Auftakt
Ich war BulleMit „Ich war Bulle“ legt Ben Westphal einen Krimi-Auftakt hin, der sich angenehm rau und ungeschönt anfühlt. Statt geschniegelt-polierter Ermittler bekommt man hier einen Protagonisten, der Ecken, Kanten ...
Mit „Ich war Bulle“ legt Ben Westphal einen Krimi-Auftakt hin, der sich angenehm rau und ungeschönt anfühlt. Statt geschniegelt-polierter Ermittler bekommt man hier einen Protagonisten, der Ecken, Kanten und vor allem eine Vergangenheit hat, die ihn nicht loslässt.
Gerd Sehling ist eigentlich raus – frisch pensioniert, der Dienst abgeschlossen. Doch schon am Tag nach seiner Verabschiedung zieht ihn ein dramatischer Autounfall zurück ins Geschehen. Die Entdeckung großer Mengen Kokain wirkt dabei wie ein Zündfunke: Der alte Instinkt ist sofort wieder da. Was folgt, ist eine rasante Ermittlung, die tief in die kriminellen Strukturen der Hamburger Unterwelt führt.
Die große Stärke des Romans liegt in seiner Authentizität. Man merkt schnell, dass hier jemand schreibt, der weiß, wovon er erzählt – die Ermittlungsarbeit wirkt glaubwürdig, die Dialoge direkt und oft angenehm schnörkellos. Besonders die Dynamik zwischen Gerd und seinen ehemaligen Kollegen trägt die Geschichte: ein Mix aus Loyalität, Reibung und unausgesprochenem Verständnis.
Auch das Setting überzeugt. Hamburg wird nicht als Postkartenidylle inszeniert, sondern als vielschichtige Großstadt mit Schattenseiten. Die Schauplätze wirken lebendig und verleihen der Handlung eine greifbare Atmosphäre.
Inhaltlich bewegt sich der Roman klassisch im Genre – Drogenhandel, Ermittlungen, Verfolgungsjagden. Doch gerade die Figur Gerd Sehling hebt das Buch hervor: ein Mann zwischen Pflichtgefühl und persönlicher Freiheit, zwischen dem Wunsch nach Ruhe und dem Drang, weiterzumachen. Die Frage, ob man seinen Job jemals wirklich hinter sich lassen kann, schwingt dabei konstant mit.
Der Schreibstil ist klar, zügig und auf Spannung ausgelegt. Große literarische Experimente sucht man hier vergeblich, dafür bekommt man einen soliden, packenden Krimi, der vor allem durch Tempo und Bodenständigkeit punktet.