Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der Bulle auf St. Pauli
0

Dieser 6. Krimi rund um den pensionierten Polizisten Gerhard „Gerd“ Sehling ist eine gelungene Fortsetzung der bisherigen Reihe.

Obwohl Gerd nun als True-Crime-Tourguide durch St. Pauli tourt, ist er ...

Dieser 6. Krimi rund um den pensionierten Polizisten Gerhard „Gerd“ Sehling ist eine gelungene Fortsetzung der bisherigen Reihe.

Obwohl Gerd nun als True-Crime-Tourguide durch St. Pauli tourt, ist er mit jeder Faser Polizist geblieben. Er geht mit wachsamen Blicken durch sein Hamburg, weshalb es nicht ausbleibt, dass er immer wieder über Drogenhändler und Zuhälter stolpert. Nun, er hat ja Jahrzehnte im Milieu Dienst getan und den Blick für sein früheres Klientel behalten. Wie sagt man so schön? Einmal Bulle, immer Bulle! Das trifft auf Gerd zu 100 Prozent zu, auch wenn er sich bei seinen früheren Kollegen nicht immer beliebt macht.

Diesmal fällt ihm ein Kleinkrimineller buchstäblich vor die Füße. Der Mann entkommt, den Rucksack voller Drogen kann Gerd sicherstellen. Immerhin verständigt er seine Kollegen von der Drogenfahndung. Allerdings ändert er kurzfristig seine Tour, um dem Flüchtigen nachzustellen. Mit einem Touristen aus Bayern hat er einen kongenialen „Komplizen“.

Meine Meinung:

Nachdem ich vor wenigen Wochen selbst in Hamburg war, habe ich sofort die Schauplätze wie Landungsbrücken, Baumwall, Dietmar-Koel-Straße oder Reeperbahn vor Augen. Selbst den Borstelmannsweg kenne ich, da ich schon zwei Mal in dem dortigen Apart-Hotel gewohnt habe.

Ben Westphal ist das Pseudonym eines erfahrenen Drogenfahnders, weshalb die sowohl die Story als auch die Dialoge (z.B. Funkverkehr) authentisch dargestellt werden. Die realistische Beschreibung der Polizeiarbeit und der kriminellen Strukturen lässt den Leser direkt dabei sein. Der Spannungsbogen ist sehr hoch.

Schmunzeln muss ich immer wieder über Gerd und sein Frau Dörte, die sich voller Liebe kabbeln. Ich kann sie sehr gut verstehen, wenn sie vor Angst um Gerd, einen rauen Ton anschlägt. Gerd als True-Crime-Tourguide ist eine echte Wucht. Vor allem dann, wenn er seine Touristen heimlich dafür einspannt, Verdächtige zu beobachten, wie auf der Fahrt mit dem Bügeleisen der Linie 61.

Ben Westphal gelingt zudem außerordentlich gut, die Seite Hamburgs abseits von Elbphilharmonie und Alsterkolonnaden darzustellen.

Ich freue mich schon auf einen weiteren Band. Zuvor muss ich noch die ersten Bände lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine Leseempfehlung

Der Gesang der See
0

Mit diesem historischen Roman entführt uns die norwegische Autorin Trude Teige in die Welt des 19. Jahrhunderts, in das Dorf Kvalsivka, im Westen Norwegens. Hier wächst Kristiane, die Tochter des Lotsen, ...

Mit diesem historischen Roman entführt uns die norwegische Autorin Trude Teige in die Welt des 19. Jahrhunderts, in das Dorf Kvalsivka, im Westen Norwegens. Hier wächst Kristiane, die Tochter des Lotsen, in dem kleinen Fischerdorf auf, dessen Wohl vom Fischfang und der eher kargen Landwirtschaft abhängt. Das Leben der Menschen ist von harter Arbeit und den Sorgen um die Männer, die als Fischer allzu häufig von der erbarmungslosen See verschlungen werden, gekennzeichnet.

Als auch Kristianes Vater von einem Fischzug nicht mehr zurückkehrt, fühlt sie sich verpflichtet, ihr Versprechen ihm gegenüber einzuhalten, nämlich die begehrte Lotsennummer in der Familie zu behalten. Obwohl sie von ihrem Vater das Handwerk des Lotsen und alles über den Fischfang gelernt hat, ist es ihr als Frau verboten, als Lotsin zu arbeiten. Sie muss heiraten. Wenige Monate später, sie ist mit dem ersten Kind schwanger, kommt auch Anders um Leben.

Als auch ihr Mann Anders nicht zurückkehrt, wird sie von der Lotsenschaft dazu gezwungen, erneut zu heiraten. So heiratet sie Lars, den sie von klein auf kennt und der sie schon immer geliebt hat. Obwohl sie Lars auch liebt und braucht, gehört ihre wahre Leidenschaft einem anderen. Während der Lotsenhof immer mehr prosperiert, freundet sich Lars ausgerechnet mit dem Mann an, den Kristiane begehrt ...

Meine Meinung:
Dieser Roman ist der erste von Norwegens Bestsellerautorin Trude Teige, der erst vor kurzem ins Deutsche übersetzt worden ist. Schon bei diesem Roman ist das Potenzial der Autorin spürbar. Ihre Figuren, vornehmlich starke Frauen, die sich von Konventionen nicht von ihrem Weg abhalten lassen, sind sehr gut herausgearbeitet. Daneben kann man in die norwegische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts eintauchen. Hier legt Trude Teige eine besonderes Augenmerk auf die harte Arbeit der Fischer, die den Naturgewalten ausgeliefert sind und wenn die Erträge des Fischfangs nicht ausreichen, vom kargen Boden einer kleinen Landwirtschaft leben müssen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem eindrucksvollen historischen Roman 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine Leseempfehlung

FREI – Bester Anfang (FREI 3)
0

Dieses Buch ist der dritte Band der beliebten Jugendbuchreihe FREI und erzählt die bewegende Geschichte von Koray, der sich auf die Suche nach seinem Vater begibt und dabei nicht nur seine Freunde, sondern ...

Dieses Buch ist der dritte Band der beliebten Jugendbuchreihe FREI und erzählt die bewegende Geschichte von Koray, der sich auf die Suche nach seinem Vater begibt und dabei nicht nur seine Freunde, sondern auch sich selbst besser kennenlernt.

Koray hat genug von Geheimnissen, von Halbwahrheiten und dem Lebensstil seiner Mutter. Als die beiden, nachdem der letzte Lebensgefährte der Mutter deren Existenz als Influencerin zerstört und mit dem gesamten Vermögen verschwindet, in die alte Heimat Rottloch zurückkehren, will er endlich Antworten auf die Frage nach seinem Vater finden.

Dabei wird er von seinen Freunden Nico, Nasrin und Nina unterstützt. Dass er sich in Marc verliebt ist nicht vorgesehen, bringt aber ein weiteres Thema in die Geschichte, das sowohl für Leserinnen und Leser als auch für deren Eltern interessant zu lesen ist.

Koray und seine Freunde stoßen auf alte Fotos, auf Familiengeheimnisse anderer und letztlich auf die Erkenntnis, dass man nicht unbedingt blutsverwandt sein muss, um in einer Familie zu leben.

Meine Meinung:

Diese Geschichte vom Erwachsenwerden, erster Liebe und die Such nach den eigenen Wurzeln hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere der Jugendlichen wirken an einigen Stellen gereifter als Korays Mutter Chiara, die als Influencerin in anderen Sphären geschwebt ist und nun den Aufprall in der Wirklichkeit des Dorfes schlecht verkraften kann. Tja, der Umschwung von Abu Dhabi nach Rottloch ist schwierig. Stellenweise benimmt sich Chiara wie ein kleines Kind, wodurch sie mir nicht sehr sympathisch ist.

Korays Freunde zeigen, wie wichtig Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung sind. Jede Figur bringt ihre eigene Persönlichkeit mit ein, wodurch die Geschichte lebendig und vielseitig wird.

Der Schreibstil wirkt authentisch, ist wunderbar kurzweilig und angenehm zu lesen. Der Autorin gelingt es wunderbar, wichtige Themen wie Familie und Selbstfindung sensibel und modern zu vermitteln.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Coming-of-Age-Geschichte, die durch Humor, Tiefgang, Abenteuer und erste Liebe besticht 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine Leseempfehlung

Die Roma
0

Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem ...

Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem Schritt meiner Reise bin ich den kraftvollen Geschichten derjenigen begegnet, die sich ihrer Ausgrenzung widersetzten und deren Leben uns bis heute inspirieren.«

Während ihrer Recherchen zu ihrer Herkunftsfamilie, die sie in zahlreiche Archive quer über den Erdball führen, begegnet sie den Aufzeichnungen zahlreicher historischer Persönlichkeiten: Musiker Django Reinhardt (1910-1953), der beim Brand in seinem Wohnwagen schwerste Brandverletzungen erlitten hat und trotzdem weiterhin virtuos Gitarre spielt, dem deutschen Meister im Halbschwergewicht Johann Rukeli Trollmann (1907-1943), dem die Nazis seinen Titel aberkannt und 1943 in einem Nebenlager des KZ Neuengamme ermordet haben oder Carmen Amaya (gest. 1963), eine spanische Romni, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts als beste Flamencotänzerin der Welt bekannt war, und die österreichische Schriftstellerin Ceija Stojka (1933-2013) vor.

Sehr interessant zu lesen ist, wodurch sich die verschiedenen Sinti- und Roma-Familien unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten, außer ihrer Verfolgung durch die Jahrhunderte, sie noch haben: Nämlich ihre Stärke und Ausdauer, ihre Fähigkeit zum Widerstand und zum Überleben mit der sie dem tief verwurzelten Hass, der ihnen auf der ganzen Welt entgegen schlägt, zu trotzen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem hoch interessanten Buch über die Geschichte der Roma und Sinti 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Apotheke der Hoffnung
0

Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. ...

Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. Ab November 1939 mussten sie den Judenstern tragen und im März 1941 begannen Enteignung und Umsiedlung der Juden nach Podgórze, dem südlichen Stadtteil von Krakau. Das Ghetto von Krakau bestand bis Mitte März 1943. Kurz vor der Schließung wurden arbeitsfähige Menschen in das KZ Plaszow verlegt, die anderen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Die junge Witwe Zosia Lewandowska muss ansehen, wie ihre jüdischen zunächst enteignet und wenig später in das neu entstandene Ghetto eingewiesen werden. Als sie einen Weg sucht, den verzweifelten Menschen zu helfen, bietet sich die Chance in Form einer Anstellung in der Apotheke von Tadeusz Pankiewicz an, die als einzige Apotheke im Ghetto verblieben ist. In dieser Apotheke erhalten die Ghettobewohner nicht nur die wenigen Medikamente sondern auch anderes. Die Apotheke wird zur Drehscheibe von Informationen, gefälschten Dokumenten und Menschlichkeit. Doch die Möglichkeiten zu helfen werden immer geringer, denn das NS-Regime weitet Macht und Terror weiter aus.

Der Apotheker und seine Angestellten sind in höchster Gefahr, denn Juden zu helfen, ist verboten und wird mit Lagerhaft oder Todesstrafe geahndet. Trotzdem machen sie weiter. Und Zosia erhält Unterstützung von ungewohnter Seite.

Für einige wenige erfüllt sich die Hoffnung auf Flucht und Leben, für die meisten bleibt nur die Deportation und der Tod.

Meine Meinung:

Das Krakauer Ghetto ist vermutlich nicht ganz so bekannt, wie jenes in Warschau, das durch seinen Aufstand Geschichte geschrieben hat, aber um nichts weniger grausam. Wenig bekannt ist vermutlich auch, dass Filmregisseur Roman Polanski aus dem Krakauer Ghetto entkommen ist.

Die Autorin hat rund um die reale Person Tadeusz Pankiewicz (1908-1993), der 1983 von Israel mit dem Ehrentitel „ Gerechter unter den Völker“ ausgezeichnet worden ist, sowie den drei Mitarbeiterinnen einen fesselnd und einfühlsam erzählten Roman geschrieben. Allerdings lässt Amanda Barratt auch zahlreiche reale NS-Größen wie Lagerleiter Amon Göth, der besonders grausam agiert hat, oder Wilhelm Kunde auftreten.

Die Geschichte wir aus mehreren Perspektiven erzählt, so dass wir einen Einblick in das Grauen, das die verfolgten Juden erleiden mussten, erhalten können. Besonders beeindruckend ist der Perspektivenwechsel zwischen der Polin Zosia und der Jüdin Hania. Durch die Erzählung in der Ich-Form erhält der Roman eine eindrückliche Note.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten fußt, 5 Sterne.