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Chrystally

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2026

Paul schreibt seine eigene Geschichte

Paul bekommt kein Kätzchen
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Ach, Paul! Ein Kind wie jedes andere: fröhlich, neugierig, kreativ – und mit einem eigenen Kopf voller Ideen, die meist dem zuwiderlaufen, was sich die Erwachsenen vorstellen, in diesem Fall dem Erzähler ...

Ach, Paul! Ein Kind wie jedes andere: fröhlich, neugierig, kreativ – und mit einem eigenen Kopf voller Ideen, die meist dem zuwiderlaufen, was sich die Erwachsenen vorstellen, in diesem Fall dem Erzähler von Pauls Geschichte. Paul soll aufstehen, frühstücken und dann mit einem Karton zum Zoohandel gehen, um sein Kätzchen abzuholen. Aber Paul hat andere Pläne, und erklärt dem Erzähler auch geduldig, warum er es eben anders macht. Und der wiederum begleitet Paul, ebenso geduldig, wie ein wohlwollender Elternteil durch seine ganz eigene Geschichte – lässt ihn sich ausprobieren, unkonventionell sein, Spaß haben. Am Schluss stellt Paul - ohne Vorhaltungen! - fest, dass (ganz manchmal) die Erwachsenen doch auch Recht haben. Und der Erzähler, dass Kinder manchmal die interessanteren Geschichten schreiben.
Ich liebe Paul. Und sein „Kätzchen“. Und ich liebe den Erzähler, bei dessen Text ich immer Bernhard Hoeckers Stimme im Kopf hatte. Und ich liebe die Bilder – bunt, lebendig, ungezwungen, ausdrucksstarke Figuren. Und ich liebe die warme, herzliche, liebevolle Atmosphäre, die das Buch entstehen lässt. Ermutigend für Kinder, inspirierend für Eltern. Großartiges Buch!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Nicht gereimt, sondern gedichtet

Arche Boa
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Ich habe dieses Buch bekommen, reingeblättert und hatte nach den ersten Zeilen den Drang, es laut vorzulesen, was ich dann auch ganz für mich getan habe. Was für eine leicht-fließende, fröhlich springende, ...

Ich habe dieses Buch bekommen, reingeblättert und hatte nach den ersten Zeilen den Drang, es laut vorzulesen, was ich dann auch ganz für mich getan habe. Was für eine leicht-fließende, fröhlich springende, elegante und kreative Dichtkunst! Und immer wieder schöne Wortspielereien, wie die Biene, die in See sticht. Kein Vergleich mit anderen Kinderbüchern, in denen immer derselbe dröge ein-rein-, Maus-Haus-Quatsch gereimt wird.
Wir treffen auf zunächst zwölf charaktervolle Tiere, die während eines Wettbewerbs ihre menschengemachten Probleme beklagen, und während die geniale Gedichtform auf den ersten Blick die grausame Realität ein bisschen abmildert, werden dabei einige der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit sehr ungeschönt angesprochen. Dabei passt jeder Auftritt raffiniert zum jeweiligen Tier und wird von passender Musik dichterisch untermalt. Die Illustrationen sind zurückhaltend, aber extrem ausdrucksstark und greifen den Charakter und die Emotionen der Tiere ebenfalls gekonnt auf.
Auch unser vierjähriges Kind hat sich neugierig das ganze Buch von vorne bis hinten angehört, und das trotz der doch beachtlichen Länge.
Insgesamt ein herrlicher Reimgenuss für Jung und Alt und ein Buch, das man auch als Erwachsene immer wieder gerne vorliest.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Ich habe angebissen!

Flavorama
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Flavorama hat ein schlichtes, aber mit seinem Sonnengelb strahlendes und fröhliches Cover – nicht sehr aussagekräftig, aber was anderes hätte ich mir zu dem Thema auch nicht vorstellen können (und definitiv ...

Flavorama hat ein schlichtes, aber mit seinem Sonnengelb strahlendes und fröhliches Cover – nicht sehr aussagekräftig, aber was anderes hätte ich mir zu dem Thema auch nicht vorstellen können (und definitiv besser als ein Selbstportrait!).
Man erfährt wirklich eine Menge darüber, was eigentlich chemisch und biologisch hinter Schmecken und Riechen steckt. Das Buch ist gut strukturiert und man findet sich leicht zurecht. Der Schreibstil ist wirklich leicht nachzuvollziehen, man wird als Leserin häufig direkt angesprochen und kommt sich vor, als würde die Autorin einem ganz persönlich im Plauderton von ihrem Wissen erzählen. Bisweilen sind die Erklärungen vielleicht etwas langatmig, aber auf jeden Fall kommt man jederzeit gut mit. Die Übersetzung ist meiner Meinung nach leider nicht sehr gut gelungen – zu oft konnte man die originalen Formulierungen heraushören, die sich im Deutschen leider oft unnatürlich lesen. Der Text ist durch charmante Illustrationen aufgelockert, die genau an den richtigen Stellen Inhalte, die mit Worten nur umständlich erklärbar sind, einfach verständlich machen.
Die vielen Rezeptideen lesen sich interessant, werden aber bisweilen durch schwierige Zutaten erschwert. Toll fand ich dagegen die super praxisnahen Anregungen, wie man selbst einen differenzierteren Geruchs- und Geschmackssinn entwickeln kann. Das werde ich in den nächsten Wochen ausprobieren!
Insgesamt ein dichtgepacktes, auf den ersten Blick überwältigendes, aber sehr inspirierendes Buch für alle, die den Geheimnissen des Geschmacks gründlich auf den Grund gehen wollen.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Raue Schwedin

Als wir im Schnee Blumen pflückten
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Das Gemälde auf dem Cover von „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ lässt einen sofort die unendliche Weite Schwedens spüren, wo dieses Buch spielt. Wir begleiten Marridja, die sich nach einer terminalen ...

Das Gemälde auf dem Cover von „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ lässt einen sofort die unendliche Weite Schwedens spüren, wo dieses Buch spielt. Wir begleiten Marridja, die sich nach einer terminalen Diagnose auf die Suche nach ihrem Neffen macht.
Harnesk hat das Erzähltalent ihrer samischen Vorfahren geerbt. Wir tauchen tief in Mariddjas Denken und Erleben ein – ihre harte, aber herzliche Liebe zu ihrem dementen Mann, ihre unantastbaren Wertvorstellungen und Selbstbild, ihre naiven Versuche, ihren Neffen wiederzufinden, ihre mutige Aufarbeitung der schwierigen Beziehung zu ihrer Schwägerin, ihr trotziger Lebenswille, ihre eigenwillige Herangehensweise an moderne Technik – so tief, dass wir manches erst nach und nach erfahren, wenn die Außensicht von anderen dazukommt. Man erlebt, wie dramatische Lebensumstände wie Vertreibung und Armut so zu einem Teil der eigenen Existenz werden, dass man sie kaum wahrnimmt. Das hat mir bisweilen beim Lesen fast den Atem geraubt. Durch diese Nähe schließt man Mariddja trotz ihrer Verschrobenheit und ihrer bisweiligen Missachtung aller Regeln ins Herz.
Die Handlung entwickelt sich unaufgeregt, wir beobachten einzelne Episoden aus dem Leben des Paares über viele Wochen und oft passiert im Außen wenig, trotzdem habe ich durchgehend gerne weitergelesen. Harnesks Art zu erzählen, der nicht gefühllose, aber unverstellte Umgang ihrer Protagonisten mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig schildert sie mit einer unvergleichlich trockenen Art absurde Situationen, die mich zwischendurch immer wieder zum Lachen gebracht haben. Auch den Einblick in die Geschichte der samischen Urbevölkerung Schwedens fand ich spannend. Ein kleiner Wermutstropfen war ein fehlendes Glossar für die samischen Begriffe, wodurch man sich bestimmte Details nur im Nachhinein erschließen kann.
Insgesamt ein unter seiner Rauheit sehr feinfühliges und damit lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Confirmation Bias

Kleine Monster
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Der Klappentext von „Kleine Monster“ fasst zwar die Geschichte zusammen, wird der Tiefe und Intensität des Buchs jedoch nicht gerecht – Jessica Lind spielt brillant mit den Erwartungen der Lesenden ...

Der Klappentext von „Kleine Monster“ fasst zwar die Geschichte zusammen, wird der Tiefe und Intensität des Buchs jedoch nicht gerecht – Jessica Lind spielt brillant mit den Erwartungen der Lesenden und taucht tief Pias dunklen Gedanken. Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte gefesselt, und ich konnte nicht anders, als das Buch bis spät in die Nacht fertigzulesen.
Interessant fand ich, dass das Geschehen nach dem verkorksten, ausweglos scheinenden Schulvorfall gar nicht so detailliert dargestellt wird. Die einzelnen Episoden, über Monate verteilt, zeigen eine Entwicklung, die ich so nicht erwartet hatte, die aber absolut stimmig war. Viel gewichtiger ist jedoch, dass sie ausreichend Gelegenheit geben, in die Gedankenwelt von Pia einzutauchen – wie sie das Geschehen erlebt, die Veränderung in der Beziehung zu ihrem Mann und ihrem Sohn, wie sie ihr Erziehungsverhalten hinterfragt (als bindungsorientierte Eltern fühlt man sich oft ertappt), welche Erinnerungstüren sich auftun und wie sich immer klarer zeigt, welche Altlasten die vermeintlichen Wahrheiten unserer Herkunftsfamilien sein können.
Absolute Leseempfehlung für Menschen, die in Grautönen denken und Liebhaber raffinierter Psychogramme.

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