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Veröffentlicht am 26.04.2026

Fesselnde Entwicklung - intensiv und poetisch!

The Artist
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Der Roman spielt 1920. Es gibt drei Hauptakteure; Edouard Tartuffe, der berühmte Maler, der „Meister des Lichts“, genannt Tata, zurückgezogen in der Provence, seine Nichte Sylvette, Ettie, und der junge ...

Der Roman spielt 1920. Es gibt drei Hauptakteure; Edouard Tartuffe, der berühmte Maler, der „Meister des Lichts“, genannt Tata, zurückgezogen in der Provence, seine Nichte Sylvette, Ettie, und der junge Journalist Joseph, der über Tartuffe berichten will und eine Einladung erhält, diesen zu besuchen.
Doch es läuft anders als Joseph gedacht hatte. Tartuffe weiß nichts von der Einladung; Joseph wird jedoch Tata Modell sitzen, auch darf er über seine Beobachtungen schreiben, „denn so wie Tata ein Porträt von Joseph malt, will Joseph eines von Tata erschaffen.“
Es entwickelt sich langsam eine neue Dreierbeziehung.
Charaktere entwickeln sich und geben Erfahrungen und Erlebnisse frei, die zu diesem Zusammensein geführt haben. Jeder möchte etwas ergründen.
Joseph möchte das Geheimnis von Tartuffes Rückzug in die Provence erfahren.
Ettie möchte das Geheimnis um ihren unbekannten Vater lüften.
Tartuffe arbeitet an dem Geheimnis mit Licht und Farben das perfekte Bild zu erschaffen.

Wie Ettie fordert: Die genaue Betrachtung ihrer selbst, so betrachtet Tartuffe und kreiert seine Motive. Joseph ist, da Tata schweigt, herausgefordert, Tartuffes Malerei zu betrachten und ebenso bei Ettie genau hinzusehen. Nach und nach entblättert sich Etties ureigene Geschichte und auch Josephs Einblick in die Malerei. Ettie lehrt ihn, das Bild „Junger Mann mit Orange“ zu sehen und zu erkennen.
Aufgrund Josephs Artikel wird das Bild über den Kunsthändler sofort verkauft und Tartuffe bekommt Medienaufmerksamkeit. Es kommen überraschende, vom Kunsthändler eingeladene, Gäste aus New York, die einen Eindruck der Welt außerhalb ihres provenzalischen Lebens hinterlassen. Dies regt Ettie an, über ihr Leben nachzudenken, sie spürt ihre Begrenzung, denn Tata will nicht nur das Licht kontrollieren. Sie wagt einen mutigen Schritt. Die gemeinsame Erfahrung in dem Haus ist entscheidend. Es ist die Kraft, die Ettie wachsen lässt.

Abwechselnde Kapitel beschreiben Joseph und Ettie. Der Roman ist in der Gegenwart geschrieben, was einen direkten Zugang ermöglicht. Beide entwickeln sich. Ihre Vergangenheit ist genauso sensibel und intensiv beschrieben wie ihre Gegenwart. Dort ist man mitten im Geschehen, im Jahr 1920, im Haus der Provence, spürt die die warme flirrende Landschaft, das Zirpen der Zikaden, die Farben, die zubereiteten Mahlzeiten und ist aufmerksam jeder Regung gegenüber, die die Geschichte vorantreibt. Dies geschieht nicht in schnellen Schritten sondern behutsam. Das Geschehen ist gegenwärtig und fügt sich aufgrund der Vergangenheit von Ettie und Joseph sanft zusammen und gestaltet sich. Nach und nach verweben sich unabänderlich die Personen und lassen sie neu agieren. Die Ereignisse fangen an sich zu entwickeln. Joseph ist ein Katalysator, ein auslösendes Ereignis, die festgefahrene Situation und eingefahrene Lebenssituation von Ettie langsam in Gang zu setzen. Doch auch er verändert sich, hat Hoffnung. Während sie ihr durch den exzentrischen und kontrollierenden Onkel eingeengtes Leben infrage stellt, reift der junge Journalist durch die neuen Herausforderungen und vor allem durch die Liebe zu Ettie.
Die Konsequenz, die Ettie aufgrund ihres eingeengten Daseins zieht, versucht Joseph aufzulösen. Die Situation eskaliert. Es kommt zum dramatischen Höhepunkt bevor die Szene ins Jahr 1957 wechselt.

Der Roman geht weit über eine Liebesgeschichte hinaus. Er zeigt den Weg der Selbstermächtigung von Ettie. Auch zeigt er eine Zeit, in der Frauen wenig Möglichkeiten hatten, selbstbestimmt in der Gesellschaft zu agieren.
Lucy Steeds lässt im letzten Kapitel weg, was nicht mehr interessiert, nämlich, wie es Tata oder Joseph später ergangen ist. Sie fokussiert auf Ettie und auf die Gegenwart und ihren ureigenen Werdegang.
Der Roman ist sehr berührend, tiefgehend und sehr fesselnd. Sprachgewaltig und poetisch geschrieben und beeindruckend aufgebaut, wie sich die Geschehnisse ineinander verweben und neue Möglichkeiten herausfordern!
Ein großartiges Buch mit vielen Facetten, die nachwirken!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Sensibel und erfrischend erzähltes Kindheitstrauma

Schlaf
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Die 10-jährige Margaret wächst mit ihrer Familie in New Jersey auf.
Nach 25 Jahren kehrt Margaret in ihr Elternhaus zurück, da die Mutter nach Schlaganfällen im Sterben liegt. Die Mutter, die ihr Leben ...

Die 10-jährige Margaret wächst mit ihrer Familie in New Jersey auf.
Nach 25 Jahren kehrt Margaret in ihr Elternhaus zurück, da die Mutter nach Schlaganfällen im Sterben liegt. Die Mutter, die ihr Leben lang dominant gewesen ist.
Margaret beschreibt ihr Leben und die Verknüpfung zu ihrer Familie.
Inzwischen hat Margaret eigene, sehr lebendige Kinder, ist geschieden, neu verliebt.
Ihr Hauptanliegen ist, ihre beiden Töchter zu lieben und zu schützen.
Doch eines lässt sie nicht los. Als Kind, während sie schlief, kam ihr älterer Bruder, der von den Erwachsenen geliebte, zu ihr ins Zimmer und fasst sie an, missbraucht sie somit, macht heimliche Videoaufnahmen.
Margaret überwindet dies nicht, es folgt ihr in ihrer weiteren Sichtweise hinein in ihr Leben, Sie erzählt dies niemandem, nicht ihrer Freundin Biddy, nicht ihren Eltern nicht ihrem neuen Freund. Sie wuchs in einer Atmosphäre der Sauberkeit und Moral auf. Mädchen hatten sich gegenüber Jungen unterzuordnen. Die herrschenden Geschlechterrollen der Generation ihrer Eltern ließen sie, als Kind, in ihrem Sosein mit ihren Eigenschaften keinen Platz finden. Sie fühlte sich ungerecht behandelt und kann dies nicht ansprechen oder ausdrücken.
Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert:
1. Teil die Kindheit
2. Teil Margaret als Erwachsene und selber Mutter

Sensibel und leise mit beunruhigenden Untertönen geschrieben, eindrucksvoll und selbstbewusst dargestellt. Die Demütigungen, die Margaret empfindet und das schwierige Verhältnis zur dominanten Mutter – die ihr doch eigentlich hätte beistehen können und sollen, wenn ihre Moral und ihre Rolle es zugelassen hätten. Das macht die Spannung aus, die Betroffenheit steigt und damit auch eine schaudernde Neugier, das Drama distanziert zu verfolgen. Man hat das Gefühl, dass Margaret es schon richtig macht, die Hoffnung schimmert in jedem Satz durch. Man kann sich in sie und in viele Situationen hineinversetzen und hat den richtigen Abstand trotz der Betroffenheit.
Mit der Last ihrer Vergangenheit kann Margaret, als Erwachsene, wenn es um ihre eigene Tochter geht, nicht adäquat reagieren.
Als Elizabeth im sterben liegt, kommt es nur zum Ansatz eines Aussprechens verschiedener Perspektiven und durch die Frage an Neal, ihren Bruder, der eine oberflächliche Antwort gibt, setzt ein Heilungsprozess ein „Es war nur eine Frage der Distanz, es ging darum manche Dinge mit dem richtigen Abstand zu betrachten und andere ganz nah heranzuholen“ sagt sie in einem anderen Zusammenhang..

Das Buch liest sich flüssig, ist spannend vor allem wegen der Beschreibung der Diskrepanz zu ihrer Mutter, deren Dominanz und Frauenrolle und Margarets Verhältnis zu ihrer eigenen Sexualität. Die Verhinderungen von Margarets lebendigem Wesen machen betroffen. Stark ist, dass sie in ihrem Erwachsenensein eine beruflich erfolgreiche Frau mit großer Liebe und Verantwortungsbewusstsein ihren Töchtern gegenüber geworden ist. Margaret kommt taff und selbstbewusst rüber trotz ihrer Verletzung. Sensibel und klug betrachtet sie ihre Umwelt. Eine working mum, die sich trotz Verletzungen ihren Weg bahnt. Der Schmerz wird letztendlich ausgesprochen und an die beteiligten Personen gerichtet. Das macht den Roman so erfrischend trotz der Tragödie.
Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Mitreißend, herzerwärmend und unverfälscht

Logbuch einer Himmelsstürmerin
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Die achtjährige Mini fühlt sich zu klein. Ihr Vater ist Pralinenmeister und ihre Mutter arbeitet im Geschäft. Minis beste Freundin heißt Silla. Mini ist jetzt schon einen Tüftlerin, und später möchte ...

Die achtjährige Mini fühlt sich zu klein. Ihr Vater ist Pralinenmeister und ihre Mutter arbeitet im Geschäft. Minis beste Freundin heißt Silla. Mini ist jetzt schon einen Tüftlerin, und später möchte sie mit ihrer Freundin den Nobelpreis gewinnen, indem sie Roboter herstellen. Begeistert ist sie von Alexander Kerst, dem Astronauten. Doch dann muss sie jäh feststellen, dass Silla mit einem Mal lieber Top Model werden will.
Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben und von Lilli L´Arronge treffend ergänzend illustriert. Auf jeder Seite gibt es etwas zu entdecken, mag es durch Hervorhebung der Schrift oder den humorvoll ansprechenden Illustrationen sein. Allein dies ist für junge Entdeckerinnen ein großer Spaß. Die Freude am Lesen entsteht auch durch den originellen, kindgerechten Inhalt, der die sprudelnden Gedanken und Eindrücke und Schlussfolgerungen einer Achtjährigen vermittelt (nicht unbedingt politisch oder pädagogisch korrekt). Es spielt gerade noch in der Vorpubertät mit all den Phantasien und Zukunftswünschen, die ein taffes und beherztes Mädchen wie Mini beschäftigen. Absolut mitreißend, herzerwärmend und direkt ansprechend. Freundschaft, Identitätssuche, Familie – alles drin.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Whodunit – intelligent, witzig und äußerst unterhaltsam!

Noch fünf Tage
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Liselotte Castrop ist 45 und Souchefin. Seit 7 Jahren arbeitet sie für die Familie Harman in Davos als Privatköchin.
Doch dann sterben die Harmans durch ein tödliches Gift, das ihnen mit dem Essen verabreicht ...

Liselotte Castrop ist 45 und Souchefin. Seit 7 Jahren arbeitet sie für die Familie Harman in Davos als Privatköchin.
Doch dann sterben die Harmans durch ein tödliches Gift, das ihnen mit dem Essen verabreicht wurde, dass Lise zubereitet hatte. Auch Lise hat eine radioaktive Dosis abbekommen, die ausreicht, ihr noch 5 Tage zum Leben zu geben. Lise ist die Hauptverdächtige und muss den Ermittlern etwas liefern, um sich von den Beschuldigungen zu befreien, damit sie mit ihrer Tochter die letzten Tage verbringen und alles für deren Zukunft organisieren kann. Sie muss den Täter finden. Die Uhr tickt. Sie gewinnt als Mitstreiterin die Pflegerin Esme, die ihr hilft zu recherchieren. Ihre Erinnerungen und Überlegungen teilt sie Esme mit. Wer wäre zu so einer Tat fähig und aus welchen Motiven. Sie versetzt sich in Familienmitglieder und Kontakte. Da ist unter anderem Quirin ein Spitzenkoch, der mit Blut experimentiert, ein Gast mit einem Allergieanfall oder John Harmon. der jetzt tote Unternehmer, Milliardär und Philanthrop, der auf einem Weltwirtschaftsforum als Redner auftreten sollte. Kuriose und ungewöhnliche Geschichten mit unerwarteten Wendungen, die Spaß bringen zu verfolgen.
Von Anfang an auch fesselnd durch interessante eingewebte Informationen über Lebensmittel, Geschmack und Zutaten von Gerichten, oder auch zum Beispiel über die Modewelt der High Society; dies alles beeindruckend recherchiert und witzig und erfrischend eingesetzt.

Fast hatte ich das Gefühl von Erzählungen von Sheherazade, der legendären Erzählerin, die sich durch ihre spannenden Geschichten noch einen lebendigen Tag erkaufen kann. Jedes Ende einer Geschichte über einen potentiellen Verdächtigen endet mit einer nächsten Frage dazu, was die Spannung anheizt. Neben den Erzählungen und Erinnerungen wechselt die Szenerie in die Gegenwart, die ihr eigenes Tempo hat. Die Kapitel beginnen mit den noch verbleibenden Tagen und der noch verbleibenden Uhrzeit.
Witzig, gut konstruiert mit schnellem Tempo. Intelligent, die Einschübe, die Szenerie, die Beschreibungen und die trotz Bettlägerigkeit taffe, sympathische Lis.

Absolut anregend, amüsant und äußerst unterhaltsam. Für mich ein Highlight!

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Spannend und hochaktuell – ein packender Thriller!

Dunkelmann
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Maja Birk arbeitet für den dänischen Nachrichtendienst. Sie ist beauftragt in der Türkei von einem Kollegen einen USB-Stick mit vertraulichen Gesprächen zwischen einem Chinesen und einem iranischen Politiker ...

Maja Birk arbeitet für den dänischen Nachrichtendienst. Sie ist beauftragt in der Türkei von einem Kollegen einen USB-Stick mit vertraulichen Gesprächen zwischen einem Chinesen und einem iranischen Politiker zu bekommen. So reist sie in verdeckter Operation und gerät in Schwierigkeiten.
In Dänemark arbeitet ihr Kollege, der Analyst Daniel Hartmann, beim militärischen Nachrichtendienst und forscht an „Chinas schleichender Übernahme der globalen Infrastruktur“. Er entdeckt etwas und hat eine Ahnung. Etwas stimmt nicht mit der chinesischen Delegation von Green Growth, die nach Kopenhagen kommen soll. Dann gibt es noch Jia Ling, eine Doktorandin, Meeresforscherin, die vom Nachrichtendienst rekrutiert werden soll. Daniel tastet an, ob sie für „die Verlockungen des Westens“ zugänglich ist.
Da sind die Hauptakteure, die so unterschiedlich sie agieren, Protagonisten eines sich zuspitzenden dramatischen Thrillers werden.
Drei Teile machen den Roman aus: Das Geschehen in der Türkei, direkt in Dänemark und in Grönland das Finale
Von Anfang an fesselt die Geschichte - was zuerst nur ein Verdacht war, entpuppt sich nach und nach als hoch brisant und folgenschwer. Maja, eine sympathische und überaus taffe Person, gerät bei jedem Einsatz in höchste Gefahr, was für Spannung und Unterhaltung sorgt. Alle Hauptmitspieler werden beleuchtet auch in ihrem Privatleben, so werden sie fühlbar und man begreift, dass geheime nervenaufreibende Missionen, getrennt vom Privatleben einen fast unüberwindbaren Spagat abverlangt, auch für die Partner; auch für Jia Ling, die in der Kultur und Erziehung ihres Staates fest verwoben scheint.

Der Brennpunkt ist auf Grönland gerichtet und die internationalen Interessen, hier konkret um die neue Seidenstraße zur Förderung des Welthandels. Politische Interessen und die Durchsetzung der Eigeninteressen werden hier in Romanform entwickelt und geschickt verpackt. Ein spannender Plot – Lars Findsen, selber Chef des dänischen Geheimdienstes gewesen, war Insider und Jacob Weinreich setzt die Story gekonnt um. Der Roman ist hochaktuell, die Charaktere bildhaft beschrieben und eingängig. Klar und gut verständlich formuliert mit überraschendem Verlauf, was mir sehr gut gefallen hat - ein Pageturner! – ( Die internen Querelen innerhalb des Geheimdienstes hätte man vielleicht kürzen können).

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