Ich bin deutlich jünger als die Autorin und eigentlich auch immer genervt von Geschichten, die zurückblicken und nicht voran. Aber dieses Buch hat mich richtig gut unterhalten. Ich mochte das Hörbuch gern, ...
Ich bin deutlich jünger als die Autorin und eigentlich auch immer genervt von Geschichten, die zurückblicken und nicht voran. Aber dieses Buch hat mich richtig gut unterhalten. Ich mochte das Hörbuch gern, denn die Autorin hat es selbst eingelesen und das bringt es einem noch etwas näher.
Zu Beginn berichtet sie vom Wacken- Festival - Besuch, damit hatte sie mich direkt in ihren Bann gezogen. Wie herrlich sympathisch kann man eigentlich schreiben? Im Buch gehts um Kliechees, und darum wie es ist, diese nicht mehr zu bedienen. Darum, wie es ist, wenn man einfach lebt und sich weniger Gedanken macht. Ich mochte den Ton und das Feeling des Buches!
„In manchen Momenten trennen uns nicht nur sieben Jahre, sondern ein halbes Leben. Im Gegensatz zu mir hat Ben kein vorher und nachher. Kein Schnitt. Für ihn gibt es nur mich und unsere Mutter. Als wäre ...
„In manchen Momenten trennen uns nicht nur sieben Jahre, sondern ein halbes Leben. Im Gegensatz zu mir hat Ben kein vorher und nachher. Kein Schnitt. Für ihn gibt es nur mich und unsere Mutter. Als wäre das immer so gewesen. Manchmal beneide ich ihn darum und frage mich was schlimmer ist: sich erinnern können und den Schmerz dabei zu spüren, oder sich nicht an etwas erinnern zu können und dem Schmerz trotzdem zu spüren.“
INHALT
Leonie wächst bei ihrer Mutter auf, zusammen mit ihrem Bruder. Ein Sorgerechtsstreit zwischen Mutter und Vater machen das einfache Leben schwer. Vielen Freunden geht es besser, sie haben mehr Geld zur Verfügung und können sich mehr leisten. Einzig die kleine Videothek kann als kleiner Lichtblick gewertet werden. Dort lernt sie einen Jungen kennen, in den sie sich verliebt.
EINDRUCK UND FAZIT
Ein Roman, der nachwirkt. Ein Buch das weniger hart um die Ecke kommt, aber dennoch viel Emotion vermittelt. Eine Coming-of-Age Geschichte, die direkt nach der Schule spielt und den Gefühlszustand in dieser Zeit gut widerspiegelt. Leonie hat viel schlechtes mitbekommen, die Streitigkeiten zwischen den Eltern und der anschließende Sorgerechtsstreit. Ich fand die Geschichte in der Mitte etwas langatmig, aber am Ende doch ganz schön. Ein Sommer, den wir alle kennen. Der, der nicht enden soll. Alles wissen, dass sich etwas verändern wird - aber niemand möchte, dass es passiert. Ein wenig wehmütig schaue ich auf meinen Sommer nach dem Abi zurück.
„Der Bub ist einer, den man eher für die Party, aber nicht für die Tischgruppe in der Kommunionsvorbereitung will.“ Seite 32
INHALT
Neurodivergenz und psychische Störungen wecken immer mein größtes Interesse. ...
„Der Bub ist einer, den man eher für die Party, aber nicht für die Tischgruppe in der Kommunionsvorbereitung will.“ Seite 32
INHALT
Neurodivergenz und psychische Störungen wecken immer mein größtes Interesse. Nicht nur in Form von Sachbüchern, sondern gern (und vor allem) auch in Romanen. Dieses hier sprach mich direkt an! Oz hat ADHS. Und auch seine Mutter ist betroffen. Wir begleiten beide auf ihrem Weg durch schwere und auch gute Zeiten. Durch wilde, chaotische und sanftere. Es geht um die Gefühlswelt einer Mutter, um kleine und große Sorgen und ganz viel Mut, den es braucht. Was passiert eigentlich mit Menschen, die aus der ‚Norm‘ fallen?
„Fokus. Er stellt sich jetzt mal das violette Lama vor. Die Lerntherapeutin hat gesagt, dass er das so tun soll, wenn er sich konzentrieren will. Das Violette Lama ist sein Konzentrationstier, also denkt er: Lama. Und: violett. Es hilft überhaupt nicht. Deswegen denkt er: Fokus.“ Seite 15
EINDRUCK UND FAZIT
Welch ein wichtiges Thema! Ich bin durch dieses Buch durchgerannt, auch wenn ich es sprachlich herausfordernd fand. Kernaussage: Nerodivergenz ist keine ansteckende Krankheit. Man kann mit den Menschen sprechen und sie kennen- (und lieben) lernen! Man kann und sollte einfach manchmal hinter die Fassage schauen und vorweg nicht urteilen. Da beide Personen beschrieben werden, kann man sich als Leser*in gut hineinfühlen. In beide. In Mutter und Sohn. In die Unterschiedlichkeit - und auch in die Gleichheit beider. Oz verliert sich in eine Fantasiewelt, ein spannender (und gar nicht so selten vorkommender Weg). Für alle die, die gern mehr über das Thema erfahren wollen. Roh und authentisch. Lest es!
„Ich bin immer nur handgreiflich geworden, wenn es darum ging, mein Raum für mich zu beanspruchen! Ich wollte, dass Georg einsieht, dass er mich nicht unterbrechen kann, dass er mich als Person zu respektieren ...
„Ich bin immer nur handgreiflich geworden, wenn es darum ging, mein Raum für mich zu beanspruchen! Ich wollte, dass Georg einsieht, dass er mich nicht unterbrechen kann, dass er mich als Person zu respektieren hat, dass er mich nicht als Frau sehen soll, sondern als Mensch. Alles, was ich wollte, war Respekt.“ Seite 86
INHALT
Leute! Was ist das für eine coole Geschichte! Moment - ich lasse euch teilhaben:
Was passiert eigentlich, wenn Gewalt ausnahmsweise mal von der Frau ausgeht? Wie reagiert ihr Mann? Und die Umwelt? Es geht um Charlie. Sie ist wütend, einfach nur wütend und hat eine schlechte Impulskontrolle. Das heißt sie wird gewalttätig ihrem Freund gegenüber. Nun sitzt sie im Antiaggressionstraining und gelobt Besserung. Aber kann das gut gehen?
EINDRUCK UND FAZIT
Perspektivwechsel können gut sein, oder? Ich finde es super spannend, mich mit der Thematik auseinander zusetzen was passiert, wenn Frauen aggressiv sind und Gewalt anwenden. Nach einer kurzen Recherche habe ich rausgefunden, dass 80 % der Männer gewalttätig werden, aber auch 20 % der Frauen. Die Zahl hat mich tatsächlich etwas überrascht, ich hätte sie deutlich geringer angesetzt. Diese Info macht die Thematik und Sichtweise des Buches noch viel spannender. Ich mochte die Protagonistin gern und konnte mich sehr in ihrer Unsicherheiten hineinfühlen. Ich mochte, dass niemand in dem Buch verurteilt wird und dass man die Protagonistin einfach wahrnimmt, ohne sie in eine Schublade zu packen. Es überrascht jetzt sicherlich nicht, dass es auch in diesem Buch kein happy end gibt. Ich habe es gern gelesen - lest es!!
„Wir alle sind feministische Rachegöttinnen und wir können auch ein bisschen stolz drauf sein. Noch werden wir als Verbrecherin gesehen, aber wenn das Matriarchat erreicht ist, werden wir wie Königinnen behandelt.“ Seite 86
INHALT
Habt ihr schon mal drüber nachgedacht was passiert wäre, wenn ihr nicht euren - sondern einen anderen Namen bekommen hättet? Ein anderes Leben?
Cora und Gordon bekommen ein Kind. Aber wie sollen ...
INHALT
Habt ihr schon mal drüber nachgedacht was passiert wäre, wenn ihr nicht euren - sondern einen anderen Namen bekommen hättet? Ein anderes Leben?
Cora und Gordon bekommen ein Kind. Aber wie sollen sie es nennen? Gordon möchte eine Tradition fortführen und den Sohn Gordon nennen. Cora würde sich Julian wünschen und die Schwester Bear. Aber welchen Einfluss hat der Name auf die Familiendynamik und was passiert, wenn Gordon mit der spontanen Umbenennung seines Kindes nicht zufrieden ist?
„Sie sagt, die gefährlichste Zeit ist kurz bevor und kurz, nachdem eine Frau geht. Das ist die Zeit, in der die Gefahr… Die Gefahr für ihr Leben am größten ist. (…) sie sagt, deshalb bleiben die Frauen, weil es noch gefährlicher ist, den man zu verlassen.“ Seite 124
EINDRUCK UND FAZIT
Lasst es euch nicht vom fröhlich gestalteten Cover täuschen! Hier geht es um häusliche Gewalt in verschiedenen Formen - sehr detailliert beschrieben!
Dieses Buch ist anders, ganz besonders. Die art und Weise das Buch in drei verschiedene Geschichten zu schreiben, fand ich klug gewählt (und hab ich so noch nie gelesen). Wir begleiten die Familie in 7 Jahres Schritten über einen langen Zeitraum. Vor lauter Nachlesen und zurückblättern in welcher der drei Geschichten wir uns befinden, habe ich nicht mitgezählt wieviele Jahre es genau sind. Denn das ist mein einziger Kritikpunkt: es wird etwas unübersichtlich an der ein oder anderen Stelle, man muss sich gut konzentrieren und vielleicht auch kleine Notizen machen. Insgesamt ein gewaltiges Buch! Ein Buch voller schockierender Momente und dennoch mutmachend. Ich hab es geliebt! Eines meiner Highlights bis jetzt!
„Cora hat sich immer geschworen zu gehen, sobald die Kinder aus dem Haus sind. Aber dann kam es ihr doch zu riskant vor, weil Gordon einen Ort brauchte, an den er in den Semesterferien zurückkehren konnte.
Sie ist vierundfünfzig und hat das Gefühl, dass die Welt sich ohne sie weiterdreht.“ Seite 189