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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zwischen Erinnerungen und Schmerzen

Paradise Beach
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„Paradise Beach“ von Dara Brexendorf erzählt auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Ada. Die Ich-Erzählerin leidet seit Beginn ihrer Periode unter Endometriose. Lange wusste sie nicht, dass es nicht normal ...

„Paradise Beach“ von Dara Brexendorf erzählt auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Ada. Die Ich-Erzählerin leidet seit Beginn ihrer Periode unter Endometriose. Lange wusste sie nicht, dass es nicht normal ist, solche Schmerzen zu haben.
Während sie sich in der Gegenwaert von einer Endometriose-OP erholt und noch unter dem Einfluss von Medikamenten steht und unter Schlafstörungen leidet, erinnert sie sich zurück an ihre Jugend. Damals verbrachte sie einen schicksalhaften Sommer an der heimatlichen Ostseeküste, gemeinsam mit ihrer Cousine Lill. Die Pubertät bringt viele körperliche Veränderungen mit sich und den Wunsch nach Perfektion. Die erste Periode bringt ungeahnte Schmerzen in Adas Leben.

„Es erscheint ihr plötzlich unmöglich, das Bluten aus dem Sommer auszuklammern, den Zusammenhang nicht zu sehen zwischen den körperlichen Veränderungen und den Räumen, in denen sie sich bewegt. Das Bluten passiert nicht einfach. Es ist etwas, dass ihr passiert. Wie ein großes Unglück, dass sie nicht verarbeiten kann. Zu groß ist der Widerspruch zwischen dem diffusen Wunsch danach, eine Frau werden zu wollen, und dem Körper, der nicht dafür gemacht zu sein scheint.“

Nur die Begegnung mit Elja und die aufkeimenden Gefühle für sie lenken Ada von ihren Qualen ab. Während das Verhältnis zu ihrer Cousine Lill sich verschlechtert, steht bald ein Abschied von Elja bevor ...

Dieser Roman lässt mich leider etwas enttäuscht zurück. Durch den Klappentext hatte ich hier hohe, vielleicht zu hohe Erwartungen.
Die Rückblenden in die Vergangenheit fand ich sehr gelungen, diese Abschnitte haben mir am besten gefallen. In den Kapiteln der Gegenwart hätte ich mir eine andere Umsetzung des Themas Endometriose gewünscht. Ich hatte hier erwartet, dass auf diesen Teil von Adas Leben mehr oder vielleicht einfach anders eingegangen wird. Hier konnte ich keine Nähe zur Figur von Ada herstellen; vieles blieb mir zu distanziert. Auch die Geschichte mit ihrem räuspernden Nacharn fand ich unnötig, sie mich eher irritiert.

Insgesamt ist „Paradise Beach“ nach ein interessanter Debütroman, der meine Erwartungen an das Thema „weibliche Schmerzen“ leider nicht erfüllen konnte, aber ein paar gute Momente hatte.

Vielen Dank an den eichborn Verlag und Lesejury.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 27.03.2026

Die Wirklichkeit ist in Wirklichkeit nicht so wirklich, wie sie scheint

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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„Flora Brimble und der verschwundene Frühling“ hatte mich vor allem durch das sehr ausdrucksstarke Cover und den tollen Farbschnitt angesprochen.
Aber auch der Plot klang vielversprechend, obwohl Fantasy ...

„Flora Brimble und der verschwundene Frühling“ hatte mich vor allem durch das sehr ausdrucksstarke Cover und den tollen Farbschnitt angesprochen.
Aber auch der Plot klang vielversprechend, obwohl Fantasy nicht mein bevorzugtes Genre ist; mein Kind dagegen liebt solche fantasievollen Romane sehr. Und dass es hier auch um die Themen Freundschaft und Hoffnung geht, fand ich vielversprechend.

Die Protagonistin dieses Romans, Flora Brimble, lebt im kleinen englischen Dorf Rye. Dort will der Winter einfach nicht vergehen. Flora fühlt sich genauso grau wie die Menschen und die Welt um sie herum. Also macht Flora sich auf die Suche nach der Maikönigin, um mithilfe ihrer Zauberkräfte den Frühling zurückzuholen. Dabei stehen ihr unterwegs der kluge Kobold Grisold und das sprechende Eichhörnchen Parzival zur Seite. Das ist auch gut so, denn es warten etliche Gefahren und die böse Hexe Ych auf sie ...

"Vielleicht liegt die Hexe ja nicht ganz falsch ", antwortete Flora. "Was ist, wenn die Dunkelheit der normale Zustand der Dinge ist und das Licht nur eine Illusion. Eine Kerze kann man auspusten, dann ist das Licht verschwunden. Aber habt ihr mal versucht, die Dunkelheit auszupusten? Sie ist immer da, man kann vor ihr ebenso wenig weglaufen, wie vor seinem eigenen Schatten."

Der tolle optische Eindruck des Covers spiegelt leider für meinen Geschmack nicht den Inhalt wider.
Die Charaktere von Flora, Harriet, Grisold und Parzival sind an sich sehr sympathisch. Doch die Geschichte an sich konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Die Grundstimmung ist (vor allem im mittleren Teil) doch sehr, sehr düster (vor allem für die Altersklasse ab 10 Jahren).
Und leider sagt mir persönlich der Schreibstil des Autors weitgehend überhaupt nicht z.
Vieles klingt etwas holprig und konstruiert, so gar nicht flüssig zu lesen. Während die Handlung stellenweise recht langatmig war, passierte dann wieder sehr sprunghaft etwas; und auch der Schluss kam für meinen Geschmackt etwas abrupt.

Schade, wir hatten so hohe (vielleicht zu hohe) Erwartungen an dieses Buch, die leider nicht erfüllt werden konnten. Ich vergebe wohlwollende 3 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Thienemann Verlag und Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2026

Mutterliebe und flirrende Nerven

Sie wollen uns erzählen
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Mutterliebe und flirrende Nerven

In Birgit Birnbachers Roman „Sie wollen uns erzählen“ geht es um den Drittklässler Ozzy. Er hat ADHS und tut sich schwer im Schulalltag. Nachdem er am letzten Schultag ...

Mutterliebe und flirrende Nerven

In Birgit Birnbachers Roman „Sie wollen uns erzählen“ geht es um den Drittklässler Ozzy. Er hat ADHS und tut sich schwer im Schulalltag. Nachdem er am letzten Schultag vor den Ferien etwas Schlimmes angestellt hat, wünscht er sich auf dem Heimweg heimlich „eine kleine Katastrophe“, die seine Mutter vom Brief seiner Lehrerin ablenken könnte. Und tatsächlich: Als er heimkommt, hat seine ebenfalls nervlich sensible Mutter Ann keine Feier fürs Zeugnis vorbereitet, denn tatsächlich ist etwas passiert: Ozzys Oma Zilly, die in den Bergen lebt, ist aus dem Krankenhaus verschwunden ... Die beiden machen sich auf die Reise, um die Oma zu finden. Dabei kommt auch noch Anns Schwester Nell dazu, zu der Ann seit Jahren kein besonders gutes Verhältnis mehr hat, obwohl sich die Schwestern früher sehr nahe standen.

Hm, was soll ich sagen? Mir fällt die Bewertung dieses Romans einigermaßen schwer.
Den Anfang fand ich ziemlich stark, konnte mich gut in Ozzy hineinversetzen. Bei Ann fand ich vor allem die Einblicke in ihre Kindheit interessant; damals gab es noch keine Diagnosen wie heute, aber Ann spürt als Mutter, dass ihr Kind ihr sehr ähnlich ist.

„Diese Unrast haben die Mädchen auch gehabt.
Zwei Bubentöchter hab ich da.
Was waren diese Mädchen wild. Immer so viel wilder als alle anderen. Könnt ihr nicht stillsitzen, wie die Buben in der Kirche? Immer müssen sie lauter, aufgeweckter sein als andere, immer verspüren sie zu allem mehr Drang. Zäzilia und Hans Haag sind trotzdem nie auf die Idee gekommen, die Mädchen deswegen anschauen zu lassen. Vielleicht, weil es rundherum so viele Kranke gab, Nervenkranke. Das ganze Innergebirg war ja voll von lauter Nervenkranken. Durch die zwei großen Institutionen, die Nervenheilanstalt in St. Veit und in Schernberg, zwischen Schwarzach, St. Veit und Goldegg, kam auf jeden Einwohner mindestens ein Nervenkranker, die Nervenkrankheiten der gewöhnlichen Einwohner und die Nervenkrankheiten der gewöhnlichen Krankenhauspatienten noch gar nicht mitgezählt.
Jedenfalls waren es genug Nervenkranke, die man vom Einkaufen und vom Spazierengehen kannte, und Ann und Nell konnten als Kinder nie etwas Schlimmes daran sehen, verrückt zu sein.“

Leider fand ich den Schreibstil insgesamt, auch die fehlende wörtliche Rede, immer anstrengender zu lesen im Laufe des Buches. Auch die Handlung konnte mich nicht ganz überzeugen. Ich hatte wahrscheinlich andere Erwartungen an das Buch. Final vergebe ich 3 von 5 Sternen für einen interessanten Plot, dessen Umsetzung mich nicht wirklich packen konnte.

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Kindheit auf dem Bauernhof

Melken
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In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken“ fährt die Protagonistin Ellen, nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr getrennt hat, kurzentschlossen zurück ins Dorf, auf den Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ...

In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken“ fährt die Protagonistin Ellen, nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr getrennt hat, kurzentschlossen zurück ins Dorf, auf den Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist.

„Ich blinzelte, wollte die Gefühle verscheuchen, meine Sehnsucht, mein Zaudern, weil ich jetzt an einen bestimmten Punkt gelangt war. In der Stadt zu leben, wirklich weggezogen zu sein. Aber wo befand ich mich hier, was bedeutete dieser Ort, was wollte er von mir, und was wollte ich von ihm?“

In Rückblenden erinnert sie sich an ihr Leben als Bauernkind, an den Alltag auf einem Bauernhof.

„Wer am härtesten schuftet, stirbt zuerst. Belohnung gibt es nicht. Die ist nur ein Mythos.“

Auch die Gefühle von Ellen als kind waren schmerzhaft gut dargestellt:
„Ein Bauernkind sein, das nach Kuhscheiße stinkt. Die Vorortkinder schwebten sauber durch ihre blitzblanken Häuser, ohne die weißen Sofapolster zu ruinieren. Ihre Mütter dufteten himmlisch, und die Hunde gingen an der Leine. Die Kinder kommentierten alles und verborgen nichts. Als sie älter wurden, verstanden sie, dass es unhöflich war, und hörten auf. Aber wir fragten uns weiter: Stinke ich?“

Die heutigen Besitzer des Hofes sind verreist, ihr ehemaliger Kindheitsfreund Max hütet das Haus und entdeckt Ellen. Kurz bevor die Besitzer wieder zurückkommen, muss Ellen wieder abreisen.

Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen.
Der Schreibstil an sich gefällt mir weitgehend gut, es gibt schöne Textpassagen. Auch das harte Leben der Landwirte wird authentisch dargestellt.
„Ein Entlastungsdienst wurde eingerichtet, über den Bauern für einen oder mehrere Tage eine Vertretung anheuern konnten. Den Bauern sollte derselbe Lebensstandard gewährt werden wie Industriearbeitern, sie sollten in den Urlaub fahren dürfen, sich wie Menschen fühlen. Nur bezahlten sie doppelt für die Auszeit, finanziell, seelisch. Die Uhr tickte weiter, und jeder Tag kostete sie teures Geld. Ruhe erwies sich als Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht sollte der Bauer ja doch kein Mensch sein. Ein paar Jahrzehnte später wurde der Entlastungsdienst wieder abgeschafft.“

Insgesamt konnte mich das Buch jedoch leider nicht überzeugen.
In Ellens vergangenes Ich, ihre Erinnerungen an das Aufwachsen auf dem Land, konnte ich mich noch gut hineinfühlen. Zu Ellen in der Gegenwart konnte ich jedoch keinen Bezug herstellen; ihre Figur blieb sehr disanziert und unnahbar.

Für mich ist „Melken“ final leider kein Buch, das einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen wird.

Vielen Dank an den Hanser Verlag & Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Ruhiger, etwas spannungsarmer Coming-of-age Roman

Prep
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„Prep“ von Curtis Sittenfeld erzählt die Geschichte von Lee Fiora, die mit 14 Jahren ins Bostoner Elite-Internat „Ault“ kommt. Als Stipendiatin unter den Kindern reicher Leute fühlt sie sich dort isoliert ...

„Prep“ von Curtis Sittenfeld erzählt die Geschichte von Lee Fiora, die mit 14 Jahren ins Bostoner Elite-Internat „Ault“ kommt. Als Stipendiatin unter den Kindern reicher Leute fühlt sie sich dort isoliert und als Außenseiterin. hr Vater ist Matratzenhändler, die anderen Väter Anwälte, Banker oder gar Senator. Freundschaften zu schließen fällt Lee schwer. Erst in Martha findet sie eine beste Freundin.
Und sie verliebt sich, doch auch das ist komplizierter als gedacht.
Lee ist eine genaue Beobachterin, doch das wird ihr gegen Ende ihrer Schulzeit zum Verhängnis ...

Für einen Coming-of-Age-Roman mit fast 600 Seiten fehlte mir hier die inhaltliche Tiefe. Trotz des Internats-Settings und Einblicken in Lees Innenleben plätschert die Handlung leider weitgehend spannungsarm und langatmig dahin.
Am Ende kann ich aus diesem Buch wenig mitnehmen; die Kernbotschaft der Autorin bleibt für mich unklar.
Zum Thema, wie man seinen eigenen Platz im Leben findet, gibt es meiner Meinung nach deutlich tiefgründigere und empfehlenswertere Alternativen.
Ich vergebe hier 3 Sterne.

Vielen Dank an den Dumont Verlag und Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar!

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