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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2025

Starke Kinderstimmen – trotz sprachlicher Stolpersteine

Klub der seltsamen Kinder
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Wir befinden uns in Tschechien und begleiten vier sehr unterschiedliche Kinder auf ihrem Weg zueinander: zu einem gemeinsamen Ausbruch und zu einer entstehenden Freundschaft. Mila, die mit ihren Aussetzern ...

Wir befinden uns in Tschechien und begleiten vier sehr unterschiedliche Kinder auf ihrem Weg zueinander: zu einem gemeinsamen Ausbruch und zu einer entstehenden Freundschaft. Mila, die mit ihren Aussetzern und ihrer großen Tierliebe als „seltsam“ gilt, ist sich ihrer Andersartigkeit bewusst, ebenso wie Peter, der nachts noch Angst im Dunkeln hat. Katka, die Älteste, fühlt sich aufgrund ihres Übergewichts und ihres einsamen Hobbys, dem Lesen, oft ausgegrenzt. Franta, der später zur Gruppe stößt, hat eine körperliche Beeinträchtigung an den Beinen.
Anhand der Buchstaben erkennt man, wer gerade erzählt. Sehr schön umgesetzt, denn so spricht jedes Kind für sich selbst und gibt Einblick in seine ganz persönliche Sicht auf die Welt, samt der von außen zugeschriebenen Rolle als Außenseiterin.
Gut gelungen ist auch, dass die Kinder bei ihrem kleinen Abenteuer bewusst ihre Handys zu Hause lassen. Ohne Google Maps wird die Unternehmung zu einer echten Herausforderung und dadurch umso abenteuerlicher. Die Illustrationen fangen die jeweilige Stimmung feinfühlig ein und passen gut zum Inhalt.
Die kindliche Perspektive ist inhaltlich überzeugend dargestellt: Die Gewichtung der Probleme, Sorgen und Ängste entspricht tatsächlich der Erfahrungswelt von Kindern. Die Sprache hingegen wirkt an manchen Stellen wenig authentisch, möglicherweise ein Problem der Übersetzung. Ob der Stil im Original dem Tschechischen entspricht, lässt sich schwer beurteilen. Einige Ausdrücke erinnern eher an ein älteres Kinderbuch oder sind für die Zielgruppe untypisch. Ich wusste zum Beispiel in der 5. Klasse nicht, was „lallen“ im Zusammenhang mit Alkohol bedeutet. Oder wenn Katka ganz selbstverständlich „arg“ steigert oder „Würstel“ anbietet. Das klingt wenig kindgerecht. Auch die häufig sehr langen Sätze, die sich durch alle Erzählperspektiven ziehen, machen es schwer, die Figuren sprachlich voneinander zu unterscheiden.
Die Geschichte an sich ist durchaus schön, vor allem durch die bunt zusammengewürfelte Truppe. Zwischendurch zieht sie sich allerdings ein wenig. Ich würde das Buch daher eher älteren Leser
innen empfehlen, vielleicht ab der 6. Klasse.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Starke Zeitreise, schwache Konflikte

A Spark of Time - Ein Date mit Mr Darcy
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Lillys Herz ist gebrochen. Ray – alias Damien – kann ebenfalls durch die Zeit reisen und wollte ihr einst sogar das Zahnrad stehlen. Seine Sorge um seine Schwester Ruby kann Lilly zwar nachvollziehen, ...

Lillys Herz ist gebrochen. Ray – alias Damien – kann ebenfalls durch die Zeit reisen und wollte ihr einst sogar das Zahnrad stehlen. Seine Sorge um seine Schwester Ruby kann Lilly zwar nachvollziehen, doch verzeihen kann sie ihm (noch) nicht. Dennoch bleibt ihnen keine Wahl: Sie müssen erneut gemeinsam in die Vergangenheit reisen, denn Damiens Vater erpresst Lilly – mit dem Schicksal ihres eigenen Vaters.
Die Reise führt sie ins England der Regency-Zeit, mitten hinein in das Leben von Jane Austen. Dort treffen sie nicht nur auf die berühmte Autorin von Stolz und Vorurteil, sondern auch auf ihren ganz realen Mr. Darcy. Die gesellschaftlichen Normen dieser Epoche bringen die beiden mehr als einmal in prekäre Situationen – und in große Gefahr. Lilly ist von der historischen Kulisse fasziniert und glänzt mit ihrem geschichtlichen Wissen.
Doch zwischen ihr und Damien knistert es – trotz Vertrauensproblemen ist da etwas. Dieses "Etwas" wird allerdings in einer viel zu ausufernden und unpassenden Sexszene derart übertrieben dargestellt, dass es den Lesefluss stört. Die Szene wirkt fehl am Platz und hätte der Geschichte nicht gefehlt – im Gegenteil.
Auch der Fokus auf die eigentliche Mission geht stellenweise verloren. Die Handlung in der Vergangenheit ist so spannend und atmosphärisch dicht, dass man leicht vergisst, in welcher Gefahr die Figuren eigentlich schweben. Das liegt auch daran, dass Damiens Vater von Beginn an überzeichnet böse dargestellt wird – ohne klare Entwicklung oder Aufbau. Dadurch fehlt es an echter Bedrohung oder Spannung.
Zudem wird am Ende eine weitere Figur plötzlich als Gegenspieler enthüllt, was eher verwirrt als überrascht und die Handlung auf eher merkwürdige Weise weiterspinnt.
Trotzdem: Die historischen Fakten und die Einbindung Jane Austens und ihrer Zeit sind großartig gelungen. Eine tolle Geschichte für Zeitreise-Fans – mit einer Einschränkung: Würde man auf die erwähnte Szene verzichten, wäre das Buch auch für jüngere Leser:innen geeignet.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Hatte mehr erhofft

Zwei in einem Bild
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Nach dem wunderschönen Cover und dem vielversprechenden Klappentext hatte ich mir eine Geschichte erhofft, die gerade aufgrund ihres geringen Realitätsanspruchs vielleicht sogar surrealistische ...

Nach dem wunderschönen Cover und dem vielversprechenden Klappentext hatte ich mir eine Geschichte erhofft, die gerade aufgrund ihres geringen Realitätsanspruchs vielleicht sogar surrealistische Elemente oder zumindest eine besondere Form von Tiefe entfaltet.
Diese Erwartung wurde jedoch nicht erfüllt. Von Beginn an hat mich der kindlich wirkende, stark monologische Stil gestört. Wie in einer Art schlichtem Tagebuch sollen wir als Lesende die Hintergründe der Figuren über ihre Selbstbefragungen erschließen. Diese wirken jedoch oft plump und wenig subtil, etwa in Fragen wie: „Hatte ich vielleicht Vertrauensprobleme, weil ich von meinem Exfreund so enttäuscht wurde, als er XY gemacht hat?“
Auch die Protagonistin verbleibt auf dieser oberflächlichen Ebene, wodurch die dargestellte Liebesbeziehung wenig glaubwürdig erscheint. Keine der Figuren gewinnt an Tiefe oder Individualität, und auch eine wirkliche Handlung ist kaum erkennbar. Stattdessen wirkt der Text wie ein direktes, konstruiertes Hinführen zum Kennenlernen und Verlieben, als müsse es einfach so passieren.
Besonders enttäuschend ist zudem der Umgang mit dem Themenfeld der Kunst. Trotz Bezügen zu realhistorischen Persönlichkeiten bleibt die Darstellung erstaunlich oberflächlich und schöpft ihr Potenzial nicht aus. Dabei erscheint es fast, als sei diese Art des Schreibens komplizierter inszeniert, als tatsächlich inhaltliche Tiefe zu entwickeln.
Eine schöne Idee, aber eine enttäuschende Umsetzung.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Unverstandene Künstler und künstliche Konflikte

A Poet's Heart (Broken Artists, Band 1)
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Eine Romance-Geschichte, die unter dem Trope slow burn fällt und wirklich slow und für mich unauthentisch voranschleicht.

Fenn ist eine extrem wortkarge Figur. Warum das so ist, erfährt man erst spät, ...

Eine Romance-Geschichte, die unter dem Trope slow burn fällt und wirklich slow und für mich unauthentisch voranschleicht.

Fenn ist eine extrem wortkarge Figur. Warum das so ist, erfährt man erst spät, aber die Erklärung ist durchaus nachvollziehbar. Äußerlich wirkt er natürlich absolut makellos, und seine Gedanken kreisen angeblich ausschließlich um tiefgründige Themen. Dass er Musiker ist, macht ihn als einsamen Künstler aus, aber fiktive Musik in Büchern überzeugt mich selten. Auch hier fällt es mir schwer, eine Verbindung zu den Songs aufzubauen, da man nur den Text vor sich hat. Seine englischsprachigen Lieder wirken auf mich eher plump, mit Botschaften, die gefühlt alle „Oh, I wanna talk to you, but I can’t“ aussagen. Dass Yva davon so beeindruckt ist, konnte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.

Natürlich braucht eine Liebesgeschichte ein Hindernis, das die Figuren zunächst voneinander trennt. Ich hatte allerdings erwartet, dass Yvas traumatisches Erlebnis vom Anfang eine tiefere Rolle spielen würde. Stattdessen gerät es bald in den Hintergrund, was auf mich etwas konstruiert wirkte. Insgesamt fand ich viele Stellen stark kitschüberladen. Auch die Dialoge in den Freundschaften wirkten oft unauthentisch, als würden sie nur dazu dienen, dem Lesepublikum nochmal die Hintergründe zu erklären.

Yva ist recht reflektiert, selbst wenn sie so komische Sachen sagt wie „In seiner Nähe zu sein ist ein Privileg”, sieht sie als Vorzeige-Figur ohne Ecken und Kanten ein, wie toxisch das ist. Es ist aber schön, dass hier eine junge, selbstbewusste Frau im Mittelpunkt steht. Auch das Setting in Stockholm fand ich cool.

Wen all die anderen Punkte nicht stören, wird Freude damit haben. Ich wurde mit dem Roman gar nicht warm, das komische Ende hat es leider nicht retten können.

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