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Veröffentlicht am 05.04.2026

Zwei Welten treffen aufeinander – ruhig, eindringlich und authentisch

Solange ein Streichholz brennt
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Die Erzählweise des Hörbuchs ist ruhig und klar, man geht sofort mit und taucht in die Geschichte ein. Die beiden Protagonisten werden von Robert Stadlober und Maria Wördemann gesprochen. Ihre Stimmen ...

Die Erzählweise des Hörbuchs ist ruhig und klar, man geht sofort mit und taucht in die Geschichte ein. Die beiden Protagonisten werden von Robert Stadlober und Maria Wördemann gesprochen. Ihre Stimmen passen perfekt zu den Figuren, unterscheiden sie klar voneinander und wirken weder überzogen noch künstlich. Dadurch wird man direkt in die jeweilige Lebensrealität hineingezogen, obwohl die Welten der beiden so unterschiedlich sind. Der Erzähler schafft es, die Geschichte lebhaft und authentisch zu vermitteln, ohne dass die Lesegeschwindigkeit zu schnell oder zu langsam wirkt.

Die Geschichte selbst behandelt ein sehr relevantes Thema: wie ein Leben aus den Fugen gerät, hier konkret Obdachlosigkeit, wie es dazu kommt und wie unsere Gesellschaft damit umgeht bzw. oft wegschaut. Die Begegnung zwischen dem Obdachlosen Bohm und der jungen Journalistin Alina, die zunächst ehrgeizig ist, aber am System zu zweifeln beginnt, ist sehr eindringlich dargestellt. Auch die Medienlandschaft wird reflektiert, ihre Härte und Oberflächlichkeit, die Menschen kaputtmachen kann, wird auf eine ruhige, authentische Weise ohne erhobenen Zeigefinger gezeigt. Die Herkunft spielt dabei immer eine Rolle und beeinflusst die Wahrnehmung und Handlungsoptionen der Figuren subtil, aber deutlich.

Der Erzählfluss des Hörbuchs ist hervorragend, man möchte es kaum aus der Hand legen. Das Tempo ist perfekt, es gibt keine Längen, und selbst der Wechsel von Kapiteln wird durch die Sprechweise ausgeglichen, sodass alles sehr flüssig wirkt. Die Länge ist genau richtig, die Geschichte packend erzählt und die Balance zwischen Spannung und Reflexion stimmt.

Besondere Elemente wie Musik oder Soundeffekte werden hier nicht verwendet, was der Klarheit und Authentizität der Erzählung zugutekommt. Die Stimmen der Sprecher tragen die Geschichte vollkommen, die Emotionen, Zwischentöne und Dynamik kommen dadurch sehr gut zur Geltung.

Insgesamt ist das Hörbuch ein intensives Erlebnis. Es bleibt berührend, ohne je rührselig zu werden, und regt zum Nachdenken an. Die Art und Weise, wie Autor und Sprecher zusammenarbeiten, schafft ein stimmiges und eindringliches Hörerlebnis, das die Kontraste zwischen Bohms und Alinas Leben, ihren Hoffnungen, Ängsten und Realitäten sehr gut einfängt.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Eine magische Reise in eine außergewöhnliche Welt

Der Nachtzirkus
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Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern hat mich von der ersten Seite an in eine ganz eigene, magische Welt entführt. Im Mittelpunkt steht ein geheimnisvoller Zirkus, der nur nachts seine Tore öffnet – ein ...

Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern hat mich von der ersten Seite an in eine ganz eigene, magische Welt entführt. Im Mittelpunkt steht ein geheimnisvoller Zirkus, der nur nachts seine Tore öffnet – ein Ort voller Wunder, Rätsel und verborgener Verbindungen, die sich nach und nach entfalten.

Besonders das Cover hat mich sofort angesprochen: das Zusammenspiel aus Schwarz-Weiß mit roten Akzenten wirkt edel und geheimnisvoll und spiegelt die Atmosphäre des Buches perfekt wider. Es vermittelt schon vor dem Lesen das Gefühl, in eine außergewöhnliche Welt einzutauchen.

Die Geschichte selbst ist unglaublich detailreich und mit viel Liebe gestaltet. Der Zirkus wird so lebendig beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst durch die Zelte zu schlendern. Der Schreibstil passt dabei hervorragend: Er ist bildhaft, atmosphärisch und schafft es, die komplexe Welt greifbar zu machen. Ich bin gut in die Handlung hineingekommen und konnte das Buch irgendwann kaum noch aus der Hand legen.

Die Figuren entwickeln sich mit der Zeit und wachsen einem immer mehr ans Herz. Anfangs braucht es einen Moment, um sich zu orientieren, aber genau das macht die Entwicklung umso intensiver. Ihre Beweggründe und Gefühle sind nachvollziehbar und authentisch dargestellt, und auch die verschiedenen Zeitebenen haben mir gut gefallen.
Für mich ist dieses Buch etwas ganz Besonderes, weil es einen vollständig in seine Welt eintauchen lässt, ohne dabei zu überladen zu wirken. Gerade die Zirkus-Thematik hat mich total begeistert und wird hier auf eine ganz besondere Weise umgesetzt. Auch die deutsche Übersetzung ist sehr gelungen und trägt viel zur Atmosphäre bei.

Fazit: Eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich gerne verzaubern lassen und in eine einzigartige, magische Welt eintauchen möchten. Ein Buch, das noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Mutterschaft als zentrales Thema – eindringlich und klug erzählt

Niemands Töchter
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„Niemandes Töchter“ ist ein Roman, der Mutterschaft in all ihren Ambivalenzen beleuchtet. Judith Hoersch erzählt von vier Frauen, deren Lebenswege über verschiedene Zeiten hinweg miteinander verbunden ...

„Niemandes Töchter“ ist ein Roman, der Mutterschaft in all ihren Ambivalenzen beleuchtet. Judith Hoersch erzählt von vier Frauen, deren Lebenswege über verschiedene Zeiten hinweg miteinander verbunden sind. Im Zentrum stehen Mutter-Tochter-Beziehungen und die langfristigen Auswirkungen weiblicher Entscheidungen.

Besonders beeindruckend ist, wie differenziert die Autorin Verantwortung, Schuld und Schutz thematisiert. Die Darstellung der 1980er-Jahre verleiht dem Roman zusätzliche gesellschaftliche Tiefe, insbesondere im Hinblick auf weibliche Selbstbestimmung.

Die Perspektivwechsel sind klar nachvollziehbar, der Schreibstil ruhig, intensiv und emotional dicht. Die Geschichte entfaltet eine starke Sogwirkung und wirkt lange nach.

Ein Roman, der Mutterschaft nicht romantisiert, sondern vielschichtig und ehrlich beleuchtet. Ich freue mich schon sehr auf weitere Werke von Judith Hoersch.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Wenn Wut Flügel bekommt – Jugendbuch, das bewegt

Der Scherbenpalast
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Als Lou ungefragt mit ihrer Familie von Hamburg nach Mannheim zieht, fühlt sie sich völlig entwurzelt. Ihre Wut auf die Welt und die provokanten Ausbrüche gegen alles und jeden spiegeln eindrucksvoll die ...

Als Lou ungefragt mit ihrer Familie von Hamburg nach Mannheim zieht, fühlt sie sich völlig entwurzelt. Ihre Wut auf die Welt und die provokanten Ausbrüche gegen alles und jeden spiegeln eindrucksvoll die Gefühle vieler Jugendlicher wider, die plötzlich vor Veränderungen stehen. Scherbenpalast von Annette Mierswa zeigt dabei sehr authentisch, wie Lou langsam erkennt, dass sie selbst Verantwortung für ihr Glück übernehmen kann.

Besonders beeindruckend ist, dass das Buch aus der Sicht eines Mädchens erzählt wird. Es behandelt verschiedene Familienkonstellationen und Kulturen und verbindet so Generationen und Lebensrealitäten miteinander. Themen wie Verlust, Verlustängste und der Umgang mit schwierigen Gefühlen werden feinfühlig vermittelt. Ein weiterer, sehr wertvoller Aspekt ist die Kraft der Natur: Lou schöpft daraus Halt und Stärke, was gerade für Jugendliche, die sich unverstanden fühlen oder düstere Gedanken haben, ein wichtiger Bezug ist.

Scherbenpalast ist ein Jugendbuch, das man auch als Erwachsener gerne liest. Es regt zum Nachdenken an, schafft Verständnis für junge Menschen und zeigt, wie man auf Veränderungen reagieren kann. Eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Ein warmherziges Coming-of-Age über Freundschaft und Mut

Helle Sommer
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Helle Sommer ist ein wunderbar einfühlsames Coming-of-Age, das das Aufwachsen und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens authentisch und berührend schildert. Im Mittelpunkt steht eine tiefe Freundschaft, ...

Helle Sommer ist ein wunderbar einfühlsames Coming-of-Age, das das Aufwachsen und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens authentisch und berührend schildert. Im Mittelpunkt steht eine tiefe Freundschaft, die trotz großer Unterschiede vieles überdauert – eine Freundschaft, die Mut macht, trägt und Halt gibt.
Die weibliche Hauptfigur beeindruckt durch ihre Tapferkeit: Sie erträgt viel, kämpft sich durch schwierige Zeiten und hält dabei stets den Kopf hoch. Es ist schön und zugleich tragisch, mitzuerleben, wie sie und ihre Freundin gemeinsam wachsen, sich entwickeln und ihren Platz in der Welt finden.
Die Geschichte verbindet bekannte Motive des Coming-of-Age-Genres – Selbstfindung, Freundschaft, Mut und das Überwinden von Widrigkeiten – auf eine sehr authentische und tiefgründige Weise. Sophie Astrabie gelingt es, mit viel Herz und Fingerspitzengefühl eine Geschichte zu erzählen, die nachklingt und zum Nachdenken anregt.
Für alle, die Geschichten über Freundschaft, Mut und das Erwachsenwerden lieben, ist Helle Sommer eine sehr große Leseempfehlung.

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