WOW!
Ein guter Blick fürs BöseKalifornien, 1966: Die selbstbewusste Margo, die verzagte Beverley und die verhuschte Elsie haben etwas gemeinsam – ihre Ehemänner sind überführte Serienkiller. Die Öffentlichkeit nimmt ihnen das übel ...
Kalifornien, 1966: Die selbstbewusste Margo, die verzagte Beverley und die verhuschte Elsie haben etwas gemeinsam – ihre Ehemänner sind überführte Serienkiller. Die Öffentlichkeit nimmt ihnen das übel – wie kann es sein, dass sie das Böse in ihren Männern nicht gesehen haben? Nicht mitbekommen haben, was sie getan haben? Sind die vielleicht sogar Komplizinnen gewesen? Als ein neuer Frauenmörder für Angst und Schrecken sorgt, beschließen die Drei ihn aufzuspüren, denn wer mit einem Killer verheiratet war, hat einen guten Blick fürs Böse – wenn auch erst im Nachhinein.
Margo war Teil der High Society, jetzt arbeitet sie als Verkäuferin, doch sie bewegt sich immer noch in Promikreisen – kann es sein, dass sie bei einer Party etwas Entscheidendes aufgeschnappt hat? Elsie ist Redaktionsassistentin bei einer Zeitung und somit bestens informiert, genau wie Beverley, die eine Affäre mit einem Polizisten hat.
Die Protagonistinnen sind toll gezeichnet: Sie haben interessante, bewegende Hintergründe, jede hat eigene Stärken und Schwächen. Aber alle sind scharfsinnig, stellen die richtigen Fragen und lassen sich nicht entmutigen, obwohl es Frauen, die sich für Mordfälle interessieren, in den 1960ern schwer haben, ernst genommen zu werden.
Es hat gedauert, bis dieser Krimi mich so richtig packen konnte, denn die Handlung entfaltete sich für meinen Geschmack eher langsam. Die großartigen Figuren, die rätselhaften Morde und die besondere Atmosphäre (das bittersüße 1960ies-Flair, die damaligen sozialen Spannungen, das unerträglich heiße, gleißend sonnige Kalifornien) haben mich dennoch immer weiterblättern lassen. Ab dem zweiten Drittel fand ich das Geschehen richtig fesselnd: Man taucht tiefer in die Vergangenheit der Frauen ein, lernt sie und ihre Beweggründe besser kennen und begleitet sie bei ihren analytischen, ereignisreichen, gefährlichen Ermittlungen. Die kurzen Kapitel aus der Sicht eines Opfers sind ein mitreißendes Extra!
“Ein Blick fürs Böse” ist nicht nur ein cleverer, aufregender Krimi mit gelungenen Überraschungen, das Buch bietet auch pointierte Gesellschaftskritik, ergreifende Einblicke in schwierige Lebenssituationen, Freundschaft und Loyalität sowie eine faszinierende Zeitreise in die schrecklich schönen 1960er. Dass die drei Frauen ihre entsetzlichen Erfahrungen in etwas Nützliches verwandeln, kommt fast einem Triumpf über Ungerechtigkeit gleich und das erschütternde Ende ist der Wahnsinn!