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Evy_Heart

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Ha. Ha. Ha.

8000 Arten, als Mutter zu versagen
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Ich hatte das Buch während eines Streiks in der Bahnhofsbuchhandlung gefunden und war beeindruckt. Der Stil war fordernd, wirkte aber inhaltlich fundiert. Diese Gedanken haben sich im Laufe des Buchs gewandelt.

Worum ...

Ich hatte das Buch während eines Streiks in der Bahnhofsbuchhandlung gefunden und war beeindruckt. Der Stil war fordernd, wirkte aber inhaltlich fundiert. Diese Gedanken haben sich im Laufe des Buchs gewandelt.

Worum geht es?

Es geht um Schwangerschaft, Mutter-Sein, Abtreibungen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Text ist wie ein Comedyprogramm Kebekus' - sehr laut, sehr schnell, viele Gags. Auch viele Wiederholungen. Es gibt sehr, sehr viele Ausfrufezeichen, Abkürzungen in Form von Apostrophen. Schade ist, dass dabei der Inhalt untergeht. Weder liest man interessante Fakten noch tiefe philosophische oder gesellschaftskritische Aussagen. Letztlich geht es immer "nur" um die Bewertung der Mutter durch die Gesellschaft. Aber das ist nichts Neues.

Wer die Qualität Kebekus aus ihrer Show erwartet, wird enttäuscht. Genauso wie diejenigen, die sich gefragt haben, wie eine Comedienne die Mutterschaft erlebt. Sie lag 4 Tage (!!!) in den Wehen, verpackt das aber mit soviel Humor, dass es schade ist. Ich frage mich, ob Kebekus ihre Reichweite nicht hätte besser nutzen können. Denn für mich hat sie das Image einer kraftvollen Frau, die Probleme anspricht. An diesem Bild hält sie im Buch zu sehr fest.

Manche Gags fand ich witzig, und es gibt ein paar Running-Gags. Aber wirklich glänzen tut das Buch an wenigen Stellen. Z.B. wenn sie ihrer Maskenbildnerin dankt, weil sie ihr die 2,5 Stunden Schlaf wegschminkt. Der Witz des Kindsvaters im Kreissaal. Oder die Aussage, dass wir uns für das ungeborene Leben einsetzen, aber Kinderrechte noch nicht im Grundgesetz verankert sind. Diese Stellen waren greifbar, emotional packend und habe mich zum Nachdenken angeregt.

Ich kann mir vorstellen, dass das Müttern gefällt, die einfach mal abschalten wollen. Manchen Menschen hilft Humor dabei. Aus meiner Sicht ist das Buch eine Geschmacksfrage.

Fazit

Wer den derben Humor der Autorin mag, wird hier Spaß haben. Es fühlt sich wie ein einstündiges Comedyprogramm mit etwas Inhalt an. Wer sich tiefe Einblicke oder einen gesellschaftlichen Umschwung erhofft, wird enttäuscht.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Kein Contemporary

On Edge
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Ich habe das Buh im Rahmen einer Leserunde bekommen, daher war das Lesen sehr intensiv. Der Roman besticht mit einer tollen Alltagssprache, hat aber deutliche Schwächen in der Storyline. Kurz gesagt: Es ...

Ich habe das Buh im Rahmen einer Leserunde bekommen, daher war das Lesen sehr intensiv. Der Roman besticht mit einer tollen Alltagssprache, hat aber deutliche Schwächen in der Storyline. Kurz gesagt: Es geht um den Mann.


Worum geht es?

Tänzerin Elena braucht eine Pause vom Tanzen und flüchtet in den Dolomiten. Dort lernt sie den gefallenen Skifahrer Luca kennen, der nach einem Sturz in ein Loch gefallen ist und sich mit einer Skischule die Zeit vertreibt. Daneben gibt es noch eine hilfreiche Schwester und viele Freunde. Genug Stoff für eine Liebesgeschichte.


Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Schwerpunkt des Textes liegt auf der schönen Umgebung und dem Skifahren. Man merkt, dass sich die Autorin auskennt und ich denke, dass das Leser:innen gefallen wird, die sich gern dort aufhalten.

Im Gegensatz dazu sieht man vom Contemporary nur wenig. Die Szenen sind stark gerafft und man erfährt fast nichts. Das hat zur Folge, dass Elena als Charakter den Rahmen bildet, man von ihr aber nicht viel sieht. Daher wirkt auch die Liebesgeschichte nicht glaubhaft, denn Elena entwickelt sich kaum, auch über ihre Gefühle erfährt man wenig. Vieles bleibt einfach unklar.

Das Buch hat effektiv 160 Seiten (der Rest sind Nachwort und Auszug aus dem ersten Band) - davon handeln gefühlt 120 von Luca und seinem Problem. Und Luca ist auch die Figur, die sich ständig missverstanden fühlt. Allerdings hat er auch mehr zu bieten: eine Verletzung und ein gestörtes Verhältnis zum Vater. Das war wirklich interessant und vielfältig. Aber nicht das, was ich nach dem Klappentext erwartet habe.

Das ist umso trauriger, weil Elenas Familie eher zusammenhält - davon sieht man aber nicht viel. Der Gegensatz der beiden hätte Potential gehabt, wird aber nicht ausgeschöpft.

Lucas Schwester Giulia hält alle Figuren zusammen und fungiert als moralische Instanz - genauso wie Elenas Bruder Simon, der leider nur einen Mini-Auftritt hat. Allerdings trifft sie Entscheidungen manchmal für andere Figuren - das wird angesprochen, hat aber keine Konsequenzen.

Ohnehin wird im Roman viel erzählt, aber nicht soviel gezeigt. Das betrifft sowohl die Handlung als auch die Charakterisierung. Das hat, trotz zweier Ich-Perspektiven, eine Distanz geschaffen.

Nett waren die Freunde von Luca und Guilia, die in einer Szene vorkommen und sich authentisch angefühlt haben. Davon hätte ich gern mehr gehabt.

Die Fallhöhe ist überwiegend niedrig. Denn viele Konflikte versanden oder werden nicht angesprochen. Nach ca 75 % gibt es einen moralischen Konflikt, den Luca auslöst. Das versprach Spannung. Doch diese verpufft, weil plötzlich ein anderes Problem konstruiert wird, durch das Luca nicht Handelnder ist, sondern eher "Opfer".

Neben dem Setting besticht der Roman aber mit seiner Sprache. Alltags-Formulierungen werden ganz natürlich eingebunden, ohne, dass es kostruiert klingt. In Romanen erlebe ich oft, dass Umgangssprache gewollt eingebaut wird - das ist hier nicht der Fall. Aus meiner Sicht ist das eine Stärke.

Es gibt eine Kuss und eine erotische Szene unter einer Dusche. Die Idee war gut und dass BEIDE anfangen, das hat mir gefallen. Danach geht es aber nur noch darum, dass die Frau die Taten des Mannes genießt. Das war langweilig und ein bisschen paradox, weil Elena im Buch öfters die Initiative ergreift, zumindest, was Luca betrifft.

Fazit

Der Roman hat gute Ansätze, die man hoffentlich in weiteren Romanen sieht - die Sprache, um Umgebung. Dramaturgisch gibt es aber große Schwächen und besonders Elena als Figur hat kaum Ecken und die titelgebenden Kanten. Die Autorin sollte man im Blick behalten, das Buch war für mich aber ein Flop.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

400 Seiten Einleitung ...

Royal Heist
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Ich habe das Buch über einen Adventskalender bekommen und fand das Krimi-Element faszinierend. Leider passiert auf 400 Seiten erstaunlich wenig. Und - Spoiler!: Das Buch endet auf dem Höhepunkt - es ist ...

Ich habe das Buch über einen Adventskalender bekommen und fand das Krimi-Element faszinierend. Leider passiert auf 400 Seiten erstaunlich wenig. Und - Spoiler!: Das Buch endet auf dem Höhepunkt - es ist also nicht abgeschlossen.

Ein Wort zum Cover

Das Titelbild ist typisch für das Genre, sieht aber leider so farblos aus wie der Inhalt das Buches aus. Die Cover für die Bände 2 und 3 verheißen mehr.

Worum geht es?

Darcy ist eine geniale Trickbetrügerin, die mit ihrer Crew, allem voran dem Bruder, die Reichen bestielt, die Armen beschenkt. Doch ein Coup ist besonders wichtig: Sie möchte die Royal Family bestehlen, weil diese nach einem Unfall die Mutter entlassen hat. Das führte dazu, dass die Mutter verschwand, der Vater an Kummer starb und die beiden Geschwister bei Pflegefamilien aufwuchsen. Die zentrale Frage ist, ob man ein Leid gegen ein anderes tauschen darf.

Wie hat mit das Buch gefallen?

Wie so häufig beginnt das Buch stark, in dem wir Darcy bei einem der Raubzüge sehen. Ich mochte diese Stellen, weil Darcy sehr durchdacht agiert und fand es spannend einen Einblick zu bekommen.

Danach plätschert das Buch dahin und ich habe manche Stellen einfach überflogen. Das Buch nervt nicht, die Beschreibungen sind vorhanden, aber nicht zuviel. Aber es gab lange nichts, was mich wirklich begeistert hat. Erst ab 60 % kommt die Handlung in Gang, Konflikte entwickeln sich und manche Wendung habe ich nicht kommen sehen.

Den Konflikt aus den Love-Interests und Prinzen Tristan und Spencer war mir zu vage geschildert und konnte mich nicht packen. Auch wenn ich mag, dass Tristan handwerklich arbeitet. Tristan ist der nette Typ, der mich nur an einer Stelle wirklich gefesselt hat - als er seine Emotionen unerwartet zeigt.

Besser waren die Geschwister Darcy und Linus, weil sie mit dem Verlust der Eltern unterschiedlich umgehen und auch den Raub unterschiedlich betrachten: Für Darcy reicht es, wenn sie ein Schmuckstück klauen. Linus will den Royals mehrere, emotional wichtige Stücke nehmen und agiert deutlich cleverer. Beide weichen von ihren Plänen ab, werden mitgerissen von ihren Emotionen. Ich hätte gern mehr von dieser Dynamik gesehen.

Die Autorin hat es gut geschafft, den beiden eine Familie gegenüberzustellen, die sehr vielseitig ist. Die steife Königin, die für sich Konflikte birgt, die beiden Prinzessinnen, die eher liberal eingestellt sind ... Dazu Darcys Crew, die ebenfalls interessante Charaktere vereint. Umso trauriger, dass diese Figuren zwar prägnant sind, aber nur wenige Momente haben, in denen sie glänzen können.

Die Dialoge sind fließend, aber bekannt und wenig überaschend. Es wirkt einfach sehr geplant. An manchen Stellen kommt jedoch Umgangssprache hinein und an diesen Stellen wirken die Gespräche natürlich. Diese Momente haben für mich geglänzt.

Es gibt eine explizite Szene, die jedoch nichts Neues bietet. Frauen mögen es, wenn Männer sie begehren - eigenes Begehren haben sie wenig.

Fazit

Ich hätte das Buch gern gemocht und fand die Geschwister gut. Es ist aber emotional nicht packend, ziemlich lang und aufgelöst wird am Ende nichts.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Ari-Overload

You, again
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Ich hatte das Buch angefordert, weil es um Comedy geht, was ich interessant finde. Leider spielt sowohl Kochen als auch Comedy eine eher untergeordnete Rolle.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Das ...

Ich hatte das Buch angefordert, weil es um Comedy geht, was ich interessant finde. Leider spielt sowohl Kochen als auch Comedy eine eher untergeordnete Rolle.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Das Buch ist eine Harry&Sally-Adaption, d.h. Comedienne Ari und Koch Josh treffen sich im Verlauf der Jahre immer wieder, bis zum Happy End.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Erstmal: Die Jahre spielen für die Geschichte gar keine Rolle, wirklich entwickeln tun sich die Figuren nicht. Stattdessen sehen wir Ari 300 Seiten lang ihre soziale Beziehungen torpedieren, erst danach denkt sie um. Das war sehr nervig. Ari ist im besten Falle quirlig, im schlimmsten eine Drama-Queen, die gern flotte Sprüche reißt, auf der Flucht vor Nähe ist und vor allem sich selbst in den Mittelpunkt rückt. Selbst Aris Hochzeit mit einer Professorin mit Helfer-Syndrom wird nur wenig behandelt. Ich fand es sehr spannend, dass sich eine so lebendige Figur zähmen lässt. Und dass die Ex-Frau sie als Projekt betrachtete, sie förderte, aber auch belächelte. Sie wollte beschützt werden, aber irgendwann wurde sie abgeschrieben. Ich hätte davon gern mehr gesehen.

Josh als Love-Interest geht unter. Denn neben seiner Vorliebe für schwarze Klamotten mag er Ordnung. Beim Kochen sieht man das ganz gut: Er legt Wert auf Genauigkeit. Außerdem hat er Angst vor unpassender Kommunikation - nicht ganz stimmig ist, dass der Ari anruft, obwohl er sie fragt und sie nicht antwortet. Mehr Eigenschaft hat er nicht. Spannend war das Verhältnis zum Vater: Er lehnt seine Art zu kochen ab, will sich über ihn stellen - und scheitert. Auch das ein guter Aspekt, der aber nicht so tief ausgeführt wird.

Letztlich sind sie ein Paar, das real schwer zusammen kommen würde, weil beide kaum zu Kompromissen bereit sind.

Dazu noch ein paar Nebenfigurn, die leider auch nicht ins Geschehen passen. Am besten gefällt mir noch Aris beste Freundin, denn sie ist ruhig und verzeiht. Auch das ein Aspekt: Sowohl Josh als auch Ari streiten sich mit ihr, aber Josh entschuldigt sich nicht und Ari zeigt wenig Reue. Die beste Freundin erträgt einfach alles.

Gut gefallen hat mir, dass Ari sowohl Beziehungen zu Männer als auch zu Frauen hat, das aber nicht in den Mittelpunkt gerückt wird.

Auch der Schreibstil klingt eher trocken, beobachtend - das mochte ich, weil es Distanz schafft.

In meinem Exemplar waren leider einige Tippfehler drin und die Formatierung war nicht immer stimmig.

Das Cover hingegen finde ich super - die Figuren sind gut getroffen und der Text wirkt wie eine Geschichte über Mittzwanziger, die die großen Fragen des Lebens diskutieren. Schade, dass sie viel reden und viel denken, aber nicht wirklich etwas dabei herauskommt.

Auch von Aris Comedy hätte ich gern mehr gesehen, wie sie arbeitet, sieht man nicht. Nur ihr Gedanken zur Impro fand ich gut. Auch von Joshs Leidenschaft sieht man wenig, der Einblick in die jüdisch-amerikanische Küche war zu wenig.

Fazit

"You, again" hat einen guten Ausgangspunkt und wenige Sätze, die leuchten. Oft kreist der Text aber um die Beziehungsunfähigkeit der weibliche Haupfigur. Ich war damit nicht glücklich.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Nicht NOCH ein Konflikt

Ab jetzt beginnt die Ewigkeit
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Mit diesem Buch hat mich eine Hass-Liebe verbunden. Das Setting ist super: Stockholm als Kulisse, die schwedisch-estnische Geschichte, auch das Fernsehen. Aber die Konflikte werden SO simple gelöst, dass ...

Mit diesem Buch hat mich eine Hass-Liebe verbunden. Das Setting ist super: Stockholm als Kulisse, die schwedisch-estnische Geschichte, auch das Fernsehen. Aber die Konflikte werden SO simple gelöst, dass ich wollte, dass es aufhört.

Rezi enthält Spoiler!

Worum geht es?

Vendela ist nicht-schlank und Tochter einer berühmten Moderatorin - zwei Probleme, die der Jung-Moderatorin Sorgen bereiten. Sportjournalist Samuel kämpft als PoC nicht nur gegen Rassismus, sondern auch um seinen guten Ruf, der nach einem Vorfall gelitten hat. Dazu kommen noch zahlreiche Intrigen, die beiden das Leben schwer machen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Bis 30 % plätschert das Buch dahin. Vendela und Samuel werden als gute Freunde dargestellt, obwohl kaum Chemie zwischen den beiden ist. Ich habe keinen Humor, keine gemeinsamen Interessen gespürt, nur Respekt für die Arbeit des anderen. Und dass sie auf der Suche nach ihrem Platz im Sender und ihrer Vergangenheit sind.

Immerhin gibt es kaum Liebesszenen, ich erinnere mich vage an eine explizite Szene.

Interessant wird es erst, als eine zweite Erzählebene hinzukommt. Im Jahre 1951 sehen wir Vendelas Großmutter, die von Estland nach Schweden flüchtet und dabei ihre (erste) Tochter zurücklässt. Es handelt sich um die Zeit der "Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik". Zwischen 1941 und 1990 stand Estland unter der Herrschaft der Sowjetunion und tausende Partisanen (z.B. Waldbrüder) wurden nach Sibiren deportiert. Dieser reale Hintergrund trägt das Buch gut, auch, weil es interessant ist, wie unterschiedlich Großmutter und Enklelin leben, auch wenn sie sich im Buch nie begegnen.

Das Thema "Wurzeln" ist bei Vendela deutlich präsenter. Aber auch daraus macht die Autorin nicht viel: Ihre Mutter Krissi ist anfangs wenig begeistert, stimmt aber letztlich zu, dass ihre Tochter sogar einen Fernsehbeitrag daraus macht. Krissis Bedenken werden kaum aufgelöst, obwohl es belastend sein kann, so etwas über die eigene Mutter zu hören. Auch die Frage, warum die Großmutter beiden Familien nichts voneinander erzählte, wird für mich eher unbefriedigend beantwortet.

Auch Samuel, der adoptiert wurde, sucht seine leiblichen Eltern, muss aber erstmal den Widerstand seiner Mutter überwinden. In diesem Punkt war er mir wirklich unsympatisch, denn er sieht in der Ablehnung seiner Mutter eine übertriebene emotionale Reaktion. Ich finde es aber verständlich, dass die Mutter Angst hat, dass all ihre Leistung infrage gestellt wird. Es bringt das familiäre Gefüge durcheinander. Leider wird auch das nur mäßig aufgelöst.

Vendela nimmt viel Raum ein, ich kann mir aber nicht vorstellen, was an ihr im negativen Sinne "normal" ist. Der Konflikt mit der Mutter ist gut gedacht: Sie kritisiert ihre Tochter, weil sie "impulsiv" ist - das ist Vendela an einer (!) Stelle im Buch. Die unterschiedlichen Sichtweisen der Mutter und des Lesers prallen aufeinander: Vendela ist nicht impulsiv, aber weniger medienaffin. Sie nutzt das Fernsehen nicht aus, sie bleibt bei sich. Wie verletzend es ist, dass die eigene Mutter ihr sowenig zutraut, das wird immer wieder aufgegriffen, aber konfrontiert wird selten.

Hinzu kommt, dass Vendela von ihrer besten Freundin Moa beneidet wird und lernen muss, dass ihre eigenen Selbstzweifel nicht der Mittelpunkt der Welt sind. Außerdem wird sie in eine Intrige von Samuels Ex-Freundin Filippa hineingezogen. Und eine sexuelle Belästigung gibt es auch noch.

Samuel wird als Womanizer mit Herz dargestellt, man erfährt aber nicht, warum er das gemacht hat. Und zum Zeitpunkt der Handlung hat er auch keine Beziehungen mehr.

Der zentrale Konflikt im Buch ist der Kampf um eine Stelle als feste:r Moderator:in im Frühstücksfernsehen. Der Ausgang ist jedoch vorhersehbar.

Es gibt im Buch viele kleine Konflikte, denen es an Drama fehlt und die man mit einem guten Gespräch hätte schneller lösen können. Immerhin schafft es die Autorin, beide Hauptfiguren auch ein bisschen unsympatisch und damit menschlich zu machen.

Das Drumherum eines Fernsehsenders ist gut gestaltet, der Stress, die Moderationen usw. Ich fand es aber komisch, dass Vendelas Sommerserie relativ spontan entsteht, obwohl die Recherche zum Thema real wohl Monate gedauert hätte.

Das Beste am Buch ist Stockholm. Die Figuren bewegen sich darin, als wäre das völlig normal - nicht, als hätte ein:e Autor:in nur recherchiert. Freunde der Stadt werden Freude an all den vielen Orten haben. Auch ein Sänger namens Arash wird erwähnt - scheinbar eine Referenz an den iranisch-schwedischen Sänger.

Gut gefällt mir auch das Cover, weil es Samuel als PoC zeigt - habe ich selten auf Titelbildern gesehen. Der Titel ist jedoch beliebig.



Fazit

Trotz des guten geschichtlichen Hintergrunds ist das Buch vorhersehbar, die Chemie kaum vorhanden, die Fallhöhe gering. Gute Voraussetzungen, mäßig ausgeführt.



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