Drei Leben, ein Ort, viele Geschichten
Ein Ort, der bleibtIm Mittelpunkt der Geschichte ist ein botanischer Garten in Istanbul, der über Jahrzehnte hinweg zum verbindenden Ort dreier Frauen wird. Ausgangspunkt ist die Flucht der deutschen Familie Heilbronn in ...
Im Mittelpunkt der Geschichte ist ein botanischer Garten in Istanbul, der über Jahrzehnte hinweg zum verbindenden Ort dreier Frauen wird. Ausgangspunkt ist die Flucht der deutschen Familie Heilbronn in den 1930er Jahren vor dem aufkeimenden Nationalsozialismus. In der Fremde entsteht nicht nur ein neuer Lebensraum, sondern auch ein Ort der Hoffnung und des Neuanfangs.
Sandra Lüpkes gelingt ein ruhiger, atmosphärischer Roman mit viel geschichtlichem Hintergrund, der spürbar sehr gut recherchiert ist. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung des botanischen Gartens selbst. Durch den wundervollen Schreibstil wird dieser lebendig, sodass man als Leser das Gefühl hat, selbst durch die Anlagen der 1930er Jahre zu gehen.
Die Handlung entfaltet sich aus drei Erzählperspektiven. Im Zentrum stehen die Lebensgeschichten, Gefühle, Sehnsüchte und Ängste der Figuren Magda und Mehpare, die auf realen Personen basieren, sowie der fiktiven Imke in der Gegenwart, deren Geschichte den dritten Erzählstrang bildet. Diese Perspektiven sind fein miteinander verwoben und tragen die besondere Atmosphäre des Romans.
Auch wenn es keine vordergründige Spannung gibt, lebt das Buch von seinen Charakteren und der dichten Stimmung. Gerade diese Ruhe macht den Roman so eindringlich. Er berührt, fesselt und regt zum Nachdenken an.
Insgesamt ist es ein Roman, in den man versinken und mitfühlen kann. Ich empfehle ihn allen, die neben geschichtlichem Hintergrund besonders Geschichten mit mehreren Erzählperspektiven schätzen. 5/5 Sterne