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Veröffentlicht am 06.04.2026

Fulminant bis zum Schluss

Eine Maus namens Merlin
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Beziehungsweise gerade da, denn wie in einer Oper braut sich hier alles, was für den Abschluss des Romans eine Bedeutung hat, schrittweise zusammen, um sich dann am Ende mit einem riesigen Knall ...

Beziehungsweise gerade da, denn wie in einer Oper braut sich hier alles, was für den Abschluss des Romans eine Bedeutung hat, schrittweise zusammen, um sich dann am Ende mit einem riesigen Knall über den Leser zu ergießen.

Wobei dies eine ruhige, ja stille Geschichte ist und zwar bis zum Schluss, obwohl ganz schön was los ist, aber eigentlich geht es um Gedanken, Gefühle, Stimmungen und Erinnerungen.

Im Mittelpunkt des Romans steht die 83jährige Helen Cartwright, die nach langen Jahren in Australien in ihre Heimat, einen kleinen Ort im südlichen England zurückgekehrt ist. Eines Tages trifft sie auf eine Maus - und nichts ist mehr wie es war.

Ein Roman, der von Überraschungen lebt und zwar von solchen, die wirklich überraschen, die man auf keinen Fall hätte voraussehen können. Einen kleinen Abzug gebe ich für die Langatmigkeit und den etwas zu langsamen Handlungsaufbau im deutlich längeren ersten Teil - doch was dann geschieht, macht alles wieder wett. Vor allem beweist der Autor ein gutes Händchen für die Darstellung seiner Protagonisten - sie wirken absolut glaubwürdig.

Hier überwiegt ganz klar das Positive und so werde ich das Buch sicher desöfteren verschenken!

Veröffentlicht am 22.03.2026

Ein Märchen aus uralten Zeiten?

Der Fährmann
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Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die ...

Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die Handlung vollzieht. Doch das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch!

Zunächst begegnen wir den Mädchen Elisabeth und Annemarie im Kindesalter, sie sind beste Freundinnen und stehen füreinander ein. Der dritte im Bunde ist Hannes, bei dem sich schon in jungen Jahre folgendes abzeichnet: er wird einmal der absolute Mädchenschwarm, genau genommen ist er das ja schon. Und es steht jetzt schon fest, dass er, als jüngerer Bruder, seinem Onkel in den Beruf des Fährmannes, der quasi immer im Dienst ist, folgt. Und da darf man nicht heiraten.

Schon bald wachsen die Kinder heran und Klassenunterschiede zeichnen sich ab. Elisabeth ist die Tochter eines wohlhabenden Bauern, sie soll Josef heiraten, der einen entsprechenden Hof erbt. Und das, obwohl Hannes und sie schon seit Kindestagen nur Augen füreinander haben. Josef hat aber auch nach der Hochzeit einen großen Appetit auf Frauen und schnappt sich Wirtstochter Annemie, wann immer ihm danach ist. Die beiden jungen Frauen entfremden sich voneinander und haben auch nur noch wenig Kontakt zu Hannes , bis... ja, man darf gespannt sein!

Mich hat hier vor allem die Sprache in den Bann gezogen, die voller Symbolik und Vergleichen und Begriffen aus der Natur ist. Auch das Flüsschen Salzach spielt eine wichtige Rolle im Buch und wirkt stellenweise, als wäre es auch eine Figur. Ebenfalls hervorzuheben ist die Darstellung der Frauen - die Handlung ist zwar im frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, doch sind die Frauen hier teilweise mit Attributen der Gegenwart ausgestattet, so dass sie uns Lesern im 21. Jahrhundert nicht allzu fremd sind!

Kraftvoll und eindringlich, so empfand ich diesen Roman, der leider viel zu rasch zu Ende war!

Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine Ermittlung der besonderen Art

Noch fünf Tage
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Denn es ermittelt eine Todgeweihte! Dennoch ist dieser Fall nicht nur spannend, sondern auch witzig und überaus unterhaltsam!

Berichtet wird aus der Perspektive der Spitzenköchin Lis Castrop, die - obwohl ...

Denn es ermittelt eine Todgeweihte! Dennoch ist dieser Fall nicht nur spannend, sondern auch witzig und überaus unterhaltsam!

Berichtet wird aus der Perspektive der Spitzenköchin Lis Castrop, die - obwohl geistig noch sehr agil - auf dem Totenbett liegt. Ihr bleiben noch die im Titel erwähnten fünf Tage.

Was ist passiert? Eine reiche Familie wurde vergiftet - Vater, Mutter und zwei Kinder - und ist nicht mehr. Wie konnte das geschehen. Lis, die Köchin der Familie, die ebenfalls vergiftet wurde, bei der der Tod jedoch erst nach fünf Tagen eintreffen wird, versucht herauszufinden, wer es hätte sein können.

Dazu muss sie noch ihre Tochter Cosima unterbringen und vor allem - von ihrem baldigen Tod in Kenntnis setzen.

Einziges Szenario ist eine Luxusklinik in Davos, allerdings werden jede Menge Erinnerungen wach, die die Leser - ebenso wie die Protagonisten - an andere Orte versetzen.

Erstaunlich, dass ein so tragisches Sujet in mir eine solche Heiterkeit hervorrufen konnte - aber solche Dinge passieren ja nicht wirklich, sondern nur im Buch. Oder?

Veröffentlicht am 23.02.2026

Ein Werk ohne Abschluss

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Und zwar dahingehend, dass ein abgerundetes, klares Ende fehlt. Was auch kein Wunder ist, denn offener könnte eine Handlung nicht enden.

Was kein Wunder ist, geht es hier doch um Familiengeschichte ...

Und zwar dahingehend, dass ein abgerundetes, klares Ende fehlt. Was auch kein Wunder ist, denn offener könnte eine Handlung nicht enden.

Was kein Wunder ist, geht es hier doch um Familiengeschichte - Autorin Judith Hermann begibt sich nun schon zum zweiten Mal auf die Spuren der eigenen Ahnen und muss sich diesmal nicht nur im übertragenen Sinne warm anziehen. Sie begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters, der innerhalb der SS im polnischen Radom in den Aufbau und die Auflösung eines Ghettos eingebunden war.

Am Ende seiner Tage lebte er von der Familie getrennt und starb zudem einige Jahre vor der Geburt der Autorin - von ihrer Oma, die von ihm geschieden waren, hörte sie nichts, von ihrer Mutter auch nur wenig über ihn.

Es ist kein leichter Gang, den die Autorin auf sich nimmt - über ihn als Person, als Rädchen im Dritten Reich, weiß sie nur wenig und erfährt auch nicht allzu viel.

Dennoch bedeutet diese Lektüre für mich einen großen Gewinn, nimmt sie mich doch mit auf einen steinigen Weg, den viele von uns auf die eine oder andere Art gehen. Auch in meiner Familiengeschichte gibt es zahlreiche Fragezeichen, die größtenteils in Ausland führen, auch hier ist wenig Fassbares zu finden, zumal auch sie wie ich eine jüngere Schwester hat, mit der sie sich über ihrer beider Fragen austauscht - genau das ist auch bei uns gerade ein großes Thema.

Auf eine gewisse Art falle ich in ihre Geschichte wie in ein weiches Kissen - mit allen Wenns und Abers, Zweifeln und Fragestellungen fängt sie mich auf und ich fühle mich bestens verstanden.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Ein Universum der Sprachlichkeit

Schleifen
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Und der Mathematik noch dazu - oder ist eines nicht auch das andere? - hat Elias Hirschl geschaffen, in dem die Protagonisten Franziska Denk und Otto Mandl zu Hause sind. Oder sich dieses Zuhause erst ...

Und der Mathematik noch dazu - oder ist eines nicht auch das andere? - hat Elias Hirschl geschaffen, in dem die Protagonisten Franziska Denk und Otto Mandl zu Hause sind. Oder sich dieses Zuhause erst suchen (müssen).

Einen solch abwegigen und zugleich stimmigen Roman habe ich noch nie gelesen - Franziska Denk weist von Kind an Symptome einer jeden Krankheit auf, von der sie hört - sie lernt, sich durch Mittel der Sprache zu schützen. Sie kreiert eigene Sprachen, findet Follower - sowohl Freunde der Worte als auch Nonverbalisten und trifft durch Zufall auf Otto Mandl, der für einige Zeit ihr Lebensgefährte wird - in welcher Form genau, ist nicht so klar. Zudem ist Mandl auch - wie vormals sein Vater - ein Mathematiker ganz besonderer Art.

Ein fordernder, ein verwirrender Roman, in dem es auf eine wissenschaftliche Art und Weise ganz schön durcheinander geht. Oder ist dies gerade nicht wissenschaftlich? Klar ist, dass Autor Elias Hirschl eine gehörige Portion Phantasie und mindestens eine ebensolche an Humor aufbietet, um Protagonisten ebenso wie seine Leser von einer abstrusen Situation in die nächste zu katapultieren.

Ein sehr ungewöhnlicher Roman - ob der Autor die ganze Dauer seiner Entstehung in der von ihm geschaffenen Welt verbrachte? Ich kann es mir kaum anders vorstellen!