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Veröffentlicht am 23.07.2019

Spannend, unterhaltend, informativ

Perry Rhodan - Das größte Abenteuer
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REZENSION - Termingerecht zum 3 000. Heft der seit 58 Jahren erfolgreichen Romanreihe um den Weltraumhelden Perry Rhodan sowie zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung im Sommer 1969 veröffentlichte Bestseller-Autor ...

REZENSION - Termingerecht zum 3 000. Heft der seit 58 Jahren erfolgreichen Romanreihe um den Weltraumhelden Perry Rhodan sowie zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung im Sommer 1969 veröffentlichte Bestseller-Autor Andreas Eschbach (59) im Februar seinen Roman „Perry Rhodan – Das größte Abenteuer“. Dass gerade Eschbach dieses 850 Seiten starke Werk verfasste, verwundert nicht, hat doch der studierte Luft- und Raumfahrttechniker selbst schon sechs eigene Romane zur Serie beigesteuert.
Wundern werden sich allenfalls jene Leser, die in Eschbachs Jubiläumswerk einen weiteren SciFi-Roman erwarten. Denn zumindest in der ersten Hälfte geht es recht irdisch zu: Der Autor schildert die Kindheit und Jugend eines normalen Knaben im provinziellen Manchester (Connecticut), dessen wechselvolle Schulzeit und spätere Pilotenkarriere bei der Air Force. Zeitlich parallel zu Rhodans Leben schildert Eschbach überaus interessant die Anfänge und weitere Entwicklung der Raumfahrt der beiden Weltmächte und deren Wettlauf zum Mond. Als Rhodan auf Empfehlung seines Onkels in die Air Force eintritt, begegnen wir den noch jungen Testpiloten und später uns namentlich bekannten Astronauten bis hin zu Neil Armstrong, dem – so haben wir bisher geglaubt – ersten Mann auf dem Mond.
Doch dass es diese Mondlandung von 1969 niemals gab, wie Verschwörungstheoretiker schon immer vermuteten, bestätigt uns der Roman: Denn nicht Armstrong, sondern Perry Rhodan war natürlich der erste Mann auf dem Mond! Schon die Apollo 8-Mission, deren drei Astronauten erstmals den Mond umkreisen sollten, scheiterte auf dessen Rückseite, die Astronauten blieben verschollen. Fortan stoppte die NASA ihr Programm. Doch bereits ein jahr zuvor war zusätzlich zur NASA auf Erlass von Präsident Richard Nixon die höchst geheime US Space Force in Groom Lake (Nevada) gegründet worden, deren Stützpunkt wir als geheimnisvolle Area 51 kennen, sowie die California Academy of Spaceflight für Forschung, Entwicklung und Ausbildung in Santa Maria (Kalifornien). Erster Pilot und Ausbilder wurde natürlich Perry Rhodan, der schon bei der Air Force durch seine Flugkunst und Reaktionsschnelligkeit aufgefallen war. Hier wird auch das atombetriebene Raumschiff „Stardust“ gebaut, mit dessen Hilfe Rhodan schließlich 1971 als erster Mensch auf dem Mond landet – so wie es in Heft 1 der Serie (1961) geschrieben steht.
Bei Lektüre des Romans ist es faszinierend zu beobachten, wie es Andreas Eschbach gelingt, auf den ersten 300 Seiten die reale Zeitgeschichte der USA in ihrem historischen Fortgang zu beschreiben, auf den nächsten 300 Seiten aus dieser gesellschaftlichen und politischen Entwicklung heraus die Figur Perry Rhodans zu entwickeln, dann fast unmerklich aus der Realität in die Fiktion hinüberzugleiten, um schließlich im letzten Drittel – ähnlich einem Kopplungsmanöver zweier Raumschiffe – mit reiner Science Fiction störungsfrei an die Erstausgaben der Heftreihe anzukoppeln.
Eschbachs Mammutwerk „Perry Rhodan – Das größte Abenteuer“ ist ein lesenswertes Buch für Freunde spannender Unterhaltungsromane, aber auch für Leser mit Interesse an der Raumfahrtgeschichte und natürlich Pflichtlektüre für alle Perry-Rhodan-Fans. Wer sich bislang nicht für SciFi-Romane interessierte, könnte nach Eschbachs Roman auf den Geschmack kommen.

Veröffentlicht am 10.07.2019

Deutsche Zeitgeschichte, spannend und unterhaltend erzählt

Rheinblick
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Nach dem Erfolg ihres Bestsellers „Bühlerhöhe“ (2016) über die Gründerjahre der westdeutschen Bundesrepublik um 1952 unter CDU-Kanzler Konrad Adenauer war eine Fortsetzung fast zwingend. Im Februar veröffentlichte ...

Nach dem Erfolg ihres Bestsellers „Bühlerhöhe“ (2016) über die Gründerjahre der westdeutschen Bundesrepublik um 1952 unter CDU-Kanzler Konrad Adenauer war eine Fortsetzung fast zwingend. Im Februar veröffentlichte nun Brigitte Glaser (64) ihren Roman „Rheinblick“ über die Situation 20 Jahre später, einen für heutige Leser historisch und politisch fast noch interessanteren Zeitabschnitt mit den Auswirkungen der 1968er Revolte der jugendlichen Nachkriegsgeneration und dem politischen Wandel unter SPD-Kanzler Willy Brandt.
„Bonn ist in den Tagen nach der Wahl ein brodelndes Durcheinander, es geht um Positionen und Posten, um Versprochenes und Verrat“, führt der Klappentext in die wieder recht spannende Handlung ein, die bei vielen älteren Lesern lebhafte Erinnerungen an eigene Jugendjahre wach werden lässt, den jüngeren ein lebendiges Bild der gesellschaftspolitischen Situation um das Jahr 1972 gibt. Willy Brandt, seit 1969 Bundeskanzler einer Koalitionsregierung mit der FDP, hatte gerade die Wahl gewonnen. Glaser beschreibt anschaulich und nachvollziehbar die Stimmung in Bonn – mit Gültigkeit für die gesamte Republik – sowohl in der Bevölkerung als auch auf politischer Ebene. Wir lernen Hilde Kessel kennen, die Wirtin des beliebten Lokals „Rheinblick“, in dem sich Minister und Abgeordnete aller Parteien, Mitarbeiter der Ministerien ebenso wie der „Mann von der Straße“ zum Mittagstisch oder zum abendlichen Umtrunk treffen. Neutralität ist für die Wirtin oberstes Gebot, doch kann auch sie am Ende nicht verhindern, in den Sog politischer Intrigen gezogen zu werden. Und wir lernen die junge Logopädin Sonja Engel kennen, die in der Behandlung des erkrankten Kanzlers eine Chance für ihre berufliche Karriere sieht. Brandt hatte sich während des erschöpfenden Wahlkampfs verausgabt um in der Wahlnacht seine Stimme verloren. Nun war er zur Behandlung in der Klinik auf dem Venusberg. Auch Sonja gerät aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Kanzler in den Strudel aus Machthunger und Verrat, während die SPD-Größen Horst Ehmke, Helmut Schmidt und Herbert Wehner im einsetzenden Koalitionspoker die Strippen ziehen. „Ich musste noch lernen, dass es auch in den eigenen Reihen Leute gibt, die …. Erfolg übelnehmen und kaum verzeihen“, zitiert Glaser zur Einführung einen Satz aus Willy Brandts „Erinnerungen“.
Wir erleben durch Glasers gut recherchierten und präzise erzählten Roman einerseits den spannenden Machtkampf im Bonner Regierungsviertel mit Intrigen, Verrat und Stimmenkauf. Auch der Name des später enttarnten DDR-Spions Guillaume erscheint in einem Nebensatz wie zufällig. Andererseits vermittelt uns die Autorin anhand ihrer so unterschiedlichen Protagonisten sehr plastisch den gesellschaftlichen Umbruch, die Spannung zwischen konservativen Elternhäusern und ihren in Wohngemeinschaften persönliche und sexuelle Freiheit suchenden Studenten-Kindern, verbunden mit der Gefahr des Abgleitens nicht weniger Jugendlicher in Drogenkonsum und Kriminalität.
„Rheinblick“ von Brigitte Glaser ist dank seiner vielschichtigen Handlung und der gut charakterisierten Figuren ein spannender Unterhaltungsroman, dem die erfahrene Handschrift der Krimi-Autorin anzumerken ist. Zugleich ist es aber auch ein sehr interessanter, für jüngere Leser sogar informativer politischer Roman, der sich zu lesen lohnt.

Veröffentlicht am 23.06.2019

Gelungene Kombination von historischem Gesellschafts- u. Kriegsroman

Der Preis der Freiheit
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REZENSION – In seiner komplexen Handlung spannend und zugleich historisch interessant ist der Roman „Der Preis der Freiheit“ von David Gilman. In Deutschland kennt man den britischen Schriftsteller durch ...

REZENSION – In seiner komplexen Handlung spannend und zugleich historisch interessant ist der Roman „Der Preis der Freiheit“ von David Gilman. In Deutschland kennt man den britischen Schriftsteller durch seinen fünfbändigen, im 14. Jahrhundert angesiedelten Zyklus „Legenden des Krieges“. Auch in seinem neuen, schon 2016 in Großbritannien veröffentlichten Roman, der erst jetzt in deutscher Übersetzung bei Rowohlt als 450-seitiges Taschenbuch erschien, beschreibt Gilman einen Krieg, allerdings einen neuzeitlichen - den zweiten Burenkrieg von 1899 bis 1902. Damals kämpften englische Truppen an der Südspitze Afrikas gegen die beiden Buren-Republiken Oranje und Transvaal, um ihre eigenen Provinzen (Kapprovinz und Natal) und vor allem die Bodenschätze Südafrikas (Gold und Diamanten) sich zu sichern.
Dieser zweite Burenkrieg mag für David Gilmans britische Leser von größerer Bedeutung sein als für deutsche, da dieser Krieg kein Teil deutscher Geschichte ist. Dennoch ist lesenswert, wie konkreten Folgen gerade dieser Burenkrieg als erster „moderner“ Krieg auf die strategische Kriegsführung nachfolgender Kriege hatte. Dieser Aspekt macht den hervorragend recherchierten und die damaligen gesellschaftlichen und politischen Spannungen zwischen England und Irland sowie die Kriegssituation in Südafrika um 1900 bis in alle Einzelheiten erzählenden Roman auch für deutsche Leser interessant. Allerdings ist zu empfehlen, vorher die nachgefügten 15-seitigen Erläuterungen zu den geschichtlichen Hintergründen und zur damaligen Situation in Südafrika zu lesen.
Vor diesem geschichtlichen Hintergrund erzählt Gilman eine spannende Geschichte über die Männerfreundschaft zwischen dem aus England stammenden amerikanischen Bürgerkriegsveteran Joseph Radcliffe und seinem schwarzen Kampfgefährten Benjamin Pierce, der, einst aus der Südstaaten-Sklaverei befreit und im US-Bürgerkrieg bewährt, nun mit Radcliffe im irischen Dublin lebt. Beide kümmern sich um dessen heranwachsenden Sohn Edward, dessen Mutter angeblich vor Jahren gestorben ist.
In Irland schwelt um 1900 die Rebellion und Radcliffe verteidigt als liberaler Anwalt einige irische Freiheitskämpfer. Doch alles ändert sich, als sich sein von ihm streng umsorgter Sohn Edward nach einem Streit nach Südafrika einschifft, um sich vor seinem Vater im Burenkrieg als Mann beweisen zu können. Radcliffe und Pierce, die altgedienten US-Kavalleristen, folgen ihm, um ihn nach Hause zu holen. Völlig schutzlos bewegen sich die beiden Veteranen in Südafrika zwischen den Fronten und lernen eine neue Form der Kriegstaktik kennen.
Hier liegt die Stärke des Romans: David Gilman versteht es, einzelne Kämpfe und Gefechte in der südafrikanischen Steppe so authentisch und lebendig zu beschreiben, dass man als Leser mittendrin zu sein glaubt, wobei im Roman nicht das mörderische Blutvergießen, sondern die neuartige Taktik und die innere Einstellung der so unterschiedlichen Truppenteile zu diesem Krieg stehen, in dem neben den Engländern auch königliche Iren gegen republikanische Iren kämpften. Während die Briten noch nach alter Tradition in geschlossener Formation kämpften und auf die Kraft ihrer Kavallerie vertrauten, verwickelten die Buren und ihre Freischärler, formiert in kleinen Kommandos, sie in einen bisher unbekannten Guerillakrieg.
In seinen realistischen Schilderungen zeigt uns David Gilman nicht nur die Schrecken des Krieges, sondern auch dessen Unsinnigkeit, an dessen Ende alle Beteiligten Opfer bringen müssen - egal auf welcher Seite sie gekämpft, ob sie den Krieg gewonnen oder verloren haben. Jeder hat am Ende einen Preis für seine Freiheit zahlen müssen. „Der Preis der Freiheit“ ist eine gelungene Kombination aus spannend erzähltem Gesellschafts- und gut recherchiertem Kriegsroman.

Veröffentlicht am 20.06.2019

Modernes Märchen mit philosophischem Tiefgang

Sommer bei Gesomina
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REZENSION - „Florian Beckerhoff ist ein wunderbar leiser, besinnlicher und poetischer Roman gelungen, der sich trotz seines philosophischen Tiefgangs leicht lesen lässt.“ Dies schrieb ich schon 2017 über ...

REZENSION - „Florian Beckerhoff ist ein wunderbar leiser, besinnlicher und poetischer Roman gelungen, der sich trotz seines philosophischen Tiefgangs leicht lesen lässt.“ Dies schrieb ich schon 2017 über den vorigen Roman „Herrn Haiduks Laden der Wünsche“ des in Berlin lebenden 43-jährigen Schriftstellers. Dasselbe gilt auch für sein kürzlich wieder bei Harper Collins veröffentlichtes Buch „Sommer bei Gesomina“. Wie damals lässt sich auch bei Beckerhoffs neuem Roman die Kernaussage in einem Satz zusammenfassen: Das wahre Glück im Leben findet man nur in den kleinen Dingen und Begebenheiten des Alltäglichen.
Denn wieder spielt sich alles in nur einer Straße eines Berliner Altstadtviertels ab, dessen kleinbürgerlichen Bewohner abseits des großstädtischen Trubels in ihrem von der Welt anscheinend vergessenen Mikrokosmos ihr klägliches Dasein fristen – bis plötzlich der zwölfjährige Jona auftaucht, um seine Sommerferien bei Gesomina Massati zu verleben, die ihn einst jahrelang als Kleinkind betreut hatte. Jona, der Sohn aus großbürgerlichem Elternhaus – der Vater ist als Unternehmensberater weltweit im Einsatz, die Mutter strebt als Autorin nach Anerkennung – hatte sich enttäuscht geweigert, in den Sommerferien seine Mutter „als lästiges Anhängsel“ nach Hollywood zu begleiten, nachdem nun keine Zeit für den eigentlich geplanten Ferienclub-Urlaub war. Stattdessen vertraut die Mutter den Zwölfjährigen seiner früheren Kinderfrau Gesomina an, der kleinen resoluten Frau aus Mogadischu, die seit 40 Jahren allein in einem Altberliner Hinterhof in der Dachgeschosswohnung eines heruntergekommenen Mietshauses lebt.
Fast scheint es, als lebe auch Florian Beckerhoff inmitten dieses Berliner Kiezviertels und habe sich von seinen Mitbewohnern inspirieren lassen, so authentisch, humorvoll und zugleich liebevoll beschreibt er seine so unterschiedlichen Charaktere, die man als Leser einfach mögen muss: Da gibt es den Grafiker Milan als Betreiber einer meistens geschlossenen Bar, die einsame Weinhändlerin, den Übersetzer, der sich dem Vermieter gegenüber als Maler ausgibt, den türkischstämmigen Friseur Ergün oder den vietnamesischen Supermarkt-Inhaber Dong und Tom Spencer, den Stiefelverkäufer aus Tasmanien. Alle versuchen sich in dieser Straße irgendwie über Wasser zu halten, fühlen sich von der Welt unverstanden, leben einsam vor sich hin, haben kaum Kontakt untereinander.
Erst der zwölfjährige Jona bringt durch seine kindliche Unbeschwertheit und Lebensneugier neue Bewegung in aller Dasein. Er entdeckt hier, fern seiner häuslichen Einsamkeit, das wahre Leben, lernt hier die unterschiedlichsten Menschen und ihre Schicksale kennen. Seine Neugier und sein Mitgefühl führen die Bewohner der Straße zusammen und erwecken ihre Lebensgeister aufs Neue. Der Übersetzer versucht sich jetzt tatsächlich als Maler, der Bar-Betreiber öffnet ganztägig und baut die Bar zum Bistro um, Tom Spencer kümmert sich nach vielen Jahren um seine alte Mutter im fernen Tasmanien, die Weinhändlerin versucht sich ohne jede Ahnung von Büchern als Betreiberin eines Antiquariats. „Es geht darum, es zu tun“, hatte auch Tom Spencer durch Jonas frische Aktivität erkannt: „Angebote machen, Möglichkeiten schaffen.“ Denn es war Jona, der sich voller Eifer auf die Suche nach Gesominas vor 50 Jahren verlorenen Sohn macht und sich auch durch Rückschläge von seinem Ziel nicht abbringen lässt.
„Sommer bei Gesomina“ ist tatsächlich wie sein Vorgänger „Herrn Haiduks Laden der Wünsche“ wieder ein wunderbar leiser, besinnlicher und poetischer Roman. Die verschiedenen Figuren mögen fiktiv sein, sie könnten aber ebenso wirklich im Berliner Kiez gleich um die Ecke leben. Es sind die kleinen Helden des Alltags, die ihr teilweise beschwerliches Schicksal zu meistern versuchen. „Sommer bei Gesomina“ ist einerseits ein „Wohlfühlroman“ und liest sich wie ein modernes Großstadtmärchen, ist andererseits aber ein „Mutmacher“, vielleicht selbst noch einmal durchzustarten – voller Neugier auf bisher unerkannte Chancen, die das Leben einem bieten mag. Man fühlt sich von Florian Beckerhoff dabei an die Hand genommen, wie es auch Gesomina mit dem kleinen Jona auf dem Cover-Bild macht.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein Roman, der Geduld abverlangt

Der letzte Leuchtturm
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Der Debütroman "Der letzte Leuchtturm" des schottischen Autors und Lyrikers Michael Pedersen (41), der im Jahr 2025 auf der Shortlist des schottischen Buchpreis Saltires stand, ist ein stilles, atmosphärisch ...

Der Debütroman "Der letzte Leuchtturm" des schottischen Autors und Lyrikers Michael Pedersen (41), der im Jahr 2025 auf der Shortlist des schottischen Buchpreis Saltires stand, ist ein stilles, atmosphärisch dichtes Werk, das sich stark über Stimmung und innere Konflikte entfaltet, allerdings weniger über eine spektakuläre Handlung. Im Zentrum steht ein abgelegener Leuchtturm auf der Shetlandinsel Muckle Flugga, der nördlichste Ort Großbritanniens - Sinnbild für Isolation, Orientierung und Vergänglichkeit. Pedersen erzählt die Geschichte von Ouse, die sich mit Einsamkeit, Erinnerungen und existenziellen Fragen auseinandersetzt. Der Leuchtturm fungiert dabei als starkes Symbol: Er spendet Orientierung, steht aber gleichzeitig isoliert – ähnlich wie die Hauptfigur. Die äußere Handlung bleibt oft ruhig, fast minimalistisch, während sich in Ouses Inneren umso mehr bewegt. Pedersens Sprache ist recht poetisch, weshalb mancher den Stil auch als etwas schwülstig empfinden mag. Viele Passagen des Romans leben von Naturbeschreibungen, Licht- und Wetterstimmungen sowie inneren Monologen, was das Tempo des Romans verlangsamt und vom Leser auch Geduld abverlangt. "Der letzte Leuchtturm" ist ein leiser, nachdenklicher Roman, der besonders Leser ansprechen dürfte, die literarische, introspektive Geschichten schätzen. Wer sich auf das langsame Tempo einlässt, wird mit einer intensiven, fast meditativen Lektüre belohnt. Wer eine aktionsreiche Handlung erhofft, wird enttäuscht.