Platzhalter für Profilbild

vonicole

Lesejury-Mitglied
offline

vonicole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit vonicole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Wunderbares Debüt mit toller Stimmung

Statt aus dem Fenster zu schauen
0

In "Statt aus dem Fenster" schreibt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die zwischen Studium und all den Erwartungen an sie feststeckt. Sie folgt einem spontanen Impuls und kauft ein verfallenes Haus ...

In "Statt aus dem Fenster" schreibt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die zwischen Studium und all den Erwartungen an sie feststeckt. Sie folgt einem spontanen Impuls und kauft ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Ein Schritt, der sie raus aus dem Hamsterrad und hinein in eine unerwartete Auseinandersetzung mit sich selbst führt.

Der Schreibstil hat mich direkt abgeholt: leicht, atmosphärisch und gleichzeitig voller Tiefe. Besonders die Stimmung des Buches, dieses ruhige, flirrende Sommergefühl, war beim Lesen durchgehend spürbar und hat mir unglaublich gut gefallen. Sophie als Protagonistin bietet dabei ein großes Identifikationspotenzial: Viele Gedanken und Unsicherheiten wirkten sehr nahbar und haben für mich ein Lebensgefühl eingefangen, das vermutlich viele aus unserer Generation kennen. Gut gefallen haben mir auch Bezüge zur eigenen Kindheit und Jugend mit Himbi-Eis und den Wilden Hühnern. Zwischen den Zeilen stecken darüber hinaus immer wieder kleine Impulse, die zum Nachdenken anregen. Einziger kleiner Kritikpunkt für mich war, dass manche Handlungen nicht ganz realistisch bzw. etwas zu konstruiert wirkten.

Dennoch ist „Statt aus dem Fenster zu schauen“ ein echt tolles Debüt mit viel Gefühl und Atmosphäre. Für mich eine klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2022

Spannende Familiengeschichte mit italienischem Charme

Via Torino
0

Aja Leuthner schreibt in ihrem Roma „Via Torino“ von drei charakterstarken Frauen und deren Familiengeschichte sowie enger Verbindung zu Italien. Eleonora, Rosalia und Milena begegnen sich dabei als Großmutter, ...

Aja Leuthner schreibt in ihrem Roma „Via Torino“ von drei charakterstarken Frauen und deren Familiengeschichte sowie enger Verbindung zu Italien. Eleonora, Rosalia und Milena begegnen sich dabei als Großmutter, Tochter und Enkelin nach dem Tod des Großvaters noch einmal neu.

Die Geschichte spielt zwischen den 1960er Jahren und 2018. Schauplätze sind dabei Italien und Deutschland. Eingebettet ist die Geschichte in den Kontext der damaligen gesellschaftlichen Strömungen und historischen Ereignisse wie beispielsweise der Streit bei Fiat in Turin im Jahre 1969, die 68er-Bewegung und den Mord an dem politischen Aktivisten Rudi Dutschke 1968. Auch die italienische Sprache kommt oft zum Zuge genauso wie das italienische „Dolce Vita“, das sehr authentisch beschrieben wird.

Eleonora erlebt ihre Jugend- und Studentenzeit zu Zeiten der 68er-Bewegung und rebelliert selbst gegen ihre für sie konservativen und reaktionären Eltern. In Italien schließt sie sich dem Arbeiterstreik an und verliebt sich in den sizilianischen Fabrikarbeiter Valerio. Ihre gemeinsame Tochter Rosalia wird Jahre später ungeplant mit Milena schwanger – schweigt aber über die Identität des Vaters. Erst der Tod Valerios 2018 und eine gemeinsame Reise der drei Frauen nach Sizilien bringt Licht in die dunklen Geheimnisse und die Frauen noch einmal auf einer anderen Ebene zusammen.

Aja Leuthner arbeitet in diesem Roman mit einer Vielzahl an Pro- und Analepsen – so werden nachträglich vergangene Ereignisse dargestellt oder schon vorab in die Zukunft gegriffen. Das macht die Geschichte sehr spannend und man kann als Leser:in so im Laufe der Zeit die Geschichte und deren Zusammenhänge verknüpfen. Der Schreibstil von Aja Leuthner ist dabei zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, doch man findet sich schnell ein. Zu Beginn sind einige Passagen etwas langatmig, aber vor allem am Ende nimmt der Spannungsbogen noch einmal enorm zu und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die drei Protagonistinnen werden dabei durchgehend sehr authentisch dargestellt und man kann sich sehr gut mit ihnen identifizieren, vor allem mit der jüngsten der drei Powerfrauen.

Insgesamt ist dieser Roman über die 3 Generationen einer Familie eine Empfehlung und v. a. an grauen Tagen eine Flucht aus dem Alltag, die zum Träumen und Urlaub in Italien einlädt – auf vielen Ebenen eine tolle Liebes- und Familiengeschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Vielschichtiger Familienroman von großer gesellschaftlicher Relevanz

Real Americans
0

Rachel Khong spannt in "Real Americans" den Bogen über mehrere Jahrzehnte und Generationen hinweg: von Lily Cheng, Tochter eines chinesischen Auswanderpaares, die Ende der 90er in New York auf Matthew ...

Rachel Khong spannt in "Real Americans" den Bogen über mehrere Jahrzehnte und Generationen hinweg: von Lily Cheng, Tochter eines chinesischen Auswanderpaares, die Ende der 90er in New York auf Matthew trifft, über ihren Sohn Nick, der Jahre später nach Antworten sucht, bis hin zu Lilys Mutter. Dabei entfaltet sich nach und nach ein vielschichtiger Familienroman, in dem sich persönliche Geschichten und gesellschaftliche Fragen miteinander verbinden.

Der Aufbau mit drei Zeitebenen hat mir gut gefallen, da sich die einzelnen Perspektiven Stück für Stück ergänzen und ein umfassendes Gesamtbild ergeben. Themen wie Identität, Herkunft und Familie stehen klar im Mittelpunkt, aber auch größere Zusammenhänge, etwa die Unterschiede zwischen China und den USA sowie Kommunismus und Kapitalismus, werden spannend eingebunden. Besonders die Einblicke in die chinesische Geschichte rund die Regierungszeit von Mao Zedong haben für mich einen echten Mehrwert geboten.

Die Figuren sind dabei vielschichtig gezeichnet, auch wenn mir die Identifikation nicht immer leichtfiel. Trotzdem habe ich viel Empathie für ihre Lebenswege und Entscheidungen entwickelt. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, sodass sich der Roman trotz seiner Länge gut lesen lässt, auch wenn es zwischendurch kleinere Längen gibt. Ein Punkt, der mich etwas zwiegespalten zurücklässt, ist der Umgang mit dem Thema Genexperimente. Ich glaube, alleine damit hätte man ein ganzes Buch füllen können. So geht es neben den Themen rund um Herkunft und Identität etwas unter bzw. wirkt für mich etwas "zu viel".

Meine Erwartungen waren durch die große mediale Aufmerksamkeit (Kampagne "Deutschland liest ein Buch" etc.) sehr hoch. Das Buch ist definitiv gut zu lesen, konnte diese für mich aber nicht ganz erfüllen - dennoch ein vielschichtiger Familienroman mit historischen und gesellschaftlichen Bezügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

Sehr berührend!

Der letzte Sommer der Tauben
0

Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen ...

Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen und neue Regeln bestimmen das Leben seiner Familie während er versucht an den kleinen Freiheiten seines Alltags festzuhalten.

Der Roman hat mich vor allem durch seine Sprache beeindruckt. Khider schreibt poetisch und bildgewaltig. Viele Sätze tragen so viel Bedeutung in sich, dass man beim Lesen immer wieder innehält. Gleichzeitig sorgen die sehr kurzen Kapitel dafür, dass man als Leser nur so durch das Buch fliegt und sich das Buch trotz der schweren Themen erstaunlich schnell liest.

Besonders eindrücklich ist die Darstellung des Lebens in einer von Willkür geprägten Gesellschaft. Der Roman zeigt sehr authentisch, wie politische Macht den Alltag der Menschen verändert. Gleichzeitig hat mir sehr gut gefallen, wie Noah und seine Familie dennoch im Privaten wie gehabt miteinander umgegangen sind und auch das gemeinsame Lachen nicht zu kurz kam. Die Tauben fungieren durch das ganze Buch hinweg als symbolisches Bild, was sich immer wieder sehr gut einfügt und mir prima gefallen hat.

Einziger Kritikpunkt für mich ist das Ende: Es bleibt recht offen und lässt viele Fragen unbeantwortet. Gerade nach der intensiven Reise durch Noahs Welt hätte ich mir einen kleinen Ausblick oder eine etwas klarere Auflösung gewünscht.

Alles in allem ist „Der letzte Sommer der Tauben“ ein beeindruckender Roman, sehr berührend und lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2026

Spannung trifft Herz

This Story Might Save Your Life
0

Tiffany Crum erzählt in "This Story Might Save Your Life" von Joy und Benny, die als beste Freunde gemeinsam einen Podcast über Überlebensgeschichten betreiben. Als Joy plötzlich verschwindet und Benny ...

Tiffany Crum erzählt in "This Story Might Save Your Life" von Joy und Benny, die als beste Freunde gemeinsam einen Podcast über Überlebensgeschichten betreiben. Als Joy plötzlich verschwindet und Benny unter Mordverdacht gerät, stößt er auf ein Manuskript von ihr, das Geheimnisse über ihre Vergangenheit und ihre Beziehung offenbart.

Der Roman baut von Anfang an eine starke Spannung auf und hält sie bis zum Ende aufrecht. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Joy und Benny erzählt. Als Leser gerät man zwischenzeitlich immer was wieder ins Zweifeln: Wem kann man eigentlich glauben? Der Schreibstil ist insgesamt sehr flüssig und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten kommt.

Überraschend fand ich, dass das Buch weniger auf große, spektakuläre Plottwists setzt, als ich zunächst erwartet hatte. Stattdessen steht neben dem Thriller-Aspekt auch eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt, was für viel Emotionen sorgt. An einigen Stellen wirkten bestimmte Entwicklungen für mich etwas konstruiert, ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck positiv.

Alles in allem ist „This Story Might Save Your Life“ ein spannender Roman, der - neben dem Nervenkitzel - vor allem ans Herz geht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere