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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2026

Zwischen Liebe und Tod

Restsommer
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„Restsommer“ ist eines dieser Bücher, das sich leise anschleicht und dann lange bleibt. Kea von Garnier erzählt keine spektakuläre Geschichte im klassischen Sinne, sondern eine, die sich tief unter die ...

„Restsommer“ ist eines dieser Bücher, das sich leise anschleicht und dann lange bleibt. Kea von Garnier erzählt keine spektakuläre Geschichte im klassischen Sinne, sondern eine, die sich tief unter die Haut gräbt: ein Sommer zwischen Jugend und Erwachsenwerden, zwischen Leben und Tod, zwischen Angst und erster Liebe.

Im Mittelpunkt steht Dominik, der Sohn eines Bestatters, aufgewachsen zwischen Särgen, Trauernden und einer Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Tod, die gleichzeitig beeindruckend und verstörend ist. Sein Leben wirkt vorgezeichnet – bis Biff auftaucht. Mit ihm kommt Bewegung in Domis Welt: plötzlich gibt es etwas, das lauter ist als Pflichtgefühl und Gewohnheit.

Was diesen Roman so besonders macht, ist die Atmosphäre. Der Sommer 2003 in einer niedersächsischen Kleinstadt wird mit einer fast flirrenden Intensität eingefangen – Freibad, Musik, Hitze, dieses Gefühl, dass etwas passieren muss, bevor es zu spät ist. Gleichzeitig liegt über allem eine leise Melancholie, gespeist aus Domis Nähe zum Tod und der Ahnung, dass dieser Sommer nicht wiederkommen wird.

Die Beziehung zwischen Domi und Biff ist dabei das emotionale Zentrum. Sie entwickelt sich vorsichtig, tastend und zugleich mit einer Wucht, die alles andere in den Hintergrund drängt. Kea von Garnier schreibt diese erste große Liebe mit viel Zärtlichkeit und Feingefühl – ohne Kitsch, dafür mit umso mehr Echtheit. Man spürt jede Unsicherheit, jede Annäherung, jede Überforderung.

Besonders gelungen ist auch die Balance zwischen Leichtigkeit und Schwere. Humorvolle, fast beiläufige Momente stehen neben existenziellen Fragen: Was bedeutet es, wirklich zu leben? Wie entkommt man Erwartungen? Und wie viel Mut braucht es, sich selbst zu erlauben, anders zu sein?

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Auf der Reeperbahn

Der Bulle auf St. Pauli
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Mit „Der Bulle auf St. Pauli“ bleibt Ben Westphal seiner Linie treu und liefert zugleich einen der atmosphärisch dichtesten Teile der Reihe. Dieser Band fühlt sich besonders nah dran an: am Milieu, an ...

Mit „Der Bulle auf St. Pauli“ bleibt Ben Westphal seiner Linie treu und liefert zugleich einen der atmosphärisch dichtesten Teile der Reihe. Dieser Band fühlt sich besonders nah dran an: am Milieu, an den Figuren und an der rauen Realität des Kiezes.

Gerd Sehling hat sich inzwischen ein neues Leben aufgebaut – als True-Crime-Tourguide auf der Reeperbahn in Hamburg. Doch wer glaubt, er hätte endgültig mit dem Ermittlerdasein abgeschlossen, wird schnell eines Besseren belehrt. Als ihm buchstäblich ein Kleinkrimineller mit einem Rucksack voller Drogen vor die Füße fällt, ist klar: Gerd ist wieder mittendrin.

Die Handlung entfaltet sich direkt im Herzen von St. Pauli – zwischen Bars, Bordellen und dunklen Hinterzimmern. Genau hier spielt der Roman seine größte Stärke aus: das intensive Lokalkolorit. Man spürt förmlich die stickige Luft der Kneipen, hört das Stimmengewirr der Straßen und taucht tief ein in eine Welt, die gleichzeitig faszinierend und abgründig ist.

Gerd Sehling agiert in diesem Band noch eigenständiger, fast schon getrieben. Seine Alleingänge machen die Geschichte unberechenbar und erhöhen die Spannung spürbar. Gleichzeitig zeigt sich erneut sein moralischer Kompass – auch wenn die Grenzen zwischen richtig und falsch zunehmend verschwimmen. Gerade diese Grauzonen sind es, die den Roman interessant machen: Es geht nicht nur um Gut gegen Böse, sondern um Entscheidungen in einem Umfeld, in dem klare Linien selten existieren.

Ben Westphal überzeugt einmal mehr mit seiner realistischen Darstellung der Polizeiarbeit und der kriminellen Strukturen. Die Story wirkt fundiert, fast dokumentarisch, ohne dabei an Tempo zu verlieren. Die Ermittlungen sind packend, die Dialoge direkt und glaubwürdig.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Band 2

Bulle bleibt Bulle
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Mit „Bulle bleibt Bulle“ zeigt Ben Westphal eindrucksvoll, dass ein echter Ermittler seinen Instinkt nie verliert – selbst dann nicht, wenn er eigentlich im Urlaubsmodus sein sollte. Der zweite Band der ...

Mit „Bulle bleibt Bulle“ zeigt Ben Westphal eindrucksvoll, dass ein echter Ermittler seinen Instinkt nie verliert – selbst dann nicht, wenn er eigentlich im Urlaubsmodus sein sollte. Der zweite Band der Reihe knüpft nahtlos an den rauen, realistischen Ton des Auftakts an und legt in Sachen Tempo und internationaler Spannung sogar noch eine Schippe drauf.

Diesmal verschlägt es Gerd Sehling nach Barcelona – eigentlich für einen entspannten Kurztrip mit seiner Frau. Doch die Erholung ist schneller vorbei, als ihm lieb ist: Eine zufällige Begegnung am Flughafen katapultiert ihn direkt zurück ins Drogenmilieu. Was folgt, ist eine grenzüberschreitende Jagd, die von Hamburg bis in die dunkleren Ecken Barcelonas führt.

Besonders stark ist erneut die Authentizität. Ben Westphal versteht es, die Mechanismen des internationalen Drogenhandels glaubwürdig darzustellen – von Kurierwegen bis hin zu den Hierarchien innerhalb der Szene. Dabei wirkt nichts überzogen oder künstlich dramatisiert; vielmehr entsteht die Spannung aus der realistischen Darstellung eines gefährlichen Geschäfts.

Gerd Sehling bleibt das Herzstück der Geschichte: ein Mann, der eigentlich kürzertreten sollte, aber schlicht nicht anders kann. Gerade dieser innere Konflikt – zwischen Pflichtgefühl, Erfahrung und dem Wunsch nach einem ruhigeren Leben – verleiht dem Roman Tiefe. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Einsätze härter und persönlicher werden: Die Gefahr ist spürbarer, die Konsequenzen ernster.

Das Tempo ist hoch, die Handlung dicht gestrickt. Ortswechsel, Ermittlungen und Konfrontationen greifen sauber ineinander und sorgen dafür, dass man kaum Zeit zum Durchatmen hat. Besonders gelungen ist dabei die internationale Dimension, die dem Buch eine zusätzliche Dynamik verleiht.

Sprachlich bleibt der Roman klar und direkt, ohne Schnörkel – genau passend zum Genre. Wer literarische Feinspielereien sucht, wird hier nicht fündig, dafür aber eine packende, glaubhafte Story mit ordentlich Zug.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Auftakt

Ich war Bulle
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Mit „Ich war Bulle“ legt Ben Westphal einen Krimi-Auftakt hin, der sich angenehm rau und ungeschönt anfühlt. Statt geschniegelt-polierter Ermittler bekommt man hier einen Protagonisten, der Ecken, Kanten ...

Mit „Ich war Bulle“ legt Ben Westphal einen Krimi-Auftakt hin, der sich angenehm rau und ungeschönt anfühlt. Statt geschniegelt-polierter Ermittler bekommt man hier einen Protagonisten, der Ecken, Kanten und vor allem eine Vergangenheit hat, die ihn nicht loslässt.

Gerd Sehling ist eigentlich raus – frisch pensioniert, der Dienst abgeschlossen. Doch schon am Tag nach seiner Verabschiedung zieht ihn ein dramatischer Autounfall zurück ins Geschehen. Die Entdeckung großer Mengen Kokain wirkt dabei wie ein Zündfunke: Der alte Instinkt ist sofort wieder da. Was folgt, ist eine rasante Ermittlung, die tief in die kriminellen Strukturen der Hamburger Unterwelt führt.

Die große Stärke des Romans liegt in seiner Authentizität. Man merkt schnell, dass hier jemand schreibt, der weiß, wovon er erzählt – die Ermittlungsarbeit wirkt glaubwürdig, die Dialoge direkt und oft angenehm schnörkellos. Besonders die Dynamik zwischen Gerd und seinen ehemaligen Kollegen trägt die Geschichte: ein Mix aus Loyalität, Reibung und unausgesprochenem Verständnis.

Auch das Setting überzeugt. Hamburg wird nicht als Postkartenidylle inszeniert, sondern als vielschichtige Großstadt mit Schattenseiten. Die Schauplätze wirken lebendig und verleihen der Handlung eine greifbare Atmosphäre.

Inhaltlich bewegt sich der Roman klassisch im Genre – Drogenhandel, Ermittlungen, Verfolgungsjagden. Doch gerade die Figur Gerd Sehling hebt das Buch hervor: ein Mann zwischen Pflichtgefühl und persönlicher Freiheit, zwischen dem Wunsch nach Ruhe und dem Drang, weiterzumachen. Die Frage, ob man seinen Job jemals wirklich hinter sich lassen kann, schwingt dabei konstant mit.

Der Schreibstil ist klar, zügig und auf Spannung ausgelegt. Große literarische Experimente sucht man hier vergeblich, dafür bekommt man einen soliden, packenden Krimi, der vor allem durch Tempo und Bodenständigkeit punktet.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Ein außergewöhnlicher Thriller

ZIMMER 706
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„Zimmer 706“ ist kein klassischer Thriller und genau das macht diesen Roman so eindringlich. Was zunächst wie ein spannungsgeladenes Kammerspiel beginnt, entwickelt sich schnell zu einer emotionalen Zerreißprobe ...

„Zimmer 706“ ist kein klassischer Thriller und genau das macht diesen Roman so eindringlich. Was zunächst wie ein spannungsgeladenes Kammerspiel beginnt, entwickelt sich schnell zu einer emotionalen Zerreißprobe über Liebe, Schuld und Ehrlichkeit.

Die Ausgangssituation ist beklemmend: Kate, Ehefrau und Mutter, wacht nach einem scheinbar harmlosen Date in einem Hotel auf – nur um festzustellen, dass sie das Gebäude nach einem Anschlag nicht mehr verlassen kann. Eingeschlossen, abgeschnitten von der Außenwelt und mit der Angst im Nacken, möglicherweise nicht zu überleben, bleibt ihr nur eines: der Kontakt zu ihrem Mann. Und damit die unausweichliche Wahrheit.

Die große Stärke des Buches liegt weniger in der äußeren Handlung als in den inneren Konflikten. Ellie Levenson gelingt es, die Gespräche zwischen Kate und ihrem Mann mit einer solchen Ehrlichkeit und Verletzlichkeit zu schreiben, dass man sich als Leser fast wie ein stiller Zuhörer fühlt. Die Spannung entsteht nicht nur durch die Bedrohung von außen, sondern vor allem durch die emotionale Eskalation zwischen zwei Menschen, die sich lieben – und gleichzeitig verletzen.

Besonders beeindruckend ist, wie differenziert die Autorin das Thema Untreue behandelt. Kate wird weder verurteilt noch idealisiert. Stattdessen zeigt der Roman, wie komplex Beziehungen sind, wie schnell Gewissheiten ins Wanken geraten können – und wie tief Liebe trotzdem gehen kann. Die Frage, ob ein einziger Fehler alles zerstören kann, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Der Schreibstil ist klar, direkt und sehr dialoggetrieben. Das sorgt für Tempo, auch wenn sich die Handlung größtenteils auf einen einzigen Raum beschränkt. Gleichzeitig verstärkt diese Reduktion die Intensität – es gibt kein Ausweichen, weder für die Figuren noch für die Leser*innen.

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