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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.11.2021

Schreckliche Geheimnisse

Das Geheimnis
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1969 lebt die geschiedene Helga in einer Kommune auf dem Moarhof in einem Dorf am Chiemsee. Mit ihrer Kunst versucht sie ein schreckliches Erlebnis in der Vergangenheit zu verarbeiten, das sie davon abhält, ...

1969 lebt die geschiedene Helga in einer Kommune auf dem Moarhof in einem Dorf am Chiemsee. Mit ihrer Kunst versucht sie ein schreckliches Erlebnis in der Vergangenheit zu verarbeiten, das sie davon abhält, sich um ihre Tochter Ulla zu kümmern. Diese lebt beim Vater und sucht die Schuld für die abweisende Haltung der Mutter ihr Leben lang bei sich. Nach dem Tod von Mutter und Vater im Jahr 2020 fährt sie in das Haus der Mutter und entdeckt dort Hinweise auf die Vergangenheit der Mutter, die alles erklären könnten.

Zeitlebens fragt sich die Protagonistin Ulla, warum ihre Mutter sie nicht bei sich haben wollte. Dieser Gedanke lässt sie auch nach über 40 Jahren nicht los. Trotz der Zurückweisung ist sie ein starker Charakter, der uns durch die Geschichte in der Gegenwart führt. Sehr geschickt werden dann - nicht immer in chronologischer Reihenfolge - Bruchstücke aus der Vergangenheit erzählt. Dennoch kann man der Handlung gut folgen, da die Kapitel immer mit der entsprechenden Zeit und der erzählenden Person gekennzeichnet sind. Die Spannung beginnt verhalten, man lernt zunächst wichtige Personen kennen und auch ein bisschen Ullas Seelenleben. Doch mit jedem Hinweis auf die Vergangenheit steigt die Spannung, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und ratzfatz durch war. Tatsächlich war ich begeistert von den schicksalhaften Verwicklungen und wie sie sich über Jahrzehnte als Fleck auf den Seelen der drei Generationen von Frauen festgesetzt haben. Obwohl das Ende mich nicht so sehr überrascht hat, war das Buch für mich ein Highlight, das sehr deutlich zeigt, wie uns noch die Biographie unserer Eltern und Großeltern beeinflusst. Mit Sicherheit werde ich noch einige andere Bücher der Autorin lesen. 5 Sterne

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Veröffentlicht am 13.11.2021

Ein Kampf, den man nur verlieren kann

Wie schön wir waren
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Kosawa ist ein kleines afrikanisches Dorf, das seit Jahrzehnten unter den Praktiken einer amerikanischen Ölfirma, die sich auf ihrem Land angesiedelt hat, leidet. Von Generation zu Generation versuchen ...

Kosawa ist ein kleines afrikanisches Dorf, das seit Jahrzehnten unter den Praktiken einer amerikanischen Ölfirma, die sich auf ihrem Land angesiedelt hat, leidet. Von Generation zu Generation versuchen die friedliebenden Einwohner gegen die Eingriffe der Firma in ihr Leben vorzugehen. Durch die Vergiftung ihres Wassers, der Luft und des Ackerbodens sind viele Kinder krank oder sterben. Doch mit ihrer Geduld und vielen Gesprächen erreichen sie keine Verbesserung und sagen der Ölfirma, aber auch dem politischen System im Land den Kampf an, angeführt von Thula, von der alle Großes erwarten.

Ich habe dieses Buch wirklich gern gelesen. Es hat mich sehr berührt. Die Autorin schafft es wirklich hervorragend, deutlich zu machen, welche Konflikte die Dorfbewohner mit der Firma, der Regierung aber vor allem auch mit sich selbst austragen müssen. Dabei wechselt sie die Sichtweisen und lässt die Geschichte von verschiedenen Personen und den Kindern erzählen. Teilweise brich es einem das Herz, wie die Bevölkerung gegen Windmühlen ankämpft, die auf Profit- und Machtgier aufgebaut sind. Dabei erfährt man auch viel über die Naturverbundenheit der Menschen im Dorf, ihren Glauben und die Lebensweise, die funktionierte, solange keine Eindringlinge aus Europa das Land kolonialisierten und ausbeuteten. Der Wechsel der Personen bringt es aber auch mit sich, dass sich einige Teile der Erzählung wiederholen, was dann etwas viel wird. Trotzdem ist es ein wichtiges Buch, das zeigt, dass Veränderung nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist und wir alle umdenken sollten. Ich empfehle es gern.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Eindringliche Zeitreise mit viel queerem Einschlag

Die verborgenen Bilder
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Frieke hat es gerade nicht leicht Ihre Eltern haben sich getrennt und sie muss aus der gewohnten Umgebung in eine neue Wohnung ziehen. Ihre Schwester Henri und ihre Mama scheinen damit gut klar zu kommen, ...

Frieke hat es gerade nicht leicht Ihre Eltern haben sich getrennt und sie muss aus der gewohnten Umgebung in eine neue Wohnung ziehen. Ihre Schwester Henri und ihre Mama scheinen damit gut klar zu kommen, doch für Frieke hat der Vater einen Verrat begangen, den sie einfach nicht verzeihen kann. Doch bald schon ziehen Zeichnungen, die sie in ihrem Zimmer an der Wand finden Friekes Aufmerksamkeit auf sich, denn wenn Frieke sie berührt, kann sie in die Vergangenheit reisen. Dort lernt sie Ilsabeth, die Urheberin der Bilder kennen, die vor etwa 100 Jahren gelebt hat. Bei ihrer neuen Freundin findet sie den Familienzusammenhalt, den sie in ihrer Zeit vermisst. Doch mit der Zeit hört sie auch Dinge, die sie schmerzlich daran erinnern, dass die 1930er nicht nur Positives hervorgebracht haben und die Nachwirkungen noch heute zu spüren sind.

Mich hat sowohl das Zeitreisethema, als auch Friekes Umgang mit der Vergangenheit interessiert, doch es dauert etwas, bis das Buch sich diesen Themen zuwendet. Anfangs hat mich das verwundert, doch nun weiß ich, dass die Autorin auf diese Weise einen tollen Bogen in dieser Geschichte schlägt. Frieke lernt man als äußerst frustriertes, wütendes aber auch trauriges Mädchen kennen, das den Verrat ihres Vaters an sich selbst, aber auch an ihrer Mama nicht verwinden kann. Er hat einen neuen Partner und niemand außer ihr scheint sich daran zu stören. So bricht sie den Kontakt zu ihm größtenteils ab, leidet jedoch sehr. Diese ganzen Gefühle transportiert die Erzählweise der Autorin sehr gut. Man kann Friekes Schmerz spüren und nachvollziehen. Da kommt die Möglichkeit, dem in die Vergangenheit zu entfliehen gerade recht.

Was zunächst wie eine schöne Abwechslung wirkt, wird bald kompliziert, denn obwohl Ilsabeths Familie sie immer gern begrüßt, schleichen sich immer mehr judenfeindliche Aussagen in die Gespräche ein und damit ist Frieke, die weiß, was passieren wird, natürlich alles andere als einverstanden. Doch sie will auch ihre einzige Freundin nicht verlieren. Wie Maja Ilisch mit dieser Zwickmühle spielt, hat mich etwas an die Entwicklungen in "Die Welle" erinnert. Auch hier kommt am Ende ein abrupter Bruch, denn was einmal war, hat leider das Denken mancher Menschen immer noch nicht verändert. Für Leser*innen ab 10 Jahren kann diese Entwicklung ganz schön aufrüttelnd sein. Doch meiner Meinung nach, sollte die Erkenntnis besser früher als später stattfinden. Gerade in der heutigen Zeit, wo es wieder "schick" wird, Minderheiten als Sündenböcke zu benutzen und Gruppierungen auszugrenzen, die nicht ins eigenen Weltbild passen, ist das wichtiger denn je. Gerade, dass das Buch queere Menschen mit in den Fokus stellt, hat mich sehr angesprochen. Ein interessantes Buch, das Familienprobleme und die nationalsozialistische Vergangenheit und Gegenwart zu einer lesenswerten Geschichte vereint.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Leichte Hexen-Lektüre mit herbstlichen Vibes

A Dark and Secret Magic
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Hekate lebt nach dem Tod ihrer Mutter, einer mächtigen Hexe ihres Zirkels, eher zurückgezogen in einem kleinen, gemütlichen Cottage und probiert magische Rezepte aus. Zudem stellt sie Tinkturen und ähnliches ...

Hekate lebt nach dem Tod ihrer Mutter, einer mächtigen Hexe ihres Zirkels, eher zurückgezogen in einem kleinen, gemütlichen Cottage und probiert magische Rezepte aus. Zudem stellt sie Tinkturen und ähnliches für einen kleinen Laden her. Mit der Ruhe ist es erstmal vorbei, als ihre Schwester sie beauftragt, das Fest zum großen Hexenfeiertag auszurichten. Dann taucht plötzlich ein Bekannter aus früheren Tagen an ihrer Tür auf. Matthew, ein Anhänger der dunklen Magie, braucht ihre Hilfe. Doch warum ausgerechnet jetzt? Zu guter Letzt entdeckt Hekate ein Buch ihrer Mutter, das eine geheime Botschaft zu enthalten scheint. Doch was wollte sie ihr mitteilen. Zusammen mit Matthew versucht sie die Rätsel zu lösen, ist sich dabei aber nur zu bewusst, dass sie niemandem trauen kann.

In der Masse der cozy Herbstbüche und Pumpkin Spice Romane sticht A Dark and Secret Magic optisch schon etwas heraus. Es wirkt dunkel, magisch und matcht meinen Herbstmood perfekt. Hekate erscheint zunächst als ziemlich unbedarfte Protagonistin, die es sich in ihrer eigenen kleinen Welt gemütlich eingerichtet hat und immer an das Gute in jedem glaubt. Das wirkt etwas naiv, doch eigentlich verdeutlicht es, wie zufrieden sie mit ihrem Leben ist, in dem nichts Aufregendes zu passieren scheint. Als sich das ändert, entwickelt sich auch Kate ziemlich flott und wird selbstbewusster und vorsichtiger. Das ist auch dringend nötig, denn um sie herum passieren seltsame, teils unerklärliche Dinge. Vor allem das Buch der Mutter gibt den Leserinnen und Kate Rätsel auf. Auch das plötzliche Auftauchen von Matthew, dessen Absichten man auch nicht einschätzen kann, sorgt für Spannung und einen gewissen Sog. Die Gefühle zwischen den beiden, die sich schon vor Jahren entwickelt haben, sind zwar nicht sofort so stark nachzuvollziehen, aber hier wird die Autorin im Laufe der Geschichte immer besser. Hin und wieder wird es auch etwas gruselig, vor allem zum Finale hin, wo Wallis Kinney mit Überraschungen aufwartet.

Das Buch ist nicht umsonst herbstlich gestaltet. Die Geschichte spielt im Herbst und das merkt man auch an den Rezepten, die Kate kocht, an den Dekorationen, die überall erwähnt werden und am hexischen Feiertag, auf den sich alles zubewegt. Die Geschichte eignet sich perfekt, um sich mit einem Heißgetränk und einer kuscheligen Decke an den Lieblingsleseplatz zu begeben und das regnerische Wetter draußen auszublenden. Gerade für Leser
innen, die noch nicht viele Fantasy- und Hexenbücher gelesen haben, ist das Buch der perfekte Einstieg in eine Mischwelt aus Realität und magischen Anteilen. 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Einfühlsame Freundschaftsgeschichte

Wonder und ich. Eine Freundschaftsgeschichte (Band 1)
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Es ist der letzte Schultag vor den Ferien, als Ole überraschend erfährt, dass er als Pflegekind in eine neue Familie kommt. Bisher hatte er sich noch nirgendwo richtig wohl gefühlt. Auch in der Schule ...

Es ist der letzte Schultag vor den Ferien, als Ole überraschend erfährt, dass er als Pflegekind in eine neue Familie kommt. Bisher hatte er sich noch nirgendwo richtig wohl gefühlt. Auch in der Schule ist er ein Außenseiter. Umso überraschter ist er, als er sein neues Zuhause kennenlernt. Die Wild-Turkey-Farm ist so ganz anders, etwas chaotisch, aber es geht dort auch sehr herzlich zu. Ole findet in einer dort gestrandeten Stute ein Wesen, das ihn zu verstehen scheint, weil es ähnliches durchgemacht hat. Als es dann zu einer schlimmen Katastrophe kommt, zeigt sich, dass ihre Freundschaft Wunder bewirken kann.

Auch wenn das Cover einen durchaus fröhlichen Eindruck macht, beginnt die Geschichte von Ole gar nicht heiter. Man lernt ihn als Außenseiter in seiner Klasse kennen, über den die Klassenkameraden Witze machen. Und das nicht nur, weil er täglich den Cowboyhut seines verstorbenen Vaters trägt. Etwas an der Realität vorbei fand ich, dass die Lehrerin hier gar nicht eingreift. Das ist für Betroffene von Mobbing nicht das beste Signal. Stattdessen rettet eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Ole vor den fiesen Sprüchen und eröffnet ihm ohne Ankündigung, dass er sofort in eine neue Familie wechselt und damit auch gleich von der Stadt aufs Land. Gut, das geht alles ein bisschen plötzlich, spielt aber keine so große Rolle. Wichtiger ist, dass Ole sich nirgends wirklich zugehörig fühlt und das seit Langem. Die Autorin schildert seine Gefühle sehr gut und schafft es Empathie zu erzeugen.

Die Wild-Turkey-Farm ist eine ganz neue Erfahrung für Ole. Hier geht es - wie der Name schon sagt - etwas wilder zu. Gerade die Szenen mit Harald, dem verrückten Truthahn sind sehr lustig geschrieben und man merkt, dass es in Ole arbeitet. Vor allem aber als ein weiterer Außenseiter in Gestalt einer schwarzen Stute an den Hof kommt, spürt er sofort, dass er eine Verbindung zu dem Pferd hat. Beide tauen auf. Es gibt einiges zum Schmunzeln und Mitfiebern. Die Hofbewohner und -besucher sind tolle Charaktere, ein bunter Haufen mit vielen Eigenheiten. Das gefällt mir ziemlich gut. Spannend wird es vor allem gegen Ende, als Wonder, wie Ole das Pferd tauft, plötzlich verschwunden ist. Der Grund dafür ist fast schon spektakulär und zeigt, was Freundschaft alles vermag. Eine schöne, einfühlsame Freundschaftsgeschichte, mal melancholisch, mal lockerleicht geschrieben, aber gerade für jüngere Leser nicht allzu schwer zu lesen. Dafür sorgen neben der Erzählweise auch die angenehme Kapitellänge und die immer wieder eingestreuten schwarz-weiß Illustrationen. Nicht nur für Pferdefreunde geeignet. 4,5 Sterne

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