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Veröffentlicht am 12.07.2018

Zweite Chance

Der Flüstermann: Thriller
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Mit diesem Buch konnte ich eine andere Gedankenwelt der Autorin kennenlernen. Anders als in ihren Zorns-Thrillern wird hier ganz im Stil eines klassischen Krimi ala Tatort ermittelt.


Laura Kern, die ...

Mit diesem Buch konnte ich eine andere Gedankenwelt der Autorin kennenlernen. Anders als in ihren Zorns-Thrillern wird hier ganz im Stil eines klassischen Krimi ala Tatort ermittelt.


Laura Kern, die Hauptfigur, kam schon in zwei Vorgängerbüchern zum Einsatz. Ich kannte keines davon, bin aber trotzdem gut mit der Geschichte und den Personen zurechtgekommen. Einige Details, die in den Vorgängern behandelten Ereignisse betreffen, bleiben mir zwar unklar, aber die Autorin streut genug Hinweise in ihren aktuellen Roman, um die Hintergründe zu den handelnden Personen zu verstehen.

Auch in diesem Buch war ich wieder einmal erstaunt, welche Grausamkeiten sich gerade weibliche Krimi/Thriller Autoren ausdenken können. Die Morde werden sehr anschaulich beschrieben, sind aber nicht zu blutrünstig oder auf Effekthascherei bedacht. Die Autorin hat den Tathergang individuell auf die Intention des Täters abgestimmt, gut gelungen.

Die Geschichte wird aus der Sicht der Ermittlerin erzählt, eingestreut werden Rückblicke auf Ereignisse, die sich sechs Jahre zuvor ereignet haben und einige Szenen, in denen wir den Mörder bei seiner Tat begleiten. Der Täter ist so zwar präsent, bleibt aber unerkannt und der Leser kann gut mitermitteln und kriminalisieren.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, die Spannung ist da, bleibt aber gerade im Mittelteil zu lange auf dem gleichen Level. Hier ist es gut, dass immer wieder Szenen aus dem komplizierten Privatleben der Ermittlerin eingebaut sind, die das Ganze interessant halten. Zum Ende hin geht die Geschichte dann recht flott voran, es kommt zu einer Enthüllung auf die der Leser schon länger gewartet hat, die mir dann aber zu schnell und zu unbefriedigend abgearbeitet wurde. Fast hat es den Anschein, die Autorin wollte das halt unbedingt noch irgendwo im Buch unterbringen. Schade.

Generell hat mich die Geschichte um Laura Kern stark an einen bestimmten amerikanischen Thriller erinnert. An sich nicht schlimm, nur ist hier der Funke nicht ganz übergesprungen, im Vergleich war es mir dann fast schon zu zahm. Trotzdem habe ich in Laura Kern eine interessante und innerlich sehr zerrissene Ermittlerin kennengelernt, die ich auf jeden Fall weiter im Auge behalten werde.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Es bleiben Erinnerungen

Eine Liebe, in Gedanken
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Wenn nahe Angehörige versterben ist das natürlich immer eine äußerst emotionale und belastende Situation. Wenn die eigene Mutter stirbt verstärken sich diese Emotionen um ein Vielfaches.

Wie man diesen ...

Wenn nahe Angehörige versterben ist das natürlich immer eine äußerst emotionale und belastende Situation. Wenn die eigene Mutter stirbt verstärken sich diese Emotionen um ein Vielfaches.

Wie man diesen Moment erlebt, und durchlebt, kann man nicht vorhersagen oder planen. Besonders wenn man in den letzten Stunden nicht da gewesen ist, aus welchen Gründen auch immer.
Toni's Tochter war nicht bei ihrer Mutter, obwohl ein Besuch geplant war für diesen Abend, es ging der Mutter nicht gut, sie wollte lieber allein sein und der Tochter die lange Fahrt nicht zumuten. Am nächsten Morgen ist sie tot.

Gleich zu Beginn des Buches durchlebt die Tochter ein imaginäres Gespräch mit ihrer verstorbenen Mutter über ihre letzten Stunden und das Auffinden. Sehr leicht, fast etwas ironisch geht die Autorin durch diese Situation, in der der Charakter der Mutter auf den Punkt gebracht wird, ihre Art zu leben kommt in dieser kurzen Szene zum Ausdruck. Von der Tochter erfährt der Leser eher wenig, die Kapitel im Buch wechseln zwischen Szenen aus Toni's Leben und Momenten in denen wir die Tochter dabei begleiten, wie sie die Hinterlassenschaften ihrer Mutter auflöst.

Die Geschichte um Toni umfasst in erster Linie ihre Liebe zu Edgar. Eine Liebe, die letztlich keine Zukunft hatte, aber in Gedanken immer Bestand.
Die Autorin beschreibt diese Liebe mit wunderbar greifbaren Worten. Sehr bildhaft kann der Leser dem Geschehen folgen. Die Eigenarten der damaligen Zeit sind im Verhalten der Personen gut dargestellt. Als emanzipierte Frau der heutigen Zeit kann man manches nur mit Unverständnis und Kopfschütteln verstehen. Der Zeitgeist ist gut getroffen.
Die Liebesgeschichte wird chronologisch erzählt, unterbrochen von einzelnen Abschnitten aus der heutigen Zeit. Um es dem Leser einfacher zu machen sind die Abschnitte der Liebesgeschichte mit dem jeweiligen Datum gekennzeichnet.

Ich hatte mir bei dem Buch mehr Mutter-Tochter Erinnerungen vorgestellt. Im Prinzip gibt es zwei separate Geschichten.
Die Liebe zwischen Toni und Edgar, in der die Tochter noch nicht vorkommt, die sie aber anscheinend bis ins Detail aus den immer wiederkehrenden Erzählungen ihrer Mutter kennt, und das Auflösen der Wohnung, mit den damit verbundenen Erinnerungen an die Mutter.

Ein sehr gefühlvolles, sensibles Buch, liebevoll und leicht im Umgang mit der Situation des Verlustes. Eine romantische Liebesgeschichte bei der man nicht weiß, ob man den Figuren ein Happyend wünschen soll oder nicht. Ein Buch über die Wünsche, die man an das Leben stellt und darüber auf welche Wege es uns manchmal führt.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Identitätssuche über Generationen hinweg

Real Americans
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Lily, Tochter chinesischer Einwanderer ist 22 als sie während eines Praktikums den Neffen ihres Chefs auf der Firmenweihnachtsfeier kennenlernt. Matthew ist klug, witzig, überaus charmant und um Geld muss ...

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer ist 22 als sie während eines Praktikums den Neffen ihres Chefs auf der Firmenweihnachtsfeier kennenlernt. Matthew ist klug, witzig, überaus charmant und um Geld muss er sich keine Gedanken machen, anders als Lily, die unbezahlt für Matthews Onkel arbeitet. Lily und Matthew fühlen sich sofort zueinander hingezogen und werden recht schnell ein Paar, doch Lily fühlt sich zunehmend unwohl ob ihrer finanziellen Situation und beendet die Beziehung überraschend.

Schon im Klappentext des Buches ist zu lesen, dass dies keinesfalls das Ende der Geschichte ist, gegen alle Widrigkeiten werden Lily und Matthew ein Paar, heiraten bekommen einen Sohn. Dieser Abschnitt beginnt 1999 und bildet den ersten des in drei Teile gegliederten Buches. In Teil Zwei springt die Geschichte ins Jahr 2021, Nick, Lilys und Matthwes Sohn steht kurz vor seinem Schulabschluss und der Leser begleitet ihn in seinem Alltag und bei der Suche nach einem passenden College. Im dritten Teil dann erfolgt wieder ein größerer Zeitsprung und wir sind nun im Jahr 2030 und Lilys Mutter wird nun zur Hauptperson, in ihren Gesprächen mit Nick erfährt der Leser nun etwas aus ihrer Vergangenheit, über ihre Herkunft, ihre Flucht aus China und ihr neues Leben in Amerika.

Jeder der drei Abschnitte ist somit einer anderen Figur gewidmet und wird jeweils aus deren Sicht erzählt. Beginnend mit Lily, der Tochter, über Nick, den Enkel, hin, oder besser zurück zu May, der Großmutter. Hier wird dann auch endlich der Bogen zum Prolog geschlagen und es gibt eine Erklärung, auf die der Leser schon seit langem wartet, ob befriedigend, oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, mir hat sie leider nicht ausgereicht. Der Punkt um den es hierbei geht, beschäftigt Figuren wie Leser gleichermaßen über weite Strecken des Buches, bildet ein verbindendes Element zwischen ihnen, gibt der Geschichte fast etwas phantastisches und bleibt leider das Einzige, das man als roten Faden bezeichnen könnte.

Rachel Khong schreibt fesselnd und erschafft eine generationenübergreifende Familiengeschichte, die einige sehr spannende Elemente enthält. Trotzdem bleiben die Figuren recht blass, erreichen mich als Leser nicht wirklich, wecken zwar Emotionen, schaffen es aber nicht, dass ich über längere Zeit bei ihnen bleibe. Über weite Strecken des Buches plätschert die Geschichte im alltäglichen vor sich hin, während fast banale Szenen seitenlang erzählt werden, bekommen die wichtigen Elemente, die Fragen, die den Leser beschäftigen, zu wenig Raum, bleiben unkommentiert, oder verlaufen im Sand. Als dann endlich eine Aufklärung kommt, ist es nicht das, was ich nach all diesem Hinarbeiten erwartet habe. Letztlich wurde ich hier eher enttäuscht.

Eigentlich hat die Story unglaublich viel Potential, es werden total interessante Themen angeschnitten, familiäre Traumata, Gentechnik, Rassismus, die Problematik der Identitätsfindung bei Kindern aus Einwandererfamilien, es geht um Migration, um Zugehörigkeit, um Herkunft, um Loyalität, um Ethik, um Moral, um nationales und kulturelles Erbe, um Individualität, Freiheit, Flucht und Verfolgung und politischen Fanatismus, aber auch um Familie und Liebe und um die Frage, was, oder wer ist "real american". So viele Themen, die alle in das Leben der Figuren verwoben sind, die das Leben dieser Figuren bestimmen, die dabei aber leider oft zu oberflächlich bleiben.

In der Gesamtheit habe ich das Buch gern gelesen, auch über die teilweise vorhandenen Längen hinweg. Grund dafür war einfach der Drang, endlich Klarheit zu bekommen, eine Antwort auf all meine Fragen, eine Erklärung für all diese Andeutungen. Irgendwie habe ich ständig gehofft, auf die nächste Seite, auf das nächste Kapitel, darauf, dass sich die Geschichte zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Wirklich zusammengefügt hat sich leider nur wenig, die Figuren stehen über weite Strecken isoliert und für sich allein, erzählen ihre Geschichte ebenso isoliert, eine Verbindung gibt es erst spät im Buch, mir leider zu spät.

Was das Buch allerdings erreichen konnte, ist ein unglaublich intensiver und interessanter Austausch innerhalb der Leserunde, in der ich es gelesen habe. Das zeigt, dass diese Geschichte polarisiert, auf jeden Leser anders wirkt und die Grundaussage von jedem Leser anders gedeutet wird. Die Autorin wirft viele Themen in den Raum und bietet mit ihrem Buch die Basis für Diskussionen und Auseinandersetzung. Auch das muss man als Autor*in erstmal schaffen. "Real Americans" ist definitiv ein Buch das mich noch lange beschäftigen wird.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Poirot und Ariandne Oliver im Team

Die vergessliche Mörderin
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Poirot langweilt sich, wiedereinmal und als unangemeldet eine junge Frau in seiner Wohnung auftaucht, bringt das, wenigstens kurzzeitig etwas Abwechslung. Die junge Dame benimmt sich recht merkwürdig, ...

Poirot langweilt sich, wiedereinmal und als unangemeldet eine junge Frau in seiner Wohnung auftaucht, bringt das, wenigstens kurzzeitig etwas Abwechslung. Die junge Dame benimmt sich recht merkwürdig, ist zerstreut, fahrig, verängstigt und mit der Aussage zu einem Mord, den sie möglicherweise begangen hat weckt sie natürlich Poirotˋs Neugier. Weitere Informationen bekommt Poirot allerdings nicht, denn die junge Dame verschwindet wieder und das, ohne auch nur ihren Namen genannt zu haben. Keine guten Voraussetzungen.

In ihrem 57. Kriminalroman lässt Agatha Christie ihren berühmten Ermittler Hercule Poirot ermitteln und da der Fall sich ziemlich merkwürdig darstellt, bekommt er Hilfe von seiner guten Bekannten Ariadne Oliver, ihres Zeichens Autorin von Kriminalromanen, in deren Figur sich A. C. eindeutig selbst verewigt hat. Die quirlige, manchmal ziemlich anstrengende Ariadne dient hier wieder als gut unterrichtete Informationsquelle und bringt mit ihren Alleingängen den ein, oder anderen Hinweis ans Licht. In den meisten Romanen ist mir ihre Figur schnell zu viel, hier allerdings hat sie sich erstaunlich gut eingefügt.

Wie in den meisten Büchern der Autorin wird man auch hier von Beginn an mit vielen Figuren bekannt gemacht. In diesem Fall die bereits erwähnte junge Dame, deren Familie, ihr Freund und später auch ihre Mitbewohner. Wieder sind es teilweise etwas skurile Figuren und zu jeder gibt es Informationen, von denen man nie weiß, ob sie in irgendeiner Form für die Geschichte und den Kriminalfall wichtig sind. A.C. versteht es wieder meisterhaft falsche Spuren zu legen und vollkommen banale Dinge so präsent in den Fokus zu rücken, dass man beim Lesen fest davon überzeugt ist, dass das etwas bedeuten muss, nur um ein paar Seiten später zu merken, dass es das eben doch nicht tut. Mitkriminalisieren ist unter diesen verworrenen Umständen fast unmöglich und nimmt so ein ganz klein wenig den Spaß am Buch. Die Auflösung kommt natürlich wieder ganz in A.C. typischer Manier, wenn Poirot seine Abschlussrede hält fügt sich plötzlich alles zusammen, man sieht Poirot fast bildlich vor sich, wie er irritiert den Kopf darüber schüttelt, dass man nicht selber drauf gekommen ist.

Für mich ist dieser Fall leider wieder einer ihrer schwächeren. Die so offensichtliche Lösung ist nur bedingt plausibel, die falschen Spuren zwischenzeitlich einfach eine zu viel und die verschiedenen Richtungen in die die Ermittlungen laufen verwirren den Leser. Natürlich gibt es ein paar Details, auf die man kommt, teilweise sogar früher als Poirot und Ariadne selber, aber um den Fall aufzudröseln reicht das leider nicht aus.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Vorgeschichte

Zeit des Sturms
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Als Geralt im Königreich Kerack ankommt, muss er seine Hexerschwerter bei der Stadtwache abgeben, kurz darauf sind diese verschwunden und Geralt wird unter fadenscheinigen Gründen verhaftet. Schnell ist ...

Als Geralt im Königreich Kerack ankommt, muss er seine Hexerschwerter bei der Stadtwache abgeben, kurz darauf sind diese verschwunden und Geralt wird unter fadenscheinigen Gründen verhaftet. Schnell ist klar, dass Geralt Opfer einer Intriege geworden ist, offenbar will man ihn zwingen einen heiklen Auftrag anzunehmen. Die ortsansässige Zauberin Koralle hat hierbei ihre Finger im Spiel und versteht es vortrefflich ihre Verführungskünste einzusetzen, um den Hexer für die ihm zugedachte Aufgabe zu begeistern.

Ich bin großer Fan der Witcher Serie auf Netflix und es war daher unvermeidlich, dass ich irgendwann die Bücher, die als Vorlage dienten, lese. Dieses hier ist Teil der Vorgeschichte und hat mit den in der Serie stattfindenden Ereignissen nichts zu tun. Während ich beim ersten Band noch total begeistert war, kam hier leider schnell etwas Ernüchterung. Die Story entwickelt sich äußerst zäh, die Dialoge sind oft unglaublich lang und ermüdend, es wird viel geschwafelt, angedeutet, umschrieben, oder in Rätseln gesprochen und insgesamt fand ich das Ganze doch etwas wirr aufgebaut. Auch durch die in die Story eingestreuten Zwischenspiele, Interludium betitelt, wurde dieser Eindruck eher verstärkt, obwohl ich diese inhaltlich teilweise sehr interessant fand und gespannt war, was es damit auf sich hat. Die Aufklärung dazu gibt es zum Ende des Buches.

Die Bücher mit der Vorgeschichte sind ja später erschienen, als die eigentliche Hexer-Saga und natürlich hatte ich mich im Vorfeld informiert, in welcher Reihenfolge man die Bücher am Besten lesen sollt. Dieses hier habe ich aber wohl doch fälschlicherweise zu früh zur Hand genommen.

Auch wenn das Buch für mich nicht ganz so überzeugend war, ist es für Fans der Saga und der Serie natürlich ein Muss, Punkt.

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