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Veröffentlicht am 16.04.2026

Lieblingsbuch und Jahreshighlight

Pina fällt aus
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Wie so oft war meine Freundin schuld, aber ich bin ihr ehrlich dankbar dafür. Sie kennt meinen Geschmack inzwischen erschreckend gut und als sie mir dieses Buch gezeigt ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Wie so oft war meine Freundin schuld, aber ich bin ihr ehrlich dankbar dafür. Sie kennt meinen Geschmack inzwischen erschreckend gut und als sie mir dieses Buch gezeigt hat, war für mich sofort klar, das muss ich lesen. Ohne großes Zögern, ohne Zweifel.

🧠 Meine Meinung:

Pina liegt auf der Intensivstation, gefangen in ihrem eigenen Körper, unfähig zu sprechen oder zu handeln und doch bekommt man ihre Gedanken mit. Dieses Gefühl, da zu sein und trotzdem nichts tun zu können, hat mich sofort berührt. Ich kenne solche Geschichten aus Erzählungen meiner Mama, die im Koma lag und genau davon danach erzählt hat. Diese Erinnerungen wurden hier wieder wach, dieses Ausgeliefertsein, diese Hilflosigkeit, sodass es mich ziemlich ergriffen hat.
Dieses Buch hat mich so berührt, dass es sich mitten in mein Herz gesetzt und verankert hat.
Die Figuren sind so lebendig, so echt, dass ich sie nicht nur gelesen, sondern gefühlt habe. Besonders Leo. Ich kann kaum in Worte fassen, was dieser Charakter bei mir ausgelöst hat. Es wird nie klar benannt, was genau „anders“ ist (Hinweise auf Autismus) aber genau das ist so stark. Es spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass er Hilfe braucht. Und dass da plötzlich Menschen sind, die anfangen hinzusehen.
Diese Entwicklung innerhalb der Hausgemeinschaft hat mich zutiefst bewegt. Aus Distanz wird Nähe, aus Gleichgültigkeit wird Verantwortung. Und das alles so ehrlich, so unaufgeregt natürlich und gleichzeitig so kraftvoll erzählt, dass mir mehr als einmal die Tränen gekommen sind.
Bei einer Szene musste ich an das Lied „Rufe Teddybär 1-4“ denken, dieses Gefühl, wenn Menschen plötzlich zusammenkommen, einfach weil jemand sie braucht. Genau das passiert hier. Und es hat mich jedes Mal aufs Neue überwältigt.
Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist seine Botschaft. Hinschauen, nicht wegsehen. Menschlich sein. Es klingt so simpel, aber genau darin liegt die ganze Wucht dieser Geschichte. Wie schön wäre es, wenn es überall eine Hansastraße gäbe, dessen Bewohner so handeln wie hier. Bedingungslose Alltagshelden.
Ich bin verliebt. In diese Geschichte, in diese Figuren, in das, was sie auslösen. Und ich weiß jetzt schon, dass ich dieses Gefühl nicht so schnell loslassen werde.

✅️ Fazit:

„Pina fällt aus“ ist für mich weit mehr als nur ein berührender Roman, es ist eine Geschichte über das Auffangen, wenn jemand fällt. Darüber, dass ein Ausfall nicht nur Leere hinterlassen muss, sondern auch etwas Neues entstehen kann.
Für mich hat dieses Buch meine höchste Auszeichnung Prädikat Lieblingsbuch und seinen Platz in meinen Jahreshighlights 2026 mehr als verdient.

P.S. Da ich gelesen habe, dass die Mama von Vera Zischke alle Rezensionen liest, geht dieser Gruß an Sie. Ich bin unglaublich begeistert von Pina, Leo und all den anderen liebgewonnenen Figuren, die Ihre Tochter erschaffen hat. Diese Geschichte hat mich tief berührt und wird noch lange in mir nachklingen.

🔎 Worum geht’s?

Pina bricht plötzlich zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Ihr größter Gedanke gilt ihrem Sohn Leo, der vollkommen auf sie angewiesen ist. Leo lebt in seiner eigenen Welt, mit festen Routinen und Bedürfnissen, die bisher nur seine Mutter wirklich versteht. Während Pina ausfällt, stehen plötzlich die Nachbarn vor einer Verantwortung, der sie sich eigentlich nicht gewachsen fühlen. Doch nach und nach wächst aus einer zufälligen Hausgemeinschaft etwas, womit niemand gerechnet hätte.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Zum Wohlfühlen

Ein Zuhause im Frühling
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Schon die Romance-Escape-Reihe von Julie Caplin hat mich total begeistert. Dieses Gefühl, beim Lesen in andere Orte zu reisen, hat mich einfach gepackt. Diesmal geht ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Schon die Romance-Escape-Reihe von Julie Caplin hat mich total begeistert. Dieses Gefühl, beim Lesen in andere Orte zu reisen, hat mich einfach gepackt. Diesmal geht es aber nicht in pulsierende Metropolen, sondern aufs Land nach Wilsgrave. Eine neue Reihe die richtige Country-Escape-Stimmung versprüht, und genau diese kleine Auszeit wollte ich unbedingt erleben.

🧠 Meine Meinung:

Ich sag’s, wie es ist, ich habe mich richtig wohlgefühlt mit diesem Buch. Dieses Dorf, die Menschen, das ganze Setting, es hatte für mich total den Gilmore Girls-Vibe. Jeder kennt jeden, alle sind ein bisschen schrullig, aber gleichzeitig einfach liebenswert. Genau mein Ding.
Ella wirkt am Anfang vielleicht nicht sofort sympathisch, aber das hat mich überraschend wenig gestört. Vielleicht, weil Tess, dieser wundervolle Labrador,  sofort mein Herz erobert hat, der nun an ihrer Seite ist. Und dann ist da noch Bets. Unkompliziert, warmherzig und genau die Art von Charakter, die Leichtigkeit in die Geschichte bringt.
Was mir besonders gefallen hat, es gibt Drama, ja, aber eben genau in der richtigen Dosis. Keine übertriebenen Konflikte, kein unnötiges Hin und Her, das alles kaputtmacht. Stattdessen echte Entwicklungen, kleine Höhen und Tiefen und Figuren, die wachsen dürfen.
Einziger kleiner Kritikpunkt, das Ende ging mir persönlich zu schnell. Ich war einfach noch nicht bereit, Wilsgrave zu verlassen, zumal ein paar Fragen für mich offen blieben. Gerne hätte ich noch ein paar Seiten länger in diesem Cottage gesessen, Ella beim Malen zugeschaut, mit Tess und Devon spazieren gegangen und die Dorfbewohner getroffen.

✅️ Fazit:

Ein charmantes, warmherziges Wohlfühlbuch mit viel Herz, liebenswerten Charakteren und einer Atmosphäre, in der man sich sofort zuhause fühlt. Kleine Schwächen hin oder her, ich wollte eigentlich gar nicht, dass es endet.
Und ganz ehrlich, die Vorfreude auf den nächsten Band „Ein Wiedersehen im Sommer“ ist jetzt schon riesig. (ET Mai' 26)

🔎 Worum geht’s?

Die Londoner Illustratorin Ella steckt mitten in einer Krise. Ihr Leben in der Großstadt, ihre komplizierte Beziehung und ihre kreative Blockade setzen ihr zu. Da kommt die Gelegenheit gerade recht. Für ein halbes Jahr darf sie das Cottage ihrer Tante in einem kleinen englischen Dorf hüten.
In Wilsgrave angekommen, erwartet sie jedoch mehr als nur Ruhe und Selbstfindung. Ein aufgeweckter Labrador namens Tess stellt ihr Leben ordentlich auf den Kopf, und auch der eher mürrische Tierarzt Devon sorgt für unerwartete Begegnungen. Während Ella sich langsam im Dorf einlebt, entdeckt sie nicht nur die Schönheit der ländlichen Idylle, sondern auch neue Seiten an sich selbst und vielleicht sogar an ihrem Herzen.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Wieder begeistert

Was wir nicht sagen können
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Ich glaube, diese Frage stellt sich bei mir inzwischen gar nicht mehr wirklich. Ein Buch von Adriana Popescu bedeutet für mich automatisch lesen. Ich bin seit Jahren ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Ich glaube, diese Frage stellt sich bei mir inzwischen gar nicht mehr wirklich. Ein Buch von Adriana Popescu bedeutet für mich automatisch lesen. Ich bin seit Jahren ein riesiger Fan ihrer Jugendbücher, weswegen sie für mich zur absoluten Pflichtlektüre gehören. Ich liebe ihre Art zu schreiben, ihre Figuren, ihre Themen.
Dieses Buch war allerdings besonders. Es ist ihr letztes Jugendbuch und genau deshalb war die Vorfreude dieses Mal mit einer spürbaren Wehmut verbunden. Nach 11 Jahren endet eine Ära, die mich als Leserin stark geprägt hat.

🧠 Meine Meinung:

Ich war sofort wieder drin. Genau dieses Gefühl, das ich von der Autorin so gut kenne. Ankommen, eintauchen, Figuren kennenlernen und direkt Lieblinge finden. Lennox, Katharina und auch Jesper haben mein Herz im Sturm erobert.
Was ich an den Jugendbüchern von Adriana Popescu immer besonders schätze, ist die Tiefe. Jede Figur bringt ihre eigene Geschichte, inklusiver eigenen Kämpfe mit. Selbst vermeintlich unsympathische Charaktere wie Dexter haben mehr Facetten, als man zunächst glaubt. Dadurch wirkt alles unglaublich nahbar und echt.
Besonders gelungen fand ich, wie lange Lennox’ Hintergrund im Verborgenen bleibt. Diese Spannung, dieses langsame Enthüllen und gleichzeitig das Entsetzen darüber, je mehr man versteht. Das hat mich wirklich gepackt. Auch Katharinas Geschichte und ihre moralischen Konflikte haben das Ganze noch intensiver gemacht.
Das Setting am Genfersee in einem Schweizer Eliteinternat hat starke Vibes wie die Serie Maxton Hall. Nur hatte ich hier noch stärker das Gefühl, etwas sehr Reales zu lesen. Eine Geschichte, die genau so passiert sein könnte.
Thematisch trifft das Buch wieder mitten ins Herz. Trauma, Panikattacken, äußerer Druck, Selbstfindung, um ein paar Punkte zu nennen. Genau diese Mischung macht für mich den Reiz aus. Es sind wichtige Themen, die nicht beschönigt werden und zum Nachdenken anregen. Ehrlich gesagt, würde mir wünschen, solche Bücher wären häufiger Schullektüre.
Und dann dieses Ende. Ich wusste lange nicht, wie die Autorin diese scheinbare Ausweglosigkeit auflösen will. Aber sie hat es geschafft und das auf eine Weise, die sich nicht künstlich anfühlte, sondern Hoffnung gibt. Keine klassische Lovestory, sondern etwas viel Echteres. Ich war glücklich und gleichzeitig hatte ich einen Kloß im Hals.
Dass mit diesem Buch auch ihre Jugendbuch-Ära endet, hat mich wirklich getroffen. Ihre letzten Worte in der Danksagung haben das Ganze noch emotionaler gemacht.

✅️ Fazit:

Eine wunderschöne, emotionale Coming-of-Age-Geschichte voller Tiefe, wichtiger Themen und echter Gefühle. Adriana Popescu beweist ein letztes Mal, warum ich ihre Jugendbücher so liebe und verabschiedet sich mit einem Werk, das nachhallt.

🔎 Worum geht’s?

In Was wir nicht sagen können geht es um Lennox, der für sein letztes Schuljahr an ein Eliteinternat in der Schweiz wechselt, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Niemand soll erfahren, wer er wirklich ist. Dort trifft er auf Katharina, eine talentierte Pianistin, die selbst unter großem Druck steht.
Zwischen beiden entwickelt sich eine vorsichtige Verbindung, doch Geheimnisse, innere Kämpfe und äußere Erwartungen stehen ihnen im Weg. Gemeinsam müssen sie herausfinden, was es bedeutet, ehrlich zu sich selbst zu sein und was im Leben wirklich zählt.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Helen Merlin bleiben positiv im Erinnerung

Eine Maus namens Merlin
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Wieder einmal ist meine Freundin schuld. Sie versorgt mich zuverlässig mit neuen Buchideen. Als sie mir „Eine Maus namens Merlin“ von Simon van Booy gezeigt hat, war ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Wieder einmal ist meine Freundin schuld. Sie versorgt mich zuverlässig mit neuen Buchideen. Als sie mir „Eine Maus namens Merlin“ von Simon van Booy gezeigt hat, war sofort klar, das muss ich vorbestellen, damit es direkt zum Erscheinungstermin bei mir einzieht. Und als dann auch noch Jojo Moyes meinte, wer Freude am Lesen haben möchte, sollte dieses Buch kaufen, na ja, was soll ich sagen 🤷🏻‍♀️🤣,
kaum war es da, habe ich direkt neugierig danach gegriffen.

🧠 Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch wirklich sehr ins Herz geschlossen. Helen ist eine unglaublich tolle Buchfigur, eine Frau, die vom Leben gezeichnet ist. Nach und nach erfährt man mehr über ihre Vergangenheit, versteht ihre Entscheidungen, ihre Trauer und auch, warum ihr der Lebensmut abhandengekommen ist. Genau dieses langsame Enthüllen hat mich sehr berührt.
Und dann ist da Merlin. Diese kleine Maus ist so viel mehr als nur ein Tier, sie ist Auslöser, Symbol und irgendwie auch stiller Held der Geschichte. Natürlich möchte ich im echten Leben keine Maus im Haus haben 😅, aber hier konnte ich gar nicht anders, als Liebe und Mitgefühl zu empfinden.
Was ich besonders stark fand, Merlin ist nicht einfach nur „niedlich“, sondern gibt Helen wieder eine Aufgabe, Verantwortung, Struktur, eben ein kleines Stückchen Sinn. Diese Idee, eine Maus als Wendepunkt im Leben einer so einsamen Frau zu nutzen, fand ich unglaublich schön.
Ich hatte mir die Geschichte anfangs zwar ein wenig anders vorgestellt, vor allem in Bezug auf die Rolle von Merlin, aber ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Auch die Kürze des Buches (man fliegt wirklich durch die Seiten) hat dazu geführt, dass ich mir an manchen Stellen einfach nur noch ein bisschen mehr Zeit gewünscht hätte. Aber gleichzeitig passt genau diese Leichtigkeit auch zur Erzählweise und macht das Buch sehr kurzweilig und zugänglich.
Denn am Ende bleibt für mich etwas ganz anderes hängen, eine warme, tiefgehende Geschichte mit zwei absolut besonderen Charakteren. Helen und Merlin funktionieren eben nur zusammen und genau das macht ihre Verbindung so einzigartig und berührend.
Die Themen rund ums Älterwerden, Einsamkeit, Trauer, aber auch Freundschaft und neue Lebensperspektiven wurden so feinfühlig umgesetzt, dass ich das Buch am liebsten gar nicht aus der Hand legen wollte.

✅️ Fazit:

Eine ruhige, berührende und besondere Geschichte über das Leben und darüber, dass es manchmal die kleinsten Begegnungen sind, die alles verändern.
Helen und Merlin werde ich so schnell nicht vergessen. 🐭💛

🔎 Worum geht’s?

Nach vielen Jahrzehnten in Australien kehrt Helen Cartwright, inzwischen 83 Jahre alt, in ihren englischen Heimatort zurück. Dort lebt sie zurückgezogen und beinahe schon wartend auf das Ende. Doch dann taucht völlig unerwartet eine kleine Maus in ihrem Leben auf. Merlin.
Was zunächst als Störung beginnt, entwickelt sich langsam zu etwas ganz anderem und bringt Helen nicht nur aus ihrer Routine, sondern auch wieder ein Stück näher zu sich selbst und zu den Menschen um sie herum.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Sehr authentisch

Alt genug
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Mit den Büchern von Ildikó von Kürthy habe ich mich schon oft erstaunlich gut aufgehoben gefühlt. Ihre Mischung aus Selbstironie, Ehrlichkeit und diesen kleinen, entlarvenden ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Mit den Büchern von Ildikó von Kürthy habe ich mich schon oft erstaunlich gut aufgehoben gefühlt. Ihre Mischung aus Selbstironie, Ehrlichkeit und diesen kleinen, entlarvenden Alltagsbeobachtungen sorgt bei mir regelmäßig dafür, dass ich mich ertappt fühle und manchmal sogar über mich selbst lachen muss.
Auch diesmal war meine Neugier groß. Außerdem kenne ich ihre Offenheit aus ihren öffentlichen Auftritten (Habe schon mal mit ihr zusammen gekocht) und ihrem Instagram-Account. Ob Besuch auf dem Wacken-Festival oder die Teilnahme bei GNTM, sie probiert Dinge aus, die man vielleicht nicht unbedingt mit einer Frau jenseits der 50 verbindet. Genau diese Mischung aus Mut, Selbstzweifel und Humor macht sie für mich so spannend.
Und ehrlich gesagt, als Teil der Generation X fühle ich mich hiermit ohnehin angesprochen.

🧠 Meine Meinung:

Dieses Buch hat bei mir sofort etwas ausgelöst. Ein zustimmendes Nicken, ein Schmunzeln und manchmal auch einen dicken Kloß im Hals.
Schon früh im Buch gibt es eine Stelle, die zeigt, warum diese Aufzeichnung wichtig ist.

„𝐔𝐧𝐝 𝐝𝐞𝐬𝐰𝐞𝐠𝐞𝐧 𝐬𝐚𝐠𝐞 𝐢𝐜𝐡, 𝐰𝐚𝐬 𝐢𝐜𝐡 𝐟ü𝐡𝐥𝐞, 𝐰𝐞𝐢𝐥 𝐢𝐜𝐡 𝐰𝐞𝐢ß, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐢𝐦𝐦𝐞𝐫 𝐢𝐫𝐠𝐞𝐧𝐝𝐰𝐨 𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐅𝐫𝐚𝐮 𝐳𝐮𝐡ö𝐫𝐭, 𝐝𝐢𝐞 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐯𝐞𝐫𝐬𝐭𝐞𝐡𝐭 …“

That's me!
Ich hatte ständig das Gefühl, ja, genau so ist es!
Viele Gedanken, die sie beschreibt, kenne ich selbst. Und manchmal ist es fast erleichternd, diese Gefühle von außen zu betrachten, denn in der Situation selbst ist man vielleicht frustriert oder beleidigt. Beim Lesen dagegen kann man darüber schmunzeln. Und plötzlich setzt sich das Gedankenkarussell der Selbstreflexion in Bewegung.
Besonders berührt hat mich, wie sehr sich mein eigenes Leben in ihren Büchern spiegelt. Schon in ihrem Roman Es wird Zeit gab es erstaunliche Parallelen zu meiner eigenen Geschichte. (Namensvetterin, Mutter gleicher Name, auch verstorben, selbst der Wellensittich hieß Kasimir, wie unserer, u.v.m) Und auch hier in Alt genug tauchen wieder Momente auf, die sich anfühlen, als hätte jemand in meine Erinnerungskiste geschaut.
Ich habe das gleiche Alter und freunde mich mehr und mehr damit an. Doch gleichzeitig stecke ich mitten in diesem Wandel, Kinder sind aus dem Haus, kleine körperliche Wehwehchen melden sich gelegentlich, die Wechseljahre sind im vollem Gange und plötzlich hat man mehr Freiheit als früher.
Und genau darin liegt die Ambivalenz. Zwischen Alt genug ist es auch noch zu früh.
Man ist angekommen und fühlt sich doch noch nicht ganz dort.
Das Buch beschreibt diese Zwischenphase unglaublich ehrlich. Es verschweigt nichts. Krankheiten, Depressionen, Abschiede, Verluste und trotzdem ist die Stimmung nicht düster. Im Gegenteil. Gerade weil die Autorin sich selbst nicht schont und ihre Gedanken manchmal bewusst überspitzt, entstehen viele humorvolle Momente.
Ich habe beim Lesen gelacht, manchmal laut, aber ich habe auch geweint.
Denn manche Stellen holen einen ein. Erinnerungen, Gefühle, Situationen, die man vielleicht längst weggeschoben hatte.
Besonders gefällt mir die Botschaft, die zwischen den Zeilen mitschwingt.
Mit über fünfzig darf man ehrlicher werden. Freier. Vielleicht sogar ein bisschen egoistischer. Man muss nicht mehr alles kaschieren, weder graue Haare noch Gefühle.
Natürlich gelingt das nicht immer sofort. Auch für die Autorin ist es noch ein Lernprozess. Aber gerade diese Unperfektheit macht das Buch so authentisch.

✅️ Fazit:

Alt genug ist ein ehrliches, warmes und gleichzeitig sehr unterhaltsames Buch über das Älterwerden, besonders für Frauen der Generation X.
Ildikó von Kürthy schreibt offen über Zweifel, Veränderungen und Verluste, aber auch über Mut, Freiheit und die leise Erkenntnis, dass man nicht mehr alles im Leben erfüllen muss.
Ein Buch zum Lachen, zum Nachdenken und manchmal auch zum Weinen. Vor allem aber eines, das zeigt, mit all unseren Ängsten, Fragen und kleinen Lebenskrisen sind wir nicht allein.
Und genau deshalb hat mich dieses Buch so begeistert.

🔎 Worum geht’s?

Alt genug ist kein Roman, sondern ein Memoir, ein persönlicher Einblick in das Leben und die Gedankenwelt der Autorin.
Ildikó von Kürthy erzählt vom Älterwerden, vom Reifen, vom Scheitern und davon, sich selbst immer wieder neu zu begegnen. Sie schreibt darüber, was es bedeutet, in der sogenannten Lebensmitte anzukommen,  einem Alter, das heute gerne mit dem hübschen Begriff „Bestager“ geschmückt wird.
Doch so glänzend dieser Begriff klingt,  auch das „beste Alter“ bringt Unsicherheiten, Zweifel und körperliche Veränderungen mit sich. Zwischen Wechseljahren, kleinen Wehwehchen, politischen Sorgen, Verlusten und neuen Freiheiten stellt sich die Frage: Wer bin ich eigentlich jetzt und wer möchte ich noch werden?
Mit viel Humor, Selbstironie und Offenheit berichtet die Autorin von ihren eigenen Versuchen, Erwartungen loszulassen, mutiger zu werden und sich weniger darum zu kümmern, was andere denken.

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