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Veröffentlicht am 13.04.2026

Der Versuch die Leere zu füllen

Half His Age
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Wer ist Waldo? Die mit der Teenager-Mutter, die aus dem Trailerpark, die mit dem Schreibtalent oder die, die eine geheime Affäre mit ihrem doppelt so alten verheirateten Lehrer anfängt?
Waldo ist all das, ...

Wer ist Waldo? Die mit der Teenager-Mutter, die aus dem Trailerpark, die mit dem Schreibtalent oder die, die eine geheime Affäre mit ihrem doppelt so alten verheirateten Lehrer anfängt?
Waldo ist all das, aber auch so viel mehr. In diesem Buch erzählt sie ihre Geschichte aus ihrer Sicht.
Wir lernen Auszüge aus ihrer Kindheit kennen, ihre Beziehungen zu Freunden und ihrer Mutter, aber im Fokus steht natürlich die verbotene Beziehung zu ihrem Lehrer.

Zunächst hat mir der Schreibstil echt gut gefallen. Kurze Kapitel mit wechselnden kleinen Szenen halten die Aufmerksamkeit hoch und erleichtern den Lesefluss noch zusätzlich. Waldo hat immer wieder beeindruckend kluge Gedanken und Beobachtungen, die sich in tollen Zitaten widerspiegeln.
Sie drückt sich durch das Schreiben aus, verliert sich aber gleichzeitig auch schnell in eher negativen Formen des Leere Füllens.
Auf der Suche nach einer echten Verbindung und Anerkennung findet sie zu ihrem Lehrer und immer wieder lässt sich gut rauslesen, wie die Erlebnisse ihrer Kindheit ihr Verhalten geprägt haben.
Die Charakterdarstellung von Waldo fand ich dadurch echt gut gelungen, ich konnte zwar nicht mitfühlen, aber ihre Gefühle irgendwie nachvollziehen.
Als Erzählerin hat sie auch eine freche, aber gleichzeitig verletzliche Art, was ich sehr authentisch fand.

Das Thema der Affäre hingegen ist ja eher schwierig und nicht wirklich leicht zu verdauen, gerade wenn man Waldo als Charakter besser kennenlernt.
Man kann nicht mit ihr mitfiebern und hoffen, dass ihr "Auserwählter" sich meldet, weil diese ganze Beziehung einfach so falsch ist.
Auch werden oft recht explizite und teils sehr seltsame Szenen eingebaut, die ich ein wenig überflüssig fand, da sie vermutlich nur den Schockfaktor erhöhen sollten.
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf hat mich das Buch aber auf seine ganz eigene Art unterhalten und zum Nachdenken gebracht.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Ende, Neubeginn und der Sommer dazwischen

Little Hollywood
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Wir befinden uns im Sommer von 1999: Leo hat gerade ihr Abi gemacht, nun bleibt ein letzter Sommer zwischen Kindheit und erwachsen werden, ein Sommer um zu entscheiden, wo das Leben sie hinführen soll.
Wir ...

Wir befinden uns im Sommer von 1999: Leo hat gerade ihr Abi gemacht, nun bleibt ein letzter Sommer zwischen Kindheit und erwachsen werden, ein Sommer um zu entscheiden, wo das Leben sie hinführen soll.
Wir als Leser dürfen sie in diesem Sommer begleiten, es ist nur eine Momentaufnahme ihres Lebens, was sich auch auf die ganze Erzählung auswirkt.
Statt ihre ganze Geschichte zu verfolgen erhalten wir nur einen kleinen Einblick, statt aufregenden Ereignissen und Spannung setzt die Autorin auf die Atmosphäre und zarte Gefühle.

Die Perspektive ist auf Leo als Ich-Erzählerin beschränkt, durch kluge Beobachtungen und Beschreibungen werden aber auch die Gefühle der Nebencharaktere gut dargestellt. Hiervon gibt es auch nur eine überschauliche Menge, sodass man sich besser auf ihre Beziehungen zu Leo fokussieren kann.
Besonders gut gefallen hat mir die langsame Entwicklung der Liebesgeschichte.
Es wurde sehr authentisch dargestellt, ohne es zu überstürzen oder künstliches Drama. Eine Sache war für mich jedoch ein wenig unnötig bzw. manchmal mochte ich die Aktionen der Charaktere nicht wirklich.
Dafür wurden verschiedene Beziehungen behandelt, zu den Eltern, zum Bruder und auch zu Freunden, was ich gerne gelesen und verfolgt habe.

Generell fand ich den Schreibstil sehr schön, manche Abschnitte habe ich auch doppelt gelesen und die Worte auf mich wirken lassen.
Auch der Nostalgie-Faktor wurde getroffen: Ich war zwar noch wesentlich jünger als die Protagonisten, aber habe sehr vieles aus der damaligen Zeit wiedererkannt und mich in das Lebensgefühl zurückversetzen können.
Dazu wurde die Thematik rund um Kinofilme passend in die Handlung eingebaut, stand aber nicht im Fokus.
Es gab zwischendurch mal manche Abschnitte, die sich ein wenig gezogen haben, insgesamt war es aber ein schönes nostalgisches Leseerlebnis mit einer Coming of Age Story.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Rückkehr nach Japan

Wiedersehen im Kamelienhaus
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Das Buch knüpft direkt an den ersten Band an und so befinden wir uns zusammen mit Lucy wieder auf der japanischen Insel Soshima.
Im Laufe der Geschichte erfahren wir, wie es mit der Kamelienölmanufaktur, ...

Das Buch knüpft direkt an den ersten Band an und so befinden wir uns zusammen mit Lucy wieder auf der japanischen Insel Soshima.
Im Laufe der Geschichte erfahren wir, wie es mit der Kamelienölmanufaktur, ihrer Freundin Lili, ihrer großen Liebe Finn und ihrer Familie in Frankreich weitergeht.
Diese Fortsetzung hat mir sogar noch besser gefallen als Band 1 - natürlich waren die Charaktere diesmal schon etwas vertrauter, aber auch neue Personen konnten von sich überzeugen.
Die Insel wird mit jedem Kapitel lebendiger: Zusammen mit Lucy erkundet man die Natur und abgelegene Ecken, die wirklich schön beschrieben wurden, während man gleichzeitig aber auch immer mehr der Einwohner kennenlernt.
Jeder dort hat seine eigene Geschichte, besondere Stärken und eine eigene Rolle im großen Ganzen. Ich habe die kleinen Erzählungen über die Nebencharaktere genauso gerne verfolgt wie die Hauptgeschichte. Diese sind nicht immer perfekt ausgearbeitet, jedoch hat mich das nicht sonderlich gestört.

Wie schon im ersten Teil mochte ich die Einbindung der japanischen (und französischen) Kultur sehr. Man merkt hier richtig, dass die Autorin viel recherchiert und dafür mit Japanern zusammengearbeitet hat. Die Feinheiten der Kultur, der Sprache und des Zusammenlebens werden authentisch dargestellt und fügen sich perfekt in den Lesefluss ein. Obwohl ich mich bereits gut mit der Thematik auskenne, konnte ich trotzdem auch noch einiges dazulernen.
Auch empfand ich es als positiv, dass nicht immer alles ganz rund läuft und Lucy nicht auf magische Weise einfach so Erfolg hat. Probleme werden durch harte Arbeit und kluge Strategien gelöst, sodass man auch einen schönen Einblick in den Betrieb einer Manufaktur erhält.
Manchmal kommt der Zufall jedoch trotzdem noch zur Hilfe, allerdings hielt es sich hier noch so im Rahmen, dass man drüber hinweglesen kann - vor allem da es ja auch ein Wohlfühlbuch ist.
In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf den nächsten Band!

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Gefangen im Leben

Die Dinner Party
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Franca führt ein angenehmes Leben: Ihr Verlobter ist vermögend, sie planen ihre Hochzeit, sie muss nicht arbeiten gehen, nur für ein paar Gäste der Dinner Party kochen. Doch unter dem schönen Schein brodelt ...

Franca führt ein angenehmes Leben: Ihr Verlobter ist vermögend, sie planen ihre Hochzeit, sie muss nicht arbeiten gehen, nur für ein paar Gäste der Dinner Party kochen. Doch unter dem schönen Schein brodelt so einiges und ihr schickes Anwesen entpuppt sich mehr und mehr als goldener Käfig...
Dieses Buch ist alles andere als einfach. Zwischendurch musste ich es immer wieder mal weglegen und das Ende auch erstmal eine Weile sacken lassen.
Dabei ist der Schreibstil teilweise schon fast wie ein Sog, besonders wenn sich die Geschehnisse immer weiter zuspitzen. Zwischendurch gab es für mich jedoch auch vereinzelt mal kleinere Abschnitte, die sich etwas gezogen haben.

Insgesamt ist die Geschichte aber sehr atmosphärisch und geht mit jeder Seite mehr unter die Haut. Die Beschreibungen des Geschehens wirken überwiegend schon fast alltäglich, aber trotzdem hat man die ganze Zeit so ein unangenehmes Gefühl, das Grauen versteckt sich zwischen den Zeilen, ähnlich wie in einem ruhigen Horrorfilm.
Die Autorin schafft es wunderbar, Francas mentale Verfassung durch kleinste Dinge vertieft darzustellen, von Beschreibungen der Küchengeräte hin zu teilweise fast verstörenden Szenen.
Berührende Gedanken und Situationen wechseln sich ab mit unangenehmen Schilderungen, immer besteht viel Raum für eigene Interpretationen.

Wirklich sympathisch war mir dabei keiner der Charaktere so wirklich, nur mit Franca habe ich später doch etwas mitgelitten. Die Charakterisierungen waren jedoch durchaus authentisch und man konnte sich die Personen alle sehr gut vorstellen.
Jeder trägt sein eigenes Päckchen mit sich rum, jeder spielt eine Rolle, und es ist erschreckend und befreiend zugleich zu lesen, wie sich das im Laufe des Abends immer weiter auflöst.
Manche kleineren Überraschungen fand ich gut gelungen, ein größerer Plottwist hat mich sehr überrascht, jedoch im Nachhinein irgendwie nicht so ganz überzeugen können.
Ein Buch voller wichtiger Themen, das einen nachdenklich und ein wenig aufgewühlt zurücklässt.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Spannender Themenmix

We Who Will Die
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Den Beginn der Geschichte hat man in ähnlicher Form vermutlich schon oft gelesen: Bruder oder Schwester der Protagonistin sind in tödlicher Gefahr, daher opfert sie sich selbst oder geht einen gefährlichen ...

Den Beginn der Geschichte hat man in ähnlicher Form vermutlich schon oft gelesen: Bruder oder Schwester der Protagonistin sind in tödlicher Gefahr, daher opfert sie sich selbst oder geht einen gefährlichen Handel ein, um ihn/sie zu retten.
Protagonistin Arvelle landet hier in einem Wettbewerb voller brutaler Arenakämpfe, die sie gewinnen muss, um anschließend den grausamen Imperator töten zu können. Irgendwie an ihrer Seite: Zwei Vampire, mit ihren ganz eigenen Motiven und Geheimnissen.

Hier wird das Rad nicht neu erfunden, viele der Tropes und Handlungselemente sind wohlbekannt, allerdings fand ich den Mix dann doch ganz interessant: Ein Setting wie in Gladiator mit Kolosseumskämpfen, aber dazu noch Vampire - und Magie!
Das Magiesystem hat mir hierbei überraschend gut gefallen, es wird immer wieder kurz erklärt bzw. weiter ausgebaut, ohne dabei zu kompliziert zu werden.
Passend dazu gibt es auch noch Götter, Religion und Fantasiekreaturen wie Zentauren und Greife.
Die Kämpfe und Prüfungen waren auch ganz spannend, kamen aber etwas unerwartet und teilweise plötzlich.

Den Schreibstil allgemein fand ich sehr angenehm, was auch seinen Teil dazu beigetragen hat, dass ich das Buch teilweise kaum aus der Hand legen konnte. Man fliegt durch die Seiten und kann dabei herrlich in diese Welt abtauchen und mitfiebern.
Arvelle als Protagonistin war mir ebenfalls sympathisch, sie kämpft nicht nur stark gegen die Herausforderungen der Gegenwart, sondern auch gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit.
Dagegen hätte ich mir jedoch ein wenig mehr Tiefe bei einigen Nebencharakteren gewünscht, die interessant wirkten. Generell gab es zeitweise sehr viele Namen und einige davon konnte ich mir absolut nicht merken, hier wäre eine Übersicht nicht schlecht gewesen.
Wer gerne Romantasy liest, wird hier auf jeden Fall auch auf seine Kosten kommen, auch wenn manches etwas bekannt wirkt.

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