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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2026

Starke Frauen

Die Liebeshungrigen
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Das Buch Die Liebeshungrigen hat mich ziemlich überrascht. Aus verschiedenen Perspektiven erhalten wir einen Einblick in die Lebensrealität von Frauen im Umfeld mächtiger Männer – und darin, wie destruktiv ...

Das Buch Die Liebeshungrigen hat mich ziemlich überrascht. Aus verschiedenen Perspektiven erhalten wir einen Einblick in die Lebensrealität von Frauen im Umfeld mächtiger Männer – und darin, wie destruktiv diese Realität auch heute noch sein kann.
Ich hatte zunächst erwartet, dass das Buch stärker die Auswirkungen der Medienwelt thematisiert. Stattdessen habe ich es als eine feministische Erzählung darüber gelesen, was Macht mit Menschen macht: mit Männern, die sie besitzen, mit Frauen, die unter ihr leiden, und mit Kindern, die ihr ausgesetzt sind.
Es ist ein großartiger Gesellschaftsroman mit einer beeindruckenden Vielschichtigkeit. Die Perspektivwechsel zwischen den Figuren fand ich sehr gelungen und überhaupt nicht anstrengend. Vielmehr fühlte es sich an, als würde man verschiedene Fragmente zusammensetzen, um nach und nach das große Ganze zu erkennen.
Besonders beeindruckt hat mich außerdem der Schreibstil der Autorin. Mit großer Sensibilität und sprachlicher Präzision gelingt es ihr, die Lebensrealitäten ihrer Figuren greifbar zu machen. Ich konnte mich sehr gut in die unterschiedlichen Charaktere hineinversetzen und ihre Gedanken, Ängste und Konflikte nachvollziehen.
Für mich ist Die Liebeshungrigen ein kluger, bewegender und hochaktueller Roman, der lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Impulsgebend

Wenn es besser ist zu gehen
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r. Welding hat mit diesem "Ratgeber" (oder vielmehr Einladung zur Selbstreflexion) eine impulsgebende, aber auch augenöffnende Lektüre geschaffen, die einlädt, sich in verschiedenen Stadien der eigenen ...

r. Welding hat mit diesem "Ratgeber" (oder vielmehr Einladung zur Selbstreflexion) eine impulsgebende, aber auch augenöffnende Lektüre geschaffen, die einlädt, sich in verschiedenen Stadien der eigenen Beziehungssituation mit sich selbst, seinen Bindungsstilen, seinen Gefühlen und seinem Gegenüber auseinanderzusetzen.

Klar wissenschaftlich fundiert und sehr praxisnah zeichnet Dr. Welding das komplexe System, dass dazu führt, dass Menschen auch in unbefriedigenden Beziehungen lange verweilen. Eine große Kunst einen so komplexen Sachverhalt so anschaulich darzustellen, ohne wichtige Elemente zu vernachlässigen.

Als sehr hilfreich habe ich die vielen Einladungen zur Selbstreflexion empfunden und auch den letzten Teil zu "Was kann ich tun" der einen gleichsam interventionellen als auch präventiven Charakter hat. Auch wenn das Buch sicherlich keine Paartherapie ersetzt, kann ich mir gut vorstellen, wie es ein erster Impulsgeber im Veränderungsprozess sein kann. Sei es vor, während oder nach einer Beziehung.

Eine Empfehlung für Alle, die sich mit der eigenen Beziehungsfähigkeit und den eigenem Bindungsverhalten auseinandersetzen möchten oder einfach Interesse an der Komplexität menschlichen Zusammenlebens haben.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Die Lebensrealität von Frauen - Heute und Damals

Das Tränenhaus. Roman
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Eine wirkliche Empfehlung und mein Lesehighlight bisher in diesem Jahr. Der neuaufgelegte Klassiker wird nicht nur seinem Ziel gerecht, die Frauen der Literaturgeschichte wieder mehr in den Fokus zu nehmen, ...


Eine wirkliche Empfehlung und mein Lesehighlight bisher in diesem Jahr. Der neuaufgelegte Klassiker wird nicht nur seinem Ziel gerecht, die Frauen der Literaturgeschichte wieder mehr in den Fokus zu nehmen, sondern zeigt in der Aktualität der Geschichte, dass sich die Realität von Frauen trotz der vergangenen Zeit nur scheinlich verbessert hat.
Mit einem faszinierenden Talent, Sprache so zu verwenden, dass die Geschichte zum Leben erwacht und farbenfrohe, lebendige Bilder entstehen, führt uns Gabriele Reuter in das Leben einer Frau, die nicht in die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit passt. In ihrer Geschichte liegt der klar formulierte und zwischen den Zeilen schmerzhaft greifbare Appell an die weibliche Solidarität. Zwar müssen Frauen heute -zumindest in meiner privilegierten Blase - keine Angst mehr haben, mit einem „unehelichen“ Kind gesellschaftlich geachtet zu werden und mittellos dazustehen, aber Gleichberechtigung der Geschlechter haben wir noch lange nicht erreicht. Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer und müssen auch heute noch oft das Recht auf finanzielle Unterstützung des Vaters einklagen. Wenn sie das „Glück“ haben, in einer partnerschaftlichen Beziehung zu sein, sind sie zwar finanziell abgesichert, aber nicht selten trotzdem in Gefahr: noch immer erlebt fast jede Vierte Frau in der Partnerschaft Gewalt und noch immer leben wir in einem System, dass den Täterschutz mehr priorisiert als die Opfer.
In diesem Sinne bleibt auch heute der Appell von Gabriele Reuter bestehen: Dass sich das Schicksal der Frau nicht ändern wird, „solange Mädchen leben und lieben - solange Männer Männer bleiben“ (S. 112). Auf, dass sich Frauen nicht länger „gegenseitig hassen, verachten und verfolgen“ (S. 116), sondern sich zusammenschweißen.
Eine Empfehlung also für Alle, die die Situation von Frauen ebenfalls noch ungerecht finden und dazu einen ausgezeichnet geschriebenen Roman lesen wollen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Unerwartet unbefriedigend und gleichzeitig sehr reflektiv.

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich, die ich Männer nicht kannte ist nicht nur eine Reise auf einen anderen Planeten und in eine andere Zeit, sondern vor allem eine Reise zu den grundlegenden Fragen, die in uns allen schlummern: Was ...

Ich, die ich Männer nicht kannte ist nicht nur eine Reise auf einen anderen Planeten und in eine andere Zeit, sondern vor allem eine Reise zu den grundlegenden Fragen, die in uns allen schlummern: Was bedeutet es eigentlich, Mensch zu sein?

Durch die Augen der Protagonistin entdecken wir eine Welt, in der zwar alles vorhanden ist, was man zum Überleben braucht – Luft zum Atmen, Essen und ein Dach über dem Kopf – und doch das Wesentliche fehlt: Verbundenheit. Die Erzählerin wächst mit 39 anderen Frauen in Gefangenschaft auf, ohne Eltern, ohne Privatsphäre und ohne jede Form von körperlicher Nähe. Berührungen sind verboten, Zuneigung ebenso. Gleichzeitig sind die Frauen auch aller Errungenschaften unserer Zeit beraubt – Bildung, Kultur, angemessene Kleidung.

Selbst nachdem die Protagonistin der Gefangenschaft entkommt, fühlt sich das nicht wie eine erkämpfte Freiheit an. Vielmehr ist es ein weiteres Anpassen an eine neue, fremde Realität. Besonders berührend fand ich, dass sie erst sehr spät erkennt, dass selbst sie – die ohne Bindung, Zuneigung und Nähe aufgewachsen ist – doch fähig war zu fühlen:

“I was forced to acknowledge too late, much too late, that I too had loved, that I was capable of suffering, and that I was human after all.”

Und vielleicht liegt genau darin die Antwort auf die zentrale Frage des Buches: Mensch sein heißt fühlen zu können. Freude ebenso wie Leid – und darin mit anderen verbunden zu sein.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: klar, ruhig und gleichzeitig unglaublich eindringlich. Auch der Spannungsbogen bleibt über das ganze Buch hinweg bemerkenswert stark, obwohl die Geschichte eher von Gedanken und Beobachtungen lebt als von klassischer Handlung.

Viele Fragen bleiben am Ende offen – warum das alles passiert ist, wo diese Welt liegt, was mit der Menschheit geschehen ist. Das kann frustrierend sein, und auch ich hätte mir an manchen Stellen mehr Antworten gewünscht. Gleichzeitig ist genau dieses offene Ende vielleicht der stärkste Kniff des Romans: Denn so wie die Protagonistin müssen auch wir akzeptieren, dass wir nicht immer Antworten bekommen. Oft leben – und sterben – wir, ohne alle Fragen klären zu können.

Mich hat das Buch jedenfalls tief berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Starke Frauen in der Generationenperspektive

Niemands Töchter
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Niemands Töchter hat mich schon aufgrund seines Covers und Titel angesprochen und auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Obgleich es viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel gab, hatte ich das Gefühl, ...

Niemands Töchter hat mich schon aufgrund seines Covers und Titel angesprochen und auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Obgleich es viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel gab, hatte ich das Gefühl, eine stringente Geschichte zu lesen und quasi mit den Protagonistinnen die Geschichten aufzuarbeiten. Mir hat der transgenerationale Aspekt der Geschichte ausgesprochen gut gefallen und auch die Zusammenführung im psychotherapeutischen Setting - das ich ebenfalls erstaunlich gelungen fand. Die Sprache der Autorin ist klar und expressiv und hat in mir eine gelungene Identifikation mit den Protagonistinnen geweckt. Ebenfalls angesprochen hat mich, wie gelungen subtil und "selbstverständlich" das Thema psychische Gesundheit/Neurodiversität Einzug in die Geschichte gehalten hat.
Eine klare Empfehlung für Fans von tiefergehenden, transgenerationalen Geschichten mit starken Frauenfiguren und Reflexion zum Thema "Mutter". Für mich schon ein Highlight des Jahres.

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