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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2026

Blackout in Schweden

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Fünf Jahre mussten wir auf eine Fortsetzung der Fabian Risk-Reihe warten und mit „Wellengrab“ liegt nun endlich der 7. Band vor.
Auch in Fabians Leben sind mehr als zehn Jahre vergangen. Er lebt inzwischen ...

Fünf Jahre mussten wir auf eine Fortsetzung der Fabian Risk-Reihe warten und mit „Wellengrab“ liegt nun endlich der 7. Band vor.
Auch in Fabians Leben sind mehr als zehn Jahre vergangen. Er lebt inzwischen allein und hat ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter Matilda, die studiert. Bei einer gemeinsamen Segeltour werden sie Zeugen eines Blackouts, der die Gegend um Helsingborg in Dunkelheit taucht. Dies ist der Beginn einer Reihe von scheinbar nicht zusammenhängenden Fällen mit denen es Fabians Team zu tun bekommt: ein Überfall auf ein Bargelddepot, Kinder, die spurlos verschwinden und plötzlich wieder auftauchen und Zeugen, die sich merkwürdig verhalten. Fabians Team ermittelt unter Hochdruck und stößt auf eine unglaubliche Spur und gefährliche Mächte, die jedes Teammitglied in äußerste Gefahr bringen.

Stefan Ahnhem beweist hier einmal mehr, das er zu den besten schwedischen Autoren zählt. Auch dieser Band entwickelte sich für mich sehr schnell wieder zu einem wahren Pageturner, den ich kaum zur Seite legen konnte. Ein perfekter Spannungsbogen und wechselnde Erzählperspektiven sorgten für ein hohes Lesetempo und obwohl das Buch über 600 Seiten hat, möchte ich keine davon missen. Der Fall selbst ist brandaktuell und führt vor Augen, wie zerbrechlich unsere Demokratie ist. Dabei gibt es auch einige brutale und blutige Szenen, die nichts für empfindliche Gemüter sind. Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit der dänischen Expolizistin Dunja Hougaard. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann er auch unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden. Ich empfehle allerdings für ein umfassendes Lesevergnügen die Buchreihenfolge einzuhalten.
Für mich war es der bisher beste Fall für Fabian Risk und ein kleiner Cliffhanger am Ende deutet auf eine Fortsetzung der Reihe hin. Ich fiebere jetzt schon dem nächsten Band entgegen.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein atmosphärisch dichter Nachkriegskrimi

Die weiße Nacht
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Anne Stern konnte mich bereits mit ihrer historische Romanreihe über die Berliner Hebamme Fräulein Gold begeistern. Als promovierte Germanistin und Historikerin schildert sie den historischen Hintergrund ...

Anne Stern konnte mich bereits mit ihrer historische Romanreihe über die Berliner Hebamme Fräulein Gold begeistern. Als promovierte Germanistin und Historikerin schildert sie den historischen Hintergrund ihrer Geschichten immer sehr präzise und detailliert aber auch lebendig und macht damit Geschichte erlebbar. Daher war ich sehr gespannt auf den Auftakt ihrer neuen Krimireihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist.

Mit „Die weisse Nacht“ entführt sie uns in das vom Krieg zerstörte Berlin im bitterkalten Hungerwinter 1946. Die junge Fotografin Lou Faber stößt bei ihren Streifzügen durch die Trümmerlandschaft auf eine Frauenleiche, die mit gefalteten Händen wie aufgebahrt im Schnee liegt. Fast unbewusst drückt sie den Auslöser, nicht ahnend, dass ihre Fotos und sie selbst eine wichtige Rolle bei der Suche nach dem Mörder spielen werden. Kriminalkommissar Alfred König übernimmt die Ermittlungen unter schwierigen Bedingungen, denn der Polizei mangelt es an vielem wie Uniformen, Dienstwaffen und ausgebildetem Personal. Die Aufteilung Berlins unter den zerstrittenen Siegermächte erschwert alles noch zusätzlich. Als Heiligabend näher rückt und neue Leichenfunde den Druck auf König erhöhen, führt eine neue Spur zurück in die jüngste dunkle Vergangenheit.

Sterns Schreibstil hat mich erneut begeistert. Sie schreibt klar und detailliert, manchmal fast poetisch. Ihre lebendige Erzählweise lässt einen mühelos in das zerstörte Berlin im eisigen Winter eintauchen. Sie beschreibt den schwierigen und kräftezehrenden Alltag sehr eindringlich. Der Mangel an einfach allem ist ebenso gegenwärtig wie der florierende Schwarzmarkt. Die Menschen hungern und frieren, Entbehrungen und Leid sind allgegenwärtig und es herrscht eine trostlose Stimmung. Stern nimmt sich Zeit für Details, sodass der Leser nicht nur einen Kriminalfall, sondern ein Stück Zeitgeschichte miterlebt.
Ihre Figuren, allen voran Lou und König, sind authentisch und facettenreich angelegt – mit Ecken, inneren Wunden und einer persönlichen Entwicklung, die über den Fall hinaus geht. Beide hüten Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit, was sie verbindet. Auch die Nebencharaktere hauchen der Geschichte zusätzliches Leben ein, wie der junge Inspektor Trautwein, der Straßenjunge Justus oder der Kriegsgefangene Gregor (dessen Erzählstrang allerdings noch Rätsel aufgibt). Den Kriminalfall selbst fand ich gut konstruiert und mit einer glaubwürdigen Auflösung, wobei ich lange nicht ahnte, wer der Täter war.

Ein kleiner Kritikpunkt könnte für manche das Erzähltempo sein, das stellenweise etwas abflacht zugunsten der detaillierten Beschreibung des historischen Hintergrunds, was mir persönlich aber gut gefallen hat. Dadurch stand der Kriminalfall nicht immer im Vordergrund. Dennoch ist Stern mit „Die weiße Nacht“ ein starker Auftakt ihrer neuen Krimireihe gelungen.

Fazit: Anne Stern ist eine atmosphärisch dichte, berührende und klug konstruierte Mischung aus historischem Roman und Krimi gelungen, der ein dunkles Kapitel der NS-Zeit aufgreift. Von mir gibt es für diesen packenden und bewegenden Auftakt der Faber-König Reihe eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.01.2026

Dänisches Thriller-Highlight!

Der Kuckucksjunge
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Mehr als sechs Jahre mussten wir auf einen neuen Fall mit Naia Thulin und Mark Hess warten, aber es hat sich definitiv gelohnt.
In seinem neuen Thriller „Der Kuckucksjunge“ hat Søren Sveistrup erneut ...

Mehr als sechs Jahre mussten wir auf einen neuen Fall mit Naia Thulin und Mark Hess warten, aber es hat sich definitiv gelohnt.
In seinem neuen Thriller „Der Kuckucksjunge“ hat Søren Sveistrup erneut einen sehr spannenden und zugleich düsteren Einstieg gewählt, der mich sofort fesselte.
Hab dich. Das ist die letzte beunruhigende Nachricht auf dem Handy einer geschiedenen Mutter, bevor sie spurlos aus Kopenhagen verschwindet. Naia Thulin wird zu dem Vermisstenfall hinzugezogen und erkennt sofort die Brisanz, denn exakt dieselbe Nachricht erhielt eine 19-jährige Schülerin, bevor sie brutal ermordet wurde. Erneut soll Thulin mit Mark Hess, ihrem ehemaligen Partner aus dem Fall des „Kastanienmanns“ zusammenarbeiten, dem sie eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Doch ihr bleibt keine Wahl, als die Leiche der Verschwundenen auftaucht und es einen weiteren Vermisstenfall gibt. Während weitere Leichen auftauchen und neue Menschen verschwinden, verdichtet sich der Verdacht, dass ein Serienmörder am Werk ist, der ein perfides Spiel treibt.

Sveistrup beweist erneut, dass er zu den ganz Großen des skandinavischen Thrillers zählt. Sein Schreibstil ist klar, atmosphärisch dicht und enorm spannungsgeladen. Hier erkennt man den Drehbuchautor, denn es gelingt ihm ein fast filmisches Lesegefühl zu erzeugen. Kurze Kapitel mit Cliffhangern und wechselnden Perspektiven sorgen zusätzlich für ein hohes Lesetempo und halten die Spannung konstant aufrecht. Der genial konstruierte Plot fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und macht es sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, fand ich keine einzige Zeile überflüssig und ich habe es förmlich verschlungen.

Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Naia Thulin überzeugt erneut als starke, aber verletzliche Ermittlerin, während Mark Hess mit seiner Verschlossenheit und inneren Zerrissenheit zusätzliche Tiefe in die Geschichte bringt. In einer Nebenhandlung erfahren wir mehr über seinen familiären Hintergrund, nämlich seine Beziehung zu seinem älteren Bruder Jon, was ihn im Verlauf der Handlung nahbarer macht. Die komplizierte Arbeitsbeziehung der beiden, ihre persönlichen Schwächen und inneren Konflikte verleihen der Geschichte emotionale Tiefe und machen sie greifbar.

Fazit: „Der Kuckucksjunge“ ist ein packender und meisterhaft konstruierter Thriller, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Er ist ein würdiger Nachfolger des „Kastanienmanns“ und Fans von düsteren Nordic Noir-Thrillern werden voll auf ihre Kosten kommen. Allerdings sind starke Nerven gefragt. Für mich war es mein Thriller-Highlight in 2025!

Veröffentlicht am 29.11.2025

Gelungener Abschluss einer spannenden Reihe

Düsteres Tal
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Ich war schon sehr gespannt auf den finalen Band der Clara-Trilogie und sehr neugierig wie es endet. Meine Empfehlung ist allerdings die ersten beiden Bände vorher zu lesen. Man kann der Handlung zwar ...

Ich war schon sehr gespannt auf den finalen Band der Clara-Trilogie und sehr neugierig wie es endet. Meine Empfehlung ist allerdings die ersten beiden Bände vorher zu lesen. Man kann der Handlung zwar auch so folgen, aber um Clara und ihre Handlungen besser zu verstehen ist es wichtig die Vorgeschichte zu kennen.

Die Handlung beginnt ein paar Jahre nach den Geschehnissen des zweiten Bands. Clara Lofthus lebt inzwischen mit ihren Söhnen und ihrem Lebensgefährten Axel in Nairobi, wo sie für UNICEF ein Hilfsprojekt leitet. Als sie während eines Terroranschlags mutig handelt, ist das Medieninteresse groß und Clara wird in ihrer Heimat als Heldin gefeiert. Zurück in Norwegen wird ihr zum zweiten Mal der Posten der Justizministerin angeboten, ihre Chance auf Macht und die Verwirklichung ihres Kinderschutzgesetzes. Doch dann taucht eine Leiche auf. Der Journalist Erik Heier, der an einem Podcast arbeitet, beginnt zu recherchieren und kommt allmählich der Justizministerin und ihrer dunklen Vergangenheit auf die Spur. Clara muss erkennen, dass viele zu viel über sie wissen und sie niemandem vertrauen kann.

Ruth Lillegraven hat mich erneut mit ihrem fesselnden Schreibstil gepackt. Der Einstieg ist noch gemächlich aber mit dem Terroranschlag setzt ein Sog ein, der bis zum Ende nicht mehr abreißt. Wechselnde Perspektiven von Clara, Axel und Heier sorgen auch hier wieder für Dynamik und Spannung. Ihr gelingt es sehr gut die inneren Abgründe von Clara zum Leben zu erwecken, ebenso wie die beeindruckende norwegische Landschaft. Clara ist eine vielschichtige, ambivalente Protagonistin, eine Anti-Heldin. Einerseits die gefeierte, intelligente Politikerin, andererseits lauern dunkle menschliche Abgründe in ihr. Clara war mir in den ersten beiden Bänden trotz allem noch sympathisch, in diesem jedoch agiert sie zunehmend skrupellos und eiskalt, um ihre dunklen Geheimnisse zu schützen. Allerdings konnte man über drei Bände hinweg verfolgen, welchen Einfluss Claras Vergangenheit auf ihre Taten hatte. Selten fand ich eine Protagonistin so faszinierend. Aber auch die Nebenfiguren sind sorgfältig ausgearbeitet, was die Geschichte lebendig und glaubwürdig macht. Gut gefallen hat mir auch der Journalist/Podcaster Erik Heier der hier die Rolle des Ermittlers übernimmt und Claras dunkle Vergangenheit ausgräbt. Durch seine Hartnäckigkeit kommt alles erst ans Licht.
Das Ende hat mich überrascht aber ich fand es überzeugend und glaubwürdig.

Das Cover zeigt ein einsames Haus in einem düsteren Tal passt perfekt zur Stimmung und Handlung des Thrillers. Es passt in seiner Gestaltung auch sehr gut zu den anderen Bänden.

Ich kann die Clara Lofthus- Reihe nur allen Fans von Nordic Noir empfehlen, die psychologisch tiefgehende und atmosphärische Thriller schätzen, die ohne viel Blut und Action auskommen. Die Anti-Heldin Clara Lofthus wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

Veröffentlicht am 24.09.2025

Atmosphärischer und berührender Auftakt der Norrland-Saga

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Obwohl ich Krimis/Thriller bevorzuge, bin ich an dem wunderschön gestalteten Buchcover mit dem farblich passenden Moltebeeren-Buchschnitt nicht vorbeigekommen und war begeistert von dieser atmosphärisch ...

Obwohl ich Krimis/Thriller bevorzuge, bin ich an dem wunderschön gestalteten Buchcover mit dem farblich passenden Moltebeeren-Buchschnitt nicht vorbeigekommen und war begeistert von dieser atmosphärisch erzählten Familiengeschichte aus Nordschweden.
Inspiriert von ihrer eigenen Familiengeschichte hat Ulrika Lagerlöf mit „Wo die Moltebeeren leuchten“ den gelungenen Auftakt zu ihrer Norrland-Saga vorgelegt. Der Roman erzählt auf unterschiedlichen Zeitebenen die Geschichte zweier Frauen.
Die siebzehnjährige Siv wird 1938 als Köchin in die Abgeschiedenheit der Wälder geschickt um eine Gruppe von Waldarbeitern zu versorgen. Trotz der einfachen aber harten Lebensumstände fühlt Siv sich hier zum ersten Mal frei. Als sie im Wald den jungen Sámi Nila kennenlernt, stellt diese verbotene Liebe sie vor Konflikte.
In der Gegenwart 2022 kehrt ihre Enkelin Eva als PR-Beraterin eines Forstunternehmens in ihr Heimatdorf zurück. Sie soll ein Abholzungsprojekt begleiten, das gegen lokalen Widerstand durchgesetzt werden soll und dabei die Wogen glätten. Dabei muss sie sich nicht nur mit jugendlichen Umweltschützern, dem Sameby als Interessenvertretung der Sámi, sondern auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen.

Ulrika Lagerlöf schreibt atmosphärisch dicht. Die Natur wird fast zur dritten Hauptfigur, ihre Beschreibungen sind atmosphärisch und detailreich ohne zu überfrachten und führten dazu, dass ich mich direkt in die Wälder Nordschwedens versetzt fühlte. Der Roman wechselt zwischen zwei Zeitebenen, was für eine kontinuierliche Spannung sorgt. Lagerlöf nimmt sich Zeit ihre Figuren in den verschiedenen Zeitebenen einzuführen und zu entwickeln. Mich hat der historische Teil um Siv etwas mehr berührt wegen seiner besonderen Atmosphäre und emotionalen Intensität. Das Familiengeheimnis, für das Siv in der Vergangenheit gesorgt hat, und das Eva in der Gegenwart zu enthüllen versucht, sorgt für unterschwellige Spannung.

Die beiden Protagonistinnen sind glaubwürdig gezeichnet. Siv ist eine eindrucksvolle Figur: jung, unsicher, aber mit einer inneren Stärke, die sie trotz aller Härte des Lebens trägt. Ihre Entwicklung vom Mädchen zur Frau wirkt authentisch. Nila bringt die kulturelle Perspektive der Sámi ein, bleibt aber leider etwas blass, was er denkt und fühlt erfährt man nur durch Siv- hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Eva wiederum überzeugt durch innere Zerrissenheit zwischen beruflicher Loyalität und moralischen Zweifeln. Auch die Nebenfiguren, wie etwa die Waldarbeiter, Sivs Familie, die Umweltaktivisten oder Dorfbewohner sind gut ausgearbeitet und fügen sich glaubwürdig ins Gesamtbild ein.

Das Cover ist sehr aufwendig und liebevoll im impressionistischen Stil gestaltet und unterstreicht die besondere Atmosphäre des Romans. Es zeigt die junge Siv an einem See und untermalt damit die Handlung, ebenso wie der farbige Buchschnitt mit Moltebeeren.

Ulrika Lagerlöf`s Roman ist soviel mehr als nur eine berührende Liebes- und Familiengeschichte. Er greift auch viele gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz, Waldwirtschaft mit Abholzungen, die kulturelle Identität der Sámi und ihre Rentierhaltung auf, die in die Handlung eingebettet sind. Besonders gelungen ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die aufzeigt, wie sich Entscheidungen über Generationen hinweg auswirken.
Ich freue mich schon sehr auf Band 2 der Schweden-Saga, der im nächsten Jahr erscheinen soll.

Fazit: Der gelungene Auftakt einer berührenden und tiefgründigen Familiensaga im atmosphärischen Nordschweden.