Familiengeschichte(n)
Wie Schiffe auf stürmischer SeeGrace kümmert sich um ihren dementen Vater. Der braucht seine Routinen, z. B. zum Einschlafen das Abspielen eines alten Seewetterberichts. Diese werden gefährlich aus der Reihe gebracht mit dem Auftauchen ...
Grace kümmert sich um ihren dementen Vater. Der braucht seine Routinen, z. B. zum Einschlafen das Abspielen eines alten Seewetterberichts. Diese werden gefährlich aus der Reihe gebracht mit dem Auftauchen eines jungen Mädchens, das behauptet die Tochter des auf See vermissten Bruders von Grace zu sein. Im Gepäck ein Photo, auf dessen Rückseite ein Datum steht, das er nach dem Untergang des Schiffes ihres Bruders liegt. Kann das möglich sein? Grace setzt sich mit Vater und vermeintliche Nichte in deren alten Bulli und macht sich auf die Suche.
Der Einstieg in den Roman gelingt gut, denn man findet sich schnell in Grace‘s schwieriger Situation ein: die Ehe gescheitert, einen Brotberuf mit Mühe in Übereinstimmung gebracht mit der Pflege des dementen Vaters, die so manche Herausforderung für Grace mit sich bringt, keine große Perspektive, immer zu wenig Zeit, zu wenig Geld und zu viel Erschöpfung.
Die Reise auf der Suche nach dem verschollenen Bruder, mit der die Perspektiven zwischen Grace und ihrem Bruder wechseln und die Story auf zwei Ebenen erzählt wird, macht die Geschichte auch spannend zu lesen. Denn natürlich will man wissen, ob es eine Chance gibt, dass der Bruder noch lebt, und wie es sein kann, dass er sich zu Hause nie gemeldet hat.
Grace und ihre bunt zusammengewürfelte Familie erleben dabei so einige Abenteuer, die sich dann allerdings zu wiederholen beginnen, weil sie zumeist mit der Demenz des Vaters und den damit verbundenen Schwierigkeiten zu tun haben. Daraus ergibt sich bisweilen eine Situationskomik, die ich der Ernsthaftigkeit des Themas nicht immer ganz angemessen finde, weil sie eher klamaukig als erheiternd wirkt. Eine nebenbei festgestellte Schwangerschaft soll kurz die Dramatik erhöhen. Aber das Ende finde ich dann ein wenig platt: zu viele Zufälle oder zu überbemühte Schicksalhaftigkeit lösen alles in eine Art Wohlgefallen aus. Und wenn es der eine Märchenprinz nicht wird, dann eben ein anderer. Selbst die Demenz scheint am Ende fast in Vergessenheit geraten zu sein.