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Veröffentlicht am 30.03.2026

Starke Frauen gab es schon vor hundert Jahren

Das Tränenhaus. Roman
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Was es vor hundert Jahren bedeutete, unverheiratet und schwanger zu sein. Ein spannender Kontrast zu unserer heutigen Zeit.


Mit diesem Roman halten wir ein Werk in den Händen, welches bereits vor über ...

Was es vor hundert Jahren bedeutete, unverheiratet und schwanger zu sein. Ein spannender Kontrast zu unserer heutigen Zeit.


Mit diesem Roman halten wir ein Werk in den Händen, welches bereits vor über hundert Jahren erschienen ist und damals zum Skandal führte. Die Autorin schreibt über eine ledige schwangere Frau, die die ungerechte Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen bemerkt und ihren eigenen Weg durchsetzt. Indirekt schreibt die Autorin damit auch über sich, da sie kurze Zeit zuvor ebenfalls ledig ein Kind zur Welt brachte und es allein aufzog. Ihre Offenheit im Roman gab besonders bei der männlichen Gesellschaft Anstoß, weil diese dabei nicht gerade gut wegkamen und es natürlich nicht gutheißen konnten, wenn Frauen das Wort erhoben. Ich war sehr neugierig auf das Buch und die Unterschiede zu unserer heutigen Zeit.
Bevor ich genauer auf den Inhalt eingehe, möchte ich die Aufmachung des Buches loben. Zum einen gefällt mir die Covergestaltung im Stil eines Ölgemäldes viel besser als ein schlichtes, einheitliches Design, wie man es sonst oft bei Klassikern vorfindet. Dieses Cover hat Charakter, was ich sehr mag. Zum anderen gefällt mir die Qualität des Hartcover-Buchs sehr, denn sie fühlt sich hochwertig und einfach gut in der Hand an. Da bekommt man Lust, sich gleich eine ganze Reihe dieser Klassiker zuzulegen.
Ich habe seit Ewigkeiten keinen Klassiker mehr gelesen und fand es deshalb sehr amüsant in die Redensart der alten Zeit abzuschweifen. Besonders amüsant waren die Dialoge unter den Frauen. Denn die Damen im Tränenhaus stammten aus verschiedenen Regionen Süddeutschlands und besonders der schwäbische Dialekt kam hier wunderbar zur Geltung.
Das Frauenhaus galt als Rückzugsort oder Fluchtmöglichkeit für ledige Frauen in „anderen Umständen“. Ein idealer Ort, um ein „Missgeschick“ zu vertuschen. Absolutes Schweigen über den Zustand der Frauen, oder den Vorfall, der sie in diese Situation brachte, war oberste Priorität. Es gab unterschiedliche Gründe, warum diese Frauen keinen Mann hatten, der zu ihnen oder zu seiner Tat stand. Jede dieser Frauen hatte ihre eigene Geschichte, die ich neugierig aufgesogen habe. Der Zustand, in dem sich die Frauen befanden, war zur damaligen Zeit eine große Schande. Nicht nur für die schwangere Frau, sondern ebenso für ihr gesamtes Elternhaus. Waren die Kinder erst einmal auf der Welt, wurden sie kurz nach der Geburt zur Ziehmutter oder in andere Familien weitergegeben. Die leibliche Mutter nahm ihr altes Leben wieder auf. Was heute kaum noch vorstellbar ist, war damals üblich. In diesem Buch wird deutlich, wie sehr sich die Rolle der Frau, der Mutter und die der Kinder in den letzten hundert Jahren verändert hat. Zwischen der Ehe, dem Verhalten während der Schwangerschaft, der Geburt oder der Art der Kindererziehung, stecken Welten.
Die Hebamme, die dieses Frauenhaus führte, war ein herrisches Weib und nutzte die gewinnbringende Einnahmequelle und die Verzweiflung der jungen Frauen zu ihren Gunsten aus. Der Aufenthalt der Frauen wurde gut entlohnt, damit alles unter Verschluss blieb und nichts an die Öffentlichkeit geriet.
Die Schriftstellerin Caroline Reimann zieht sich ebenfalls in dieses Haus zurück. Sie ist eine selbstbewusste Frau aus gutem Haus und weiß sich gegenüber der Hebamme zu behaupten. Wer genau der Vater ihres Kindes ist, erfährt man lange nicht, dennoch plant sie, das Kind, welches sie erwartet, nicht wie üblich abzugeben, sondern selbst großzuziehen. Sie setzt ihre Prioritäten durch und stellt sich gegen die Richtlinien. Da sie mit ihren Büchern ihr eigenes Geld verdient und bisher nicht auf den Unterhalt eines Mannes angewiesen war, fällt es ihr leicht, eigene Entscheidungen durchzusetzen. Das Frauenhaus, in dem sie die Mädchen unter sich hautnah erlebt, öffnet ihr die Augen für die unglückliche Situation der jungen Frauen. Welchen Preis sie zahlen müssen für diese eine Leichtsinnigkeit und wie ungeschoren doch all die Männer davonkommen.
Für mich ein spannendes, zum Teil sehr amüsantes und aufschlussreiches Werk, welches ich gern empfehle.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Wenn alles bunt wird und zum Leben erwacht

Mein kleines Buch vom Frühling
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Ohne große Worte, dafür mit umso niedlicheren Bildern rund um den Frühling


Jeder kennt es, wenn der Frühling naht, wacht alles auf und bekommt Farbe. So auch in diesem hübschen Pappbilderbuch für die ...

Ohne große Worte, dafür mit umso niedlicheren Bildern rund um den Frühling


Jeder kennt es, wenn der Frühling naht, wacht alles auf und bekommt Farbe. So auch in diesem hübschen Pappbilderbuch für die Allerkleinsten ab zwölf Monaten. Mich hat allein das Cover mit der niedlichen Katzenfamilie schon überzeugt. Aber innen geht’s genauso schön weiter. Wir entdecken Vögel, die ein Nest bauen, Insekten, die sich über die ersten Blumen freuen und überhaupt scheint alles bunt und fröhlich im Frühling. Auch der Osterhase lässt sich blicken, wie er alles für Ostern vorbereitet und dabei Hilfe von anderen Tieren bekommt. Ein Bilderbuch, das mit seinen wunderschönen Illustrationen einfach für gute Laune sorgt und unseren Kindern zeigt, wie schön es ist, wenn alles Farbe bekommt und zum Leben erwacht.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Wenn sich die Tiere gemeinsam auf Ostern freuen

Osterhase, nimm mich mit!
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Farbenfrohes Bilderbuch, welches die Vorfreude auf Ostern weckt und uns in kleinen Reimsätzen zeigt, wie schön es ist im Team zu arbeiten.


In diesem niedlichen kleinen Bilderbuch lernen wir nicht nur ...

Farbenfrohes Bilderbuch, welches die Vorfreude auf Ostern weckt und uns in kleinen Reimsätzen zeigt, wie schön es ist im Team zu arbeiten.


In diesem niedlichen kleinen Bilderbuch lernen wir nicht nur den Osterhasen und die Hühner kennen, die an Ostern die Hauptrolle spielen, sondern auch noch eine Menge anderer Tiere, die sich auf das Osterfest freuen und gemeinsam mit dem Hasen und den Hühnern die Eier verstecken. Denn wenn man zusammenhält und eine Aufgabe im Team erledigt, macht es gleich noch viel mehr Spaß. Begleitet von kleinen Reimsätzen ist jede leuchtend bunte Doppelseite mit den niedlichen Illustrationen ein kleines Abenteuer.
Das Büchlein für die Kleinsten ab 12 Monaten ist ein ideales Begleitbuch für die Osterzeit und passt perfekt ins Osternest.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Ein Roman wie eine Lieblingsserie

Liebe auf den ersten Blick
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Gleich zwei prickelnde und humorvolle Lovestorys in einem Buch, mit mehr Tiefe als erwartet.


Emmy kommt gerade neu in Berlin an. Endlich kann sie wieder die Zeit mit ihren beiden besten Freundinnen ...

Gleich zwei prickelnde und humorvolle Lovestorys in einem Buch, mit mehr Tiefe als erwartet.


Emmy kommt gerade neu in Berlin an. Endlich kann sie wieder die Zeit mit ihren beiden besten Freundinnen Helia und Ina genießen, denn ab jetzt wohnen sie alle drei zusammen. Nach einer gescheiterten Beziehung hielt Emmy nichts mehr in München. Sie hofft auf einen Neuanfang in Berlin. Doch die neue Stelle, die ihr von Helia vermittelt wurde, wirkt auf den ersten Blick ganz anders, als Emmy sich erhofft hat. Das Labor, in dem sie als Biochemikerin arbeiten soll, ist in einem ziemlich maroden und heruntergekommenen Zustand. Zudem kommt, dass sie erst einmal keinen Plan von der Arbeit hat, die sie hier leisten soll. Als sich ihr neuer Chef dann auch noch als ihr protziger Nachbar herausstellt, kann es eigentlich nicht schlimmer werden. Bis Emmy erfährt, um was sich ihre Laborarbeit, die sie hier verrichten soll, wirklich dreht. Das ändert nicht nur ihre Meinung zum Arbeitsplatz, sondern auch zu ihrem Chef.
Helia ist Chirurgin und liebt ihre Arbeit im Krankenhaus. Deshalb zieht sie diese auch in der Regel ihrem Privatleben vor. Keine Zeit für eine Beziehung. Oder ist der Richtige einfach noch nicht erschienen? Im Moment arbeitet Helia in der Notaufnahme. Sie sehnt sich aber in den Operationssaal der Chirurgie zurück, indem sie ihre Arbeit richtig umsetzen konnte und nicht von einem Zimmer ins nächste hetzen muss. Als sie einem neuen Kollegen assistieren muss, stellt sich heraus, dass sie besser als Team funktionieren als sie sollten. Die Chemie passt perfekt zwischen ihnen und er scheint nicht nur ein ausgesprochen guter Kollege, sondern auch menschlich ein Traum zu sein. Doch hier beginnt für Helia die Sperrzone, denn eine Beziehung unter Kollegen zieht sie auf keinen Fall in Betracht. Doch was ist, wenn der Kollege nicht lockerlässt?
Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut, denn ich war in bester Stimmung für eine romantische Lovestory. Was ich hier bekommen habe, war aber viel mehr. Zuerst einmal entwickeln sich hier gleich zwei bezaubernde Liebesgeschichten, die ich beide sehr genossen habe. Die Protagonisten liefern sich den perfekten Schlagabtausch mit spritzig, frechen Dialogen und ich lerne charakterstarke Frauen kennen. Das liebe ich sehr. Auch wenn ich von der Arbeit im Labor keine Ahnung habe, finde ich das Thema, zu dem hier geforscht wird, absolut großartig und die Hintergrundstory dazu einfach wunderbar. Dasselbe gilt für die Arbeit, die Helia im Krankenhaus leistet. Eigentlich mag ich keine Romane, in denen das Bild von der Arbeit im Krankenhaus verschönt oder romantisiert wird und wir eine heile Welt vorgespielt bekommen. Deshalb bin ich Romanen, die dieses Thema behandeln, immer sehr skeptisch gegenüber. Umso mehr hat es mich gefreut, dass in diesem Buch der stressige und chaotische Alltag schön deutlich rüberkommt. Wie zum Beispiel die Überstunden, die geleistet werden müssen und wie die Vorgesetzten damit umgehen. Die Autorin erwähnt Situationen, wie sie im wahren Leben stattfinden, wenn man die Augen nicht verschließt, und das finde ich bewundernswert. Denn sie bringt diese Details sehr feinfühlig im Buch unter. Ein absolutes Kompliment für die Autorin an dieser Stelle für ihre Ehrlichkeit. Dass sie weiß, wovon sie hier schreibt, dessen bin ich mir sicher, denn sie ist selbst Ärztin.
Ich liebe Romane, die mich mit Tiefe überraschen, wo man sie nicht erwartet und genau das habe ich bekommen. Mich erinnern die Geschichten der Autorin immer ein wenig an die typisch deutschen Daily Soaps, mit Suchtpotential, wie zum Beispiel „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Sturm der Liebe“. An die Protagonisten gewöhnt man sich sehr schnell und würde sie am liebsten immer weiter begleiten. Auch der Humor bleibt nicht auf der Strecke, denn die Protagonistinnen überraschen ebenfalls mit Schlagfertigkeit und nehmen kein Blatt vor den Mund. Absolute Empfehlung für diese unterhaltsame Liebesgeschichte.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Wie Virginia die Abgründe unserer Menschheit erlebt – erschütternd und schockierend

Nobody's Girl
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Die Hölle auf Erden. Ein mutiges Buch voller Grausamkeit und für mich nur in Etappen lesbar. Dennoch enorm wichtig, dass die Menschen davon erfahren.


Beginnend bei ihrer Kindheit, erzählt Virginia Roberts ...

Die Hölle auf Erden. Ein mutiges Buch voller Grausamkeit und für mich nur in Etappen lesbar. Dennoch enorm wichtig, dass die Menschen davon erfahren.


Beginnend bei ihrer Kindheit, erzählt Virginia Roberts Giuffre von den schlimmsten Misshandlungen, die sie quasi ihr ganzes Leben lang begleitet haben und schließlich auch in die Hände von Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein führten.
Auf dieses Buch war ich durch eine Empfehlung hin neugierig geworden. Ich war mir allerdings unschlüssig, ob ich das Lesen dieses tragischen Inhalts wirklich ertrage, denn dass es keine leichte Kost werden wird, das wusste ich von Anfang an. Denn wer die Schlagzeilen zu Epstein nur ein wenig verfolgt hat, kann sich denken, welchen Horror man in diesem Buch erwarten kann. Ohne Pausen hätte ich dieses Buch niemals lesen können und doch hat mich der Fall so sehr beschäftigt, dass ich mir neben dem Buch noch weitere Informationen eingeholt habe. Die Machenschaften von Epstein und all seinen Kumpanen haben mein Weltbild vollkommen erschüttert. Ich möchte nicht glauben, zu was Menschen fähig sind und doch gibt es mehr als genug Belege dafür. Es ist einfach unvorstellbar grausam, wie Täter durch Macht und Geld grenzenlos handeln und ungeschoren oder mit viel zu geringer Strafe davonkommen. Was die Opfer angeht, so frage ich mich, wie sie all das ertragen konnten, wenn mich beim Lesen schon dauerhaft die Übelkeit überfällt.
Virginias Leben entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit zu einem Albtraum. Als stände es ihr ins Gesicht geschrieben, dass man sie nach Lust und Laune benutzen kann, rutscht sie weiter von einem Horrorszenario ins nächste. Diese grausamen Erfahrungen begleiten sie bis an ihr Lebensende.
Sie schildert sehr genau und detailliert, wie sich der Kontakt zu Maxwell und Epstein entwickelte und mit welchen Versprechungen sie das junge Mädchen in die Falle lockten, aus der es kein Entkommen gab. Es ist unglaublich, wie viele Menschen dieser Mann in den Abgrund gerissen hat. Wie er sein Umfeld manipulierte und teils zu Mittätern machte. Ganz zu schweigen von den unzähligen namenhaften Personen, die seine ekelerregende Leidenschaft teilten und unterstützten. In mir sträubt sich alles, wenn ich versuche, mir vorzustellen, wie viel Boshaftigkeit in manchen Menschen stecken kann. Dennoch darf man die Augen vor solchen Gräueltaten nicht verschließen. Es ist wichtig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Überaus tragisch finde ich es, wie stark die traumatischen Erinnerungen Virginias weiteres Leben beeinflussten und zerstörten. Es war schon ein Wunder, dass sie es überhaupt schaffte, sich zu befreien und neu anzufangen. Doch wie schwer es tatsächlich wurde, konnte ich deutlich in ihren Berichten erkennen. Über die Jahre hinweg, während ihrer Verhöre und Interviews, in denen sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit ging und für Gerechtigkeit kämpfte, durchlebte sie immer wieder aufs Neue die schlimmsten Momente ihres Lebens.
Virgina Roberts Guiffre ist für mich allein durch ihren Mut zu diesem Buch, schon eine Löwin. Ich bewundere und schätze ihre Offenheit und hoffe, dass sie mit diesem Buch und ihren Berichten genau das erreicht, was sie sie sich gewünscht hat. Und zwar den Opfern zu helfen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und für Gerechtigkeit zu sorgen.
Nicht nur, weil ich das, was ich hier gelesen habe, niemals wieder vergessen werde, sondern auch, weil Bücher wie dieses, die Welt verändern, gehört es zu den bedeutendsten, die ich je gelesen habe.

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