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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Nach Hause kommen

Statt aus dem Fenster zu schauen
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„Irgendwann werden sie mal so alt sein wie wir. Und wir werden mal so alt sein wir unsere Eltern und dann noch älter und dann gar nicht mehr. Das Leben ist kurz. Ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Seite ...

„Irgendwann werden sie mal so alt sein wie wir. Und wir werden mal so alt sein wir unsere Eltern und dann noch älter und dann gar nicht mehr. Das Leben ist kurz. Ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Seite 340

INHALT
Sophie langweilt sich. Studium doof. Praktikum doof. Grossstadt doof. Sie kauft spontan und ohne viel Überlegungen, ein Haus in Ostdeutschland. Als sie das Haus das erste Mal sieht, stellt sie fest, dass es nicht nur sanierungsbedürftig ist, sondern ziemlich heruntergekommen. Nichtsdestotrotz zieht sie ein, und fängt an, sich kreativ auszutoben.

„Aber ich bin Studentin, und für studierende entsprechend 3100 € etwa 1550 Mittagessen. Das sind etwa dreieinhalb Jahre Mensanudeln. Und ich habe gerade auf meine nächsten 1550 Mittagessen verzichtet und stattdessen ein Haus gekauft.“ Seite 10

EINDRUCK UND FAZIT
Das Buch fühlt sich an wie nach Hause kommen, nach einem anstrengenden Tag. Es zu lesen, machte mich richtig emotional (vielleicht weil wir auch gerade ein Haus in Ostdeutschland kaufen). Ich mochte Sophie, eine wirklich sympathisch gezeichnete Protagonistin. Ein Traum, den viele haben und Sophie einfach lebt. Ein Coming- of- Age Roman, der mir richtig gut gefallen hat! Kauft das Buch und träumt euch weg!

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Ein grandioses Buch!

Die Dinner Party
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„Als ich dort im Keller stehe, weiß ich nur, dass ich die gleiche namenlose Angst verspüre, wie eine Woche zuvor mit Andrew auf dem Sofa, ein Gefühl, dass mich oft überkommt, in diesem Haus, im Garten, ...

„Als ich dort im Keller stehe, weiß ich nur, dass ich die gleiche namenlose Angst verspüre, wie eine Woche zuvor mit Andrew auf dem Sofa, ein Gefühl, dass mich oft überkommt, in diesem Haus, im Garten, im Dorf, in der Landschaft, überall, wo ich bin und immer allein sein werde.“ Seite 36

INHALT
Pola Geschichten sind anders. Diese hier ist ganz besonders - und völlig anders, als das was man kennt. Franca studiert Literaturwissenschaft. Nachdem der familiäre Rückhalt wegbricht, fängt sie an zu trinken und lernt Andrew kennen. Die Beziehung zu diesem Mann ist alles andere als ihre Rettung, sondern treibt sie eher noch mehr ins Unglück. Es folgt eine harmlose Einladung zu einer Dinnerparty, die nimmt allerdings eine dramatische Wendung.

„Ich hätte nein sagen können, und vielleicht wäre es besser gewesen, sei es auch nur, um nicht zudem zu werden, was ich jetzt bin: eine Verlobte Hausfrau mit Schürze, die sich mit Alkohol und Netflix zu dröhnt.“ Seite 247

EINDRUCK UND FAZIT
Dieses Bucht hat mich absolut in den Bann gezogen und einiges an Redebedarf erzeugt. Gut, dass @charlit.reads und ich es gemeinsam gelesen haben. Eine Geschichte, die so spannend geschrieben ist, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Die explosive Stimmung vor und während der Dinnerparty ist kaum in Worte zufassen. Man liest und liest, und merkt erst im Nachhinein wie sehr man in der Geschichte steckte, wie sehr sich Dynamiken verschieben können und wie viele Warnsignale überhört - und übersehen werden können. Grosse Empfehlung!

„Aber die Geschichte ist ja nur der Anfang eines Buches. Und ein Buch endet erst dann, wenn es nicht mehr gelesen wird.“ Seite 315

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Gewalt ist manchmal doch eine Lösung

Solange ein Streichholz brennt
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„Gewalt ist aber keine Lösung. In meiner Welt schon.“ Seite 249

INHALT
Eine junge Frau, die sich beweisen muss. Alina sucht einen obdachlosen Mann für ihre Dokumentation. Sie trifft in diesem ...

„Gewalt ist aber keine Lösung. In meiner Welt schon.“ Seite 249

INHALT
Eine junge Frau, die sich beweisen muss. Alina sucht einen obdachlosen Mann für ihre Dokumentation. Sie trifft in diesem Zusammenhang auf Bohm. Ein Mann Mitte 30ig, schmuddelig und auf der Straße lebend. Zu Beginn ist er abweisend, möchte sich nicht filmen und interviewen lassen. Als sein Hund operiert werden muss, nimmt er ihr Angebot an und lässt sich auf die Doku ein (und nimmt das Geld an). Schnell wird beiden klar, dass irgendwas passiert. Es knistert, aber kann eine Liebe auf dieser Grundlage Bestand haben?

„Es gibt immer einen Grund. Es gibt für alles immer ein Grund. Wenn jemand fett ist, dann frisst er zu viel. Wenn jemand depressiv ist, dann soll er sich halt zusammenreißen. Aber das Opfer zu sein, ist natürlich bequemer. Die Ursache ist immer man selbst. Immer.“ Seite 242

EINDRUCK UND FAZIT
Welche Vorurteile hast du? Und würdest du dich auf Bohm einlassen? Spielt Geld wirklich immer eine Rolle? Ein sehr spannendes Szenario, welches der Autor geschaffen hat. Die Geschichte hat mich von Beginn an gepackt, zwischendrin dachte ich, ach herje, hoffentlich wird es nicht eine Platte Liebesgeschichte. Aber Spoiler: wird es nicht! Das Buch holt dich ab, ich bin mir sicher! Coole Story, ein wenig Witz und ziemlich viel Vorurteile bringt es mit sich, aber es lohnt sich so sehr!!
Eine spannende Geschichte zweier Menschen, aus zwei Welten.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

hart aber lesenswert!

Das zwölfte Haus
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„Denn wenn es einem als Kind nicht gut geht, wird man ein ängstlicher erwachsener, und wenn man Angst hat, wird man wütend. Frank muss üben, nicht so schnell wütend zu werden, also ist es doch gut, dass ...

„Denn wenn es einem als Kind nicht gut geht, wird man ein ängstlicher erwachsener, und wenn man Angst hat, wird man wütend. Frank muss üben, nicht so schnell wütend zu werden, also ist es doch gut, dass wir da sind, damit er üben kann, findest du nicht?“ Seite 99

INHALT
Dieses Buch ist wie ein Gespräch über erste Themen. Molli, heute erwachsen, blickt auf ihr Leben zurück und berichtet von ihrer Kindheit. Eine Kindheit geprägt durch dysfunktionalen Familienstrukturen und emotionaler Vernachlässigung. Als Mollis Bruder im Koma liegt, kommen die Erlebnisse der Vergangenheit mit voller Wucht zurück. Eine Kindheit voller schweigen und Hinnahme. Die Mutter zieht mit beiden Kindern bei Frank ein. Was zu Beginn ganz harmonisch wirkt, entwickelt sich zu einer Katastrophe. Denn Frank mag die Kinder nicht, alle er mag vieles nicht.

„So redest du nicht in meinem Haus, du wirst verdammt noch mal Respekt zeigen, du wirst deine hässliche Fresse halten. Jetzt steht er direkt vor mir. Wo liegt die Grenze zwischen Angst und Verachtung?“ Seite 270

EINDRUCK UND FAZIT
Dieses Buch habe ich mit feuchten Händen gelesen, von Seite 1 an. Man erwartet über das gesamte Buch eine dramatische Entwicklung, die ausbleibt, was dem Buch aber dennoch absolut keine Leichtigkeit vermittelt. Im Gegenteil - es bleibt hart und roh. Eine Kindheit, die man keinen wünscht. Ein beeindruckendes, sehr lesenswertes Buch!

„Frank sagt ihr, sie solle das Maul halten. Sie hält das Maul nicht. Er sagt es wieder und wieder, er wird knallrot und Gesicht. Carla schreit zurück. Bald ist alles nur noch Gebrüll, dann hebt er den Teller hoch. Ich drucke mich, als er den Teller gegen die Wand hinter mir schleudert.“ Seite 54

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Familiengeschichte über Trauer und Einsamkeit

Eines Tages für immer
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INHALT
Wie bei vielen Büchern, erwartet man einiges vom Cover. Dieses Cover hingegen lies mich eine sanfte Geschichte erwarten, die ich nach so vielen harten Büchern, auch gut gebrauchen hätte können. ...

INHALT
Wie bei vielen Büchern, erwartet man einiges vom Cover. Dieses Cover hingegen lies mich eine sanfte Geschichte erwarten, die ich nach so vielen harten Büchern, auch gut gebrauchen hätte können. Es kam allerdings anders. Das Buch wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Alice als junge Frau ist der erste Erzählstrang. Sie lebt in Beziehung und wird schwanger. Ihr Vater will auf keinen Fall, dass sie das Kind behält. Der zweite Erzählstrang zeiht Alice viele Jahre später - und ihren Sohn Luke. Beide treffen sich nach vielen Jahren das erste Mal wieder. Sie lernen sich allerdings nicht langsam kennen, sondern Alice wird direkt die Tagesmutter von Lukes Sohn. Von nun an haben sie viele Themen, Luke sucht nach Antworten für sein Weggeben und Aufwachsen in einer Pflegefamile. Wie so oft, gibt (oder gab) es triftige Gründe.

EINDRUCK UND FAZIT
Ich bin gut in die Geschichte reingekommen, zwischendrin fand ich sie etwas ruhiger, am Ende allerdings wieder mit ordentlich Fahrtwind. Ein Buch, dass man nicht so ganz aus der Hand legen möchte, weil man so gespannt ist, ob das - was man denkt, wirklich passiert. Eine dramatische Familiengeschichte über Einsamkeit und Trauer, über fehlenden Rückhalt und Reflexion. Eine Mutter-Sohn Geschichte, die mich beeindruckt hat, aber auch traurig machte. Pflegekindergeschichten berühren mich immer ganz besonders, sicherlich weil ich in der Jugendhilfe arbeite. Ich empfehle das Buch gern weiter.

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