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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2026

Hinter den Kulissen

The Dirty Version
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„The Dirty Version“ ist eine unterhaltsame Romcom der zwischen zwischen Singapur und Washington State lebenden Autorin Turner Gable Kahn.

Tash hat einen feministischen, dystopischen Zukunftsroman - „The ...

„The Dirty Version“ ist eine unterhaltsame Romcom der zwischen zwischen Singapur und Washington State lebenden Autorin Turner Gable Kahn.

Tash hat einen feministischen, dystopischen Zukunftsroman - „The Colony“ - geschrieben, der Dank einiger bekannter Frauenrechtsaktivistinnen direkt in der Bestsellerliste landete. Dieser soll nun von Ram Braverman verfilmt werden. Fans des Buches kommen direkt Zweifel, ob er der richtige Regisseur für diesen Stoff ist. Auch für Tash wird schnell klar, dass Ram Braverman keineswegs vor hat, die Botschaft des Romans nach ihren Vorstellungen umzusetzen, stattdessen will er sexy Szenen. Um diese umzusetzen wird Tash der Sexdesigner Caleb zu Seite gestellt, der ihr zuvor als Übersetzer vorgestellt wurde. Tashs Entsetzen wird von Moment zu Moment größer.

Das Buch liest sich leicht und die Ereignisse werden lebendig geschildert.
Tash habe ich als äußerst anstrengende Protagonistin empfunden. Dass sie bei der Verfilmung ihres Buches mitreden möchte und nicht alles abnickt, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Aber zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass sie einfach gegen alles und jeden ist. Die Dynamik zwischen Tash und Caleb hat mir wiederum sehr gut gefallen.

Grundsätzlich gefiel mir der Ansatz des Buches. Es unterhält, hat mich zum Lachen gebracht und setzt sich gleichzeitig mit wichtigen zeitgemäßen Themen, der Frauenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft, auseinander. Gerade deshalb hatte ich auf ein wenig mehr Tiefgang gehofft, den habe ich hier leider nicht finden können.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Abgedreht und sehr intensiv

Es war nicht anders möglich
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„Es war nicht anders möglich“ ist das Debüt der Autorin und Schauspielern Svenja Liesau.

Martina ist Mitte 30, lebt in Berlin, ist arbeitslos und finanziell am Ende. Obwohl sie ihren Vater nicht gut kannte, ...

„Es war nicht anders möglich“ ist das Debüt der Autorin und Schauspielern Svenja Liesau.

Martina ist Mitte 30, lebt in Berlin, ist arbeitslos und finanziell am Ende. Obwohl sie ihren Vater nicht gut kannte, war sein unerwarteter Tod für sie ein Schock. Ihren Tag verbringt sie gerne in Kneipen, trinkt, unterhält sich und beobachtet dort die Menschen. Zwischendurch schweifen ihre Gedanken immer wieder zu ihrem verstorbenen Vater.

Die Handlung beginnt mit zwei umfangreichen Playlists der Protagonistin. Diese sowie die Gedanken dazu haben mich direkt in die Handlung hineingezogen.
Der Schreibstil von Svenja Liesau ist zunächst klar, präzise und sehr intensiv. Sie beschreibt das Leben und die Gedanken ihrer Protagonistin. Martina driftet immer mehr ab. Irgendwann war für mich nicht mehr klar was real ist und was nur Martinas Gedanken sind. Ihre Darstellung ist der Autorin sehr gut gelungen. Ich konnte ihre Haltlosigkeit, ihren Schmerz, die Erschöpfung und die Müdigkeit förmlich spüren. Sie ist einfach mit den Nerven völlig am Ende und das spiegelt sich in ihren wirren Gedanken wider.

Das Buch ist allerdings keine leichte Kost, hier braucht man starke Nerven. Die Schilderungen sind zum Teil grausam und eklig.Das auszuhalten fiel mir nicht leicht und werde es wohl so schnell nicht vergessen.
Gleichzeitig muss ich vor der Autorin meinen Hut ziehen, dass sie Martinas wirre Gedankenwelt so gelungen eingefangen hat, auch wenn dadurch für mich einiges unklar bzw. Raum für eigene Gedanken blieb.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Vielschichtig - komplex - eindrucksvoll

Die Stimmen der Nacht
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„Die Stimmen der Nacht“ ist das eindrucksvolle Debüt der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernt die Nigerianerin Margaret Okolo den in Großbritannien geborenen Benjamin ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist das eindrucksvolle Debüt der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernt die Nigerianerin Margaret Okolo den in Großbritannien geborenen Benjamin Fletcher kennen. Benjamin hat sich nach Lagos begeben, da er eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Die beiden verlieben sich ineinander, heiraten und bekommen ein Kind, obwohl ihre Beziehung von der Gesellschaft abgelehnt wird. Durch Ereignisse der Vergangenheit verschlechtert sich Margarets psychische Gesundheit und die beiden entfremden sich. Nach mehr als 40 Jahren Funkstille kreuzen sich die Wege von Margaret und Benjamin im Jahr 2005 erneut.

Die Ereignisse werden im Wechsel in der Vergangenheit im Jahr 1905 und der Gegenwart im Jahr 2005 geschildert. Zu den Zeitwechseln kommen Ortswechsel und es tauchen viele verschiedene Charaktere auf. Das und die vielen afrikanischen Begriffe machen das Lesen nicht leicht. Dennoch lohnt es sich sehr, da Tochi Eze anhand von Margaret und Benjamin ein bewegendes Gesellschaftsportrait geschrieben hat und zeigt, welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Zwei Menschen leiden unter der Last der Familiengeheimnisse, die seit Generationen weitergegeben wurden.

Die Autorin hat hier ein Stück Zeitgeschichte und deren historische Hintergründe gekonnt mit der Familiengeschichte der Protagonisten verwoben und lebendig werden lassen. Der Roman ist fesselnd und sehr intensiv.

Die Zeitsprünge, die hohe Anzahl der Charaktere und die zahlreichen afrikanischen Begriffe machen das Lesen nicht leicht und es ist einiges an Konzentration erforderlich. Ein Personenverzeichnis sowie ein Glossar wären hier für mich sehr hilfreich gewesen. Dennoch ist es eine fesselnde Geschichte über Familiengeheimnisse, Entwurzelung und den Einfluss vergangener Generationen auf die Gegenwart, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und mir Nigeria ein wenig näher gebracht hat.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Atmosphärisch & düster – sehr intensiv

Ultramarin
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„Ultramarin“ ist das Debüt der in Berlin lebenden Autorin Ann-Christin Kumm.

Wäre da nicht der dramatische Prolog könnte man meinen, dass es sich um einen sommerlichen Urlaubsroman handelt. Aber durch ...

„Ultramarin“ ist das Debüt der in Berlin lebenden Autorin Ann-Christin Kumm.

Wäre da nicht der dramatische Prolog könnte man meinen, dass es sich um einen sommerlichen Urlaubsroman handelt. Aber durch den düsteren Einstieg hatte ich von Beginn an ein ungutes Gefühl.

Die Ereignisse werden aus der Perspektive von Lou geschildert.
Lou, Raf und Nora sind auf dem Weg nach Dänemark. Sie wollen dort ein paar Tage in einem Ferienhaus in den Dünen verbringen. Geplant war ein Urlaub zu viert, aber Sophie sagt kurzfristig ab.
Die Atmosphäre ist angespannt. Während Lou alles versucht um Raf zu gefallen, sich ihm regelrecht unterwirft, geht Raf auf Abstand, verhält sich regelrecht grausam und dass Nora Gefühle für Lou hat, macht die Situation noch komplizierter.

Ann-Christin Kumm beschreibt ihre Charaktere vielschichtig, das ändert aber nichts daran, dass ich sie für mich nicht einfach zu greifen waren. Lous unterwürfiges Verhalten gegenüber Raf war für mich nur schwer nachvollziehbar und Rafs Verhalten - seine Anspruchshaltung und Neigung zur Gewalt gegenüber Lou - habe ich schon beim Lesen als unangenehm und abstoßend empfunden.

Die sommerliche Atmosphäre, das wundervolle Setting am Meer in Dänemark und die damit verbundene Leichtigkeit stehen in einem starken Kontrast zu der anspannten Atmosphäre zwischen den Charakteren. Vieles wird nur angedeutet, wodurch sich die Spannung erhöht.

Obwohl mir einiges nicht aus erzählt erschien und es Brüche in der Handlung gab, hat mich die Mischung aus Melancholie, Manipulation, Begehren und subtiler Spannung überrascht und gefesselt, so dass ich gespannt auf weitere Bücher der Autorin bin.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Auf Spurensuche

Alma
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„Alma“ ist ein emotionaler Roman der in Mailand lebenden Autorin und Verlegerin Federica Manzon.

Alma ist in Triest aufgewachsen. Da ihr Vater viel unterwegs ist und ihre Mutter sich nur um wenig kümmert ...

„Alma“ ist ein emotionaler Roman der in Mailand lebenden Autorin und Verlegerin Federica Manzon.

Alma ist in Triest aufgewachsen. Da ihr Vater viel unterwegs ist und ihre Mutter sich nur um wenig kümmert wird sie von den Großeltern aufgezogen. Nachdem ihr Vater Vili mitgebracht hat, wird dieser zu Almas Jugendliebe. Später verläßt Alma ihre Heimat. Erst nach dem Tod ihres Vaters kehrt sie nach Triest zurück. Dort soll Vili ihr das Erbe übergeben.

Der Schreibstil von Federica Manzon ist ruhig und liest sich angenehm, hat aber durchgehend einen leicht melancholischen Unterton. Den Leser erwartet keine leichte Sommerlektüre, sondern einen Roman mit vielen historischen und politischen Ereignissen, der mit Almas Familiengeschichte verwoben ist.

Erzählt wird aus der dritten Person und die Handlung verläuft nicht chronologisch. Erinnerungen aus Almas Kindheit - unbeschwerte Momente, aber auch Momente des Kriegs - und die Gegenwart wechseln sich ab.

Ihre Charaktere beschreibt die Autorin facettenreich und vielschichtig. Sowohl Almas als auch Vilis innere Zerrissenheit wird spürbar. Die Suche nach ihrer Herkunft, ihrer Identität, ungelöste Fragen der Vergangenheit, die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind durchgehend Thema. Historische und politische Ereignisse, der Krieg in Jugoslawien werden mit dem Leben der Protagonisten verknüpft und gelungen mit der Handlung verwoben.

Die Handlung ist komplex und vielschichtig. Es ist ein emotionaler Roman über die Suche nach der eigenen Identität, Erinnerungen, Verlust und Zugehörigkeit, der nicht immer einfach zu lesen ist und fordert.

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