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Veröffentlicht am 30.03.2026

Die Lebensrealität von Frauen - Heute und Damals

Das Tränenhaus. Roman
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Eine wirkliche Empfehlung und mein Lesehighlight bisher in diesem Jahr. Der neuaufgelegte Klassiker wird nicht nur seinem Ziel gerecht, die Frauen der Literaturgeschichte wieder mehr in den Fokus zu nehmen, ...


Eine wirkliche Empfehlung und mein Lesehighlight bisher in diesem Jahr. Der neuaufgelegte Klassiker wird nicht nur seinem Ziel gerecht, die Frauen der Literaturgeschichte wieder mehr in den Fokus zu nehmen, sondern zeigt in der Aktualität der Geschichte, dass sich die Realität von Frauen trotz der vergangenen Zeit nur scheinlich verbessert hat.
Mit einem faszinierenden Talent, Sprache so zu verwenden, dass die Geschichte zum Leben erwacht und farbenfrohe, lebendige Bilder entstehen, führt uns Gabriele Reuter in das Leben einer Frau, die nicht in die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit passt. In ihrer Geschichte liegt der klar formulierte und zwischen den Zeilen schmerzhaft greifbare Appell an die weibliche Solidarität. Zwar müssen Frauen heute -zumindest in meiner privilegierten Blase - keine Angst mehr haben, mit einem „unehelichen“ Kind gesellschaftlich geachtet zu werden und mittellos dazustehen, aber Gleichberechtigung der Geschlechter haben wir noch lange nicht erreicht. Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer und müssen auch heute noch oft das Recht auf finanzielle Unterstützung des Vaters einklagen. Wenn sie das „Glück“ haben, in einer partnerschaftlichen Beziehung zu sein, sind sie zwar finanziell abgesichert, aber nicht selten trotzdem in Gefahr: noch immer erlebt fast jede Vierte Frau in der Partnerschaft Gewalt und noch immer leben wir in einem System, dass den Täterschutz mehr priorisiert als die Opfer.
In diesem Sinne bleibt auch heute der Appell von Gabriele Reuter bestehen: Dass sich das Schicksal der Frau nicht ändern wird, „solange Mädchen leben und lieben - solange Männer Männer bleiben“ (S. 112). Auf, dass sich Frauen nicht länger „gegenseitig hassen, verachten und verfolgen“ (S. 116), sondern sich zusammenschweißen.
Eine Empfehlung also für Alle, die die Situation von Frauen ebenfalls noch ungerecht finden und dazu einen ausgezeichnet geschriebenen Roman lesen wollen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Unerwartet unbefriedigend und gleichzeitig sehr reflektiv.

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich, die ich Männer nicht kannte ist nicht nur eine Reise auf einen anderen Planeten und in eine andere Zeit, sondern vor allem eine Reise zu den grundlegenden Fragen, die in uns allen schlummern: Was ...

Ich, die ich Männer nicht kannte ist nicht nur eine Reise auf einen anderen Planeten und in eine andere Zeit, sondern vor allem eine Reise zu den grundlegenden Fragen, die in uns allen schlummern: Was bedeutet es eigentlich, Mensch zu sein?

Durch die Augen der Protagonistin entdecken wir eine Welt, in der zwar alles vorhanden ist, was man zum Überleben braucht – Luft zum Atmen, Essen und ein Dach über dem Kopf – und doch das Wesentliche fehlt: Verbundenheit. Die Erzählerin wächst mit 39 anderen Frauen in Gefangenschaft auf, ohne Eltern, ohne Privatsphäre und ohne jede Form von körperlicher Nähe. Berührungen sind verboten, Zuneigung ebenso. Gleichzeitig sind die Frauen auch aller Errungenschaften unserer Zeit beraubt – Bildung, Kultur, angemessene Kleidung.

Selbst nachdem die Protagonistin der Gefangenschaft entkommt, fühlt sich das nicht wie eine erkämpfte Freiheit an. Vielmehr ist es ein weiteres Anpassen an eine neue, fremde Realität. Besonders berührend fand ich, dass sie erst sehr spät erkennt, dass selbst sie – die ohne Bindung, Zuneigung und Nähe aufgewachsen ist – doch fähig war zu fühlen:

“I was forced to acknowledge too late, much too late, that I too had loved, that I was capable of suffering, and that I was human after all.”

Und vielleicht liegt genau darin die Antwort auf die zentrale Frage des Buches: Mensch sein heißt fühlen zu können. Freude ebenso wie Leid – und darin mit anderen verbunden zu sein.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: klar, ruhig und gleichzeitig unglaublich eindringlich. Auch der Spannungsbogen bleibt über das ganze Buch hinweg bemerkenswert stark, obwohl die Geschichte eher von Gedanken und Beobachtungen lebt als von klassischer Handlung.

Viele Fragen bleiben am Ende offen – warum das alles passiert ist, wo diese Welt liegt, was mit der Menschheit geschehen ist. Das kann frustrierend sein, und auch ich hätte mir an manchen Stellen mehr Antworten gewünscht. Gleichzeitig ist genau dieses offene Ende vielleicht der stärkste Kniff des Romans: Denn so wie die Protagonistin müssen auch wir akzeptieren, dass wir nicht immer Antworten bekommen. Oft leben – und sterben – wir, ohne alle Fragen klären zu können.

Mich hat das Buch jedenfalls tief berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Starke Frauen in der Generationenperspektive

Niemands Töchter
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Niemands Töchter hat mich schon aufgrund seines Covers und Titel angesprochen und auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Obgleich es viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel gab, hatte ich das Gefühl, ...

Niemands Töchter hat mich schon aufgrund seines Covers und Titel angesprochen und auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Obgleich es viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel gab, hatte ich das Gefühl, eine stringente Geschichte zu lesen und quasi mit den Protagonistinnen die Geschichten aufzuarbeiten. Mir hat der transgenerationale Aspekt der Geschichte ausgesprochen gut gefallen und auch die Zusammenführung im psychotherapeutischen Setting - das ich ebenfalls erstaunlich gelungen fand. Die Sprache der Autorin ist klar und expressiv und hat in mir eine gelungene Identifikation mit den Protagonistinnen geweckt. Ebenfalls angesprochen hat mich, wie gelungen subtil und "selbstverständlich" das Thema psychische Gesundheit/Neurodiversität Einzug in die Geschichte gehalten hat.
Eine klare Empfehlung für Fans von tiefergehenden, transgenerationalen Geschichten mit starken Frauenfiguren und Reflexion zum Thema "Mutter". Für mich schon ein Highlight des Jahres.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Komplexer, hochspannender Fantasy Roman

Alchemised
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Ehrlich gesagt, habe ich Alchemised nur gekauft, weil ich vor einiger Zeit mal in Manacled reingestöbert habe, aber nicht mehr die Muse hatte, eine komplette Fanfiction zu lesen. Ich finde es wunderbar, ...

Ehrlich gesagt, habe ich Alchemised nur gekauft, weil ich vor einiger Zeit mal in Manacled reingestöbert habe, aber nicht mehr die Muse hatte, eine komplette Fanfiction zu lesen. Ich finde es wunderbar, dass SenLinYu den - bestimmt mit viel Aufwand verbundenen - Schritt gewagt hat, die Fanfiction zu einem komplexen, völlig unabhängig und neuen Fantasyroman umzuschreiben, der überzeugt!

Vorab: das Buch ist kein "einfacher Fantasy Read" für zwischendurch, sondern lebt durch ein komplexes Worldbuilding, hervorrangend gezeichnete Charaktere und eine spannende, anspruchsvolle Sprache, die die Welt rund um Helena und Kaine lebendig macht. Teilweise ziemlich brutal, gleichzeitig schonungslos ehrlich mit allen Charakteren wird man mitgenommen auf eine Reise durch eine Peri- und Postkriegswelt, die noch einmal klar macht, dass es in einem Krieg vor allem eins nicht gibt: Gewinner.

Ich habe mich sehr gerne in die Welt von Alchemised verloren und würde es jedem/jeder weiterempfehlen, der/die ein spannendes Buch mit komplexen Fragen, tiefgehender Charakterentwicklung und spannenden Wendungen sucht.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Anregend, Spannend, Fesselnd.

Ruf der Leere
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Mich hat schon das Cover und der Titel des Buches in den Bann gezogen. Ruf der Leere - ich kenne es in der englischen Version "Call of the Void" - ist ein spannendes Phänomen, das fast jeder von uns kennt. ...

Mich hat schon das Cover und der Titel des Buches in den Bann gezogen. Ruf der Leere - ich kenne es in der englischen Version "Call of the Void" - ist ein spannendes Phänomen, das fast jeder von uns kennt. Und in der Geschichte geht es um so viele verschiedene Leere und ums Rufen und darum, nicht gehört zu werden. Was anfängt wie ein übernatürlicher Thriller, langsam in eine Liebesgeschichte überzugehen scheint und dann mit einem lauten Knall endet, ist eine wunderbare Charakterstudie über das Leben eines Mannes, dessen Existenz sich nur um sich selbst dreht. Felix ist einsam, zurückgezogen, hochintelligent und vor allem verloren. Im Laufe der Geschichte wird immer klarer, wie wenig Kontakt er zu Außenwelt hat. Und obwohl er ein "Arschloch" zu sein scheint, manipuliert und lügt und über Leichen geht, erweckt er doch bei mir Mitleid. Ich sehe vor allem einen einsamen, verzweifelten und schwer getroffenen jungen Mann, der nicht weiß, wem er sich wie anvertrauen kann und in seinem Zynismus zu versinken droht.

Das Buch ist wahnsinnig fesseln geschrieben und lässt einen nicht los - erst recht nicht nach dem Ende. Auf jeden Fall eine klare Empfehlung für Fans von Spannung, Reflexion und guten Plot Twists.

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