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Veröffentlicht am 01.04.2026

Netter Urlaubskrimi

Mittsommertod
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"Mittsommertod" von Elin Blomgren ist ein gemütlicher Schwedenkrimi für den Urlaub. Das Hörbuch hat Tim Gössler gelesen. Es handelt sich hier um den ersten Band einer neuen Reihe.

Ebba Lorenz aus Hamburg ...

"Mittsommertod" von Elin Blomgren ist ein gemütlicher Schwedenkrimi für den Urlaub. Das Hörbuch hat Tim Gössler gelesen. Es handelt sich hier um den ersten Band einer neuen Reihe.

Ebba Lorenz aus Hamburg ist Erbin eines kleinen Häuschens im Värmland in dem kleinen Ort Björkberg. Viel Gegend, wenige Einwohner, viel Tratsch mit und über andere. Und dann steht Björkberg Kopf: Der Grundschullehrer wird erschossen aufgefunden. War es ein Jagdunfall? Oder Mord? Ole Lund, der Kommissar aus der Großstadt, versetzt aufs Land, ermittelt. Und dann gibt es einen zweiten Toten. Björkberg hat offensichtlich ein Geheimnis und auch Edda beginnt mit Nachforschungen. Und dann gibt es noch diesen verwahrlosten Kater, den Edda Milo tauft.

Elin Blomgren versteht es gut, Schwedenurlaubsfeeling zu vermitteln. Landschaft und Einwohenr sind lebensnah beschrieben. Die Hauptprotagonist*innen sind sympathisch, irren sich auch mal und tauchen doch immer mehr in das Geschehen ein. Die Handlung nimmt erst langsam Fahrt auf, langweilig wird es trotzdem nicht. Der Schreibstil von Blomgren ist flüssig, die wechselnden Perspektiven aus der Sicht von Edda und Ole machen den Krimi lebendig. Mein Favorit war allerdings die Rechtsmedizinerin, ein Original der besonderen Art! Tim Gössler, dem ich immer wieder gerne lausche, liest wieder einmal gut und interpretiert jede der handelnden Personen auf besondere Art. Auch wenn es im Krimi doch recht viele Tote gibt, ist die Handlung relativ unblutig, also auch für zarte Gemüter gut geeignet.

Die Handlung selbst bekommt von mir gute 3 Sterne, Tim Gössler für seine Interpretation 5 Sterne! Als leichte Urlaubslektüre kann ich den Krimi weiterempfehlen, da er auch Lese- oder Hörunterbrechungen gut aushält.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Solide Fortsetzung der Reihe

Ein dunkles Versteck
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"Ein dunkles Versteck" von Saskia Calden ist bereits der 4. Teil der Reihe um Kommissarin Evelyn Holm. Er hat mir wieder besser gefallen als Teil 3.,

Isabell bekommt im Supermarkt eine Weinempfehlung ...

"Ein dunkles Versteck" von Saskia Calden ist bereits der 4. Teil der Reihe um Kommissarin Evelyn Holm. Er hat mir wieder besser gefallen als Teil 3.,

Isabell bekommt im Supermarkt eine Weinempfehlung von einem ihr unbekannten Mann. Nett, denkt sie. Aber dann taucht dieser Mann immer öfter in ihrem Leben auf, er scheint .über sie zu wissen. Die merkwürdigen Vorfälle häufen sich und Isabell bekommt Angst. Im Kommissariat geht eine Vermisstenmeldung ein. Eine Studentin wird von ihrem Freund als vermisst gemeldet, der allerdings vermutet, dass sie mit ihrem Liebhaber durchgebrannt ist. Deshalb wird der Sache auch keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Sie hat auf ihrem Kopfkissen lediglich ein geflochtenes Lederarmband hinterlassen In der Zwischenzeit wird Evelyn Holm zu einem grausamen Leichenfund gerufen. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass auch diese Frau ein geflochtenes Lederarmband besessen hat. Haben wir es mit einem Serienmörder zu tun?

Wie bei Saskia Calden gewohnt, wird die Story aus mehreren Perspektiven erzählt, was sie gut lesbar und abwechslungsreich macht. Zudem wird die Spannung dadurch permanent gesteigert. Die Sprache ist wie immer flüssig, die Beschreibungen der Örtlichkeiten und der Protagonist*innen sind klar und atmosphärisch. Besonders in Isabell und Evelyn konnte ich mich gut hineinversetzen. Die Auflösung war logisch und kam für mich doch sehr überraschend. Und trotzdem habe ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl gehabt, dass ich das alles schon kenne. Da der Krimi ein Rezensionsexemplar ist und noch nicht veröffentlicht, kann das allerdings nicht sein....Ich lese wohl zu viele Krimis!

Eine Empfehlung nicht nur für Fans von Saskia Calden, auch ich werde den nächsten Band wieder lesen. Für mich reicht es nicht für ein Highlight, aber solide 3,5 Sterne gibt es von mir (für Plattformen ohne halbe Punkte runde ich auf auf 4 Sterne) Gute Unterhaltung, die sich leicht weglesen lässt!

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Ein Roman gegen Vorurteile

Solange ein Streichholz brennt
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"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber ist etwas Besonderes. Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, gesprochen von Robert Stadlober und Maria Wördemann.

Bohm lebt seit 5 Jahren auf der Straße. ...

"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber ist etwas Besonderes. Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, gesprochen von Robert Stadlober und Maria Wördemann.

Bohm lebt seit 5 Jahren auf der Straße. Er spricht mit niemandem darüber, warum das so ist. Als eines Tages sein Hund Fox verletzt wird und er Geld für die Behandlung braucht, lässt er sich auf das Angebot von Alina ein. Sie hat noch einmal eine Chance in ihrem Beruf als Journalistin bekommen und soll eine Dokumentation über Obdachlose drehen. Im Verlauf des Drehs kommen sich die beiden näher, aber haben sie überhaupt eine Chance?

Wir hören den Roman aus zwei Perspektiven, von Bohm und Alina. Besonders Bohm war mir sehr sympathisch. Er ist nicht sehr gesprächig, man merkt aber, dass er ein gutes Herz hat. Erst am Ende des Romans erfahren wir, wie es zu seiner Obdachlosigkeit gekommen ist. Alina versucht ihren Job zu retten und steht mächtig unter Druck, Druck vom Chef, Druck von ihren Eltern. Der Einblick in die Medienbranche ist etwas überzeichnet, zeigt aber sehr gut, wie sich ein einziger Fehlclick auf ein ganzes Leben auswirken kann. Auch das Streichholz aus dem Titel hat eine besondere Bedeutung im Roman.

Christian Huber beschreibt in sehr gut les- und hörbarer Sprache das Leben von Alina und Bohm. Er zeigt auf, dass Obdachlosigkeit nicht aus Faulheit entsteht, sondern dass viele Schicksale hinter den Menschen stehen, an denen wir vorbeilaufen. Eine Schleife, die sich für die Betroffenen oft nur durch Alkohol aushalten lässt. Die verschiedenen Charaktere sind ebenfalls gut gezeichnet. Die beiden Sprechenden vermitteln einen guten Eindruck der Protagonist*innen und verleihen dem Roman Lebendigkeit. Es macht Spaß, ihnen zuzuhören!

An manchen Stellen wirkt die Handlung für mich aber doch zu überspitzt , an anderen Stellen nicht mehr realistisch. Das ist mir besonders ab dem letzten Drittel des Romans aufgefallen. Dafür muss ich einen Punkt abziehen.

Ich empfehle "Solange ein Streichholz brennt" gerne weiter, da es sich dem Thema Obdachlosigkeit in einer ganz besonderen Art und Weise widmet!

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Schwer auszuhalten

Die Namen
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In ihrem Debüt "Die Namen" geht Florence Knapp der interessanten Frage nach, ob sich unsere Vornamen auf unser weiteres Leben auswirken.

Gordon ist ein erfolgreicher und angesehener Arzt. Und endlich ...

In ihrem Debüt "Die Namen" geht Florence Knapp der interessanten Frage nach, ob sich unsere Vornamen auf unser weiteres Leben auswirken.

Gordon ist ein erfolgreicher und angesehener Arzt. Und endlich kommt der Familienzuwachs. Eine Tochter Maia hat erschon, jetzt ist der Sohn da. In seiner Familie ist es Tradition, dass der Sohn den Vornamen des Vaters trägt. Seine Ehefrau Cora würde den Sohn lieber Julian nennen, die kleine Maia bevorzugt den Namen Bear.

Aus den drei Perspektiven Bear, Julian und Gordon erleben wir in Zeitsprüngen von jeweil sieben Jahren von 1987 bis 2022 das Leben der Söhne mit den unterschiedlichen Namen. Die Schwester Maia ist die Konstante und begleitet uns durch alle Ebenen. An manchen Stellen des Romans zeigt sich die Vergangenheit erst im Nachhinein, was aber den Lesefluss nicht stört. Der Autorin ist hier ein Eperiment gelungen, das mich sehr beeindruckt hat. Der Vater spielt in diesem Gedankenexperiment eine nicht unerhebliche Rolle. Er ist extrem gewalttätig, manipulativ und schreckt vor nichts zurück. Vor allem diese sehr dicht beschriebenen Handlungen und deren Auswirkungen auf das Leben der ganzen Familie haben mich bei der Lektüre oft tief schlucken lassen.

Die Gewalt von Misshandlungen und Manipulationen der Kinder bis zum Femizid ist äußerst drastisch und bildhaft beschrieben, was für empfindliche oder vorbelastete Lesende den Roman sicherlich kaum oder überhauptnicht aushaltbar macht. Daher wäre eine Triggerwarnung (und das am Anfang des Romans oder im Klappentext) unbedingt angebracht gewesen. Ich bin eigentlich kein Fan von Triggerwarnungen, hier wäre sie nötig. Daher gibt es auch einen Punkt Abzug.

Ein empfehlenswerter und gut durchdachter Roman mit einer schweren Thematik, dem ich MIT Triggerwarnung auch fünf Sterne gegeben hätte.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Mit ein paar Längen, aber trotzdem interessant

Wo der Wind die Namen trägt
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"Wo der Wind die Namen trägt" von Anja Jonuleitist ein Roman über die Nachkriegszeit, der in großen Teilen den Tatsachen entspricht. Deshalb unbedingt das Nachwort lesen! Ich habe den Roman als Hörbuch ...

"Wo der Wind die Namen trägt" von Anja Jonuleitist ein Roman über die Nachkriegszeit, der in großen Teilen den Tatsachen entspricht. Deshalb unbedingt das Nachwort lesen! Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, gesprochen von Ruth Reinecke;, Tessa Mittelstaedt und Monika Oschek.

2023: Inge Sundermann ist 85 Jahre alt und erhält die Einladung zu einem Klassentreffen. Widerwillig kehrt sie nach langer Zeit in ihre Heimat in der Lüneburger Heide zurück. Sie hat große Teile ihrer Vergangenheit verdrängt, die sie jetzt durch Aufzeichnungen von Helga von Borcke wieder einholen. Helga hat bereits 1946 damit begonnen, eine Chronik der Gegend aufzuschreiben, dazu Menschen aus der Gegend befragt.

In einem zweiten Zeitstrang begleiten wir Inge als 8-jähriges Mädchen. Sie findet auf dem Weg zum Geigenunterricht eine Leiche. Eine junge Frau ist ermordet worden. Erst jetzt auf der Reise in ihre eigene Vergangenheit wird Inge klar, was damals passiert ist, was vertuscht wurde und dass die damaligen Seilschaften auf viel später noch fest in der Gesellschaft verankert sind.

Anja Joneleit hat den fiktiven Roman gut recherchiert. In ihrem Nachwort finden wir genaue Angaben darüber und können daher genau zwischen Tatsache und Fiktion unterscheiden. Der Roman ist aus drei Perspektiven beschrieben: Inge als Kind, Inge als alte Frau und Helga, die in der damaligen Zeit recherchiert. Durch diese wechselnden Perspektiven bleibt der Roman durchgängig spannend. Die Sprache ist leicht verständlich, die Gefühle der Protagonist*innen sind nachvollziehbar. Die kleine Inge, die noch nicht versteht, was um sie herum geschieht, daneben aber auch Helga und ihre Recherchen, die einerseits sehr offen Auskunft bekommt, auf der anderen Seite aber auch gegen Mauern aus Schweigen stößt. Mit einem Teil der Auflösung gegen Ende des Romans habe ich tatsächlich nicht gerechnet.

Am Anfang bin ich etwas schwer in die Geschichte gekommen, zwischendurch gab es ein paar Längen. Der Roman hätte gut etwas gekürzt werden können, ohne der eigentlichen Handlung zu schaden. So wurden mir z.B. die Wege zwischen den einzelnen Dörfern immer wieder und sehr ausführlich (nur aus unterschiedlichen Perspektiven) beschrieben, was meinen Hörfluss etwas gehemmt hat. Die Sprecherinnen sind gut und bringen Abwechslung in das Gehörte.

Ich kann den Roman auf jeden Fall weiter empfehlen, da er deutlich aufzeigt, dass "Nie wieder ist jetzt" so wichtig ist. Wegen der von mir empfundenen Längen bekommt der Roman von mir allerdings "nur" 4 Sterne.

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