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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2026

Drei Frauen, drei Wege, eine Heimat

Die Riesinnen
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Der Roman Die Riesinnen von Hannah Häffner, erschienen im Februar 2025 im Penguin Verlag, erzählt auf 416 Seiten die Geschichte von drei Generationen von Frauen in Wittenmoos, einem Ort im Schwarzwald.

Die ...

Der Roman Die Riesinnen von Hannah Häffner, erschienen im Februar 2025 im Penguin Verlag, erzählt auf 416 Seiten die Geschichte von drei Generationen von Frauen in Wittenmoos, einem Ort im Schwarzwald.

Die Handlung beginnt in den 1950er-Jahren mit Liese, die in einer unglücklichen Ehe mit ihrem Mann Bernhard lebt. Statt Zuneigung erfährt sie vor allem Ablehnung, auch von den Dorfbewohnern, die sie aufgrund ihrer Größe und ihrer roten Haare zur Außenseiterin machen. Immer wieder denkt sie darüber nach, ihren Mann und den Ort zu verlassen, doch die gesellschaftlichen Umstände jener Zeit lassen ihr kaum Handlungsspielraum. Umso beeindruckender ist ihre Entwicklung. Nach einem schweren Schicksalsschlag beginnt sie, für sich und ihre Tochter Cora einzustehen, wächst über sich hinaus und gewinnt zunehmend an Selbstständigkeit.

Cora hingegen fühlt sich im Schwarzwald lange Zeit eingeengt. Sie möchte reisen, die Welt entdecken und sich nicht den Erwartungen ihres Umfelds beugen. Konventionen lehnt sie bewusst ab, und es ist ihr gleichgültig, was andere über sie denken. Dennoch führt ihr Lebensweg sie schließlich zurück nach Wittenmoos – insbesondere, als sie ungeplant schwanger wird.

Evas Geschichte bildet die dritte Perspektive. Im Gegensatz zu ihrer Mutter liebt sie das Leben im Schwarzwald, vor allem die Nähe zur Natur. Auch wenn Cora sie dazu drängt, die Heimat zu verlassen, verspürt Eva keinen Wunsch nach einem Leben in der Ferne. Stattdessen findet sie ihren eigenen Weg – und letztlich auch ihr Glück – genau dort, wo sie sich am wohlsten fühlt.

Der Roman überzeugt durch seine ruhige, atmosphärische Erzählweise. Ohne große Dramatik entfaltet sich das Leben dieser drei Frauen, und gerade dadurch entsteht eine besondere Nähe zu den Figuren. Man fühlt mit ihnen, bewundert ihre Stärke und ihren Zusammenhalt. Die Riesinnen ist eine klare Leseempfehlung für alle, die vielschichtige Familiengeschichten und leise, aber eindringliche Erzählungen schätzen.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Volltreffer für junge Fußballfans

Fußball Academy 7: Ein wahres Wunder
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Im siebten Band der Reihe Fußball Academy steht vor allem Yao im Mittelpunkt, ein Schüler aus Ghana. Besonders gut hat uns gefallen, dass wir dabei Einblicke in die Kultur und die Gebräuche seines Heimatlandes ...

Im siebten Band der Reihe Fußball Academy steht vor allem Yao im Mittelpunkt, ein Schüler aus Ghana. Besonders gut hat uns gefallen, dass wir dabei Einblicke in die Kultur und die Gebräuche seines Heimatlandes bekommen. Ein bestimmter Gegenstand erhält dabei für ihn eine ganz besondere Bedeutung, was die Geschichte zusätzlich bereichert.
Auch die anderen Figuren stammen aus unterschiedlichen Ländern, was die Vielfalt der Charaktere unterstreicht und einen schönen Eindruck davon vermittelt, wie unterschiedlich Menschen und Hintergründe sein können. Besonders witzig fanden wir Fiete, der die Angewohnheit hat, ständig mit vollem Mund zu sprechen.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das Buch sowohl Mädchen als auch Jungen anspricht. In den Teams spielen beide Geschlechter – sowohl getrennt als auch gemeinsam. Das zeigt auf schöne Weise, dass Fußball eine Sportart für alle ist. Zudem wird der Teamgeist großgeschrieben: Die Spielerinnen und Spieler feuern sich gegenseitig an und unterstützen sich, auch wenn ein Spiel einmal nicht so läuft wie erhofft.
Wir würden jederzeit wieder zu einem Buch aus dieser Reihe greifen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Wenn dich die Vergangenheit tödlich einholt

Nordlicht - Das fremde Gesicht
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In Band 7 der Krimireihe wird Kommissarin Vibeke Boisen zu einem Todesfall auf einem Gestüt gerufen. Kurz darauf werden weitere Opfer entdeckt – auch im angrenzenden Dänemark. Alle sind qualvoll erstickt, ...

In Band 7 der Krimireihe wird Kommissarin Vibeke Boisen zu einem Todesfall auf einem Gestüt gerufen. Kurz darauf werden weitere Opfer entdeckt – auch im angrenzenden Dänemark. Alle sind qualvoll erstickt, weshalb die Ermittlungen grenzübergreifend in einem Team stattfinden, das bereits in den vorherigen Bänden zusammengearbeitet hat.
Ihr Kollege Rasmus Nyborg übernimmt die Ermittlungen auf dänischer Seite. Während der Suche nach dem Täter wird er jedoch immer wieder von seinen privaten Problemen eingeholt. Die ungeklärten Umstände rund um den Tod seines Sohnes Anton belasten ihn schwer, sodass er parallel zum aktuellen Fall nach Antworten sucht.
Obwohl ich keinen der vorherigen Bände kannte, hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, wichtige Informationen zu vermissen. In der Printausgabe finden sich hilfreiche Hintergrundinformationen zu den beiden Kommissaren, und auch im Verlauf der Handlung werden relevante Details geschickt eingeflochten.
Der Krimi wird abwechselnd aus der Perspektive von Vibeke und Rasmus erzählt, wodurch man nicht nur spannende Einblicke in die Ermittlungsarbeit erhält, sondern auch in ihr Privatleben und ihre Gefühlswelt. Der Einstieg gelingt sofort, da der erste Mordfall ohne lange Einführung präsentiert wird. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen.
Zwischendurch sorgen Rückblicke für zusätzliche Spannung und lassen erahnen, dass ein Ereignis vor etwa zehn Jahren die Opfer miteinander verbindet. Die Geschichte bleibt durchgehend packend, und das Ende kam für mich überraschend – trotz eigener Theorien während des Lesens.
Ich kann das Buch uneingeschränkt allen Fans von Kriminalromanen empfehlen, die zudem den norddeutsch-dänischen Flair schätzen.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Hinter der perfekten Fassade

Bullshit mit Blümchenkleid
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Anhand konkreter Beispiele führt Barbara Haas die Leser:innen in die Welt der sogenannten Tradwives ein. Im Fokus stehen drei Frauen, die ihren Lebensstil auf Instagram und TikTok inszenieren und vermitteln, ...

Anhand konkreter Beispiele führt Barbara Haas die Leser:innen in die Welt der sogenannten Tradwives ein. Im Fokus stehen drei Frauen, die ihren Lebensstil auf Instagram und TikTok inszenieren und vermitteln, dass Frauen in der klassischen Rolle als Hausfrau und Mutter Erfüllung finden und dem Stress des Berufslebens entkommen können.
In klaren und ehrlichen Worten zeigt die Autorin jedoch, dass dieses Bild eine Illusion ist. Sie legt dar, wie ein solcher Lebensstil in Abhängigkeit, Altersarmut und den Verlust von Selbstbestimmung führen kann.
Darüber hinaus beleuchtet das Buch die historische Entwicklung der Hausfrauenrolle, den Einfluss von Religion sowie die Funktion, die Tradwives in rechten Ideologien einnehmen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild, das unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffnet.
Besonders gelungen fand ich die zahlreichen Verweise auf Instagram-Profile, Podcasts, Glaubensgemeinschaften, politische Akteure und weiterführende Literatur. Sie ermöglichen es, sich auch über die Lektüre hinaus intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Insgesamt kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen. Lediglich gegen Ende wiederholen sich einige Erkenntnisse, ohne wesentlich neue Aspekte hinzuzufügen, weshalb ich hier kleine Abzüge machen würde.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein schwere Weg zurück ins Leben

Gin Boom
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Der Roman Gin Boom von Verena Titze hat mich mit vielen Gedanken zurückgelassen.

Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wegen eines Alkoholentzugs versucht Helena, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. ...

Der Roman Gin Boom von Verena Titze hat mich mit vielen Gedanken zurückgelassen.

Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wegen eines Alkoholentzugs versucht Helena, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. Dabei wird sehr deutlich, wie selbstverständlich Alkohol in unserer Gesellschaft verankert ist – sei es beim Anstoßen, zum Abschalten nach der Arbeit oder zur Auflockerung in sozialen Situationen.

Diese Allgegenwärtigkeit erschwert nicht nur Helena den Neuanfang, sondern auch ihrem Umfeld den Umgang mit ihr. Freunde und Kolleg:innen bemühen sich zwar, sie möglichst normal zu behandeln, wirken dabei jedoch oft unsicher oder genervt von der notwendigen Rücksichtnahme. Auch ihre Eltern erscheinen eher überfordert und sorgen sich vor allem um ihren gesellschaftlichen Ruf.

Die Gründe für Helenas Sucht werden vielschichtig dargestellt: der Druck im Job in einer PR-Agentur, die Erwartungen ihrer Eltern und der Wunsch nach Liebe und Anerkennung. All das wächst ihr zunehmend über den Kopf, sodass Alkohol und später auch Kokain für sie zu einem Ausweg werden – zumindest kurzfristig. Besonders eindrücklich fand ich auch die Darstellung ihres zweiten Klinikaufenthalts, bei dem deutlich wird, wie begrenzt Therapieplätze sind und dass oft nur diejenigen ausreichend Unterstützung erhalten, die als besonders erfolgversprechend gelten.

Auch wenn der Erzählstil stellenweise etwas sprunghaft ist und nicht jeder Handlungsstrang für mich notwendig gewesen wäre, hat mich das Buch sehr zum Nachdenken angeregt.

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