Zwischen Liebe und Tod
Restsommer„Restsommer“ ist eines dieser Bücher, das sich leise anschleicht und dann lange bleibt. Kea von Garnier erzählt keine spektakuläre Geschichte im klassischen Sinne, sondern eine, die sich tief unter die ...
„Restsommer“ ist eines dieser Bücher, das sich leise anschleicht und dann lange bleibt. Kea von Garnier erzählt keine spektakuläre Geschichte im klassischen Sinne, sondern eine, die sich tief unter die Haut gräbt: ein Sommer zwischen Jugend und Erwachsenwerden, zwischen Leben und Tod, zwischen Angst und erster Liebe.
Im Mittelpunkt steht Dominik, der Sohn eines Bestatters, aufgewachsen zwischen Särgen, Trauernden und einer Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Tod, die gleichzeitig beeindruckend und verstörend ist. Sein Leben wirkt vorgezeichnet – bis Biff auftaucht. Mit ihm kommt Bewegung in Domis Welt: plötzlich gibt es etwas, das lauter ist als Pflichtgefühl und Gewohnheit.
Was diesen Roman so besonders macht, ist die Atmosphäre. Der Sommer 2003 in einer niedersächsischen Kleinstadt wird mit einer fast flirrenden Intensität eingefangen – Freibad, Musik, Hitze, dieses Gefühl, dass etwas passieren muss, bevor es zu spät ist. Gleichzeitig liegt über allem eine leise Melancholie, gespeist aus Domis Nähe zum Tod und der Ahnung, dass dieser Sommer nicht wiederkommen wird.
Die Beziehung zwischen Domi und Biff ist dabei das emotionale Zentrum. Sie entwickelt sich vorsichtig, tastend und zugleich mit einer Wucht, die alles andere in den Hintergrund drängt. Kea von Garnier schreibt diese erste große Liebe mit viel Zärtlichkeit und Feingefühl – ohne Kitsch, dafür mit umso mehr Echtheit. Man spürt jede Unsicherheit, jede Annäherung, jede Überforderung.
Besonders gelungen ist auch die Balance zwischen Leichtigkeit und Schwere. Humorvolle, fast beiläufige Momente stehen neben existenziellen Fragen: Was bedeutet es, wirklich zu leben? Wie entkommt man Erwartungen? Und wie viel Mut braucht es, sich selbst zu erlauben, anders zu sein?