tolle Idee, aber leider nicht ganz rund
Ein Buchclub zum VerliebenSloane Parker führt ein ruhiges, strukturiertes Leben als Bibliothekarin in einer Kleinstadt bis der schroffe Arthur McLachlan beginnt, ihren Alltag gehörig durcheinanderzubringen. Zwischen bissigen Wortgefechten ...
Sloane Parker führt ein ruhiges, strukturiertes Leben als Bibliothekarin in einer Kleinstadt bis der schroffe Arthur McLachlan beginnt, ihren Alltag gehörig durcheinanderzubringen. Zwischen bissigen Wortgefechten über Literatur entsteht eine ungewöhnliche Verbindung. Als Arthur plötzlich wegbleibt und sich herausstellt, dass es ihm schlecht geht, beschließt Sloane, ihm zu helfen – auch gegen seinen Widerstand. Aus dieser Entscheidung heraus entsteht ein kleiner Buchclub, der nach und nach immer mehr unterschiedliche Menschen zusammenführt. Jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte mit, und durch die gemeinsamen Bücher beginnen sie, sich selbst und einander besser zu verstehen.
Das Buch „Ein Buchclub zum Verlieben“ von Lucy Gilmore hat mich sofort mit seiner Grundidee abgeholt und auf gewisse Weise auch sehr berührt, aber leider nicht ganz so rund, wie ich es mir erhofft hatte.
Was mir sofort gefallen hat, war der Schreibstil. Lucy Gilmore schreibt angenehm leicht, sehr zugänglich und gleichzeitig mit einem gewissen Charme, der perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt. Gerade die Dialoge – vor allem zwischen Arthur und den Beteiligten – sind oft witzig, pointiert und haben mich mehrfach schmunzeln lassen. Diese kleinen literarischen Schlagabtausche gehören für mich definitiv zu den Highlights des Buches. Gleichzeitig schafft die Autorin eine warme, fast schon gemütliche Atmosphäre, die dieses typische „Kleinstadt-Feeling“ transportiert. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, selbst Teil dieses kleinen Kosmos zu sein.
Auch die Grundidee des Buchclubs fand ich richtig schön umgesetzt. Besonders mochte ich, wie die ausgewählten Bücher die Lebensrealitäten der Figuren widerspiegeln und ihnen dabei helfen, sich selbst besser zu verstehen. Diese Verbindung zwischen Literatur und persönlicher Entwicklung ist wirklich gelungen und hat dem Ganzen eine tiefere Ebene gegeben. Der Buchclub wirkt wie ein sicherer Raum, in dem sich die Figuren öffnen, wachsen und verändern können – dieses Found-Family-Gefühl fand ich richtig stark und emotional.
Und genau hier liegt auch eine der großen Stärken des Buches: die Charakterentwicklung. Jeder einzelne bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Probleme und Unsicherheiten mit. Im Laufe der Handlung entwickeln sich die Figuren weiter, arbeiten an sich selbst und finden – zumindest teilweise – ihren eigenen Weg.
Besonders Arthurs Entwicklung hat mir gut gefallen. Zu sehen, wie dieser mürrische, verschlossene Mann langsam auftaut, war wirklich schön und teilweise auch berührend.
Aber – und das ist leider ein großes Aber – genau diese Vielzahl an Figuren und Geschichten ist für mich gleichzeitig auch die größte Schwäche des Buches.
Ich hatte oft das Gefühl, dass einfach zu viele Handlungsstränge parallel erzählt werden. Zwar lernt man alle Figuren grundsätzlich kennen, aber vielen Geschichten fehlt es an Tiefe. Manche Entwicklungen wirken auf mich zu schnell, zu oberflächlich oder schlicht nicht ganz zu Ende gedacht. Es wird unglaublich viel angerissen, aber nicht alles bekommt den Raum, den es eigentlich gebraucht hätte. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus auf weniger Figuren gelegt wird, um deren Geschichten wirklich intensiv und rund erzählen zu können.
Durch diese Überfülle an Perspektiven hatte ich stellenweise auch Schwierigkeiten, emotional wirklich dranzubleiben. Ich mochte die Charaktere wirklich sehr, aber ich habe sie nicht so tief gefühlt, wie es möglich gewesen wäre. Immer wenn ich das Gefühl hatte, gerade eine Verbindung aufzubauen, sprang die Geschichte schon weiter zur nächsten Person oder zum nächsten Konflikt. Das hat es mir teilweise schwer gemacht, komplett einzutauchen.
Hinzu kommt, dass einige Handlungsstränge für mich etwas überstürzt abgeschlossen wurden oder sich nicht ganz stimmig angefühlt haben. Das Ende versucht zwar, für alle Figuren eine Lösung zu finden, aber nicht alles wirkt dabei wirklich rund. Manche Probleme werden sehr schnell abgehandelt, andere bleiben gefühlt ein Stück weit offen. Bei mir hat das ein leicht unvollendetes Gefühl hinterlassen.
Trotzdem möchte ich betonen, dass ich das Buch insgesamt gerne gelesen habe. Es hat viele schöne, warme Momente, eine tolle Grundidee und Figuren, die man ins Herz schließen kann – auch wenn ich mir gewünscht hätte, sie noch intensiver kennenzulernen. Besonders das Thema Gemeinschaft, Zusammenhalt und persönliches Wachstum wurde wirklich schön dargestellt.
Fazit
Für mich ist „Ein Buchclub zum Verlieben“ von Lucy Gilmore insgesamt ein Buch mit viel Herz und Potenzial, das aber nicht ganz ausschöpft, was möglich gewesen wäre. Es ist eine Geschichte, die mich auf eine leise, angenehme Weise begleitet hat – aber eben nicht ganz so tief berührt hat, wie ich es mir erhofft hatte.