Kriminalisten im Schafspelz
WiddersehenMein neuester Krimi „Widdersehen“ von Leonie Swann ist ein absurd, witzig, spannender Schafskrimi. Ich liebe den Anblick von Schafen, sei es auf dem Deich oder in der Lüneburger Heide oder auf den saftigen ...
Mein neuester Krimi „Widdersehen“ von Leonie Swann ist ein absurd, witzig, spannender Schafskrimi. Ich liebe den Anblick von Schafen, sei es auf dem Deich oder in der Lüneburger Heide oder auf den saftigen Wiesen von Irland. Kicher, als Norddeutsche kommt man, wenn man hier lebt, auch gar nicht daran vorbei. Besonders glücklich bin ich daher, dass ich diesen „Krimääh“ nun lesen darf, da ich Fan der. Bücher bin. Das Cover ist ein wahrer Eyecatcher. Als Betrachter sieht man Schafe und eine Ziege vor einem Bildhorizont mit dunkelblauem Grund. Aufgestellt, wie zum Gruppenfoto. Der Buchtitel „Widdersehen“ ist gut sichtbar, in einem leuchtendem Gelb-Ton, angelegt und signalisiert mir irgendwie Energie und Optimismus. Schlägt man das Buch auf, kann man sich über weitere schemenhaft angedeutete Schafe freuen. Die Geschichte beginnt mit einem Zitat von Heraklit:
… Man kann nie zweimal in denselben Fluss steigen, denn andere Wasser strömen nach …
Ob dem wirklich so ist, wird sich noch zeigen. Ich finde es jedenfalls passend ausgewählt, denn für mich symbolisiert es den unaufhörlichen Wandel aller Dinge. Und er macht dem Leser damit auch klar, dass der Fluss, wie auch die Menschen, sich ständig verändern. Gespannt fange ich an zu lesen und freue mich, dass mir zu Beginn „die wichtigsten Schafe der Handlung“ vorgestellt werden. Da wären z.B. MISS MAPLE, MOPPLE THE WHALE, OTHELLO, RITCHFIELD, MELMOTH, ZORA sowie die Ex-Ziege (und Schaf auf Probe) MADOUC, um nur einige zu nennen. Dieses ist Band drei der Serie, um die schlauen Schafe „aus Glennkill“ und wenn ich mich richtig erinnere, kommt die Schafsbande nun sogar im Kino. Das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen, auch wenn ich die Bücher meist besser, als die Verfilmung finde.
Im vorliegenden Schafskrimi folgt jetzt ein Prolog, der meine Spannung und Vorfreude weitersteigert. Da ich Fan von Wortspielen bin, komme ich voll auf meine Kosten und habe viel Freude beim Schmökern. Der Plot ist warmherzig, witzig, spannend und einfallsreich. Die tierisch, klugen Schafs-Figuren sind mit Schäferin Rebecca von ihrer Europareise zurück. Auf ihre Heimatweide ist leider nichts mehr, wie es war. Ja, ja die Erinnerung … Drei fremde Schafe haben alle Lieblingskräuter weggeknabbert, zum Unmut der Schafe steht nun auch noch ein Zaun da und ihre Hirtin Rebecca verschwindet spurlos. Was passiert da nur? „Fremdenfeindlichkeit“ inklusive und wie man dann als Schaf mit dieser Situation umgeht.
„Es riecht merkwürdig“, ein „einzelner Finger“ sowie ein geheimnisvoller Brief sind die einzigen Hinweise, die für die Schafe zurückbleiben, als Rebecca aus ihrem Schäferwagen verschwindet. Köstlich, die Schafe so agieren zu lassen! MISS MAPLE, die wollige Ermittlerin, ist zuerst etwas ratlos. Aber mit „Wollensstärke“, „Wollidarität“ und mit ihrem Erzfeind, dem „Metzger“ als neuen Schäfer (der drei fremden Schafe) nimmt der Kriminalfall seinen Lauf. Als Leser darf man sich da auf einen witzigen Krimi freuen, der Schreibstill von Leonie Swann ist dazu einfach genial. Die Wortwahl und die Beschreibungen vortrefflich. Die Charaktere sind fein erdacht und gut beschrieben. Die Schafe haben viele menschliche Eigenschaften und Eigenarten, die sie daher sehr liebenswert machen. Und eins können sie richtig super, „philosophieren“ während der Ermittlungsarbeit. Zu komisch, finde ich als Leserin auch den „Erpresserbrief“, der mit Rechtschreibfehler noch händisch zusammengestellt wird, obwohl es schon digital ginge, wie ein „böser Bube“ großspurig erklärt. Die Spannungskurve ist durchgängig und ich mag das Buch kaum aus der Hand legen, um zu erfahren, was da alles passiert. Als Leserin bin ich vom Einfallsreichtum der Autorin schwer beeindruckt. Alles wirkt logisch und schlüssig und wie aus einem Guss und sogar an ein Lesebändchen wurde gedacht, was ich als sehr praktisch erachte. Auch, dass bei den einzelnen Seiten, rechts unten, bei der Seitenzahl ein kleines, wolliges Schaf, dass einen Hut im Maul trägt, eine Verzierung hat, gefällt mir super. So begleitet man die Schafe, auf der Suche nach des Rätsels Lösung, fast hautnah mit. Ich fiebere der Auflösung selbstverständlich ebenfalls entgegen. Das macht natürlich sehr viel Freude, zumal es ein Krimi der etwas wolligeren Art ist. Zu viel möchte ich euch jedenfalls nicht verraten, denn es lohnt sich diesen Schafskrimi selbst zu lesen. Glennkill (Band 1) sowie Garou (Band 2) der Serie empfehle ich euch ebenfalls. Man kann Widdersehen (Band 3) selbstverständlich unabhängig von den vorherigen Büchern lesen, aber auf alte, vertraute Bekannte zu treffen, „ähm“ Schafe macht doch irgendwie noch ein wenig mehr Freude. Oder, auch zu wissen, wer „George“ war, was meint ihr?
Fazit: ***** Der Schafskrimi „Widdersehen“ von Leonie Swann ist im Dumont Verlag erschienen. Als Leserin konnte ich mich schnell mit den Schafen anfreunden und ihr Handeln nachvollziehen. Ein direktes Lieblingsschaf habe ich allerdings nicht, ich mag die ganze Herde, mit ihren Macken. Und hoffe inbrünstig, dass ich bald wieder etwas „Neues“ aus Glennkill zu lesen bekomme. Das gebundene Buch hat mit Danksagung 333 Seiten, die mich auch ohne Schafsfell, trotz norddeutscher Kälte bestens literarisch gewärmt haben!