Platzhalter für Profilbild

rflieder

aktives Lesejury-Mitglied
offline

rflieder ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit rflieder über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2024

Macht Lust auf mehr

Die Stille der Flut
0

Es gibt einige Krimis und Krimiserien, deren Handlung in Ostfriesland angesiedelt ist. Darunter eine sehr bekannte, durch die Medien meines Erachtens zu Unrecht aufgewertete Serie, von der ich nach dem ...

Es gibt einige Krimis und Krimiserien, deren Handlung in Ostfriesland angesiedelt ist. Darunter eine sehr bekannte, durch die Medien meines Erachtens zu Unrecht aufgewertete Serie, von der ich nach dem ersten von mir gelesenen Buch enttäuscht war und Abstand genommen habe. Die langweilige Verfilmung hat noch zu dieser Einschätzung beigetragen.
Dagegen gefiel mir der erste Band der geplanten Reihe der Autorinnen Anna Johannsen und Elke Bergsma wesentlich besser. Ich gewöhnte mich schnell an die Idee, die dreiunddreißig Kapitel abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Kommissarinnen Kea Siefken und Lina Lübbers zu schreiben. Sie sind die Hauptpersonen des Buchs. Kea leitet die Auricher Polizeistation, Lina hat den Auftrag, einen Maulwurf bei der Polizei zu finden, worüber selbst Kea nicht informiert wurde.
Da schon an Linas erstem Arbeitstag eine weibliche Leiche im Meer gefunden wird, muss sie mit allen Mitarbeitern und der Chefin klar kommen. Dass ist nicht leicht, weil eigentlich alle Beteiligten persönliche Probleme haben, die zu einem angespannten Betriebsklima führen. Die Auseinandersetzungen werden überwiegend in Dialogen beschrieben. Nicht ausgesprochene Gedanken sind kursiv gedruckt und sorgen trotz des ernsten Mordfalls für reichlich Humor.
Auch die Beschreibung des Umfelds des Opfers und der Tatverdächtigen ist kritisch bis amüsant.
Natürlich wird der Mordfall gelöst, die MitarbeiterInnen kommen sich persönlich näher. Nur der Maulwurf wird nicht gefunden, man soll sich schließlich auch den zweiten Band der Reihe kaufen :).

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Chancen nicht hinreichend genutzt

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
0

Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren ...

Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren von skandinavischen Medien.
Die Handlung, in der es um den Mord an zwei Jungen im Abstand von fünf Jahren geht, ist eigentlich interessant. Dass auch Kinder als Zeugen befragt werden und die Beschreibung, wie mit ihren Aussagen umgegangen wird (inwieweit sie verwertbar sind) fand ich ebenfalls gelungen.
Dennoch hat mich das Buch in vielen Belangen entttäuscht. Handlungsort ist ein kleiner südschwedischer Ort, eher eine Ansammlung einiger weniger Häuser als ein Dorf. Die Einwohner werden vom Autor Mattias Edvardsson überwiegend als leicht unterbelichtet charakterisiert und er schreibt ihnen abwechselnd positive und negative Eigenschaften zu, um alle als tatverdächtig erscheinen zu lassen. Hauptperson im Buch ist die Schutzpolizistin Gunni, mit schwieriger Sozialisation, deren Auswirkungen sehr ausführlich und nachvollziehbar beschrieben werden und sich wie ein roter Faden nicht nur durch dieses Buch ziehen, sondern vermutlich auch in den Folgebänden thematisiert werden. Warum sie als Schutzpolizistin mit den Ermittlungen in einem Mordfall beauftragt wird, kann nicht logisch nachvollzogen werden. Sie fühlt sich unsicher in einer Welt, in der sie nicht aufgewachsen ist und ist mit der Aufgabe überfordert. Sie passt auch nicht in das Ermittlerteam, das eigentlich kein Team ist und bei der Tätersuche dilettantisch vorgeht. Hinzu kommt, dass der Autor mit vielen Winkelzügen versucht, Spannung zu erzeugen und nicht zu früh auf den Täter hinzuweisen, was aber verwirrend und chaotisch wirkt.
Das Buch liest sich leicht und flüssig, doch die Charakterisierung der Menschen hat sich teilweise auf die vom Autor (oder von der Übersetzerin?) benutzte Sprache übertragen. Umgangssprache gehört m.E. in die wörtliche Rede, nicht aber in den erzählenden Text. Obwohl mich die Handlung durchaus angesprochen hat und ich auf die Auflösung gespannt war, kann ich dem Buch wegen der genannten Mängel leider nur drei komma fünf Sterne geben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Nachdenklich und amüsant

Das Geschenk
0

Der botswanische Präsident schickt als Reaktion auf das vom deutschen Bundestag beschlossene Elfenbeingesetz 20000 afrikanische Elefanten nach Berlin (wie ihm auch immer das logistisch gelungen sein mag). ...

Der botswanische Präsident schickt als Reaktion auf das vom deutschen Bundestag beschlossene Elfenbeingesetz 20000 afrikanische Elefanten nach Berlin (wie ihm auch immer das logistisch gelungen sein mag).
Auf netto nur etwa 120 Seiten beschreibt Gaea Schoeters amüsant und mit schöner flüssiger Sprache, wie sich die Anwesenheit der Elefanten auf das Land auswirkt. Dabei stehen die Tiere als Metapher für alle denkbaren Probleme und Konflikte, die Deutschland in den vergangenen beschäftigt haben und wohl auch in den folgenden Jahren beschäftigen. Schroeters beschreibt die Reaktionen der überwiegend eitlen Politikerinnen und Politiker auf die von den Elefanten hervorgerufenen Schäden, als ob es sich um eine neue Pandemie oder um Flüchtlinge handelt („wir schaffen das“). Die Angst des fiktiven Bundeskanzlers Winkler, dass sein Kontrahent Fuchs von der rechtspopulistischen Partei die nächste Wahl gewinnt. Die von persönlichen Interessen beeinflusste Konfliktbewältigung. Die Reaktion und den Einfluss der Medien. Das Verhalten der Menschen und der Interessenverbände. Letztlich wird der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten.
Eigentlich eine geniale vergnügliche Idee. Aber so absurd, dass mich das Buch irgendwie ratlos zurücklässt und für meinen Geschmack selbst 120 Seiten viel sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2025

Einer Meinung nach sind wir mehr als die Summe unserer Teile

Die Summe unserer Teile
0

Die Autorin von „Die Summe unserer Teile“, Paola Lopez, ist von Beruf Mathematikerin und hat einen starken Bezug zu technischen und naturwissenschaftlichen Themen. Das verbindet sie mit ihren drei Hauptfiguren, ...

Die Autorin von „Die Summe unserer Teile“, Paola Lopez, ist von Beruf Mathematikerin und hat einen starken Bezug zu technischen und naturwissenschaftlichen Themen. Das verbindet sie mit ihren drei Hauptfiguren, der Informatikstudentin Lucy, Lucys Mutter, die Ärztin ist und der Großmutter, die aus Polen stammt, die es aber durch die historischen Ereignisse in den Libanon geführt hat, wo sie ein Chemiestudium abgeschlossen und als Chemikerin gearbeitet hat.
Diese Grundkonstellation finde ich interessant. Besonders die Geschichte der Großmutter interessierte mich. Das Buch handelt aber mehr von der Sprachlosigkeit und den Missverständnissen zwischen diesen Frauen untereinander und ihren Männern (die nur eine Nebenrolle spielen).
Der Schreibstil ist flüssig, doch die überbordend vielen Metaphern aus dem MINT-Bereich fand ich zunächst durchaus witzig, dann aber in ihrer Anzahl total übertrieben. Beispiele: Die Großmutter ist als junge Frau schwanger. „Jetzt bin ich meine eigene Petrischale.“ Oder als sie psychische Probleme bekommt: „Die Zellen ihres Körpers werden aus ihrer gewohnten Formation gelöst.“
Ich bin der Meinung, dass sich nicht alles ausschließlich (Natur-)wissenschaftlich erklären lässt und dass die emotionale Seite in dem Buch viel zu kurz kommt. Dass die Personen ihre Konflikte nicht lösen können, hat auch mit ihrer fehlenden Bereitschaft zu tun, aufeinander zuzugehen. Dass Lucy, als sie einen jungen Polen trifft, sofort eine Beziehung mit ihm eingeht, fand ich sonderbar und nicht zu ihr passend.
Insgesamt lässt mich das Buch etwas ratlos zurück. Oder es ist so, dass es mir so geht wie den Besuchern eines Konzerts im bekannten Fernsehsketch „Hurz“ von H.P. Kerkeling, dass mir der intellektuelle Zugang zu dem Buch fehlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2025

Nicht vollständig überzeugend, aber lesenswert

Der zweite Verdächtige
0

„Der 5. Justiz-Krimi des SPIEGEL-Bestseller Duos Florian Schwieker & Michael Tsokos – das große Finale von >>Eberhardt & Jarmer ermitteln

„Der 5. Justiz-Krimi des SPIEGEL-Bestseller Duos Florian Schwieker & Michael Tsokos – das große Finale von >>Eberhardt & Jarmer ermitteln<<“ (Amazon) ist mein erster Krimi dieses Autorenpaars. Auf ca. 300 Seiten wird in 78 kurzen Kapiteln chronologisch erzählt, wie Rechtsanwalt Rocco Eberhardt den Mord an zwei Homosexuellen gegen die Vorurteile und den Widerstand der Staatsanwaltschaft, der ermittelnden Polizei, der Gerichtsmedizin (mit Einschränkung) und der Yellow Press löst. Dabei helfen ihm sein Freund Tobi (ein ehemaliger Polizist) und der Gerichtsmediziner Dr. Jarmer.
Obwohl die Story flüssig und gut nachvollziehbar geschrieben ist und die Charaktere mir gefallen, muss ich feststellen, dass ich auf den ersten 100 Seiten Mühe hatte, mich wirklich dafür zu interessieren. Eigentlich packte mich das Buch erst mit dem Beginn der Gerichtsverhandlung gegen Roccos des Mordes verdächtigen Mandanten Jan Staiger. Wegen der beruflichen Tätigkeit der Autoren verwundert es nicht, dass sie sich mit der Materie auskennen. Arg übertrieben erscheint mir aber, dass die entscheidenden Beweise der Verteidigung erst sehr spät während der Gerichtsverhandlung gesucht und gefunden werden. Die Rolle des ermittelnden Kommissars Berger überzeugt mich auch nicht wirklich. Unklar bleibt, wer die beiden Homosexuellen wirklich ermordet hat (widersprüchliche Angaben auf den Seiten 261 und 299). Das Ende ist überraschend und bleibt in meinen Augen teilweise offen, so dass ich einen weiteren Teil der Reihe nicht ausschließen mag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere