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Veröffentlicht am 23.03.2026

Blut macht noch keinen guten Thriller aus...

Blutwild
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Seit ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Polizeidienst arbeitet Anka Jessen als Resilienztrainerin. Sechs Jahre zuvor wurde sie entführt und konnte entkommen. Verständlich, dass eine eingehende SMS sie sofort ...

Seit ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Polizeidienst arbeitet Anka Jessen als Resilienztrainerin. Sechs Jahre zuvor wurde sie entführt und konnte entkommen. Verständlich, dass eine eingehende SMS sie sofort in den Alarmzustand versetzt. Mit dieser Nachricht hat ein unbekannter Absender GPS-Daten und das Wort Hilfe gesendet.

In einer einsam gelegenen Waldhütte findet Anka menschliche Körperteile, arrangiert wie in einer Ausstellung. Vieles erinnert die junge Frau dabei an ihre eigene Entführung. Da der Täter nie dingfest gemacht werden konnte, sieht sie ihre schlimmsten Albträume wahr werden!

Ist der Täter zurück und hat er es ein zweites Mal auf Anka abgesehen?


Schon nach wenigen Kapiteln habe ich mir gesagt, dass ich wohl wieder den zweiten Teil einer Reihe erwischt habe. Denn ich hatte den Eindruck nicht das erforderliche Vorwissen zu haben, um der Geschichte folgen zu können.

Ein Blick auf die Verlagsseite widersprach jedoch meiner Annahme. Denn "Blutwild" ist das Debüt der Autorin. Immer wieder wird angedeutet, was Jahre zuvor geschehen ist. Bedauerlicherweise hat es die Autorin verpasst, hier eine sorgfältige Ausarbeitung zu machen.

Damit muss ich leider sagen, dass hier grundlegend etwas falsch lief im Aufbau der Story. Zumindest aus meiner Sicht. Dazu kommt, dass die Handlung abgehackt und oftmals nicht rund ist. Kapitelweise wird mal hier, dann wieder mal da etwas erzählt. Der rote Faden fehlt jedoch oft. Dadurch hatte ich so meine Probleme am Ball zu bleiben.

Explizit und grauenhaft werden Tatorte beschrieben, aber auch Verletzungen werden beängstigend blutig und roh erwähnt. Leider machen blutig beschriebene Details noch lange keinen guten Thriller aus. "Blutwild" ist das beste Beispiel dafür.

Die grösste Baustelle ist meiner Meinung nach jedoch die Protagonistin. Anka Jessen ist seit der Entführung, mit folgender Unterschenkelamputation, schwer traumatisiert. Dies wird mehrmals erwähnt und auch ihre Albträume deuten auf ein Trauma hin. Trotzdem geht sie mutterseelenallein in diese Hütte in den Wald, ohne Hilfe anzufordern? Das passte für mich einfach nicht zusammen und sonderlich spannend waren ihre Ermittlungen auch nicht. Vieles geschieht durch Zufall und sehr oft konnte ich Ankas Handlungen nicht nachvollziehen.

Idee gut, Ausführung und vor allem der Erzählstil hat mir nicht zugesagt.

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Veröffentlicht am 23.11.2025

Wirr und langatmig

Grand Hotel Avalon
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1942, der Zweite Weltkrieg tobt und in West Virginia, in den Appalachen, werden ranghohe Kriegsgefangene in das Grand Hotel Avalon einquartiert.

Die Hoteldirektorin, June Porter Hudson, muss sich auf ...

1942, der Zweite Weltkrieg tobt und in West Virginia, in den Appalachen, werden ranghohe Kriegsgefangene in das Grand Hotel Avalon einquartiert.

Die Hoteldirektorin, June Porter Hudson, muss sich auf die neue Situation einstellen. Sie liebt ihren Beruf, das Hotel ist ihre Heimat und mit den umliegenden Heilquellen für sie ein magischer Ort.

Als das FBI das Hotel auch noch in Beschlag nimmt, muss sie versuchen, die Führung des Hotels in der Hand zu behalten. Der Krieg wütet und June versucht das Avalon durch diese schwere Zeit zu lotsen.


Die Geschichte, die sich mehrheitlich im Hotel Avalon abspielt, hat einen markanten geschichtlichen Hintergrund. Der Zweite Weltkrieg tobt, der Angriff Pearl Harbor und die deutsche Führung spielen eine Rolle. Der zentrale Mittelpunkt der Geschichte jedoch ist das Leben in dem Grand Hotel Avalon, das ebenfalls Auswirkungen des Krieges erlebt. Von null auf sofort müssen die Gäste, die noch im Hotel sind, abreisen und ranghohe Kriegsgefangene werden beherbergt. Mit dabei ebenfalls Mitglieder des FBI.

Viele Figuren, die meisten davon Nebenfiguren, werden im Hotel beherbergt oder arbeiten dort. Es war ein Kommen und Gehen, dass mir oft der Kopf geschwirrt hat.

Leider ist es der Autorin nicht gelungen, eine durchwegs logisch aufgebaute Handlung durchzuziehen. Immer wieder werden Nebenfiguren für ein paar Seiten in den Mittelpunkt gerückt, tauchen dann aber in der Versenkung unter. Andere treten ins Rampenlicht und hundert Seiten später taucht wieder die erste Nebenfigur auf. Erschwerend dazu kommt, dass immer wieder Gedanken einiger Figuren mit Erlebnissen aus der Vergangenheit dekoriert werden. Dadurch stagniert die Handlung in der Gegenwart öfters und die Autorin kommt nicht auf den Punkt.

Etliche Ausführungen zu Vergangenem fand ich einfach nur langweilig erzählt. Irgendwann wurde noch eine Liebesgeschichte eingeschoben und die wurde fast emotionslos erzählt. Hier hätte die Autorin mit den Gefühlen spielen und diese Liebe authentisch ausführen dürfen.

Die grosse Sache, dieses "Süsswasser", das eine Spezialität des Hauses sein soll, wird bedauerlicherweise mager aufgelöst. Dies, obwohl es immer mal wieder erwähnt wird und doch einen grossen Stellenwert hat. Das hat mich dann schon ordentlich geärgert, dass da gegen Schluss nicht tiefer erklärt / erläutert/ aufgelöst wird.

Der Plot basiert auf einem tatsächlich so geschehenen Rahmen im Zweiten Weltkrieg, in dem nach Pearl Harbor Luxushotels genau zu diesem Zweck missbraucht wurden: die Beherbergung ranghoher Gefangenen. Was als solider Plot dienen würde, wird durch den chaotischen Aufbau der Geschichte völlig wirr und langatmig.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Nicht eines ihrer guten Bücher!

Verratenes Vertrauen
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Er ist der Mann, der den schwierigen Auftrag schaffen kann! Detective Jake Madigan soll eine flüchtige und verurteilte Mörderin einfangen. Abigail Nichols ist aus dem Gefängnis geflohen und versteckt sich ...

Er ist der Mann, der den schwierigen Auftrag schaffen kann! Detective Jake Madigan soll eine flüchtige und verurteilte Mörderin einfangen. Abigail Nichols ist aus dem Gefängnis geflohen und versteckt sich in den Wäldern der Rocky Mountains. Er kann die junge Frau stellen und reitet mit ihr Richtung Rangerstation.

Als sie von einem Schneesturm überrascht werden, müssen sie in einer Hütte übernachten. Abigail erzählt ihm den wahren Grund für ihre Verurteilung. Ab da ist Jake hin- und hergerissen zwischen Sympathie und Pflichtbewusstsein.

Nun weiss ich, weshalb auf diesem Buch "Roman" steht, statt wie sonst auf den Büchern der Autorin "Krimi" oder "Thriller". Tatsächlich hat diese Geschichte eher etwas mit einem Erotik - oder Liebesroman zu tun als mit einem Krimi.

Eigentlich bietet die Handlung schon Krimianteile. Aber leider zu wenige. Flüchtige und bildhübsche Frau, die aus dem Gefängnis entwischt, trifft auf attraktiven Polizisten, der sie einfangen soll. Beide sind von der ersten Seite an völlig fasziniert voneinander. Die körperliche Anziehung, deren sie viele Seiten lang statt halten, gross. Die ganze Handlung dreht sich die ersten hundert Seiten praktisch nur um diese Anziehung und den Beschreibungen der körperlichen Vorzüge der beiden. Irgendwann einmal habe ich gedacht, wenn ich noch einmal lesen muss, wie gut ausgestattet Jake ist, schreie ich.

Mini Passagen, in denen es mal um etwas anderes geht, zeigen weichgespülte Krimianteile. Der Grund von Abigails Inhaftierung wabert mit, bekommt aber zu wenig Gewicht. Im Gegenteil. Mit all den ...sagen wir... zwischenmenschlichen Belangen der beiden geht diese Seite der Story komplett unter. Dabei wäre der Grund für Abigails Inhaftierung gut gewesen. Denn ab der Mitte, als diese Seite der Geschichte endlich Raum bekommt, wird es ein wenig spannend. Aber eben, das wiegt die einseitige und langatmige erste Hälfte nicht auf.

Ich bin doch sehr erstaunt, denn von Linda Castillo habe ich schon gute bis sehr gute Bücher gelesen. Diese Geschichte ist im ersten Teil einfach nur seicht und langweilig.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Kein Thriller!

Die Bucht
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Nachdem Calder Campell der Insel Langer als junger Mann den Rücken gekehrt hat, zieht es ihn nun wieder zurück. Nach dem Tod seiner Mutter hat er ein Cottage geerbt und er zieht mit seiner Lebensgefährtin ...

Nachdem Calder Campell der Insel Langer als junger Mann den Rücken gekehrt hat, zieht es ihn nun wieder zurück. Nach dem Tod seiner Mutter hat er ein Cottage geerbt und er zieht mit seiner Lebensgefährtin Nancy Ryan in dieses Haus am Meer. Die beiden wollen auf der Schieferinsel an der Westküste von Schottland einen Neuanfang wagen.

Nancy merkt schnell, dass es nicht einfach sein wird, sich auf der kargen Insel einzuleben. Als Calder nach einem Bootsunfall im Krankenhaus ist, muss sie um sein Leben bangen. Doch nicht nur das, Calder verhält sich sehr merkwürdig und Nancy ahnt, dass er etwas vor ihr verbirgt.


Also ein Thriller ist dieses Buch ganz sicher nicht.

Atmosphärisch gut ausgearbeitet, konnte die Autorin mich für ihre Landschaftsbeschreibungen gewinnen. Die karge Schieferinsel an der Westküste von Schottland wird mit viel Charme skizziert. Erläuterungen zur Vogelwelt und den Tieren auf der Insel werden zahlreich eingeflochten und das hat mir grundsätzlich gefallen.

Etwas mühsamer zu lesen sind die seitenlangen, monologartigen Beziehungsprobleme, sowie das Befinden von Nancy. Die Protagonistin, die durchwegs in Ich Perspektive erzählt, kann anhaltend (und dabei meine ich über mehrere Buchseiten) über Calder und ihre Beziehung nachdenken, abwägen, zweifeln und sich erzürnen. Ich fand sie erschöpfend und anstrengend. Der Gipfel ist, dass sie, nachdem sie sich einen massiven Vertrauensbruch geleistet hat, Groll gegen ihren Lebensgefährten hegt. Teilweise ist die Handlung wirklich absurd, wie eine von einem Tag auf den nächsten organisierte und durchgeführte Hochzeit. Das bisschen Spannung, das gegen Mitte da ist, verpufft leider in Nancys langen Litaneien.

Spannung? Kaum vorhanden. Setting? Gut gelungen. Plot? Hat Potenzial, Umsetzung wenig gelungen. Schreibstil? Im Grossen und Ganzen gut lesbar, mit einigen holperigen Stellen. Charaktere: mit mehr Tiefe hätte Calder charakterisiert werden dürfen, mit weniger Monologen Nancy.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Sehr guter Schluss!

Die Besucherin
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Linda Davidsson muss von ihrer besten Freundin Carol Stück für Stück Abschied nehmen. Die 76-Jährige leidet an Demenz und lebt in der Demenzpflegeabteilung Lagacy Place in Jupiter.

Linda besucht Carol ...

Linda Davidsson muss von ihrer besten Freundin Carol Stück für Stück Abschied nehmen. Die 76-Jährige leidet an Demenz und lebt in der Demenzpflegeabteilung Lagacy Place in Jupiter.

Linda besucht Carol regelmässig und lernt während dieser Besuche eine Mitpatientin kennen. Jenny Cooper ist 92 Jahre alt und gesteht Linda, dass sie eine Serientäterin ist.

Erst weiss Linda nicht, ob sie der dementen Frau glauben soll, dann beginnt sie sich umzuhören und versucht in Gesprächen mehr zu erfahren.


Die Beschreibung von diesem Roman tönte spannend, dramatisch und beklemmend. Ich habe mich auf Gänsehautmomente gefasst gemacht. Ich habe erwartet, dass das Setting, eine Klinik, die eine eventuelle Serientäterin beherbergt viel Gruseln erzeugt und dass man Linda mit Spannung bei den Ermittlungen über die Schulter blickt. Leider habe ich nichts davon bekommen. Es gibt weder einen Spannungsbogen, noch Gänsehautmomente oder gruselige Orte. Dafür Liebeleien zwischen Patienten oder zwischen Linda und dem Mann ihrer besten Freundin. Eine Prise Erotik wird durch den Schwiegersohn von Linda eingestreut. Sie erwischt ihn nämlich abends alleine vor seinem Computer.

Jenny, die gesteht eine Mörderin zu sein, ist ebenfalls Patientin und dement. Bedauerlicherweise konnte ich weder Jenny, noch Carol abnehmen, dass sie erkrankt sind. Da müsste die Autorin dringend über die Bücher, um Demenz authentischer einzuweben. Ich hatte eher den Eindruck Joy Fielding legte grossen Wert auf anspruchslose Unterhaltung und hat Dialoge zwischen den Patienten und Linda bewusst lächerlich gestaltet. Das wirre Gebrabbel zwischendurch konnte leider weder Demenz anschaulich vermitteln, noch fesseln.

Plot interessant, aber enttäuschenderweise schwach umgesetzt. Das kann Joy Fielding besser! Ganz am Schluss zeigt die Autorin doch noch ihr Können, der Schluss hat mir sehr gut gefallen!

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