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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2026

Verwirrend und faszinierend zugleich

Crudo
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ist dieser "rohe" (eben "crudo") Roman, der ebenso angelehnt ist an Elemente aus dem Leben der Autorin Olivia Laing wie an solche der viel zu früh verstorbenen amerikanischen Autorin Kathy Acker.

Ich ...

ist dieser "rohe" (eben "crudo") Roman, der ebenso angelehnt ist an Elemente aus dem Leben der Autorin Olivia Laing wie an solche der viel zu früh verstorbenen amerikanischen Autorin Kathy Acker.

Ich habe lange gebraucht, um mich darin zurecht zu finden: in den Blitzlichtern aus dem Leben der Schriftstellerin Kathy, erst kurz vor der Hochzeit, dann frisch verheiratet mit einem deutlich älteren Mann, was aber nur teilweise von Bedeutung zu sein scheint. Kathy unterzieht eigentlich alles einer Prüfung, lässt sich immer wieder aber auch einfach treiben: es sind - so habe ich es verstanden - Momentaufnahmen vom Sinn und Unsinn des Lebens, von Toleranz und Intoleranz, von Akzeptanz und Inakzeptanz, von Faschismus und Antifaschismus - von der Positionierung zu allen Fragestellungen des Lebens, die in einem so kurzen Roman eben so auftauchen (können).

Die Autorin hat mich als Leserin ganz schön gefordert, ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihr in jeder Hinsicht gerecht geworden bin - aber es war ein ganz besonderes Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde.

Veröffentlicht am 08.05.2026

Der Tod als Zugfahrt

Die Mitternachtsreise
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Wilbur stirbt in einem Moment der Hoffnung und gemeinsam mit ihm erfahren wir, was uns nach dem Tod erwarten könnte, zumindest nach Sicht des Autors Matt Haig.

In Begleitung einer Person, die in unserem ...

Wilbur stirbt in einem Moment der Hoffnung und gemeinsam mit ihm erfahren wir, was uns nach dem Tod erwarten könnte, zumindest nach Sicht des Autors Matt Haig.

In Begleitung einer Person, die in unserem Leben eine Rolle gespielt hat, werden die wichtigsten Stationen unseres Lebens abgefahren - zumindest die, welche der Allmächtige oder wer auch immer zuständig dafür ist, als solche ansieht, abgefahren.

Meine Mutter sagte manchmal "Überdenke Dein liederliches Leben" - genau das widerfährt Wilbur - er muss Momente im wahrsten Sinne des Wortes Revue passieren lassen, die er am liebsten auslöschen würde. Aber nicht nur - es gibt auch Rückblicke auf schöne Zeiten.

Ein Roman, der mich nachdenklich werden lässt, der mich aber nicht so begeistert hat wie vor Jahren "Die Mitternachtsbibliothek". Das letzte kleine bisschen hat irgendwie gefehlt. Dennoch beinhaltet auch dieser wieder eine unvergessliche Handlung, die sich mir unwiderbringlich ins Gedächtnis einbrennen wird - schon aufgrund der überraschenden Schlussszene!

Veröffentlicht am 07.04.2026

Hier geht alles nach Schema F

Bye-bye Beschwerden
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Und zwar nach einem ganz bestimmten Ablaufplan, der für mich - die sich ausgesprochen wenig in der Welt der Krankheiten und Gebrechen auskennt - sehr hilfreich ist, weil ich einfach schnell abchecken kann, ...

Und zwar nach einem ganz bestimmten Ablaufplan, der für mich - die sich ausgesprochen wenig in der Welt der Krankheiten und Gebrechen auskennt - sehr hilfreich ist, weil ich einfach schnell abchecken kann, was wo steht. Und schon habe ich mir Hilfe holen können - oder auch nicht.

Ich fände am Ende eine Liste mit Erläuterungen sehr hilfreich, ebenso detailliertere Ausführungen zu alternativer Unterstützung bspw. durch Akupunktur, Qi Gong und ähnliches - dadurch habe ich im eigenen Leben schon viele Male Abhilfe schaffen können!

Veröffentlicht am 03.04.2026

Fantasy auch für Nicht-Phantasten

Das White Octopus Hotel
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Ich glaube, der letzte Fantasy-Roman, den ich als Erwachsene (naja, so gerade mal) las, war "Herr der Ringe" vor über vierzig Jahren.

Irgendwie zog mich danach nichts mehr in die Richtung, bis ich dem ...

Ich glaube, der letzte Fantasy-Roman, den ich als Erwachsene (naja, so gerade mal) las, war "Herr der Ringe" vor über vierzig Jahren.

Irgendwie zog mich danach nichts mehr in die Richtung, bis ich dem "White Octopus Hotel" und seiner Protagonistin Eve Shaw begegnete. Dieses Buch ist eine Wanderung zwischen unterschiedlichen historischen Epochen, denen allen Eve im besagten Hotel begegnet.

Sie haben richtig gelesen - es ändert sich die Zeit, den Raum bietet immer wieder das besagte Hotel, in dessen verfallenes Gemäuer Eve sich begibt, um nach Wahrheiten zu suchen. Und sich auf einmal in einem festlichen, edlen Ambiente in eben diesem Gemäuer wiederfindet - allerdings nicht mehr im Jahr 2016, sondern 1934. Wo sie unter anderem ihre eigene Mutter mit einer deutlich jüngeren Version ihrer Selbst trifft und auch anderen verwirrenden Dingen und Menschen begegnet.

Unter anderem Max - mit dem sie offenbar eine längere Geschichte teilt...

Ein eindringliches, für mich nur stellenweise etwas verwirrendes Buch über das Spiel mit Zeit und Raum, in dem Eve auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges ebenso wie im edlen Abkühlraum des Hotels in den 1930ern landet.

Ein Roman, den ich über weiteste Strecken mit Genuss las, um zu erkennen, dass es tatsächlich verschiedene Wahrheiten geben kann - in einem Raum in verschiedenen Zeiten zum Beispiel. Unterhaltsam und lehrreich zugleich ist diese durchaus anspruchsvolle Handlung!

Veröffentlicht am 27.03.2026

Pirmasens - damals und heute

Am helllichten Tag
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Toni hat den Kleinstadtmief von Pirmasens hinter sich gelassen, lebt als Journalistin - wobei der Erfolg noch ausbaufähig ist - in einer offenen, für sie ausgesprochen unbefriedigenden Beziehung in München. ...



Toni hat den Kleinstadtmief von Pirmasens hinter sich gelassen, lebt als Journalistin - wobei der Erfolg noch ausbaufähig ist - in einer offenen, für sie ausgesprochen unbefriedigenden Beziehung in München. Doch dann stirbt plötzlich ihr Vater und Toni, ein Einzelkind, beginnt seinen Nachlass zu ordnen, das Haus auszuräumen - und entdeckt dabei unbekannte Seiten an ihrem Vater, mit dem sie ein eher kühles Verhältnis verband: tatsächlich war er 1964, als Kind, in einen Vermisstenfall eingebunden, wurde mehrfach von der Polizei verhört, auch noch einmal in den 1970er Jahren.

Dazu erfährt sie so manches Überraschende aus Vergangenheit und Gegenwart und lernt den Polizisten Leo kennen - auch privat. Dass Pirmasens eine Stadt mit vielen Seiten und nicht nur spießig ist, wird ihr erst jetzt bewusst.

Peter Probst ist hier ein Spannungsroman gelungen, der atmosphärisch und aufwühlend ist. Teilweise sind mir die Figuren, aber auch die Stadt Pirmasens dann doch ein bisschen zu eindimensional gezeichnet. Insgesamt ein empfehlenswerter Roman für alle, die gerne in der Vergangenheit "rumwühlen", es aber auch spannend mögen.