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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2025

Starker und bewegender Roman

Lebensbande
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Mechtild Borrmann erzählt in "Lebensbande" die Lebensgeschichten von Lene, Nora und Lieselotte, deren Wege sich zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Berliner Mauer kreuzen. In einer Zeit von ...

Mechtild Borrmann erzählt in "Lebensbande" die Lebensgeschichten von Lene, Nora und Lieselotte, deren Wege sich zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Berliner Mauer kreuzen. In einer Zeit von Angst und Gewalt entstehen Freundschaften, die Halt geben. Besonders die Geschichte um den kleinen Leo, der wegen eines Handicaps als „Reichsausschusskind“ gilt, zeigt früh, wie grausam die Realität jener Zeit war. Die Erzählung führt vom Niederrhein über Danzig bis in ein sowjetisches Gulag und macht sichtbar, wie tief die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Durch die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven bleibt die Geschichte durchweg spannend und gleichzeitig sehr kurzweilig. Die historische Einbettung ist dabei gelungen: Fakten zur Zeitgeschichte fügen sich passend in die Handlung ein und lassen die Ereignisse umso greifbarer wirken. Man bekommt ein eindringliches Gefühl dafür, wie das Leben in Kriegs- und Nachkriegszeiten ausgesehen haben muss.

Gleichzeitig ist der Roman traurig und aufwühlend, regt aber auch zum Nachdenken an. Die Figuren sind so gezeichnet, dass man schnell Nähe zu ihnen aufbaut und mit ihnen hofft und bangt. In meinem Fall habe ich das Buch als Hörbuch gehört und die Sprecherinnen haben die Atmosphäre und Emotionalität der Geschichte sehr eindrucksvoll transportiert.

Alles in allem ist "Lebensbande" ist ein sehr starkes und bewegendes Buch, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Humorvolle Krimireihe mit Perspektive!

Über die Toten nur Gutes
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Andres Izquierdo erzählt in seinem Roman „Über die Toten nur Gutes“ die Geschichte von Mads Madsen, der als Trauerredner arbeitet. Nach dem Tod seines alten Freundes Patrick soll er eine Rede halten – ...

Andres Izquierdo erzählt in seinem Roman „Über die Toten nur Gutes“ die Geschichte von Mads Madsen, der als Trauerredner arbeitet. Nach dem Tod seines alten Freundes Patrick soll er eine Rede halten – eine Aufgabe, die ihn auf eine Reise in die Vergangenheit führt und nicht nur sich selbst damit in Gefahr bringt.

Die Handlung spielt in Glücksburg an der Ostsee. Neben Mads lernt man auch sein direktes Umfeld gut kennen: Dazu gehört sein Vater Fridtjof, sein bester Freund Fiete, aber auch die zunächst unsympathische Kommissarin Luisa Mills.

Der Schreibstil von Andres Izquierdo ist die gesamte Geschichte hinweg sehr flüssig und durch die kurzen Kapitel entsteht ein hohes Tempo, das die Spannung laufend aufrecht erhält. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus Humor und ernsteren Momenten: Während Mads vieles flapsig und fast naiv kommentiert, gewinnen die Ereignisse im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe. Gerade das letzte Drittel nimmt nicht nur erzählerisch Fahrt auf, sondern berührt auch emotional. Besonders die Geschichte rund um Mads Mutter fand ich sehr eindrucksvoll.

Sehr gefallen hat mir darüber hinaus auch die bildhafte Sprache, mit der Andres Izquierdo schreibt. Auch die Figuren sind facettenreich und bleiben im Gedächtnis: Mads als Hauptfigur mit seinem Humor und seiner Eigenart, aber auch Mills, die sich im Verlauf deutlich wandelt und Sympathiepunkte sammelt.

Alles in allem ein kurzweiliger, spannender und zugleich berührender Roman, der Lust auf mehr Geschichten mit Mads Madsen macht. Eine Empfehlung für alle, die Krimi, Humor und Tiefgang in einem Buch vereint sehen wollen.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Wunderbares Debüt mit toller Stimmung

Statt aus dem Fenster zu schauen
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In "Statt aus dem Fenster" schreibt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die zwischen Studium und all den Erwartungen an sie feststeckt. Sie folgt einem spontanen Impuls und kauft ein verfallenes Haus ...

In "Statt aus dem Fenster" schreibt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die zwischen Studium und all den Erwartungen an sie feststeckt. Sie folgt einem spontanen Impuls und kauft ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Ein Schritt, der sie raus aus dem Hamsterrad und hinein in eine unerwartete Auseinandersetzung mit sich selbst führt.

Der Schreibstil hat mich direkt abgeholt: leicht, atmosphärisch und gleichzeitig voller Tiefe. Besonders die Stimmung des Buches, dieses ruhige, flirrende Sommergefühl, war beim Lesen durchgehend spürbar und hat mir unglaublich gut gefallen. Sophie als Protagonistin bietet dabei ein großes Identifikationspotenzial: Viele Gedanken und Unsicherheiten wirkten sehr nahbar und haben für mich ein Lebensgefühl eingefangen, das vermutlich viele aus unserer Generation kennen. Gut gefallen haben mir auch Bezüge zur eigenen Kindheit und Jugend mit Himbi-Eis und den Wilden Hühnern. Zwischen den Zeilen stecken darüber hinaus immer wieder kleine Impulse, die zum Nachdenken anregen. Einziger kleiner Kritikpunkt für mich war, dass manche Handlungen nicht ganz realistisch bzw. etwas zu konstruiert wirkten.

Dennoch ist „Statt aus dem Fenster zu schauen“ ein echt tolles Debüt mit viel Gefühl und Atmosphäre. Für mich eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17.03.2022

Spannende Familiengeschichte mit italienischem Charme

Via Torino
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Aja Leuthner schreibt in ihrem Roma „Via Torino“ von drei charakterstarken Frauen und deren Familiengeschichte sowie enger Verbindung zu Italien. Eleonora, Rosalia und Milena begegnen sich dabei als Großmutter, ...

Aja Leuthner schreibt in ihrem Roma „Via Torino“ von drei charakterstarken Frauen und deren Familiengeschichte sowie enger Verbindung zu Italien. Eleonora, Rosalia und Milena begegnen sich dabei als Großmutter, Tochter und Enkelin nach dem Tod des Großvaters noch einmal neu.

Die Geschichte spielt zwischen den 1960er Jahren und 2018. Schauplätze sind dabei Italien und Deutschland. Eingebettet ist die Geschichte in den Kontext der damaligen gesellschaftlichen Strömungen und historischen Ereignisse wie beispielsweise der Streit bei Fiat in Turin im Jahre 1969, die 68er-Bewegung und den Mord an dem politischen Aktivisten Rudi Dutschke 1968. Auch die italienische Sprache kommt oft zum Zuge genauso wie das italienische „Dolce Vita“, das sehr authentisch beschrieben wird.

Eleonora erlebt ihre Jugend- und Studentenzeit zu Zeiten der 68er-Bewegung und rebelliert selbst gegen ihre für sie konservativen und reaktionären Eltern. In Italien schließt sie sich dem Arbeiterstreik an und verliebt sich in den sizilianischen Fabrikarbeiter Valerio. Ihre gemeinsame Tochter Rosalia wird Jahre später ungeplant mit Milena schwanger – schweigt aber über die Identität des Vaters. Erst der Tod Valerios 2018 und eine gemeinsame Reise der drei Frauen nach Sizilien bringt Licht in die dunklen Geheimnisse und die Frauen noch einmal auf einer anderen Ebene zusammen.

Aja Leuthner arbeitet in diesem Roman mit einer Vielzahl an Pro- und Analepsen – so werden nachträglich vergangene Ereignisse dargestellt oder schon vorab in die Zukunft gegriffen. Das macht die Geschichte sehr spannend und man kann als Leser:in so im Laufe der Zeit die Geschichte und deren Zusammenhänge verknüpfen. Der Schreibstil von Aja Leuthner ist dabei zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, doch man findet sich schnell ein. Zu Beginn sind einige Passagen etwas langatmig, aber vor allem am Ende nimmt der Spannungsbogen noch einmal enorm zu und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die drei Protagonistinnen werden dabei durchgehend sehr authentisch dargestellt und man kann sich sehr gut mit ihnen identifizieren, vor allem mit der jüngsten der drei Powerfrauen.

Insgesamt ist dieser Roman über die 3 Generationen einer Familie eine Empfehlung und v. a. an grauen Tagen eine Flucht aus dem Alltag, die zum Träumen und Urlaub in Italien einlädt – auf vielen Ebenen eine tolle Liebes- und Familiengeschichte.

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Veröffentlicht am 24.06.2026

Welche Lügen erzählen wir anderen und welche uns selbst?

Alles Liebe
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In "Alles Liebe" erzählt Ronja von Rönne in fünf Geschichten von Menschen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Liebe, Wahrheit und Selbsttäuschung auseinandersetzen.

Die einzelnen Kapitel stehen zunächst ...

In "Alles Liebe" erzählt Ronja von Rönne in fünf Geschichten von Menschen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Liebe, Wahrheit und Selbsttäuschung auseinandersetzen.

Die einzelnen Kapitel stehen zunächst für sich, ergeben zusammen aber ein spannendes Gesamtbild, in dem sich die Lebenswege der Figuren kreuzen und das Grundthema immer wieder zum Tragen kommt: Welche Lügen erzählen wir anderen und welche uns selbst? Dabei gelingt es der Autorin, diese ernste Themen in einem leichten Ton zu erzählen.

Die Figuren selbst boten mir zwar nur wenig Identifikationspotenzial, dennoch hatte jede Geschichte ihren eigenen Reiz. Manche wirkten auf mich stimmiger, andere etwas absurder, aber die Vielfalt machte das Lesen abwechslungsreich. Durch den kurzweiligen Schreibstil habe ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen.

Alles in allem ist "Alles Liebe" ein ungewöhnlicher Roman über die Wahrheit, der an manchen Stellen auch wehtut. Nicht jede Geschichte hat mich gleichermaßen überzeugt, aber die gelungenen Verbindungen zwischen den Figuren und die vielen Denkanstöße machen das Buch für mich zu einer klaren Leseempfehlung.