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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2026

Fantasy auch für Nicht-Phantasten

Das White Octopus Hotel
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Ich glaube, der letzte Fantasy-Roman, den ich als Erwachsene (naja, so gerade mal) las, war "Herr der Ringe" vor über vierzig Jahren.

Irgendwie zog mich danach nichts mehr in die Richtung, bis ich dem ...

Ich glaube, der letzte Fantasy-Roman, den ich als Erwachsene (naja, so gerade mal) las, war "Herr der Ringe" vor über vierzig Jahren.

Irgendwie zog mich danach nichts mehr in die Richtung, bis ich dem "White Octopus Hotel" und seiner Protagonistin Eve Shaw begegnete. Dieses Buch ist eine Wanderung zwischen unterschiedlichen historischen Epochen, denen allen Eve im besagten Hotel begegnet.

Sie haben richtig gelesen - es ändert sich die Zeit, den Raum bietet immer wieder das besagte Hotel, in dessen verfallenes Gemäuer Eve sich begibt, um nach Wahrheiten zu suchen. Und sich auf einmal in einem festlichen, edlen Ambiente in eben diesem Gemäuer wiederfindet - allerdings nicht mehr im Jahr 2016, sondern 1934. Wo sie unter anderem ihre eigene Mutter mit einer deutlich jüngeren Version ihrer Selbst trifft und auch anderen verwirrenden Dingen und Menschen begegnet.

Unter anderem Max - mit dem sie offenbar eine längere Geschichte teilt...

Ein eindringliches, für mich nur stellenweise etwas verwirrendes Buch über das Spiel mit Zeit und Raum, in dem Eve auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges ebenso wie im edlen Abkühlraum des Hotels in den 1930ern landet.

Ein Roman, den ich über weiteste Strecken mit Genuss las, um zu erkennen, dass es tatsächlich verschiedene Wahrheiten geben kann - in einem Raum in verschiedenen Zeiten zum Beispiel. Unterhaltsam und lehrreich zugleich ist diese durchaus anspruchsvolle Handlung!

Veröffentlicht am 27.03.2026

Pirmasens - damals und heute

Am helllichten Tag
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Toni hat den Kleinstadtmief von Pirmasens hinter sich gelassen, lebt als Journalistin - wobei der Erfolg noch ausbaufähig ist - in einer offenen, für sie ausgesprochen unbefriedigenden Beziehung in München. ...



Toni hat den Kleinstadtmief von Pirmasens hinter sich gelassen, lebt als Journalistin - wobei der Erfolg noch ausbaufähig ist - in einer offenen, für sie ausgesprochen unbefriedigenden Beziehung in München. Doch dann stirbt plötzlich ihr Vater und Toni, ein Einzelkind, beginnt seinen Nachlass zu ordnen, das Haus auszuräumen - und entdeckt dabei unbekannte Seiten an ihrem Vater, mit dem sie ein eher kühles Verhältnis verband: tatsächlich war er 1964, als Kind, in einen Vermisstenfall eingebunden, wurde mehrfach von der Polizei verhört, auch noch einmal in den 1970er Jahren.

Dazu erfährt sie so manches Überraschende aus Vergangenheit und Gegenwart und lernt den Polizisten Leo kennen - auch privat. Dass Pirmasens eine Stadt mit vielen Seiten und nicht nur spießig ist, wird ihr erst jetzt bewusst.

Peter Probst ist hier ein Spannungsroman gelungen, der atmosphärisch und aufwühlend ist. Teilweise sind mir die Figuren, aber auch die Stadt Pirmasens dann doch ein bisschen zu eindimensional gezeichnet. Insgesamt ein empfehlenswerter Roman für alle, die gerne in der Vergangenheit "rumwühlen", es aber auch spannend mögen.

Veröffentlicht am 23.02.2026

Alles schien möglich

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Naja, sagen wir mal: fast alles. Und zwar zu Beginn der 1990er Jahre: die Sowjetunion hatte sich aufgelöst, Deutschland war nicht mehr zweigesteilt und das Leben war unglaublich spannend. Einfach schon ...

Naja, sagen wir mal: fast alles. Und zwar zu Beginn der 1990er Jahre: die Sowjetunion hatte sich aufgelöst, Deutschland war nicht mehr zweigesteilt und das Leben war unglaublich spannend. Einfach schon deswegen, weil die Tore so weit geöffnet waren, gerade in Europa: man konnte in Länder reisen, die bislang unerreichbar schienen (sowohl aus westlicher als auch aus östlicher Perspektive, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen). Und Menschen begegnen, die ganz andere Biographien hatten als man selbst.

So auch in diesem ausgesprochen unterhaltsamen Roman, der seinen Anfang in Rom nimmt und zwar in der Russischen Botschaft - die natürlich auch erst seit neuestem diese Bezeichnung trägt und osteuropäische Gastfreundschaft walten lässt - so etwas kannte man von deren Vorgängerin - der Botschaft der Sowjetunion - ganz und gar nicht. Dort werden zwei Biographien aufgerollt, die unterschiedlicher nicht sein können: die von Jakob Dreiser, einem jungen, begabten Dichter, der stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist - so auch jetzt beim Botschaftsempfang, wo er seine nicht wenigen Freunde trifft und neue Bekanntschaften macht.

Auf der anderen Seite steht Dieter Germershausen, ein schon älteres Semester, dessen Stern eindeutig im Sinken begriffen ist, da sein jahrelanges Treiben als Doppelagent in Ost und West unweigerlich aufzufliegen droht. Er schmeißt sich an Jakob heran, denn er plant ein wichtiges Geschäft. Eines, das ohne die Einbindung des umtriebigen Kerlchens, das sogar Russisch spricht, unweigerlich scheitern wird...

Ein nicht nur witziger, sondern auch sehr atmosphärischer Roman, der diese Aufbruchsstimmung auf der einen und das bedrohliche Sinken auf der anderen Seite sehr passend darstellt. Ich fühlte mich gleich in die frühen 1990er versetzt, in denen ich mich ständig im Baltikum umhertrieb (ich habe entsprechenden familiären Hintergrund), wo es so viel interessanter war als im tiefen Westen der ehemaligen Bundesrepublik, wo man kaum DDR-Atmosphäre genießen konnte. Leider hat mich das Ende ein kleines bisschen enttäuscht und auf dem Weg dorthin schlug die Handlung dann doch ein paarmal für meinen Geschmack zu sehr über die Stränge!

Veröffentlicht am 09.02.2026

Es stürmt ganz schön

Stürmische Klippe
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im neuesten Fall, in dem Liv Lammers und ihre Kollegen ermitteln müssen! Wobei Liv zunächst aus einem privaten Aufenthalt auf Sylt herausgezogen wird, in dem es eigentlich um einen Nachlass geht. Doch ...

im neuesten Fall, in dem Liv Lammers und ihre Kollegen ermitteln müssen! Wobei Liv zunächst aus einem privaten Aufenthalt auf Sylt herausgezogen wird, in dem es eigentlich um einen Nachlass geht. Doch ihre Chefin Hilke Hasselbrecht bittet eindringlich um ihre Hilfe bei den Ermittlungen um einen - erfreulicherweise misslungenen - Anschlag auf ihre Freundin, eine ehemalige Ministerin. Dabei geht es auch um den Schutz der Anwesenden, einer Gesellschaft, die anlässlich eines Geburtstages versammelt ist und illustrer nicht sein könnte. Natürlich gibt es Mord und Todschlag, nur anders als erwartet..

Wie immer geht es auch um Livs Partner, den Gerichtsmediziner Sebastian Gerlich. Der gerät diesmal auf eine ganz besondere Art und Weise ins Kreuzfeuer: Diesmal ist das Privatleben der Ermittlerin so eng mit der Krimihandlung verwoben hat, dass es quasi einteilig daherkommt. Und Liv es ganz schön schwer hat, die Dinge auseinanderzuhalten. Zudem wimmelt es diesmal sozusagen vor Verdächtigen - es gibt so viele, dass ich mir wieder einmal bei der Lektüre dieser Krimireihe ein Personenverzeichnis gewünscht habe, um alles im Einzelnen nachhalten zu können!

Auch dieser nunmehr zehnte ist ein spannender Fall, bei dessen Auflösung es für meinen Geschmack leider zu sehr drunter und drüber ging.. Dennoch lohnt sich die Lektüre! Ob Sie jetzt hier oder mit einem anderen Band starten, ich könnte mir vorstellen, dass sie wie ich diese Reihe, bei der sich die Protagonistin dank zahlreicher Alleinstellungsmerkmale von der Masse abhebt, lieben werden. Auf den nächsten Fall freue ich mich jedenfalls schon jetzt!

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Ein Universum der Sprachlichkeit

Schleifen
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Und der Mathematik noch dazu - oder ist eines nicht auch das andere? - hat Elias Hirschl geschaffen, in dem die Protagonisten Franziska Denk und Otto Mandl zu Hause sind. Oder sich dieses Zuhause ...

Und der Mathematik noch dazu - oder ist eines nicht auch das andere? - hat Elias Hirschl geschaffen, in dem die Protagonisten Franziska Denk und Otto Mandl zu Hause sind. Oder sich dieses Zuhause erst suchen (müssen).

Einen solch abwegigen und zugleich stimmigen Roman habe ich noch nie gelesen - Franziska Denk weist von Kind an Symptome einer jeden Krankheit auf, von der sie hört - sie lernt, sich durch Mittel der Sprache zu schützen. Sie kreiert eigene Sprachen, findet Follower - sowohl Freunde der Worte als auch Nonverbalisten und trifft durch Zufall auf Otto Mandl, der für einige Zeit ihr Lebensgefährte wird - in welcher Form genau, ist nicht so klar. Zudem ist Mandl auch - wie vormals sein Vater - ein Mathematiker ganz besonderer Art.

Ein fordernder, ein verwirrender Roman, in dem es auf eine wissenschaftliche Art und Weise ganz schön durcheinander geht. Oder ist dies gerade nicht wissenschaftlich? Klar ist, dass Autor Elias Hirschl eine gehörige Portion Phantasie und mindestens eine ebensolche an Humor aufbietet, um Protagonisten ebenso wie seine Leser von einer abstrusen Situation in die nächste zu katapultieren.

Ein sehr ungewöhnlicher Roman - ob der Autor die ganze Dauer seiner Entstehung in der von ihm geschaffenen Welt verbrachte? Ich kann es mir kaum anders vorstellen!