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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2026

Überragend

Die Riesinnen
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Was für ein wundervolles Buch. Eines, das berührt, aber auch Mut macht und den Leser an seine Wurzeln erinnert. Im Mittelpunkt stehen drei eigenwillige, starke Frauen aus drei Generationen. Großmutter, ...

Was für ein wundervolles Buch. Eines, das berührt, aber auch Mut macht und den Leser an seine Wurzeln erinnert. Im Mittelpunkt stehen drei eigenwillige, starke Frauen aus drei Generationen. Großmutter, Mutter und Enkelin. Alle drei groß, hager und vor allem zäh. Alle drei haben mit den Zwängen, Vorurteilen und Herausforderungen ihrer Zeit zu kämpfen. Dabei ist Liese, die Großmutter, sicher die, die es am schwersten hatte. In einer Zeit, in der Frauen ihren Männern zu gehorchen hatten, meist nicht arbeiteten und vor allem für Haus und Hof verantwortlich waren. Als der Mann stirbt, steht Liese vor dem Nichts. Es gelingt ihr aber, sich und ihrer Tochter Cora ein eigenständiges und vor allem unabhängiges Leben aufzubauen. Sie übernimmt, entgegen aller Widrigkeiten, die Metzgerei ihres Mannes. Sie beißt sich durch, ist stark und unbeugsam. Cora ist ein eigenwilliges Kind, das mit sich allein am glücklichsten ist. Als junge Erwachsene bricht sie aus dem für sie zu eng gewordenen Zuhause aus. Sie bricht auf eine Reise durch Europa auf, besucht Paris, Amsterdam und schließlich Italien. Dieser Teil des Buches steht in sehr großem Kontrast zum ersten Teil. Das wilde, rebellische Leben der jungen Gemeinschaft in den Straßen und Gassen der europäischen Großstädte auf der einen Seite, auf der anderen, der beständige, Schwarzwald, die Gemächlichkeit und Enge des Dorfes. Cora gelingt es, endlich, Freundschaften zu schließen. Sie verliebt sich und wird schließlich schwanger. Sie kehrt nach Hause zurück, doch nicht als gescheiterte oder gebrochene, sondern als mutige Frau, die ihr Leben in die eigene Hand genommen hat. Cora berührt mich wirklich sehr. Ihre verlorenen Hoffnungen und Träume und ihre Stärke, das Leben so zu akzeptieren, wie es nun mal ist. Dies auch eine Fähigkeit, die die Großmutter Liese auszeichnet. Nicht zu hadern, nicht zurück zu schauen, seinen Weg beharrlich zu gehen trotz aller Schwierigkeiten. Die Enkelin Eva schließlich hüpft und springt durchs Leben, schließt schnell Freundschaften und ist im Wald zu Hause. Als sie nach der Schule zum Studieren die Heimat verlässt, fühlt sie sich verloren und kommt nirgendwo so richtig an. Eva, der die ganze Welt offen steht, weiß nicht wohin. Die unterschiedlichen Lebensumstände und -träume der verschiedenen Generationen sind in diesem Buch besonders gut eingefangen. Das Unverständnis der Mutter für den Lebensweg der Tochter, aber das Urvertrauen und die Liebe der drei Frauen zueinander. Alle drei gehen ihren Weg, behaupten sich, erleiden Niederlagen und müssen wieder neu anfangen. Es gibt viele weitere Figuren in diesem Buch, die sehr eindringlich beschrieben sind. Manche treten auf und schnell wieder ab, andere haben einen festen Platz, sind tief in der Handlung verwurzelt. Das Schreibstil ist eindringlich, bildhaft und sehr besonders. Der Autorin gelingt es, die Kraft der Natur, der Heimat und der Frauen in ihre Sprache zu übertragen. Das macht das Besondere an diesem Roman aus. Er schleicht sich ins Herz, klingt nach und schafft mit seinen ungewöhnlichen, aber äußerst liebenswerten Charakteren, eine ganz besondere Nähe. Das wunderschön gestaltete Cover verbindet die fast mystische Aura der Frau und die Kraft des Waldes und passt somit wunderbar zum Inhalt. Für mich bisher eines der Lese-Highlights des Jahres. Eine absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Eine meisterhaft arrangierte Reise in die Welt der Kunst

The Artist
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Dieses Buch ist ein Schatz, der den Leser in die wunderbare Landschaft Südfrankreichs in das Jahr 1920 führt. Der Kunst-Journalist Joseph begibt sich in einen kleinen, verschlafenen Ort in der Provence, ...

Dieses Buch ist ein Schatz, der den Leser in die wunderbare Landschaft Südfrankreichs in das Jahr 1920 führt. Der Kunst-Journalist Joseph begibt sich in einen kleinen, verschlafenen Ort in der Provence, um ein Interview mit dem zurückgezogen lebenden Künstler Tartuffe zu führen. Der abweisende Maler lässt Joseph widerstrebend bei sich wohnen, allerdings nur, weil dieser ihm Modell für sein nächstes Bild sitzen soll. Joseph ist überwältigt, dem mysteriösen Meister, der sich vor vielen Jahren aus der Kunstwelt zurückgezogen hat, näher zu kommen. Doch Tartuffe ist unberechenbar. Mal herrisch, mal in sich gekehrt, mal überraschend zugänglich und dann wieder egozentrisch, gelangweilt und verschlossen wie eine Auster. Der Maler teilt sich das Haus mit seiner Nichte Ettie. Die junge Frau ist ebenso verschlossen, beinahe abweisend und doch sehr sensibel. Wie ein Geist bewegt sie sich durch das Haus, beschafft Pinsel, arrangiert die Motive, bestellt die Farben, liest Briefe vor, ist das Mädchen für alles. Die Beziehung zwischen Onkel und Nichte ist besonders. Nähe, Wut, Liebe und Abhängigkeit auf beiden Seiten prägen das Zusammenleben. Joseph fühlt sich anfangs wie ein Eindringling in diesem eingespielten Beziehungsgeflecht, in dem jeder Schritt, jeder Handgriff zu einer festgelegten Choreografie zu gehören scheint. Erst nach und nach kommt er Ettie näher. Zwischen den beiden entwickelt sich ein zartes Band. Vertrautheit, so etwas wie Freundschaft und letztlich sogar eine erotische Anziehung. Das kommt für den Leser nicht wirklich überraschend, beinah scheint es so, als würde die Handlung unausweichlich darauf zu steuern. Es passiert nicht viel in dem alten Haus in diesem heißen Sommer. Joseph sitzt Modell, schreibt fleißig Artikel für die Kunstzeitung und beobachtet den Maler und seine Nichte. Dabei offenbart Ettie nach und nach ihr Geheimnis. Dieses kommt für mich nicht wirklich überraschend, was aber nicht schlimm ist, da es in diesem wundervoll berührenden Roman um viel mehr geht. In ständigen Perspektivwechseln erlebt man aus Josephs und aus Etties Sicht, wie sich die Ereignisse in diesem heißen Sommer unwiederbringlich zuspitzen. Lediglich der große Meister Tartuffe scheint von dem, was um ihn herum passiert, nichts zu bemerken. Das mag daran liegen, dass er sich nur für sich selbst interessiert. Besonders berührt haben mich die Rückblicke in Josephs und Etties Vergangenheit. Das, was sie in den Kriegsjahren erlebt haben, Etties erste Liebe, Josephs Verlust von Mutter und Bruder, das alles ist so wunderbar einfühlsam geschildert, dass man sich beinah als stiller Beobachter der jeweiligen Szenen fühlt. Man spürt die flirrende Hitze, das Summen der Zikaden, den Geruch von Lavendel. Der Schreibstil ist äußerst bildhaft, satt und voll. Man sieht die üppigen Kulissen der Bilder, Zitronen, Auberginen, Pfirsiche. Am meisten begeistert mich aber die Hauptfigur, Ettie. Nicht etwa der große Maler oder Joseph, der auch äußerst liebenswert gezeichnet ist, sondern die verschlossene mysteriöse, aber unglaublich starke Ettie. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt von einer so tollen Frauenfigur gelesen habe. Ihr Schicksal, ihre innere Zerrissenheit, ihre Angst, aber auch ihr Mut, ihre Entschlossenheit und ihre Leidenschaft zur Kunst beeindrucken mich sehr. Ettie schleicht sich in mein Herz. Besonders passend finde ich, dass der Titel des Romans The Artist auch für die deutsche Fassung übernommen wurde. Das wunderbar farbenfroh gestaltete Cover, die zu erahnenden Pinselstriche und die üppige Farbgebung des Lavendels passen wunderbar zur Handlung. Für mich ist dieses Buch ein absolutes Leseerlebnis, das sich langsam aufbaut, aber umso mehr berührt.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Von Heimat, Verlust und Familie

Elbland
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Ein sehr berührender Roman über eine verloren gegangene Familie, eine verlassene Heimat und eine tragische Vergangenheit. Als Ninas Mutter stirbt, kommt die Familie wieder zusammen. Katja, die kleine Tochter, ...

Ein sehr berührender Roman über eine verloren gegangene Familie, eine verlassene Heimat und eine tragische Vergangenheit. Als Ninas Mutter stirbt, kommt die Familie wieder zusammen. Katja, die kleine Tochter, der Liebling, die aber kurz vor der Wende aus der DDR geflohen ist. Der Vater, der die Traurigkeit und Stille in der Familie nicht mehr aushält und diese verlässt. Und Nina, der letztlich die Aufgabe zufällt für die Mutter da zu sein und die darüber ihre eigenen Ansprüche und Wünsche zurückstellt. Das Verhältnis zwischen den Schwestern ist eng, aber aufgrund der schwierigen Gefühle und Vorwürfe sehr angespannt. Dennoch spürt man sehr viel Liebe und Zugewandheit zwischen den Schwestern. Nach und nach offenbart sich in Rückblenden in den letzten glücklichen Familienurlaub, der tragisch endet, was im Sommer 1987 die Familie auseinander brechen lässt. Die Autorin nimmt uns aber noch weiter zurück. In kurzen Kapiteln erfährt man mehr über die Kindheit von Irma, der Mutter. Das einst behütete Leben in Böhmen endete jäh. Die deutsche Bevölkerung wurde aus der Region vertrieben, in Lager geschickt. Der geliebte Vater ist verschwunden, die Mutter zerbricht. Kaum vorstellbar, was die kleine Irma aushalten musste. Die Geschichte des kleinen Lutz berührt mich sehr. Irma wird hart, versteinert. Diese Wandlung vom lebensfrohen Kind zur zerstörten Frau ist erschütternd. Der Autorin gelingt es, diese Entwicklung und das ambivalente Verhältnis zu ihren eigenen Töchtern sehr eindringlich und greifbar darzustellen. Schreibstil und Sprache sind klar und ohne Firlefanz. Das unterstreicht die Eindringlichkeit zusätzlich. Ich hatte mich auf das Buch gefreut und eine mehrere Generationen umspannende Familiengeschichte erwartet. Dieses Buch birgt aber viel mehr. Für mich eines der Highlights in dem bisherigen Lesejahr.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Absoluter Volltreffer

Der Kuckucksjunge
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Wie schon der erste Thriller des Autors hat mich auch dieser total gepackt. Spannung pur, Adrenalin und verworrene Enden eines schrecklichen Verbrechens. Schon der Prolog, der ähnlich wie beim Vorgänger ...

Wie schon der erste Thriller des Autors hat mich auch dieser total gepackt. Spannung pur, Adrenalin und verworrene Enden eines schrecklichen Verbrechens. Schon der Prolog, der ähnlich wie beim Vorgänger in die 90er Jahre führt, lässt mich Gänsehaut bekommen. Kinder, die in einem Schilf verstecken spielen und auf eine Leiche stoßen. 30 Jahre später geschehen wieder schreckliche Taten nach dem gleichen Muster. Hängen die Fälle zusammen? Werden Hess und Naia den Täter rechtzeitig finden? Ja, dieser Thriller ähnelt von der Konstruktion dem Vorgänger. Der Spannungsbogen, die Art der Ermittlung, der Blick in die Vergangenheit. Dennoch wird es zu keiner Zeit langweilig. Atemlos verfolge ich die Ermittlungen. Auch die private Beziehung der Hauptfiguren nimmt etwas mehr Raum ein, als im ersten Teil. Man kommt beiden näher. Ich bin wieder begeistert und freue mich auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Erschreckend und hochaktuell

Die Praktikantin
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Mein erster Thriller von Horst Eckert und gleich ein Volltreffer. Spionage- und auch Politthriller fand ich bisher oft etwas verworren und für mich am Ende oft etwas unbefriedigend, weil die großen Probleme ...

Mein erster Thriller von Horst Eckert und gleich ein Volltreffer. Spionage- und auch Politthriller fand ich bisher oft etwas verworren und für mich am Ende oft etwas unbefriedigend, weil die großen Probleme und Intrigen zwar benannt, aber selten gelöst werden. Hier wird die düstere Aussicht eines Hyper War zwar auch nicht verhindert, aber das Buch lässt mich mit der Hoffnung zurück, dass guter, mutiger Journalismus aufmerksam beobachtet und aufmerksam macht. Die noch unerfahrene, mutige und sehr selbstbewusste Praktikantin Carla stößt auf eine spannende Geschichte, um einen russischen Journalisten. Es gelingt ihr den renommierten Reporter Jan ins Boot zu holen und gemeinsam decken sie nach und nach ein Geflecht von Geheimdiensten, Waffendeals und Lügen auf. Auch die kleineren Nebengeschichten sind gut und packend eingebunden. Die sehr interessanten Einblicke in die Welt der Redaktionen und Verlagshäuser großer Zeitungen geben zu denken. Was ist echter Journalismus noch wert, wenn es nur um Klicks, Reichweite und automatisierte Recherche und Texten durch KI geht? Durch die Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln bleibt die Spannung hoch. Die kurzen Kapitel gefallen mir und passen zum rasanten Stil. Das Ende lässt für mich die Möglichkeit einer Fortsetzung offen, zumindest einem weiteren Thriller mit den sympathischen Journalisten. Carlas Vergangenheit bietet sicher noch einiges an Erzählstoff. Ein sehr packender, gut zu lesendes Politthriller, bei dem mich die Aktualität und wahrscheinlich auch Nähe zur Realität durchaus noch lange beschäftigen wird. Das einzige kleine Manko ist der Titel, der mir etwas zu beliebig daherkommt zwischen all den ähnlich klingenden Thrillern, die in den letzten Monaten auf den Markt gekommen sind. Das wird dem sehr starken Inhalt nicht wirklich gerecht. Es lohnt sich aber zuzugreifen.

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