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Veröffentlicht am 01.02.2024

Heist-Movie zum Lesen

Mayfair House
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Als begeisterter Fan von Heist-Movies und historischen Romanen war ich gespannt auf Alex Hays "Mayfair House". Die Beschreibung des prächtigen London des Jahres 1905, in dem die Tochter des verstorbenen ...

Als begeisterter Fan von Heist-Movies und historischen Romanen war ich gespannt auf Alex Hays "Mayfair House". Die Beschreibung des prächtigen London des Jahres 1905, in dem die Tochter des verstorbenen Mr. de Vries die luxuriöseste Villa an der Park Lane zusammen mit zahlreichen Angestellten bewohnt, erinnert, wie in der Ankündigung beschrieben, in der Tat sofort an Downtown Abbey. Die opulente Ausstattung des Anwesens, von funkelnden Kronleuchtern bis zu kostbaren Kunstwerken, wird von Hay detailreich dargestellt und lässt die Atmosphäre dieser vergangenen Ära lebendig werden.

Der Auftakt des Romans mit der Entlassung von Mrs. Kings, der langjährigen Haushälterin, nach dem Tod des Hausherrn, verspricht bereits eine fesselnde Handlung. Die darauffolgende Entwicklung, in der sich Mrs. Kings und ihre bunte Komplizinnengruppe zusammentun, um einen gewagten Raubüberfall während eines prunkvollen Kostümballs zu planen, erinnert an die Spannung und Raffinesse von Filmen wie "Ocean’s 8". Wie auch in diesem Film wird im Verlauf des Romans deutlich, dass jede der insgesamt sieben Diebinnen auch ihre eigene Agenda verfolgt, dass es schließlich aber auf Zusammenhalt und weibliches Empowerment ankommt.

Trotz der Vielzahl von Charakteren konnte ich mich voll und ganz in die Geschichte vertiefen. Jede Figur hatte ihre eigene Geschichte und Motivation, was ihnen Tiefe verlieh und dazu beitrug, die Handlung facettenreich zu gestalten. Die Leerstellen in Bezug auf die Figuren und die Spannungen zwischen ihnen fand ich gerade gut. Für mich macht das auch den Reiz des Romans aus. Über eine Fortsetzung des Romans würde ich mich daher sehr freuen, weil ich den Frauen dann noch einmal begegnen und weitere Teile ihrer Geschichte entdecken könnte. Die detaillierten Pläne des Raubüberfalls und die Handlungen der beteiligten Frauen, die erst nach und nach enthüllt werden, fesselten mich von Anfang bis Ende und ließen keine Langeweile aufkommen.

Alles in allem würde ich "Mayfair House" jedem empfehlen, der eine mitreißende Mischung aus Spannung, historischem Flair und britischem Flair sucht. Auch über eine Verfilmung des Romans würde ich mich definitiv sehr freuen!

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Collage des Erwachsenwerdens

Klarkommen
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„Klarkommen“ von Ilona Hartmann thematisiert die ungeschönte Realität des Erwachsenwerdens. Die Protagonisten Mounia, Leon und die Erzählstimme selbst stehen vor der Herausforderung, ihren Platz im Leben ...

„Klarkommen“ von Ilona Hartmann thematisiert die ungeschönte Realität des Erwachsenwerdens. Die Protagonisten Mounia, Leon und die Erzählstimme selbst stehen vor der Herausforderung, ihren Platz im Leben zu finden, während sie mit den Enttäuschungen und Erwartungen des Erwachsenenlebens konfrontiert werden, ohne schon erwachsen zu sein: der ersten Wohnung, der ersten Liebe oder der ersten großen Party. Damit gehen sie unterschiedlich um, sodass man sich immer wieder selbst in den verschiedenen Herangehensweisen erkennen kann.

Hartmanns collagenartiger Erzählstil aus Gedankenschnipseln, Beobachtungen und Anekdoten entwickelte für mich einen unerwarteten Sog und fängt die Ambivalenz des Erwachsenwerdens in der Großstadt auf bemerkenswerte Weise ein. Der Erzählton ist dabei zwar einerseits melancholisch, andererseits gibt es aber immer wieder gut beobachtete humorvolle Kommentare und Wortspiele: „Das schlimmste am Zelten war alles“. Auch die Schilderung, dass man als Kind von zu viel Fernsehen „rammdösig“ werde, kam mir sehr bekannt vor.

„Klarkommen“ ist damit eine Lektüre, die die Spannung zwischen Ziellosigkeit und großen Erwartungen ans Erwachsensein einfängt und zugleich unterhält. Wie schon in ihrem Debütroman schafft es Ilona Hartmann, Beobachtungen des Erwachsenwerdens so zu erzählen, dass man sich darin auf fast jeder Seite wiederfinden kann.

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Veröffentlicht am 27.01.2024

Liebe zur Sprache

Der Wortschatz: Bilderbuch-Bestseller über den spielerischen Umgang mit Sprache
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"Der Wortschatz" ist ein bezauberndes Bilderbuch von Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger, das nicht nur Kinder, sondern auch Sprachliebhaber jeden Alters anspricht. Die Geschichte handelt von Oscar, ...

"Der Wortschatz" ist ein bezauberndes Bilderbuch von Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger, das nicht nur Kinder, sondern auch Sprachliebhaber jeden Alters anspricht. Die Geschichte handelt von Oscar, der eine Schatztruhe findet, jedoch enttäuscht ist, als er feststellt, dass sie nur mit alten Wörtern gefüllt ist. Doch als er das Wort "quietschgelb" achtlos wegwirft, geschieht etwas Magisches: Ein gelber Igel taucht auf. Oscar erkennt daraufhin die Kraft der Wörter und lernt, sie bewusst und einfallsreich einzusetzen. Als die Wörter aus seiner Truhe aufgebraucht sind, hilft ihm die Sprachkünstlerin Louise seine eigenen Wörter zu bilden.

Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger vermitteln auf einfühlsame Weise die Bedeutung und den spielerischen Umgang mit Sprache. Jede Seite des Buches ist eine visuelle und literarische Freude, die durch raffinierte Illustrationen, Grafiken und Texte geprägt ist. Die Auswahl der Wörter ist poetisch und einfallsreich, und die Geschichte regt zum Nachdenken über den Wert von Sprache an.

Ich persönlich war restlos von "Der Wortschatz" überzeugt. Es ist ein Buch, das nicht nur unterhält, sondern auch Bildung vermittelt. Es eignet sich sowohl für den Einsatz in Schulen zur Sprachbildung als auch für gemütliche Lesestunden zu Hause. Rebecca Guggers und Simon Röthlisbergers Werk ist eine gelungene Kombination aus Spaß, Poesie und Lehrreichem, das sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen begeistern wird. Ein wohlfühlwörteriges Buch!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Perfekte Romcom

Keeping it casual
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Der Roman „Keeping it casual“ hat mich von Anfang an richtig gut unterhalten. Die Geschichte rund um Maxine, die nach einer Diagnose und dem Betrug ihres Freundes komplett neu sortieren muss, verbindet ...

Der Roman „Keeping it casual“ hat mich von Anfang an richtig gut unterhalten. Die Geschichte rund um Maxine, die nach einer Diagnose und dem Betrug ihres Freundes komplett neu sortieren muss, verbindet emotionale Themen mit einer angenehm leichten Erzählweise.

Besonders gefallen hat mir der Stil: Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und die vielen Dialoge und Chatverläufe sind pointiert, witzig und lebendig. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass man schnell in die Geschichte hineinkommt und gerne weiterliest. Auch die Grundidee – ein Kennenlernen über Tinder, bei dem sich zwei Menschen über gemeinsames Kochen annähern, ohne sich direkt zu begegnen – ist charmant umgesetzt.

Die Figuren wirken dabei erfreulich wenig klischeehaft. Max ist keine klassische Romcom-Heldin, sondern eine vielschichtige Figur, die sich erst einmal mit sich selbst auseinandersetzen muss. Auch ihre beste Freundin Alice mochte ich sehr, weil sie gleichzeitig unterstützend und eigenständig ist. Der love interest Johnny bleibt zunächst etwas geheimnisvoll, was neugierig macht, auch wenn ich es schade fand, dass man lange Zeit wenig über ihn erfährt und Max selbst oft mehr von sich erzählt, als wirkliches Interesse an ihm zu zeigen.

Ein schönes Extra sind die eingefügten Rezepte, die das Buch thematisch abrunden, auch wenn ich persönlich eher bei den Desserts bleiben werde (die Tarte au citron steht definitiv auf meiner Liste!), weil alles sehr fleischlastig ist.

Insgesamt ist „Keeping it casual“ eine unterhaltsame, moderne Romcom mit sympathischen Figuren und mehr Tiefe, als man zunächst erwartet. Nicht alles hat mich komplett überzeugt, aber die Mischung aus Humor, Emotion und Selbstfindung hat für mich sehr gut funktioniert.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Intelligentes Wohlfühlbuch

Only Margo
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Margo steht mit einem Baby und ohne Perspektive da, nachdem der Vater des Kindes – ihr ehemaliger Professor – sich aus dem Staub gemacht hat. In ihrer Verzweiflung landet sie auf der Plattform OnlyFans, ...

Margo steht mit einem Baby und ohne Perspektive da, nachdem der Vater des Kindes – ihr ehemaliger Professor – sich aus dem Staub gemacht hat. In ihrer Verzweiflung landet sie auf der Plattform OnlyFans, wo sie beginnt, erotische Inhalte zu produzieren. Was als verzweifelter Schritt beginnt, wird bald zu einer Reise zu mehr Selbstbewusstsein, Solidarität und ungeahnter Sichtbarkeit – aber bald hat der schlechte Ruf ihrer neuen Arbeit auch negative Konsequenzen. Margo muss versuchen, zwischen den Ansprüchen anderer und materiellen Erfordernissen herauszufinden, was sie will.

„Only Margo“ hat mich mit seiner Mischung aus Humor, und Tiefgang positiv überrascht. Die Darstellung hätte leicht ins Klischeehafte abrutschen können. Stattdessen bekommt man eine erfrischend ehrliche, witzige und empowernde Geschichte, die das Thema Sexarbeit, weibliche Selbstbestimmung und digitale Öffentlichkeit mit überraschender Leichtigkeit behandelt, ohne oberflächlich zu sein.

Stilistisch fand ich die Perspektivwechsel zwischen Innen- und Außenblick von bzw. auf Margo besonders interessant. Sie verleihen der Geschichte Tiefe und erlauben es, Margo wirklich kennenzulernen. Dass Margo nicht nur auf sich allein gestellt ist, sondern mit Mitbewohnerhin Suzie und ihrem Vater Jinx auch schräge, aber herzensgute Unterstützer:innen an ihrer Seite hat, macht das Ganze zu einem echten Wohlfühlroman. Wer Lust auf einen feministischen Roman mit Witz, Herz und Haltung hat: lesen!

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