Ein leiser Aufbruch
Zugvögel wie wirZugvögel wie wir von Julia Dibbern ist eine Roman über Eva, eine Frau, die dringend einen Neuanfang im Leben braucht. Ihre Ehe ist gescheitert, von ihrer Tochter hat sie sich entfremdet und der Traum, ...
Zugvögel wie wir von Julia Dibbern ist eine Roman über Eva, eine Frau, die dringend einen Neuanfang im Leben braucht. Ihre Ehe ist gescheitert, von ihrer Tochter hat sie sich entfremdet und der Traum, eine Musikerin zu werden, ist schon vor Jahren geplatzt.
Ein Urlaub bei einer Freundin bringt die Wende. Sie findet einen verletzten Kranich und entscheidet spontan, dem Weg der Kraniche nach Frankreich zu folgen. Es beginnt ein Roadtrip der besonderen Art, ausgerüstet nur mit einem älteren Fahrrad und null Erfahrung, macht sich Eva auf den Weg.
Der Schreibstil von Julia Dibbern ist ruhig, aber einfühlsam. Die Kraniche stehen in diesem Roman für den Weg, den sie einschlagen muss. Weg von ihrer jetzigen Situation, die alte Eva wiederfinden. Kilometer für Kilometer begleiten wir Eva und erleben mit, wie sich ihre Gedankenwelt verändert, sie auf andere Menschen zugeht, deren Sicht der Dinge zulässt. Die Beschreibungen der Natur und die Begegnungen mit den Kranichen sind von der Autorin toll eingefangen.
Unterbrochen wird die Erzählung durch Textpassagen, deren Hintergrund sich später auflöst und einen Schriftwechsel mit ihrer Tochter.
Wir erfahren im Laufe des Buches, wie Eva an diesen Punkt im Leben gekommen ist und was das Verhältnis zu ihrer Tochter so beschädigt hat. Und hier setzt auch mein Kritikpunkt an. Ich hätte mir von der Figur Eva mehr Selbstreflektion gewünscht. So bleibt ihr Charakter leider etwas blass.
Was mir hervorragend gefallen hat, der Roman hat ein offenes Ende. Es bleibt dem Leser selbst überlassen, über den Fortgang der Handlung nachzudenken. Für mich ist das absolut stimmig und passt zu dem Inhalt des Buches.
Insgesamt ein Buch, das ich gerne gelesen habe und auch weiter empfehle.