eingangszitat einer Textzeile von Rammstein. Ich weiß ja nicht, wieviel der Autor von abartigen Ausschweifungen des Leadsängers mitbekommen hat, aber diese Band zu zitieren, finde ich mehr als unangebracht.
Mein Fazit: Das Hörbuch von "Minnesota" ist durch die angenehme Stimme des Erzählers eingängig zu hören und die Geschichte weißt einen fundierten Spannungsbogen auf. Für meinen Geschmack war sie trotzdem recht vorhersehbar und zu US-amerikanisch. Es bietet aber trotzdem eine gute Unterhaltung und ist halt auch sehr geschmacksabhängig.