Küchendienst
The House Witch 1Ein neuer Koch tritt die Stelle am Königshof von Daxaria an. Er heißt Finlay Ashowan, stammt von einer kleinen Insel und was anfangs niemand weiß: Er ist eine Haushexe und bezieht seine magische Kraft ...
Ein neuer Koch tritt die Stelle am Königshof von Daxaria an. Er heißt Finlay Ashowan, stammt von einer kleinen Insel und was anfangs niemand weiß: Er ist eine Haushexe und bezieht seine magische Kraft aus dem Haus - in dem Fall dem Schloss. Er ist jung und gut aussehend und durch seine Kochkünste erweckt er schnell das Interesse der Schlossbewohner. Doch Fin gibt sich abweisend, weil noch immer Hexen manchmal gejagt werden. Langsam macht er Bekanntschaft mit den Menschen, sogar mit Adligen und dem König und dessen Gemahlin. Mit der Adligen Anika verbindet ihn bald mehr - und dann ist da noch der drohende Krieg, der im Nachbarreich geplant wird.
Das Buch wird mit "Eine heiße Tasse Kakao" beworben. Ich bin kein großer Fan von heißem Kakao, vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht den allzu begeisterten Stimmen anschließen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Buch - genau wie eine heiße Tasse Kakao - nicht mehr zu bieten hat. Man trinkt, man hat ein bisschen flüssigen Zucker im Mund und dann ist der Geschmack weg. Jetzt stellt euch vor, dieser Kakao bleibt über Stunden in eurem Mund. Es passiert nichts weiter, außer dass es irgendwann ein bisschen schal schmeckt. So ähnlich ging es mir mit diesem Buch. Über 600 Seiten lang passiert ... eher nichts. Ein bisschen Küchenzeugs hier, ein bisschen Küchenzeugs da, Kochen, Backen, ein bisschen Magie. Es soll cozy sein, ist es auch, aber irgendwann ist bei cozy auch mal die Luft raus. Besonders, wenn jemand das Schreibhandwerk noch nicht sehr gut beherrscht, wie es hier der Fall ist.
Die Handlung plätschert so dahin. Es wird gelegentlich mitten im Absatz die Perspektive gewechselt, und die Reaktionen vieler (aller!) sind selten konsistent. Da wird an Stellen gelacht, die nicht lustig sind - und einmal wird offensichtlich aus "Das Leben des Brian" geklaut. Einmal wird behauptet, der König findet den Koch sympathisch, im nächsten Moment misstraut er ihm zutiefst. Fin und ein Botschafter sollen alte Freunde sein, haben aber nichts Besseres zu tun, als sich zu prügeln. Ein bisschen cozy mit dem kleinen Prinzen, ein bisschen cozy mit dem Kater, ein bisschen cozy mit den Rittern. Es plätschert hierhin und dahin. Die Liebe kommt aus dem Nichts. Und wenn man das Buch nach 600 Seiten zuschlägt, hat man das Gefühl, einen ziemlich langen Prolog hinter sich zu haben, denn bei all diesen vielen Worten und Seiten gibt es nicht mal eine Art von Abschluss. Das Ende lässt uns rein königsreichmäßig an derselben Stelle zurück, an der wir begonnen haben.
Ach, und erwähnte ich eigentlich schon die Neigung der Autorin, alle Leute saufen zu lassen und das witzig zu finden? Spoiler: Ist es nicht. Nichts ist witzig, worüber außer man selbst niemand weiter lachen kann. Positiv zu erwähnen ist, dass man sich eventuell als Queer-Ally beweisen möchte - wobei da der Wermutstropfen bleibt, dass Fin immer sehr vehement darauf besteht, straight zu sein. Alles in allem ist das Buch eine süße Idee mit eigentlich toller Magie, bei der mit entsprechendem Handwerk der Autorin oder zumindest einem konsequenten Lektorat richtig was hätte entstehen können. Ich mache mir jetzt erstmal eine Tasse heißen Tee.