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Veröffentlicht am 18.03.2021

Eine aufwühlende Familiengeschichte im Zeichen der deutsch-deutschen Teilung

Geteilte Träume
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Berlin im Jahr 1992 - Ingke ist in der DDR geboren und von einer liebenden Familie behütet aufgewachsen. Eine junge, lebenslustige Frau, die kurz vor dem Abitur steht. Aber sie macht sich Sorgen um ihre ...

Berlin im Jahr 1992 - Ingke ist in der DDR geboren und von einer liebenden Familie behütet aufgewachsen. Eine junge, lebenslustige Frau, die kurz vor dem Abitur steht. Aber sie macht sich Sorgen um ihre Mutter Maren, die an Leukämie erkrankt ist und dringend eine Stammzellenspende braucht.

Natürlich möchte Ingke ihr mit allen Mitteln helfen und läßt sich, gegen den Willen ihres Vaters Kelle, als mögliche Stammzellenspenderin registrieren. Dann der Schock für Ingke: Maren und Kelle sind nicht ihre leiblichen Eltern. Kelle erklärt ihr, dass Maren und er Ingke adoptiert haben, nachdem sie ihrer Mutter nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR weggenommen worden war.

Ingke fühlt sich verraten, weiß von einem Moment auf den anderen nicht mehr wo sie hingehört, denn scheinbar jedes Mitglied ihrer Adoptivfamilie wußte davon - nur sie nicht. Wer sind ihre leiblichen Eltern? Was wurde aus Ihnen?

Sie begibt sich auf die Suche und erhält bereitwillig Auskunft von nahezu allen Mitgliedern ihrer Adoptivfamilie. Ein Streifzug durch die Geschichte ihrer beiden Familien beginnt, der maßgeblich durch die DDR und die dort herrschende Gesellschaftsform geprägt wurde.

Jedes Familienmitglied hat seine eigenen Erfahrungen mit der DDR gemacht - teils schön, teils schrecklich, teils grausam. Jeder erzählt freimütig seine persönliche Geschichte, damit Ingke versteht, wie es zu all dem kommen konnte...

Der Autorin Ulla Mothes ist es mit "Geteilte Träume" gelungen, eine spannende Familiengeschichte vor dem Hintergrund der deutsch-deutschen Teilung zu schreiben, die auf vielfältige und außergewöhnliche Art und Weise berührt.

Während der Lektüre wechseln sich heitere Abschnitte mit grausamen, unfassbar ungerechten und erschütternden Abschnitten ab. Der Leser wird auf eine aufrüttelnde emotionale Achterbahnfahrt geschickt, die auch Ingke in dem Buch hautnah erlebt.

Ulla Mothes' anschauliche Erzählweise fesselt den Leser und läßt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Autorin weiß wovon sie schreibt.

"Geteilte Träume" erzählt die Geschichte einer Frau, die plötzlich scheinbar verloren zwischen zwei Familien mit zwei gegensätzlichen Geschichten steht, dann aber so viel Liebe und (späte) Ehrlichkeit erfährt, dass am Ende doch alles gut werden kann.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Ein bekannter Krimiautor stirbt auf dieselbe Art wie der Protagonist in seinem letzten Buch

Mord vor Publikum
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In seinem mittlerweile neunten St. Tropez- Krimi entführt Luc Winger die Leser wieder an die französische Riviera der 1970er Jahre. Die hochkompetente und sympathische Commissaire Lucie Girard ermittelt ...

In seinem mittlerweile neunten St. Tropez- Krimi entführt Luc Winger die Leser wieder an die französische Riviera der 1970er Jahre. Die hochkompetente und sympathische Commissaire Lucie Girard ermittelt in ihrer unnachahmlichen Art diesmal in einem Mordfall in der Schriftsteller-Szene.


Der erfolgreiche, aber auch exzentrische Krimi-Autor Gaston Peroux wird während einer öffentlichen Lesung vor über hundert Fans auf der Bühne offenbar Opfer eines Mordanschlags. Das perfide daran - der Anschlag wird in seine neuen Buch "Tod eines Schriftstellers" auf nahezu identische Art beschrieben.


Commissaire Lucie Gerard beginnt mit den Ermittlungen und stößt in ein Wespennest möglicher Verdächtiger, die alle einen Grund gehabt hätten, den alternden Autor mit dem schwierigen Charakter zu töten. Und dann passieren weitere Verbrechen...


Dem Autor Luc Winger gelingt es auch diesmal wieder mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit, seine Hauptfigur Lucie Girard in einem verworrenen Fall den Überblick behalten und mit sicherer Kombinationsgabe die richtigen Schlüsse ziehen zu lassen. Die angenehm zu lesende Erzählweise und die tollen Beschreibungen des Umfelds lassen den Leser schnell komplett in den Fall eintauchen und machen von Seite zu Seite neugieriger auf die Auflösung. Der Spannungsbogen wird über die gesamte Story hinweg hochgehalten - die Auflösung ist stimmig und sehr gut nachvollziehbar.


Erneut ein Krimi-Highlight des Erfolgsduos Luc Winger/Lucie Girard, das nicht nur frankophilen Lesern Spaß machen dürfte. Besonders das Zurückversetzen in die 1970er Jahre mit mechanischen Schreibmaschinen, alten Automodellen und ohne Handy- oder Computernutzung ist immer wieder ein lesenswertes Abenteuer.


Von mir kann es nur fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben.

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Veröffentlicht am 23.01.2021

Spannender Allgäu-Krimi mit sehr sympathischer Hauptperson

Magdalena Sonnbichler
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Der Schauplatz: das winterliche Allgäu in der Weihnachts- und anschließenden Fasnet-Zeit. Eine wunderschöne Gegend - wären da nicht die rätselhaften Todesfälle unter Obdachlosen und Giftanschläge auf diversen ...

Der Schauplatz: das winterliche Allgäu in der Weihnachts- und anschließenden Fasnet-Zeit. Eine wunderschöne Gegend - wären da nicht die rätselhaften Todesfälle unter Obdachlosen und Giftanschläge auf diversen Märkten der Gegend.

Magdalena „Leni“ Sonnbichler, eine sympathische Frau mit vielen Facetten und Begabungen, die ihren Platz im Leben nochmal neu definieren möchte, ist gerade erst in ihr Elternhaus auf dem Sonnbichlerhof zurückgekehrt, da ist sie schon mittendrin in den rätselhaften Geschehnissen in der Gegend rund um Wangen im Allgäu.



Mit ihrem Talent, oft zur richtigen Zeit am falschen - oder auch richtigen - Ort zu sein, sowie ihren übersinnlichen Fähigkeiten erregt sie den Argwohn (hat sie was mit den Verbrechen zu tun?) in Teilen der örtlichen Polizei, aber auch das Interesse an einer Zusammenarbeit. Welche Rolle spielen die Ereignisse in der Vergangenheit, was hat eine junge Landstreicherin damit zu tun? Die Geschichte wird von Seite zu Seite spannender und verdichtet sich schließlich bis zu einem starken Finale.



Der Autorin Alexandra Scherer ist mit dem zweiten „Magdalena Sonnbichler-Buch“ ein sehr lesenswerter Krimi mit viel Lokalkolorit gelungen. Sie bringt dem Leser nicht nur eine gut erzählte, spannende und vielschichtige Kriminalgeschichte näher, sondern versteht es mit ihren bildhaften und detailreichen Beschreibungen auch die Besonderheiten des Landstrichs und des lokalen Brauchtums herauszustellen.

Die Geschichte ist sehr realitätsnah erzählt, die eingeflochtenen Gespräche im lokalen Dialekt, die aber auch für „Nordlichter“ wie mich problemlos verständlich sind, machen das Buch nur noch glaubwürdiger. Leni ist eine sehr sympathische Hauptperson, die schrullige Angewohnheiten mit scharfem Verstand und einem großen Herz vereint.



Ich habe mich von „Magdalena Sonnbichler - Eiskalter Tod“ hervorragend unterhalten gefühlt und deshalb kann es von mir nur eine Wertung geben: fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Vielschichtig und unterhaltsam - eine etwas andere Liebesgeschichte

Villa Rivolta
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Der Roman „Villa Rivolta“ des Bestseller-Autors Daniel Speck ist ein vielschichtiges Werk, das auf über 600 meist interessanten und sehr unterhaltsamen Seiten in erster Linie auf der Freundschaft der beiden ...

Der Roman „Villa Rivolta“ des Bestseller-Autors Daniel Speck ist ein vielschichtiges Werk, das auf über 600 meist interessanten und sehr unterhaltsamen Seiten in erster Linie auf der Freundschaft der beiden Hauptprotagonisten Valeria und Piero fußt. Neben der Hauptstory-Line ergeben sich im Verlauf aber viele unterschiedliche Themenschwerpunkte, die für den Leser mal mehr, mal weniger interessant sind, insgesamt aber zum runden Gesamtbild des Buches beitragen. Das Gesamtbild ist eine breitgefächerte Gesellschaftsstudie des Italiens der 1950er/60er Jahre und den Auswirkungen bis ins Heute hinein.

Valeria lernt Piero kennen, als ihre Mutter nach dem Tod ihres Mannes/Valerias Vaters bei Pieros Eltern als Haushaltshilfe unterkommt. Sie ziehen in ein kleines Zimmer in der pompösen Villa Rivolta und es entwickelt sich schnell eine Freundschaft zwischen den fast gleichaltrigen Kindern. Piero entstammt allerdings der erfolgreichen Unternehmerfamilie Rivolta, die sich auf die Produktion von hochwertigen Fahrzeugen spezialisiert hat und einer der wichtigsten Arbeitgeber mit großem Einfluss in der Region ist, so dass die gesellschaftlichen Unterschiede eigentlich von Anfang an - gerade zur damaligen Zeit - nahezu unüberbrückbar scheinen.

Der Autor erzählt vom Kennenlernen der Kinder, von der Entwicklung einer tiefen Freundschaft, vom gemeinsamen Erwachsenwerden und später auch, als die vorgezeichneten Lebenswege zweier aus unterschiedlichen Kreisen stammenden Menschen sich mehr und mehr voneinander entfernen, von Trennung und Sehnsucht. Trotzdem bleibt die Freundschaft bestehen - und ein Familiengeheimnis verstärkt die Bindung zwischen den Protagonisten nochmal um ein Vielfaches.

Daniel Speck versteht es in „Villa Rivolta“ die Familiengeschichten von Valeria und den Rivoltas ebenso unterhaltsam wie einfühlsam zu erzählen. Er kombiniert die Hauptlinie mit vielen „Ausflügen“ in andere Themenbereiche, wie die italienischen Partisanengruppen Ende der 1950er Jahre, die Bedeutung von Familienbetrieben für ganze Dorfgemeinschaften, die Pflicht zum technischen Fortschritt und die betriebswirtschaftliche Stabilität solcher Betriebe in diesen Zeiten, ebenso wie die emotionalen Wirkungstreffer, die die Protagonisten im Laufe der Jahre treffen, sowie die schweren Aufgaben, denen sie sich stellen (müssen).

Insgesamt erzählt Daniel Speck in „Villa Rivolta“ eine umfangreiche Geschichte sehr unaufgeregt und angenehm ruhig. Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Hart und grausam, aber auch mutig und kämpferisch

TINTE und SCHWERT
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Das Buch "Tinte und Schwert. Verwandlung" von Matthias Soeder bietet in Roman-Form einen eindrucksvollen und sehr bildgewaltigen Einblick in die grausame Zeit des 30-Jährigen Krieges.

Im Jahr 1618 möchte ...

Das Buch "Tinte und Schwert. Verwandlung" von Matthias Soeder bietet in Roman-Form einen eindrucksvollen und sehr bildgewaltigen Einblick in die grausame Zeit des 30-Jährigen Krieges.

Im Jahr 1618 möchte der junge Jacob Wolffen sein Leben der Kirche widmen und als Priesteranwärter die Hilfe für andere Menschen in diesen schwierigen Zeiten in den Mittelpunkt seines Schaffens stellen. Das er damit ausgerechnet in Zeiten der immer größer werdenden Aggressionen der Glaubensrichtungen Katholizismus und Protestantismus diesen Weg einschlägt ist ihm anfänglich gar nicht bewusst. Das ändert sich schlagartig, als beinahe seine gesamte Familie vom grausamen Leutnant von Hohenfels getötet wird. Jacob selber wird zum Dienst in der Gefolgschaft des für die Protestanten kämpfenden Adeligen gezwungen und erkennt seine Bestimmung, die ihn in einen Zwiespalt zwischen christlichem Glauben und Blutrache führt.

Der Autor Matthias Soeder erzählt anschaulich, teils an wahren, überlieferten Begebenheiten orientiert, teils mit künstlerischer Freiheit fiktiv entwickelt, die brutalen Lebensbedingungen, die im 17. Jahrhundert für lange Zeit das Leben der Menschen bestimmt und tausende Unschuldige in en Tod geführt haben. Er erzählt aber auch von der Hoffnung auf Gerechtigkeit und List, die zum Erreichen dieser Gerechtigkeit nötig sein kann.

"Tinte uns Schwert. Verwandlung" ist sehr gut lesbar und entführt den Leser in dunkle Zeiten. Das Buch macht Lust auf die hoffentlich bald kommenden Fortsetzungen.

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