Bewegend, eindringlich und lange nachhallend...
Vergiss nicht zu tanzen, Hanna"Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" von Mareike Busch ist als Hardcover mit Schutzumschlag beim Atlantik Verlag erschienen und hat 576 Seiten.
2002: Kurz nach dem Tod ihrer Mutter Hanna findet Anne ein Buch, ...
"Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" von Mareike Busch ist als Hardcover mit Schutzumschlag beim Atlantik Verlag erschienen und hat 576 Seiten.
2002: Kurz nach dem Tod ihrer Mutter Hanna findet Anne ein Buch, das Hanna geschrieben hat - über ihre Kindheit, die Zeiten des Nationalsozialismus, den Krieg, die Flucht - als Nachlaß für ihre Kinder, damit diese besser verstehen, worüber sie zeitlebens nicht mit ihnen reden konnte.
1938: Hannas Familie zieht in ein Dorf in Westpommern. Zunächst unbeschwert und idyllisch, mit ganz großer Nähe zwischen Hanna und dem wortkargen Großvater, wird die katholische Familie in dem fast durchgängig evangelischen Dorf dann aber von Vielen nicht akzeptiert und es ist nicht ganz einfach. Kurze Zeit später hält der Krieg Einzug in das beschauliche Dorfleben und Hannas Welt gerät komplett aus den Fugen...
Der Schreibstil von Mareike Busch, bei der es sich in Wirklichkeit um das Pseudonym eines deutschen Autors handelt, der dieses Buch im Andenken an seine Mutter geschrieben hat, gefällt mir sehr. Ruhig und sehr bildhaft, dabei oder gerade dadurch unglaublich eindringlich. Dazu kommen die facettenreichen, ungemein authentisch wirkenden Charaktere und die dichte Atmosphäre, in der von Beginn an das drohende Unheil mitschwingt.
Hannas Schwester Rosa ist gewissermaßen die tragische Figur der Geschichte, denn sie wurde mit einer Mißbildung, einer Kiefer-Gaumenspalte geboren und so war ihr Schicksal stets ungewiss und die Gefahr hing ständig verhängnisvoll in der Luft. Auch Martin, Hannas Freund schon aus Kindertagen, hatte es sehr schwer wegens seines Vaters, der ein überzeugter Nazi war und seinem Sohn nicht nur den Umgang mit Hanna und ihrer Familie, sondern auch seine Interessen und die natürliche Entwicklung untersagte.
Besonders berührt hat mich, dass die aus Hannas Perspektive geschriebenen Teile der Geschichte beginnen, als Hanna erst 6 Jahre alt ist und die Familie umzieht. Aus der Sicht eines Kindes hatte ich ein Buch aus dieser besonders dunklen Zeit bisher nicht gelesen, und gerade dieses teilweise Nichtverstehen, das Naive und Ehrliche, mit dem Hanna die Welt sieht, macht das Ganze noch viel eindringlicher und hat mich wirklich bewegt.
Dazu kommt der Wechsel zwischen zwei Zeitebenen, der einerseits Abwechslung bietet und dadurch alles noch eindringlicher wirken lässt.
Ein Buch, das ich wärmstens empfehle - nichts, das man schnell wegliest, dafür etwas, das man so schnell nicht wieder vergisst...!