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Veröffentlicht am 08.04.2026

tolle Idee, aber leider nicht ganz rund

Ein Buchclub zum Verlieben
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Sloane Parker führt ein ruhiges, strukturiertes Leben als Bibliothekarin in einer Kleinstadt bis der schroffe Arthur McLachlan beginnt, ihren Alltag gehörig durcheinanderzubringen. Zwischen bissigen Wortgefechten ...

Sloane Parker führt ein ruhiges, strukturiertes Leben als Bibliothekarin in einer Kleinstadt bis der schroffe Arthur McLachlan beginnt, ihren Alltag gehörig durcheinanderzubringen. Zwischen bissigen Wortgefechten über Literatur entsteht eine ungewöhnliche Verbindung. Als Arthur plötzlich wegbleibt und sich herausstellt, dass es ihm schlecht geht, beschließt Sloane, ihm zu helfen – auch gegen seinen Widerstand. Aus dieser Entscheidung heraus entsteht ein kleiner Buchclub, der nach und nach immer mehr unterschiedliche Menschen zusammenführt. Jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte mit, und durch die gemeinsamen Bücher beginnen sie, sich selbst und einander besser zu verstehen.

Das Buch „Ein Buchclub zum Verlieben“ von Lucy Gilmore hat mich sofort mit seiner Grundidee abgeholt und auf gewisse Weise auch sehr berührt, aber leider nicht ganz so rund, wie ich es mir erhofft hatte.

Was mir sofort gefallen hat, war der Schreibstil. Lucy Gilmore schreibt angenehm leicht, sehr zugänglich und gleichzeitig mit einem gewissen Charme, der perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt. Gerade die Dialoge – vor allem zwischen Arthur und den Beteiligten – sind oft witzig, pointiert und haben mich mehrfach schmunzeln lassen. Diese kleinen literarischen Schlagabtausche gehören für mich definitiv zu den Highlights des Buches. Gleichzeitig schafft die Autorin eine warme, fast schon gemütliche Atmosphäre, die dieses typische „Kleinstadt-Feeling“ transportiert. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, selbst Teil dieses kleinen Kosmos zu sein.

Auch die Grundidee des Buchclubs fand ich richtig schön umgesetzt. Besonders mochte ich, wie die ausgewählten Bücher die Lebensrealitäten der Figuren widerspiegeln und ihnen dabei helfen, sich selbst besser zu verstehen. Diese Verbindung zwischen Literatur und persönlicher Entwicklung ist wirklich gelungen und hat dem Ganzen eine tiefere Ebene gegeben. Der Buchclub wirkt wie ein sicherer Raum, in dem sich die Figuren öffnen, wachsen und verändern können – dieses Found-Family-Gefühl fand ich richtig stark und emotional.

Und genau hier liegt auch eine der großen Stärken des Buches: die Charakterentwicklung. Jeder einzelne bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Probleme und Unsicherheiten mit. Im Laufe der Handlung entwickeln sich die Figuren weiter, arbeiten an sich selbst und finden – zumindest teilweise – ihren eigenen Weg.
Besonders Arthurs Entwicklung hat mir gut gefallen. Zu sehen, wie dieser mürrische, verschlossene Mann langsam auftaut, war wirklich schön und teilweise auch berührend.

Aber – und das ist leider ein großes Aber – genau diese Vielzahl an Figuren und Geschichten ist für mich gleichzeitig auch die größte Schwäche des Buches.
Ich hatte oft das Gefühl, dass einfach zu viele Handlungsstränge parallel erzählt werden. Zwar lernt man alle Figuren grundsätzlich kennen, aber vielen Geschichten fehlt es an Tiefe. Manche Entwicklungen wirken auf mich zu schnell, zu oberflächlich oder schlicht nicht ganz zu Ende gedacht. Es wird unglaublich viel angerissen, aber nicht alles bekommt den Raum, den es eigentlich gebraucht hätte. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus auf weniger Figuren gelegt wird, um deren Geschichten wirklich intensiv und rund erzählen zu können.

Durch diese Überfülle an Perspektiven hatte ich stellenweise auch Schwierigkeiten, emotional wirklich dranzubleiben. Ich mochte die Charaktere wirklich sehr, aber ich habe sie nicht so tief gefühlt, wie es möglich gewesen wäre. Immer wenn ich das Gefühl hatte, gerade eine Verbindung aufzubauen, sprang die Geschichte schon weiter zur nächsten Person oder zum nächsten Konflikt. Das hat es mir teilweise schwer gemacht, komplett einzutauchen.

Hinzu kommt, dass einige Handlungsstränge für mich etwas überstürzt abgeschlossen wurden oder sich nicht ganz stimmig angefühlt haben. Das Ende versucht zwar, für alle Figuren eine Lösung zu finden, aber nicht alles wirkt dabei wirklich rund. Manche Probleme werden sehr schnell abgehandelt, andere bleiben gefühlt ein Stück weit offen. Bei mir hat das ein leicht unvollendetes Gefühl hinterlassen.

Trotzdem möchte ich betonen, dass ich das Buch insgesamt gerne gelesen habe. Es hat viele schöne, warme Momente, eine tolle Grundidee und Figuren, die man ins Herz schließen kann – auch wenn ich mir gewünscht hätte, sie noch intensiver kennenzulernen. Besonders das Thema Gemeinschaft, Zusammenhalt und persönliches Wachstum wurde wirklich schön dargestellt.

Fazit

Für mich ist „Ein Buchclub zum Verlieben“ von Lucy Gilmore insgesamt ein Buch mit viel Herz und Potenzial, das aber nicht ganz ausschöpft, was möglich gewesen wäre. Es ist eine Geschichte, die mich auf eine leise, angenehme Weise begleitet hat – aber eben nicht ganz so tief berührt hat, wie ich es mir erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Mein Besuch im Baby Dragon Café

The Baby Dragon Café
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In „The Baby Dragon Café“ von A. T. Qureshi begleitet man Saphira, die in der Kleinstadt Starshine Valley ein ganz besonderes Café führt: einen Ort, an dem niedliche Babydrachen willkommen sind. Doch so ...

In „The Baby Dragon Café“ von A. T. Qureshi begleitet man Saphira, die in der Kleinstadt Starshine Valley ein ganz besonderes Café führt: einen Ort, an dem niedliche Babydrachen willkommen sind. Doch so zauberhaft diese Idee auch ist, bringt sie große Probleme mit sich, denn die kleinen Drachen setzen mit ihren Feuerstößen regelmäßig Möbel und Einrichtung in Brand, sodass sich Saphiras Rechnungen immer weiter stapeln. Als Aiden, ein eher verschlossener Gärtner aus einer bekannten Drachenreiterfamilie, sie bittet, seinen Babydrachen Sparky zu trainieren, ergibt sich für Saphira eine Chance und zwar nicht nur, ihre Leidenschaft für Drachen auszuleben, sondern auch, Aiden näherzukommen, der sich nach einem schweren Verlust eigentlich von Drachen distanziert hat.

Ich habe mich wirklich sehr auf "The Baby Dragon Café" gefreut, weil die Idee einfach unglaublich süß und gleichzeitig erfrischend anders klang. Und ich muss sagen: Insgesamt hat mir das Buch auch gut gefallen, auch wenn es für mich einige Schwächen hatte.

Der Schreibstil von A. T. Qureshi ist angenehm leicht und flüssig zu lesen. Ich bin schnell in die Geschichte hineingekommen und hatte durch die bildhaften Beschreibungen sofort ein klares Bild von Starshine Valley und dem Café vor Augen. Alles fühlt sich sehr cozy und warm an – fast wie eine kleine Wohlfühlwelt, in die man sich zurückziehen kann. Genau dieses ruhige, entspannte Lesegefühl zieht sich durch das ganze Buch, was ich einerseits sehr mochte, andererseits aber auch dazu geführt hat, dass mir stellenweise ein bisschen Spannung gefehlt hat.

Die Grundidee ist für mich definitiv eines der größten Highlights. Babydrachen, die zwar unfassbar niedlich sind, aber gleichzeitig alles abfackeln, das war oft einfach unterhaltsam und hat für einige charmante Momente gesorgt. Und ganz ehrlich: Sparky war für mich das absolute Highlight. Ich konnte ihn mir so lebendig vorstellen, dass ich beim Lesen ständig schmunzeln musste. Er hatte richtig Persönlichkeit und hat der Geschichte unglaublich viel Herz gegeben.

Saphira mochte ich insgesamt gern, auch wenn ich manchmal gemischte Gefühle hatte. Ihre Lebensfreude und ihre Liebe zu Drachen fand ich sehr ansteckend, gleichzeitig merkt man aber auch ihre Unsicherheiten, vor allem weil sie nicht aus einer Drachenreiterfamilie stammt und sich dadurch oft wie eine Außenseiterin fühlt. Dieser Aspekt zieht sich durch einen großen Teil der Geschichte, und ich fand es schön, dass sie am Ende langsam erkennt, dass sie keine externe Anerkennung braucht. Allerdings war sie mir im Umgang mit Sparky teilweise etwas zu überbehütend und emotional, was mich hin und wieder ein bisschen gestört hat.

Aiden bildet dazu einen starken Kontrast. Er ist eher verschlossen, teilweise fast mürrisch, und hat durch den Tod seines Bruders eine sehr komplizierte Beziehung zu Drachen. Gerade dieser Hintergrund hat ihn für mich interessant gemacht. Ich mochte es, wie sich seine Entwicklung langsam entfaltet und wie er durch Saphira und Sparky wieder einen Zugang zu Drachen findet und merkt, dass nicht alles mit Schmerz verbunden sein muss. Diese emotionale Komponente war für mich einer der stärkeren Teile der Geschichte.

Ein ganz großes Plus waren für mich die Nebencharaktere. Sie wirken offen, herzlich und bringen nochmal eine ganz eigene Wärme in die Geschichte. Sie haben das Buch für mich lebendiger gemacht und ich habe mich wirklich gefreut, dass einige von ihnen wohl eigene Geschichten bekommen werden.

Was für mich allerdings nicht ganz funktioniert hat, war die Liebesgeschichte zwischen Saphira und Aiden. Ihre Beziehung ging mir einfach zu schnell und hat sich teilweise zu plötzlich entwickelt. Ich habe die emotionale Tiefe ein bisschen vermisst, vieles wirkte eher oberflächlich und nicht ganz ausgearbeitet. Dadurch konnte ich die romantischen Momente leider nicht so richtig fühlen, was schade ist, weil gerade hier viel Potenzial gewesen wäre.

Auch die Handlung selbst war stellenweise etwas flach. Es passiert nicht durchgehend besonders viel Dramatisches oder Spannendes, was zwar gut zum cozy Charakter passt, aber manchmal auch ein wenig eintönig wirkte. Ich hätte mir an manchen Stellen etwas mehr Konflikt oder Entwicklung gewünscht, um die Geschichte noch packender zu machen.

Fazit

Trotz dieser Kritikpunkte habe ich das Buch insgesamt gerne gelesen. Es ist perfekt, wenn man etwas Leichtes, Warmes und Entspanntes sucht – eine Geschichte, die einen nicht stresst, sondern einfach ein gutes Gefühl hinterlässt. Für mich war es kein absolutes Highlight, aber definitiv ein schönes, gemütliches Leseerlebnis mit einer wirklich tollen Grundidee und einem unvergesslichen kleinen Drachen.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Starkes Thema, aber verschenktes Potenzial

Cheer for Love
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Ella erfüllt sich einen großen Traum: Für ein Jahr darf sie nach Nashville gehen, um an der Whitland University Teil eines renommierten Cheer Squads zu werden. Dort will sie gemeinsam mit anderen außergewöhnlich ...

Ella erfüllt sich einen großen Traum: Für ein Jahr darf sie nach Nashville gehen, um an der Whitland University Teil eines renommierten Cheer Squads zu werden. Dort will sie gemeinsam mit anderen außergewöhnlich talentierten Sportler*innen trainieren, ihre Fähigkeiten verbessern und ihr Können auf ein völlig neues Niveau heben.
Eigentlich sollte diese Reise ein gemeinsamer Neuanfang mit ihrem langjährigen Freund Jamie werden, doch kurz vor der Abreise trennt er sich von ihr. In Nashville angekommen, lässt sich Ella in ihrer ersten Nacht daher auf einen anziehenden Fremden ein, um sich abzulenken. Am nächsten Morgen stellt sich jedoch heraus, dass es sich ausgerechnet um Hudson Fox handelt, den gefeierten Quarterback der Whitland University, der für seine unverbindlichen Beziehungen bekannt ist.
Ablenkung in Form von Hudson kann Ella eigentlich überhaupt nicht gebrauchen, wenn sie ihren Traum nicht gefährden will. Doch zwischen den beiden entwickelt sich eine Anziehung, der sie sich nur schwer entziehen kann.

Ich habe „Cheer for Love“ von Ki Stephans recht zügig beendet und muss sagen, dass ich im Nachhinein etwas zwiespältig auf das Buch zurückblicke. Es gibt einige Aspekte, die mir wirklich gut gefallen haben, aber leider auch einige Punkte, die für mich nicht ganz rund waren.

Zuallererst möchte ich das Cheerleading-Thema hervorheben. Ich selbst habe keine besonders große Ahnung von der Materie, weshalb mir viele Fachbegriffe fremd waren und ich mir manche Abläufe nicht immer konkret vorstellen konnte. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass der Sport sehr detailreich, facettenreich und vermutlich auch realistisch dargestellt wird. Gerade im Vergleich zu vielen anderen Büchern, Filmen oder Serien, in denen Cheerleading oft sehr klischeehaft und eindimensional inszeniert wird – mit Zickenkrieg, Oberflächlichkeiten und stereotypen Rollenbildern –, hebt sich „Cheer for Love“ positiv ab. Der Fokus liegt klar auf dem sportlichen Anspruch, auf Training, Disziplin, Teamgeist und Leistungsdruck, und geht damit weit über gängige Stereotypen hinaus.

Besonders gefallen hat mir auch, wie selbstverständlich männliche Cheerleader Teil des Teams sind. Hudson und die anderen männlichen Nebencharaktere werden ohne Vorurteile oder Rechtfertigungen in den Sport integriert, was sehr modern und realitätsnah wirkt. Genau so stelle ich mir die tatsächliche Vielfalt dieses Sports vor, und das war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches.

Der Schreibstil von Ki Stephans ist angenehm flüssig und leicht zu lesen, wodurch ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Die Atmosphäre am College und in Nashville wurde lebendig eingefangen, vor allem während der Trainings- und Wettkampfszenen. Man spürt Ehrgeiz, Nervosität und den inneren Druck, den Ella sich selbst macht, um ihren Traum nicht zu gefährden.

Ella als Protagonistin mochte ich insgesamt ganz gern. Ihr Ehrgeiz, ihr Wunsch nach Weiterentwicklung und ihre Unsicherheiten nach der Trennung wirkten für mich authentisch.
Auch Hudson war mir grundsätzlich sympathisch, gerade weil er nicht nur als typischer Sportler dargestellt wird, sondern auch verletzliche und nachdenkliche Seiten zeigt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass seine persönlichen Hintergründe und Probleme relativ schnell abgehandelt wurden. Die Themen, die ihn innerlich beschäftigen, hätten für mich deutlich mehr Raum verdient, da sie viel emotionales Potenzial gehabt hätten. So blieben sie eher angerissen als wirklich vertieft, was seiner Figur etwas an Tiefe genommen hat.

Die Beziehung zwischen Ella und Hudson empfand ich stellenweise als anstrengend. Das ständige Hin und Her, das Nicht-Aussprechen offensichtlicher Gefühle und das wiederholte Zögern haben mich mehr als einmal die Augen verdrehen lassen. Gerade weil ihre Verbindung grundsätzlich funktioniert, wirkte dieses künstliche Aufbauschen von Konflikten für mich unnötig. Auch bestimmte Reaktionen und Entscheidungen konnte ich nicht immer nachvollziehen, da sie mir stellenweise konstruiert erschienen.

Was mich am Ende jedoch am meisten gestört hat, war das Gefühl, dass einige angedeutete Handlungsstränge nicht wirklich zu Ende geführt wurden. Es gibt verschiedene Figuren, Konflikte und Situationen, bei denen bewusst Spannung aufgebaut wird, ohne dass diese Punkte später ausreichend aufgegriffen oder abgeschlossen werden. Dabei bleibe ich bewusst allgemein, da ich nicht spoilern möchte, aber insgesamt wirkte das Erzählen an manchen Stellen zu hastig, als würde man weiterziehen, obwohl noch Raum für Vertiefung gewesen wäre. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass das Buch mehr andeutet, als es letztlich auflöst.

Gerade deshalb habe ich zwischendurch angenommen, dass „Cheer for Love“ vielleicht als Auftakt zu einer Reihe gedacht ist. In diesem Kontext würden viele dieser offenen Elemente für mich durchaus Sinn ergeben. Als derzeit angekündigter Einzelband hinterlassen sie jedoch eher ein leicht unfertiges Gefühl, statt eines vollständig runden Abschlusses.

Fazit

Insgesamt hat „Cheer for Love“ von Ki Stephans bei mir einen gemischten Eindruck hinterlassen. Das Buch punktet vor allem mit seinem starken, realistisch dargestellten Cheerleading-Thema, das sich angenehm von vielen klischeehaften College-Romances abhebt. Genau dieser sportliche Fokus ist für mich die größte Stärke der Geschichte.
Gleichzeitig bleibt vieles hinter seinen Möglichkeiten zurück. Charaktere, Konflikte und emotionale Hintergründe werden zwar angerissen, aber selten wirklich vertieft. Auch die Beziehung zwischen Ella und Hudson verliert durch das ständige Hin und Her und das teils konstruiert wirkende Drama an Wirkung. Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass das Buch viel Potenzial hat, dieses aber nicht konsequent ausschöpft.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

tiefe Abgründe und dunkle Geheimnisse

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Cecilia arbeitet als Housesitterin und hält sich mit wechselnden Aufträgen gerade so über Wasser. Als sie die Möglichkeit bekommt, auf die Häuser der wohlhabenden Familie Waldner aufzupassen, scheint sich ...

Cecilia arbeitet als Housesitterin und hält sich mit wechselnden Aufträgen gerade so über Wasser. Als sie die Möglichkeit bekommt, auf die Häuser der wohlhabenden Familie Waldner aufzupassen, scheint sich ihr Leben zum Besseren zu wenden: protzige Anwesen, luxuriöse Einrichtung, teure Kleidung und vor allem Johannes Waldner, zu dem Cecilia sich schnell hingezogen fühlt und mit dem sie eine intensive Beziehung eingeht.
Als sie schließlich den Auftrag erhält, auf die abgelegene Villa der Familie auf einer kleinen Ostseeinsel aufzupassen, fernab von der Zivilisation, glaubt Cecilia, ihre große Chance gefunden zu haben, ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen. Sie lädt ihre Freunde sowie Johannes auf die Insel ein, damit sich die wichtigsten Menschen in ihrem Leben endlich kennenlernen. Doch kaum sind alle angekommen, wird schnell deutlich, dass niemand zufällig hier ist. Jeder verfolgt eigene Pläne, unausgesprochene Konflikte kommen ans Licht – und hinter der scheinbaren Idylle verbergen sich tiefe Geheimnisse und dunkle Abgründe.

Ich bin mit einer gewissen Erwartung an „Die Housesitterin“ von Emily Rudolf herangegangen, da es als Thriller vermarktet wird und das Grundszenario viel Potenzial für psychologische Spannung bietet. Nach dem Lesen muss ich jedoch sagen: Für mich ist das Buch weniger ein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein Roman mit deutlichen New-Adult-Elementen und Suspense. Das lag unter anderem an den expliziteren Sexszenen, die für mein Empfinden stark an das New-Adult-Genre erinnerten. Insgesamt waren diese Szenen für mich okay – sie haben den Lesefluss nicht gestört, aber dem Buch auch keinen echten Mehrwert gegeben.

Der Schreibstil ist grundsätzlich flüssig und gut lesbar. Emily Rudolf erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, was zunächst interessant wirkt, da man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelten mehrerer Figuren erhält. Allerdings hatte ich stellenweise das Gefühl, weniger eine Geschichte mitzuerleben, als vielmehr einer Aneinanderreihung von Berichten zu folgen. Vieles wird erklärt, beschrieben und reflektiert, statt wirklich erzählerisch ausgekostet zu werden. Dadurch blieb ich emotional eher auf Distanz. Ich habe das Geschehen mehr wie eine äußere Beobachterin verfolgt, recht nüchtern und ohne eine starke Bindung zu den Figuren aufzubauen.

Die Atmosphäre ist durchgehend angespannt, aber eher subtil als wirklich bedrohlich. Es gibt eine unterschwellige Unruhe, ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Allerdings fehlte mir oft die Zuspitzung.
Die Hintergründe der Charaktere werden nach und nach durch Rückblenden und Perspektivwechsel offengelegt. Diese Einblicke sind grundsätzlich spannend und sinnvoll platziert, wirken jedoch häufig wie nachträgliche Nacherzählungen. Mir wurden an einigen Stellen Informationen zu schnell geliefert; Geheimnisse wurden relativ früh erklärt und eingeordnet, sodass wenig Raum für eigene Spekulationen blieb.

Besonders interessant fand ich, wie unterschiedlich die Figuren denken und handeln. Jeder ist sich seiner Wahrnehmung sicher, jeder zieht eigene Schlüsse und verfolgt seine persönlichen Gedankengänge. Das Mitverfolgen dieser parallelen Erkenntnisprozesse hatte definitiv seinen Reiz. Gleichzeitig führte genau das dazu, dass mir die großen Überraschungen fehlten. Ich habe während des Lesens ständig mitgerätselt und auf den einen krassen Twist oder die unerwartete Wendung gewartet. Doch diese kam für mich nicht wirklich. Am Ende entwickelte sich vieles so, wie ich es bereits vermutet hatte. Die Auflösung war stimmig, aber für mich leider vorhersehbar.

Fazit

Trotz dieser Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich das Buch insgesamt gut unterhalten hat. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, bin gespannt drangeblieben und habe es zügig gelesen. Es ist kein schlechtes Buch, aber für mich auch kein herausragendes. Wahrscheinlich wird es mir nicht lange im Gedächtnis bleiben und ich werde im Nachhinein nicht viel darüber nachdenken. Es war ein solider, eher spannungsarmer Suspense-Roman mit New-Adult-Anleihen – angenehm zu lesen, aber ohne nachhaltigen Eindruck.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

eine wunderschöne Atmosphäre

Winterglück im Café am Meer
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Helena wächst auf Norderney auf, eng verbunden mit ihren besten Freundinnen Fenja und Mara. Ein Schwur mit Muschelketten besiegelt ihre Freundschaft, doch kurz darauf reißt ein Umzug aufs Festland sie ...

Helena wächst auf Norderney auf, eng verbunden mit ihren besten Freundinnen Fenja und Mara. Ein Schwur mit Muschelketten besiegelt ihre Freundschaft, doch kurz darauf reißt ein Umzug aufs Festland sie aus ihrer vertrauten Welt.
Jahre später lebt Helena in Kassel und steht kurz davor, sich ihren Traum vom eigenen Café zu erfüllen. Doch als eine ihrer Freundinnen auf Norderney Hilfe braucht, kehrt sie zurück auf die Insel und begegnet dort nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch Jannik, Fenjas Bruder, der alte Gefühle wieder aufleben lässt.
Während Helena zwischen Zukunft und Herkunft steht, entfaltet sich parallel ein Erzählstrang in der Vergangenheit über die Frauen ihrer Familie – Gretchen, Lene und Imke –, deren Geschichten eng mit der Insel verwoben sind.

Ich habe "Winterglück im Café am Meer" von Christin-Marie Below als ein ruhiges, warmes Wohlfühlbuch erlebt, das mich vor allem atmosphärisch sehr abgeholt hat. Schon nach wenigen Minuten hatte ich das Gefühl, selbst durch die winterlichen Straßen von Norderney zu laufen. Die Autorin beschreibt die Insel so bildlich, dass ich förmlich den Wind hören und das Salz in der Luft schmecken konnte. Gerade diese Nordsee-Atmosphäre ist für mich das große Herzstück der Geschichte. Der Schreibstil transportiert Stimmungen und Gefühle sehr direkt. Ich konnte Helenas Zerrissenheit zwischen Traum und Heimat gut nachvollziehen.

Besonders mochte ich die Freundschaft zwischen Helena, Fenja und Mara. Diese lebenslange Verbundenheit fühlt sich echt an, nicht kitschig, sondern getragen von gemeinsamen Erinnerungen und kleinen Gesten.
Auch Helenas Wunsch nach einem eigenen Café hat für mich gut funktioniert – ihre Leidenschaft fürs Backen gibt ihr eine greifbare Identität. Als sie nach Norderney zurückkehrt, entsteht eine schöne Mischung aus Nostalgie, Hoffnung und unterschwelliger Melancholie.
Die Begegnungen mit Jannik bringen eine leise romantische Spannung hinein, ohne die Geschichte komplett zu dominieren. Es geht mehr um Zugehörigkeit als um reine Liebesdramatik, und das fand ich angenehm.

Der zweite Zeitebenenstrang rund um Gretchen, Lene und Imke hat mich ebenfalls interessiert. Ich liebe grundsätzlich Familiengeschichten, in denen sich Generationen spiegeln. Allerdings ist das auch der Punkt, an dem ich mir mehr Raum gewünscht hätte.
Das Buch ist insgesamt recht kurz, und ich habe stellenweise deutlich gemerkt, dass der Geschichte etwas mehr Länge gutgetan hätte. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, einige emotionale Wendungen wirkten etwas abrupt. Besonders die Vergangenheit blieb für mein Empfinden zu offen. Es werden Themen angerissen, die großes Potenzial haben, aber nicht wirklich in der Gegenwart aufgelöst werden.
Das Ende kam für mich daher sehr plötzlich. Ich saß da und dachte: Das war’s schon? Es fühlte sich eher wie ein Zwischenstopp als wie ein Abschluss an.
Gleichzeitig weiß ich, dass noch ein weiterer Band geplant ist, und das relativiert meinen Eindruck etwas. Vermutlich ist vieles bewusst offengehalten, um später weitergeführt zu werden. Trotzdem hätte ich mir zumindest für diesen Teil einen runderen emotionalen Abschluss gewünscht.

Fazit

Alles in allem fand ich das Buch „ganz nett“ im besten Sinne eines gemütlichen Winterromans.
Es ist keine hochdramatische Geschichte, sondern eine sanfte, stimmungsvolle Reise zurück zu Freundschaft, Herkunft und alten Gefühlen. Die traumhafte Norderney-Atmosphäre hat mich komplett eingenommen, und der bildhafte Schreibstil hat diese Stimmung wunderbar getragen.
Mit etwas mehr Tiefe und erzählerischem Raum hätte mich die Geschichte noch stärker packen können. So bleibt sie für mich ein schönes, aber etwas zu kurzes Inselintermezzo, das neugierig auf die Fortsetzung macht.

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