Mitreißend wie der Fluss
Der FährmannSchon nach wenigen Seiten spüre ich die Verbundenheit und die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat. Dabei ist die Geschichte kein Heimatroman im üblichen Sinn, in denen man von Intrigen und Lügen, aber auch ...
Schon nach wenigen Seiten spüre ich die Verbundenheit und die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat. Dabei ist die Geschichte kein Heimatroman im üblichen Sinn, in denen man von Intrigen und Lügen, aber auch von viel Liebe lesen kann.
Der Roman von Regina Denk geht zurück in den Anfang des 20. Jahrhunderts, dorthin, wo der Salzach die Grenze bildet zwischen Österreich und Deutschland, mit den Ortschaften Hohenwart und Siegering.
„Vier junge Menschen… Ihre Schicksale sind fest miteinander verwoben: durch Freundschaft und Liebe, durch Traditionen und Verpflichtungen.“ So steht es in der Buchbeschreibung. Einer der vier Menschen ist Hannes, Titelfigur und Hauptprotagonist. Alles, was die vier Menschen aus den beiden Nachbarorten schon in Kindheit und Jugend über die Grenzen hinaus verbindet, beschreibt die Autorin in einem fesselnden, der Zeit entsprechenden großartigen Erzählstil.
Aufwühlend, mitreißend und spannend liest sich die Geschichte, die mich nicht loslässt. Bald schon habe ich das Gefühl, die Menschen, die zu der damaligen Zeit dort lebten, hatten kaum eine eigene Meinung. Sie leben nach einem vorgegebenen Plan, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Vor allem die Frauen kommen dabei nicht gut weg, müssen vieles ertragen. Worte wie Zufriedenheit und Glück scheinen nicht zu existieren. In meinem Kopfkino sehe ich keine Farben, alles ist düster und grau.
„Ihr Körper, ihre Seele, es kam ihr vor, als wäre alles zu einer einzigen Narbe verwachsen.“ Mit Sätzen dieser Art gelingt es der Autorin immer wieder, den Schmerz fast körperlich fühlbar werden zu lassen.
Nur sehr wenige Glücksmomente hellen die Geschichte auf, und wenn, dann ist der Fährmann Hannes daran beteiligt, dessen Aufgabe es ist, die Menschen gefahrlos von einem Ufer der Salzach an das andere zu bringen.
Selten erkenne ich in einem Cover die Geschichte. „Der Fährmann“, der groß und fest als Titel in dem reißenden Fluss und der düsteren Landschaft zu sehen ist, beschreibt die Geschichte für mich mit einem einzigen Bild.
„Der Fährmann“ beschreibt ein Stück Geschichte und ist ein großartiger Roman, der auf jeden Fall zu den Highlights des Jahres zählt.